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Samstag, 27. Juni 2026

Der Boomer als Staatsfeind – Wie Eliten einen Sündenbock konstruieren

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Was auf Twitter als Pöbelei beginnt, kommt aus den Redaktionsstuben der Leitmedien und den Schreibtischen der Wirtschaftsforschungsinstitute. Der Boomer ist schuld an der Wohnungsnot, an der Rente, an den Staatsschulden. Für jeden Missstand gibt es dasselbe Gesicht. Das ist kein spontaner Volksunmut. Das ist ein konstruiertes Narrativ — von oben nach unten weitergereicht, bis der kleine Michel es für seine eigene Meinung hält.

In den ersten beiden Teilen dieser Serie wurde gezeigt, wie „Boomer" als Kampfbegriff funktioniert und wie er sich in sozialen Medien entfaltet — reflexhaft, aggressiv, ohne Argument. Was dabei noch fehlte, ist die Frage nach dem Ursprung. Kampfbegriffe entstehen nicht im Vakuum. Sie werden produziert, verbreitet und institutionell abgesichert. Wer schaut, woher das Narrativ kommt, findet keine aufgebrachten Jugendlichen — sondern Leitmedien, Wirtschaftsforschungsinstitute und politisch vernetzte Akademiker.

Fratzscher und das Pflichtjahr — Zwangsarbeit als Solidarität verkleidet

Marcel Fratzscher ist Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, DIW Berlin, und Kolumnist der ZEIT. Im August 2025 forderte er in eben jener Kolumne ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner — ausdrücklich für die Boomer-Generation. Er begründete dies damit, dass die Babyboomer ihren Kindern und Enkelkindern eine Welt hinterlassen, die in vielerlei Hinsicht schlechter dasteht als zuvor. Kollektivschuld einer ganzen Generation — formuliert vom Chef eines der einflussreichsten Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes, gedruckt in der meistgelesenen deutschen Wochenzeitung.

Was Fratzscher vorschlägt, ist bei nüchterner Betrachtung Arbeitsdienst für eine Altersgruppe. Der Seniorenaufstand kommentierte treffend: „Und dann kommt der nächste durchgeknallte Professor auf die Medienbühne und fordert einen Arbeitsdienst für Alte. Rentner hätten schließlich so viel Gutes von der Gesellschaft erhalten, dass sie zum Dankesdienst verpflichtet werden müssten." Die Leitmedien nehmen solche Vorschläge nicht kritisch auf — sie verstärken sie.

Was dabei vollständig verschwindet: Die Frage, warum das Rentensystem unter Druck steht, wird nicht gestellt. Die reale Kaufkraft der Renten ist von 1990 bis 2023 um 12 Prozent gesunken — während das reale Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum um 55 Prozent gestiegen ist. Der Reichtum wuchs. Die Renten sanken. Der Boomer ist schuld.

T-Online und das Kollektivurteil

Was Fratzscher akademisch verpackt, liefert der Mainstream-Journalismus volkstümlich nach. T-Online, Februar 2026, Rubrik „Tagesanbruch": „Die Mehrheit der rund zwölf Millionen Boomer hierzulande ist durchaus verwöhnt worden. Sie wuchsen auf im süßen Glauben, dass der Fortschritt nur eine Richtung kennt: nach oben." Zwölf Millionen Menschen, ein Urteil, kein Beleg. Weiter heißt es: „Das Klima — ein Problem für übermorgen. Mehr zahlen für Gesundheit, Verteidigung, Schulen und Forschung — nach mir die Sintflut." Das ist keine Analyse. Das ist Anklage.

Bemerkenswert ist, was in diesem Artikel nicht vorkommt: die Frage, wer die Klimapolitik der letzten dreißig Jahre tatsächlich gestaltet hat. Nicht der Rentner in Miltenberg. Nicht der Leiharbeiter in Bochum. Sondern Konzernlobbyisten, Parteifinanziers und Wirtschaftsforschungsinstitute — die jetzt dieselben Artikel schreiben, in denen der Boomer die Schuld trägt.

