Die nur
dazu dienen, an den Menschen, die am sozialen Abgrund leben, noch ein
paar Euro mehr einzusparen, damit sich der Lohnabhängige, der im Akkord
drei Schichten schuftet, sich besser fühlen kann?
Ich will das verdeutlichen.
Da
spricht zum Beispiel ein René Springer von der Partei AfD Mitglied des
Deutschen Bundestages davon, dass Hartz-IV-Empfänger 449 € Regelsatz
bekommen plus Kosten der Unterkunft, plus Mehrbedarf. Da wäre man
schnell mal über 1000 € jeden Monat. So Springer.
Springer
weiter: Hartz-IV-Empfänger würden keine KiTa-Beiträge zahlen, keine
GEZ-Beiträge zahlen und auch keine Krankenversicherung. Selbst
Klassenfahrten für die Kinder werden vom Jobcenter übernommen. Davon
könne der Steuerzahler in Deutschland nur träumen. Die zahlen den
täglichen Weg zur Arbeit, KiTa-Beiträge für die Kinder, den
GEZ-Zwangsbeitrag, die Krankenversicherung und jetzt auch noch das
bedingungslose Grundeinkommen für die Ukrainer.
Die oben
genannten Zahlen sind richtig. Es wurde nicht gelogen. Die Frage, die
sich hier aber stellt, will man die Kosten für die Unterkunft nicht mehr
übernehmen? Im Raum Unterfranken z.B. wird eine Kaltmiete von nur 350 €
akzeptiert. (50 m2 Wohnfläche Singlehaushalt) Was darüber hinausgeht,
muss aus dem zugeteilten Regelsatz finanziert werden. Finden Sie mal
eine Wohnung in diesem Preissegment.
Will man Bedürftige nicht
mehr krankenversichern, wie das in den Vereinigten Staaten von Amerika
nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit der Fall ist? Gemeinnützig
organisierte Zahnärzte mieten in den USA große Hallen an und laden die
Menschen ein, die keinen Versicherungsschutz mehr haben, ihre Zähne
machen zu lassen. Das ist kein Witz. Wollen wir solche Verhältnisse auch
in Deutschland haben?
Auch der Mehrbedarf für kostenaufwendige
Ernährung für chronisch kranke Menschen, einfach abschaffen?
Schwangeren, alleinerziehenden Müttern, den Mehrbedarf einfach
streichen? Haben schwangere Frauen denn keinen Mehrbedarf bei der Geburt
ihres Kindes? Wussten Sie, dass Mütter, die auf der Hartz-IV-Galeere
angekettet sind, deren Kindergeld vom Hartz-IV-Satz abgezogen wird? Sie
bekommen de facto kein Kindergeld. Wussten Sie, dass diese Frauen auch
kein Elterngeld bekommen?
Ein Hartz-IV-Empfänger bekommt jeden
Monat 449 €, das ist richtig. Davon muss er seinen Strom finanzieren. Im
Regelsatz sind etwa 38 € für Strom vorgesehen. Mehr nicht! Die
Heizkosten, werden übernommen – das ist richtig, aber nur, wenn sie
angemessen sind. Wenn das Amt glaubt, dass hier zu viel Öl verbraucht
wurde, muss der Hartz-IV-Empfänger das aus eigener Tasche zahlen. Von
diesen 449 €, die dem Hartz-IV-Empfänger zugeteilt werden, muss das
komplette Leben bestritten werden, angefangen von Kleidung,
Hygieneartikel, Telefon, Bildung, Ernährung, Reparaturen usw.
