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Samstag, 2. Mai 2026

Homöopathie – der Tod auf leisen Sohlen?

Was du wissen musst – in 30 Sekunden:

Bis zu 58.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an zugelassenen Medikamenten. 1,9 Millionen sind medikamentenabhängig. In Pflegeheimen werden über die Hälfte der Bewohner dauerhaft mit Psychopharmaka sediert – Fachleute sprechen von „chemischer Gewalt." Chemotherapie trägt laut einer Studie im Fachjournal Clinical Oncology nur 2,1 % zum 5-Jahres-Überleben bei Krebs bei. Aber der Spiegel erklärt Globuli zum Staatsfeind. Die Frage ist nicht, ob Homöopathie wirkt. Die Frage ist: Warum richtet sich die gesamte mediale Empörung gegen Zuckerkügelchen – und nicht gegen die dokumentierte Schadensbilanz der Pharmaindustrie?

Der Spiegel hat wieder zugeschlagen. Homöopathie soll nicht mehr von den Krankenkassen erstattet werden – ein „längst überfälliger Schritt", heißt es da. „Esoterik darf nicht staatlich alimentiert werden." Starke Worte. Klare Kante. Nur: gegen wen eigentlich?

Schauen wir uns doch einmal an, wogegen der Spiegel nicht kämpft.

Die Bilanz der zugelassenen Medizin

Laut Schätzungen aus der Pharmakologie und Patientensicherheitsforschung sterben in Deutschland bis zu 58.000 Menschen pro Jahr an unerwünschten Wirkungen verordneter, zugelassener Medikamente. Diese Zahl stammt aus der ADRED-Studie unter Leitung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und wird von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft gestützt. Das sind mehr Tote als durch den Straßenverkehr – so die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA).

1,9 Millionen Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig – Schätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und der ABDA. Das Bundesgesundheitsministerium geht sogar von 2,9 Millionen Menschen mit problematischem Medikamentenkonsum aus (Epidemiologischer Suchtsurvey 2021). Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Die Dunkelziffer ist hoch, die Behandlungsquote lächerlich niedrig: 163.000 Behandlungsfälle pro Jahr bei Alkoholabhängigkeit stehen gerade einmal 2.000 bei Medikamentenabhängigkeit gegenüber.

1,5 Milliarden Tabletten gegen die Traurigkeit

In Deutschland werden jährlich 1,5 Milliarden Antidepressiva-Tabletten verordnet. Das ist eine Versiebenfachung im Vergleich zu 1991 – bei nur geringfügig gestiegener Bevölkerungszahl. Die Quelle: die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP), Fachausschuss Psychopharmaka.

Und was hat diese Versiebenfachung gebracht? Weder sind die krankheitsbedingten Ausfälle wegen Depression gesunken, noch die Berufsunfähigkeitsanträge, noch die Berufsunfähigkeitsrenten. Die Pillen werden millionenfach geschluckt – die Depression bleibt. Geholfen hat es den Betroffenen nicht. Der Pharmaindustrie schon.

Chemische Gewalt in deutschen Pflegeheimen

Wer glaubt, das sei das Ende der Geschichte, sollte einen Blick in deutsche Pflegeheime werfen. Der AOK-Pflege-Report dokumentiert: Mehr als die Hälfte aller Heimbewohner erhalten regelmäßig Psychopharmaka. Ein Drittel der 800.000 Heimbewohner bekommt dauerhaft Antidepressiva. Von den Demenzkranken erhalten 43 Prozent dauerhaft Neuroleptika – Beruhigungsmittel, die laut medizinischen Leitlinien nur für eine kurze Therapiedauer von sechs Wochen zugelassen sind.

Prof. Dr. Petra Thürmann von der Universität Witten-Herdecke sagt dazu: Der breite und dauerhafte Einsatz verstößt gegen medizinische Leitlinien. Fachleute sprechen offen von „chemischer Gewalt", die in deutschen Pflegeeinrichtungen tagtäglich stattfindet. Die Bewohner werden ruhiggestellt, damit das Personal entlastet wird. Das ist keine Therapie – das ist Verwaltung von Menschen.

Chemotherapie: 2,1 Prozent

Und dann ist da noch die Chemotherapie – das Flaggschiff der evidenzbasierten Onkologie. Eine Studie von Morgan, Ward und Barton, veröffentlicht 2004 im Fachjournal Clinical Oncology (Royal College of Radiologists), hat die Daten von über 227.000 Krebspatienten in Australien und den USA ausgewertet. Das Ergebnis: Der Beitrag der zytostatischen Chemotherapie zum 5-Jahres-Überleben bei erwachsenen Krebspatienten liegt bei 2,3 Prozent in Australien und 2,1 Prozent in den USA.

2,1 Prozent. Eine Therapie, die den Körper verwüstet, das Immunsystem zerstört und die Lebensqualität massiv einschränkt – für eine statistische Überlebensverbesserung, die im Bereich des Placebo-Effekts liegt. Und diese Therapie wird nicht vom Spiegel angegriffen. Sie wird nicht als „Esoterik" bezeichnet. Sie wird milliardenschwer finanziert.

Die eigentliche Frage

Jetzt stellen wir uns einmal vor – nur hypothetisch – die Homöopathie hätte diese Bilanz zu verantworten: 58.000 Tote pro Jahr. 1,9 Millionen Abhängige. Chemische Gewalt in Altenheimen. Eine Erfolgsquote von 2,1 Prozent bei der Krebsbehandlung.

Wie würde der Spiegel darüber schreiben? Wie würden die Kommentarspalten aussehen? Welche Forderungen würden laut?

Aber es ist nicht die Homöopathie, die diese Bilanz hat. Es ist die zugelassene, evidenzbasierte, regulierte Schulmedizin. Und der Spiegel schreibt einen Kommentar über Globuli.


Man muss nicht an Homöopathie glauben, um zu sehen, dass hier etwas nicht stimmt. Die Frage ist nicht, ob Globuli wirken. Die Frage ist, warum die gesamte mediale Energie darauf verwendet wird, Zuckerkügelchen zu bekämpfen – während die dokumentierte, belegte, statistisch erfasste Schadensbilanz der Pharmaindustrie als bedauerlicher Kollateralschaden verbucht wird.

Der Spiegel nennt Homöopathie „Esoterik." Man könnte auch sagen: Das eigentliche Wunder ist, dass ein System mit dieser Bilanz sich anmaßt, über andere zu urteilen.


Quellen:

ADRED-Studie / BfArM: Unerwünschte Arzneimittelwirkungen in deutschen Notaufnahmen (Deutsches Ärzteblatt, 2018)
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: Polymedikation und Arzneimitteltote
Bundesgesundheitsministerium: Medikamentenmissbrauch und -abhängigkeit (ESA 2021)
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): 1,5–1,9 Mio. Medikamentenabhängige
DGSP, Fachausschuss Psychopharmaka: Annahmen und Fakten – Antidepressiva (2019)
AOK-Pflege-Report 2017: Psychopharmaka in Pflegeheimen
Prof. Dr. Petra Thürmann, Universität Witten-Herdecke: Neuroleptika bei Demenzkranken
Morgan G, Ward R, Barton M: The contribution of cytotoxic chemotherapy to 5-year survival in adult malignancies. Clinical Oncology 2004; 16(8): 549–560

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