Grilleau

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Um den Befürwortern der Sanktionen vor Augen zu führen, in welchem geistigen Umfeld sie sich bewegen – schließlich ist selbst das Regierungsmotto von CDU und CSU- "sozial ist, was Arbeit schafft" – der nationalistischen Propaganda entlehnt, wo es hieß: – "Sozial ist, wer Arbeit schafft" – nachstehend Zitate von der sogenannten Leistungselite, die aufzeigen, wie die heutige Diskriminierung der Erwerbslosen nach dem SGB II vonstattengeht, die im Übrigen in keinster Weise von der Diskriminierung der Erwerbslosen im Dritten Reich sich unterscheidet. Zum Vergleich verweise ich auf die Gestapo-Aktion gegen sog. Arbeitsscheue hin, die auf einen Erlass des Reichsführers SS, Heinrich Himmler vom 26.1.1938 zurückging. http://grilleau.blogspot.de/2016/02/hartz-iv-und-die-strukturelle-gewalt.html

Mittwoch, 18. November 2015

Positiv Denken und Bestellungen beim Universum

Ja, die Welt ist einfach einfach. Ganz einfach. Jedenfalls wenn man manchen Menschen glaubt, die mit purer Gedankenkraft all ihre Lebensumstände so vollkommen in den Griff kriegen, wie es sonst nur Multimilliardäre mit vielen Mitarbeitern schaffen.

Vom positiven Denken … gibt es verschiedene Variationen und Formen. Quelle: http://www.nachrichtenspiegel.de/2010/07/07/positiv-denken-und-bestellungen-beim-universum/

Das heißt jetzt nicht, das ich generell den Einfluß von Gedanken niedrig reden will. Im gesundheitlichen Bereich … habe ich dort überraschende Erfahrungen gesammelt, die auch übelster Kritik standhalten.
Da … scheint was dran zu sein. In Slowenien gab es in den dreißiger Jahren einen Arzt, der meinte, er wäre dem Geheimnis „Krebs“ auf die Spur gekommen. Er machte ein Experiment, ging in ein Bergdorf, sprach lange mit allen Bewohnern und fertigte eine Liste an von denen, die mit Sicherheit an Krebs erkranken werden. Diese Liste hinterlegte er versiegelt bei einem Notar. Nach seinem überraschenden Tod wurde die Liste entsiegelt … seine Voraussagen trafen zu hundert Prozent zu. Leider … hatte er seine Theorie nicht schriftlich fixiert, aber man geht davon aus, das es mit gedanklichen Programmierungen zu tun hat, die irgendwann Auswirkungen auf die Zellen haben – wenn man es nur lange genug durchhält und nichts daran ändert.

Warum auch nicht? Gute Laune und Lebensglück tut den Zellen sicher besser als Miesepetrigkeit und Jammerlapperei. Beispiele dazu gibt es genug … aber darum geht es hier nicht.

Je größer die Massenarbeitslosigkeit wurde, umso mehr kam – aus den guten alten USA – ein schrecklicher Trend herüber … positiv Denken.

Tschakka, du schaffst es. Ich habe selbst mal Seminare bei Jürgen Höller besucht (der „alles ist möglich“ Höller, der letztlich im Knast gelandet ist – tja, da war wirklich alles möglich). Einfach anders denken, schon ist man reich. Gut, Reiche machen anders Geld: Drogen, Waffen, Frauenhandel, Betrug, Hinterlist, Ausbeutung … Geschäfte, bei denen man äußerst negativ in allen Richtungen denken muß, um sie durchziehen zu können, aber die Idee, sich reich denken zu können, hat manche sicherlich wohlhabend gemacht. Den Höller zum Beispiel … bevor er feststellte, das er viel zu wenig Steuern bezahlt hatte. Absichtlich.

Cathrine Ponder ist so ein Beispiel, wie man durch superpositives Denken ihrer Art … reich werden kann. Leider starb ihr heiß geliebter Mann dabei – aber Geld hat sie wirklich genug gemacht. Und das mit dem Mann … einfach mal verdrängt. Störte die Philosophie total … also einfach mal positiv weggedacht.