Die Wohnungsnot — und wer daran schuld ist

Business Insider, Tagesspiegel, überall dasselbe Muster: „Schuld sei vor allem die Generation der Babyboomer", weil ältere Menschen in zu großen Häusern wohnen, während ihre Kinder verzweifelt nach Immobilien suchen. Der Boomer sitzt im Einfamilienhaus und ist damit Täter.

Was dabei nicht erwähnt wird: Die Wohnungsnot ist das direkte Ergebnis der Zerstörung des gemeinnützigen Wohnungsbaus seit den neunziger Jahren. Seit 1990 wurden über vier Millionen Sozialwohnungen privatisiert oder aus der Bindung entlassen — durch politische Entscheidungen, die weder der Rentner in Unterfranken noch der Facharbeiter in Sachsen getroffen hat. Heute fehlen laut Sozialem Wohn-Monitor 2026 rund 1,4 Millionen Wohnungen — fast ausschließlich im bezahlbaren Segment. Das ist das Ergebnis von Deregulierung und Privatisierung — nicht von Menschen, die in ihren eigenen vier Wänden alt werden.

Die Staatsschulden — und der demografische Ablenkungsmanöver

„Die Boomer zocken den Rest ab" — so titelt ein Kompetenznetzwerk für Handel seinen Beitrag über Rentenformen und Staatsschulden. Das Argument: Die Boomer hätten zu wenig Kinder bekommen und damit den Generationenvertrag gebrochen. Deshalb seien die Jungen heute die Leidtragenden.

Das ist der demografische Ablenkungsmanöver in Reinform. Die Staatsschulden sind kein Ergebnis von Geburtenraten — sie sind das Ergebnis von Steuerpolitik, die seit dreißig Jahren Kapital entlastet und Arbeit belastet, von Bankenrettungen, Rüstungssondervermögen und strukturellen Transfers nach oben. Wer Staatsschulden mit Demografie erklärt, erklärt sie falsch — und lenkt damit von den tatsächlichen Profiteuren ab.

Das Muster: Von oben nach unten

Die Struktur ist in allen drei Feldern identisch. Ein reales Problem — Wohnungsnot, Rentendruck, Staatsverschuldung — wird nicht auf seine strukturellen Ursachen zurückgeführt, sondern auf eine Altersgruppe projiziert. Die Projektion kommt nicht von unten — sie kommt von Fratzscher in der ZEIT, von T-Online-Leitartikeln, von Wirtschaftsverbänden und Forschungsinstituten. Von dort wandert sie in die sozialen Medien, wo sie der kleine Michel aufnimmt wie ein nasser Schwamm — und für seine eigene Erkenntnis hält.

„Hetze gegen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland erreicht weitere Tiefpunkte", schrieb der Seniorenaufstand im Juli 2025 — und listete auf, was die Leitmedien in den Monaten zuvor alles begeistert aufgenommen hatten: Streichung der Mütterrente, Halbierung der Rentenansprüche, Reduzierung der Witwenrente, Boomer-Soli, Pflichtjahr. Jeder Vorschlag zur Opfergabe wird verstärkt. Kein einziger Vorschlag zur Frage, wer die Rente eigentlich ausgehöhlt hat, findet Platz.

Das ist kein Zufall. Das ist Funktion. Wer den Boomer zum Staatsfeind erklärt, muss den Kapitalstock nicht erklären. Wer die Generationen gegeneinander treibt, muss die Klassenstruktur nicht benennen. Und wer das Narrativ in Leitartikeln und Forschungsberichten institutionell absichert, sorgt dafür, dass es nicht als Kampfbegriff erkannt wird — sondern als gesichertes Wissen.

Der kleine Michel plappert nach. Er weiß nicht, wessen Text er spricht.


