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Donnerstag, 1. Januar 2026

Die Mont Pèlerin Society: Architekten der neoliberalen Ordnung

Was ist das?

Die Mont Pèlerin Society (MPS) ist eine 1947 in einem Schweizer Kurhotel gegründete Denkfabrik – das ideologische Nervenzentrum des Neoliberalismus. Was nach harmlosem Akademikertreffen klingt, ist in Wahrheit das einflussreichste wirtschaftspolitische Netzwerk der westlichen Welt.

Das Mantra – drei Worte, eine Agenda

Privatisierung. Steuersenkungen. Sozialstaatsabbau.

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern dokumentierte Strategie. Die MPS hat nie verheimlicht, was sie will: den Markt zum "absoluten Prinzip sozialer Organisation" erheben – und den Staat auf seine Kernfunktion als Eigentumsgarant reduzieren.

Die Methode: 30 Jahre Geduld

1947 war der Kapitalismus diskreditiert. Faschismus, Krieg, Weltwirtschaftskrise – die Menschen wollten Wohlfahrtsstaat und starke Gewerkschaften. Die MPS-Strategie: nicht die Massen überzeugen, sondern die Eliten infiltrieren.

Was sie aufgebaut haben:

  • 500 Denkfabriken weltweit (Heritage Foundation, Cato Institute, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft)
  • Gesponserte Lehrstühle und ganze Fakultäten (Chicago School of Economics)
  • Einen eigenen "Nobelpreis" – der Wirtschaftspreis der schwedischen Reichsbank ist kein echter Nobelpreis, wurde aber von MPS-nahen Kreisen installiert, um neoliberaler Ökonomie wissenschaftliche Weihen zu verleihen

Das Labor: Chile 1973

Unter Pinochets Diktatur testeten Milton Friedman und seine "Chicago Boys" das Programm erstmals in der Praxis. Das Ergebnis: Die Hälfte der Chilenen lebte nach Ende der Diktatur unter der Armutsgrenze – aber die Einkommen der Reichsten stiegen um 83 Prozent. Friedman bekam dafür den "Nobelpreis".

Deutschland: Vom Lambsdorff-Papier zur Agenda 2010

Das berüchtigte Lambsdorff-Papier von 1982 – Blaupause für den deutschen Neoliberalismus – wurde nicht von Lambsdorff geschrieben, sondern von Otto Graf Lambsdorff nur "korrekturgelesen". Verfasser: Otto Schlecht, 38 Jahre lang graue Eminenz im Wirtschaftsministerium. Und MPS-Mitglied.

Die Agenda 2010 unter Schröder war die konsequente Fortsetzung: Eine sozialdemokratische Regierung setzte durch, woran konservative Regierungen gescheitert wären.

Die Schuldenbremse: Neoliberalismus im Grundgesetz

James Buchanan, Erfinder der Schuldenbremse, war MPS-Mitglied. Seine Idee: Wenn der Staat kein Geld hat, kann er es nicht für Soziales ausgeben. Das "Diktat der leeren Kassen" ist kein Sachzwang – es ist Design.

Warum das gefährlich ist

Wir erleben hier keine Wirtschaftspolitik, die auf demokratische Mehrheiten reagiert. Wir erleben die Umsetzung einer Ideologie, die seit 75 Jahren systematisch in Institutionen, Medien und Köpfe eingesickert ist.

Die Übersetzung des Mantras in die Wirklichkeit:

  • Privatisierung = Geschäfte mit bettlägerigen Patienten
  • Steuersenkungen = kein Geld für Schulen
  • Sozialstaatsabbau = mehr arme Kinder und Rentner

Das Perfide: Die Architekten dieser Politik sitzen nie in der ersten Reihe. Sie schreiben die Papiere, die andere unterschreiben. Sie vergeben die Preise, die andere bekommen. Sie schaffen die "Sachzwänge", denen andere folgen.


"Warum erzählen Sie uns das so offen?" – "Weil Ihnen das sowieso keiner glauben wird."

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