Die einfache Art des positiven Denkens ist ja wahrscheinlich allen bekannt: das Glas. Für die einen ist es halbvoll, für die anderen halbleer. Immer halbvoll denken, das Glas, so ist´s richtig. Ich habe auch hier einen Selbstversuch gestartet … aber ich konnte denken wie ich wollte, in dem Glas war immer weniger drin – und bald war es leer. War halt lecker Bier drin – und ich wurde durstig beim angestrengten Denken. Und so saß ich dann da mit meinen Lebensratgebern und stand vor der Frage: „So. Nu´ is´ alle. Und jetzt?“ Doch eine Antwort bekam ich nicht.

Doch muß ich gestehen, diese Art des positiven Denkens hat noch einen gewissen Sinn, denn sich in Notzeiten zu konzentrieren auf das, was man hat, ist sinnvoller, als sich auf das zu konzentrieren, was man nicht hat. Gerade in Zeiten des hochgezüchteten Konsumwahns spielt die Industrie gerne mit den Gefühlen der Menschen und redet ihnen ein, das das Glück gleich hinter dem nächsten neuen Plasmabildschirm lauert, hinter der noch raffinierteren Kaffeemaschine ober beim Nacktbaden auf dem Himalaya erst richtig zur Erfüllung kommt. Da macht es schon mehr Sinn zu sagen: ich wohn´ halt in Oer-Erkenschwick und da is´ auch schön, der zwanzig Jahre alte Röhrenfernseher macht auch noch Bilder, die 10-Euro-Kaffemaschine macht auch Kaffee und Urlaub mache ich in Castrop-Rauxel oder Datteln am Kanal … da dauert die Reise nicht so lange. Das ist jedenfalls besser als das Schicksal derjenigen, die schon sehr viel haben, darüber alt und grau geworden sind, Verbrecher und asoziale Parasiten des Volkskörpers, aber immer noch nicht genug kriegen können….oder das Schicksal ihrer Ehefrauen, die in den Luxuspalästen eingesperrt vor sich hinfaulen, auch wenn sie noch so viel kaufen können.

Doch es gibt noch eine andere Version des positiven Denkens, mit denen das Denken vergiftet wird – und obwohl es sich hier um eine Philosophie handelt, setzt sich die Philosophie selbst erstaunlich wenig mit diesem Massenphänomen auseinander.

Hier handelt es sich … um die Vorstellung, per Gedankenkraft (man muß halt nur „richtig“ denken) alles herbeimaterialisieren zu können, was man nur eben will. Vorraussetzung ist nur, das man „richtig“ denkt.

Der Trick ist einfach. Eifelphilosophs Klopfzauber funktioniert ähnlich. Wie? Noch nicht bekannt? Hmmm … dann muß ich das Buch wohl doch noch schreiben.

Geht so: dreimal auf Holz klopfen – und alle Deine Wünsche gehen umgehend in Erfüllung.

Ich schreibe das Buch – hundert Leute kaufen es (wahrscheinlich mehr, denn dort lauert ein Riesenmarkt).

Alle klopfen.

Bei fünfzig Prozent passiert nix.

Aber die anderen … werden mir wunderbare Geschichten zusenden. Die besten davon (das Traumauto, der Mann des Lebens, das Wunschkind, der Traumjob, der Lottogewinn oder so) suche ich aus für Band 2:
„Besser klopfen für Anfänger und Fortgeschrittene“ – 10000 Exemplare.

Wieder das gleiche Zufallsspiel … wieder bleiben viele hängen für den nächsten Band.

Dann die Talkshow, ich direkt mittendrin, Spiegel, Stern und Fokus schicken ihre kritischsten Kritiker – die ich locker alle wegfege mit ihrer Kritik. „Wie, Sie haben geklopft und es ist nichts passiert? Ja, war es denn der richtige Rythmus, das richtige Holz, die richtige Klopfstärke – und überhaupt: waren sie nicht so negativ eingestellt, das sie gar nicht wollten, das das Klopfwunder sich entfaltet?“

Man kann sich denken, wie es weitergeht. Ich schreibe mehr Bücher(„Besser klopfen mit dem Eifelphilosoph:
Bd 4: Klopfen auf Eiche und Buche), werde reich und berühmt … und in Deutschland klopft es an allen Ecken. So wie letztens erst überall beim Universum bestellt wurde und gerade das „Secret“ umgeht.

Mein Klopfen wäre noch harmlos … aber das mit dem „richtigen Denken“ zu verbinden – ist saugefährlich.