Einem
Hartz-IV-Empfänger stehen monatlich 4,50 € für Frühstück, Mittag- und
Abendessen zur Verfügung plus 0,60 Eurocent für Getränke, laut
Regelbedarfszuteilung. Aus einer Erhebung des Forschungsinstituts für
Ernährung in Dortmund wurde berechnet, dass ein Erwachsener für einen
bescheidenen Ernährungsbedarf ca. 2200 kcal benötigt. Um diese
Kilokalorien einkaufen zu können benötigt man nicht 4,50 €, sondern
vielmehr 7,17 € pro Tag. Diese Erhebung stammt aus dem Jahr 2018, wir
schreiben heute das Jahr 2022. Allein bei diesem Zuteilungsposten hat
man Erwerbslose um die 80 € monatlich beschissen. Man stellt sie
knallhart unter Mangelernährung. Bei dieser Berechnung des
Ernährungsbedarfs fehlen noch die Getränke von 0,60 Eurocent - das sind
weitere 18 € die jeden Monat fehlen.
Kinder bekommen für ihren
Ernährungsbedarf gestaffelt nach Alter noch weniger. Mit 2,96 € pro Tag
sollen Hartz IV-Beziehende ihre Kinder bis zum sechsten Lebensjahr
gesund und vollwertig ernähren. Für 6- bis 14-Jährige sind es gerade
einmal 3,64 €. Gerade in der Entwicklungsphase ist eine gute Ernährung
für Kinder fundamental wichtig, damit sie sich physisch und psychisch
optimal entwickeln können. In diesem zugeteilten Bedarf für Kinder sind
die Getränke eingerechnet.
Es ist überhaupt nicht möglich aus
diesen 449 € auch noch Krankenversicherung, GEZ-Gebühren zu bezahlen,
geschweige denn KiTa-Beiträge usw. Nicht nur das, geht einem
Sozialleistungsempfänger seine Waschmaschine kaputt, ein Trockner, ein
Herd, eine Mikrowelle, also sprich weiße Ware, muss er diese aus dem
Regelsatz ansparen. Dafür sind im Regelbedarf 0,40 Eurocent monatlich
vorgesehen, also 4,80 € im Jahr.
Die günstigste Waschmaschine
kostet bei einem online Versandhändler 223,23 € zzgl. 29,99 €
Transportkosten. Das sind 253,22 €. Um eine solche Waschmaschine
anzusparen, müsste ein ALG II-Bezieher 52,78 Jahre lang ansparen. Wir
alle wissen, dass in allen technischen Geräten die sogenannte geplante
Obsoleszenz eingebaut wurde, das bedeutet, langlebig sind diese Geräte
nicht. Das sind jetzt nur ein paar wenige Beispiele, die aufzeigen, dass
von einer üppigen Alimentierung nicht gesprochen werden kann.
Es
muss endlich begriffen werden, dass die Hartz-IV-Reform nicht dazu
gedacht war, fast 6 Millionen Arbeitslose in Lohn und Brot zu bringen,
vielmehr ist diese Agenda geschaffen worden, um den Niedriglohnsektor um
ein Vielfaches zu vergrößern, sprich, die berechtigten
Anspruchsforderungen der Lohnabhängigen noch weiter ins Bodenlose zu
drücken. Dafür steht die Hartz-IV-Reform. Wenn bei den
Zuteilungsbedarfen noch weiter gekürzt wird, umso weniger wird bei den
lohnabhängig Beschäftigten ankommen - Stichwort hierfür
"Lohnabstandsgebot".
Das wird endlich mal zu begreifen sein. Der
immerwährende Vergleich, mit dem Rentner der noch weniger hätte als der
ALG II Bezieher - das ist falsch. Denn das Sozialhilfesystem, gewährt
jedem Menschen der unter dem Hartz IV Niveau fällt, Sozialhilfe. Das
Problem ist nur, dass die bürokratischen Hürden für ältere Menschen viel
zu hoch sind - viele schämen sich auch Sozialleistungen in Anspruch zu
nehmen. Man schätzt, dass einige Millionen ältere Menschen, die ein
Anspruch darauf hätten, darauf verzichten.
Ich sage Ihnen jetzt
was, würden wir jeden Hartz-IV-Empfänger erschießen, würde sich an den
Bedingungen der Lohnabhängigen nichts ändern. Rein gar nichts.
"Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten." Bertolt Brecht
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