„Wenn Du richtig denkst und fühlst, gibt Gott Dir alles was Du willst, denn er liebt seine Kinder …“ – ist eine Kurzversion der Hintergrundphilosophie, die sich hinter den meisten der Verführerphilosophien verbirgt….darum gibt es auch keine Demonstrationen mehr, keine Aufstände, keine Unruhen … alle sitzen beim Räucherstäbchen zu Hause und denken sich krumm, um bloß alles richtig zu machen. Wahrscheinlich war diese Positiv-Denke-Welle genauso vom CIA gesteuert wie die Frauenbewegung in den Sechzigern.

Was aber geschieht, wenn … das Ziel nicht erreicht wird. Man merkt, das man nie richtig genug wird denken können, um das Ziel (Geld, Mann, Haus, Auto…) zu erreichen, weil der Trick nicht funktioniert?
Dann schlägt die Macht des Systems mit aller Gewalt auf die Person zurück: „Das Universum, Gott, die Welt liebt mich nicht, weil ich im Grunde meines Seins schrecklich falsch bin, so falsch, das ich besser nicht existieren sollte.“ Und schnell … wird´s ganz dunkel im Karton.

Der inzwischen schon offiziell so genannte „Auschwitz-Test“ ist ein guter Maßstab für diese Denk-dich-glücklich-Philosophien. Solange die Philosophie in welcher Form auch immer dazu führt, das der KZ-Insasse für sein Schicksal selbst verantwortlich ist (und die Täter nur Statisten in seinem Gedankenkosmos sind, die ihm helfen, sein selbstgewähltes Schicksal zu verwirklichen) … ist die Philosophie grottenschlecht und gemeingefährlich. Eine gute Leitlinie für gedanklich und philosophisch unstabilere und unerfahrenere Menschen.

Ich weiß, was meine Kritiker jetzt sagen werden. Die ernstzunehmenden Kritiker.

Burkhard Heim in der Interpretation von Ilobrand von Ludwiger, die Auswirkungen der Realität eines sechsdimensionalen Kosmos auf die Möglichkeiten sechsdimensionaler Wesen in einem vierdimensionalen Raum.

Schrödingers Katze, das Doppeltspaltexperiment … das werden die Apologeten des positiven Denken anführen.

Gut, es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, das Gedanken … Realität manipulieren können. Das kann man mitlerweile wirklich nicht ausschließen. Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, das „Religion“ der erste Versuch war, dieses Phänomen durch Opfer, Beschwörungen und Gesänge in den Griff zu kriegen.

Soweit muß ich gerechterweise folgen – aber das führt nicht notwendigerweise in die Leibnitzsche Monadologie, in der wir alle in kleinen eigenen Kosmen durch die Existenz schweben. Die Folgerungen, die sich aus den physikalischen Experimenten ergeben … sind noch wage. Und die Techniken, diese Erkenntnis in die Praxis umzusetzen, noch weit entfernt.

Aber … geben wir allen Apologeten (Verteidigern) des positiven Denkens einfach mal Recht: was geschieht denn dann … wenn Klaus-Dieter lieber einen grünen Mond hätte, Ursula und Gabi einen Blauen, Paul will aber gar keinen Mond mehr, weil er bei Vollmond nicht einschlafen kann? Mehrheitsabstimmung? Einen Mond für jedermann?

Wenn jetzt alle Menschen sich maximal positiv reich denken … am bestmöglichen theoretischen Ende dieser „aufklärerischen“ Entwicklung … und wir haben sechs Milliarden Milliardäre … was kostet dann ein Brötchen?

Anstelle von positiv Denken hilft manchmal einfach … weiterdenken. Oder pragmatisch Denken. Es ist halt noch was drin in dem Glas, es ist auch egal, ob es halbvoll oder halbleer ist … wichtig ist: reicht es mir, meinen Durst zu löschen, habe ich noch Geld für ein nächstes – und wie lange muß ich damit auskommen.

Ein halbvolles Glas in der Wüste ist genauso eine Katastrophe wie ein halbleere. Das Ergebnis bleibt gleich: ein vertrockneter Eifelphilosoph.

Quelle: http://www.nachrichtenspiegel.de/2010/07/07/positiv-denken-und-bestellungen-beim-universum/

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