Dieser Beitrag ist Teil einer Serie. Teil 1: Der Boomer als Sündenbock – Wie ein Kampfbegriff die Klassenfrage tötet. Teil 2: Der Kampfbegriff in Aktion – Dokumentiert in Echtzeit.

Marigny de Grilleau schreibt seit zwanzig Jahren über Macht, Sprache und die Mechanismen, die beides verschleiern.

Freitag, 26. Juni 2026

AfD beantragte Freibetrag für Erwerbsgeminderte — die Verteidiger "unserer Demokratie" lehnten ab

Wer ist hier eigentlich sozial? Die parlamentarische Groteske rund um die Erwerbsminderungsrente

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Über 1,8 Millionen Menschen in Deutschland beziehen eine Erwerbsminderungsrente — im Schnitt 894 Euro. Wer davon Grundsicherung aufstocken muss und die 33-Jahres-Hürde nicht erreicht hat, sieht seine selbst erarbeitete Rente zu 100 Prozent angerechnet. Netto: null. Die Partei, gegen die gerade ein Verbotsverfahren geprüft wird, hat diesen Missstand zweimal in den Bundestag eingebracht — 2023 (BT-Drucksache 20/7461) und erneut Dezember 2025 (BT-Drucksache 21/2718). Die Parteien, die "unsere Demokratie" verteidigen wollen, haben beide Male dagegen gestimmt. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist unangenehm. Sie muss dennoch gestellt werden. 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Kampfbegriff in Aktion – Dokumentiert in Echtzeit

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Theorie ist das eine. Beweis das andere. Kaum war der Beitrag über „Boomer" als Kampfbegriff veröffentlicht, lieferten zwei Kommentatoren auf X die Bestätigung — ungebeten, vollständig, in Echtzeit. Was folgt, ist keine Interpretation. Es ist Protokoll.

Am 25. Juni 2026 erschien auf diesem Blog der Beitrag „Der Boomer als Sündenbock – Wie ein Kampfbegriff die Klassenfrage tötet". Der Link wurde auf X geteilt. Was innerhalb der nächsten Stunden folgte, war kein Zufall — es war Lehrmaterial.

Zwei Sequenzen, zwei Personen, zwei Varianten desselben Musters. Beide dokumentiert, beide unbearbeitet.

Sequenz eins: Die Vernichtungsrhetorik

Der Boomer als Sündenbock – Wie ein Kampfbegriff die Klassenfrage tötet

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
„Boomer" ist kein Generationenbegriff mehr. Es ist ein Kampfbegriff: ein Schlagstock, den man der Jugend in die Hand drückt, damit sie horizontal kämpft statt vertikal fragt. Der Rentner mit 900 Euro und der Konzernvorstand Jahrgang 1955 teilen dasselbe Etikett. Das ist kein Zufall. Wer den Sündenbock baut, lenkt vom Täter ab. Und wer den Sündenbock verteidigt, greift zum Körper.

Es streift durch alle Gazetten, es klebt auf T-Shirts, es füllt TikTok-Kommentarspalten und Leitartikel gleichzeitig: Boomer. Ein Wort, das sich als Generationenbezeichnung tarnt und in Wirklichkeit ein Urteil ist. Ein Schuldspruch ohne Verfahren, ohne Beweise, ohne Differenzierung. Und vor allem: ohne Frage nach den Tätern.

Die Mechanik ist einfach. Man nehme einen demografischen Begriff — Baby-Boomer, Geburtsjahrgänge 1946 bis 1964 — und entleere ihn seiner statistischen Bedeutung. Man fülle ihn neu: mit Schuldvorwürfen jeder Art, mit pauschaler Verantwortung für alles, was in der Gegenwart schiefläuft. Man übergebe dieses neu befüllte Wort der Jugend als Waffe. Fertig ist der Sündenbock der Nation.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Die Architektur der Unwissenheit – Warum Machtstrukturen keine Eingeweihten brauchen

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Globale Machtstrukturen funktionieren nicht trotz, sondern wegen der Unwissenheit ihrer Ausführenden. Die mittlere und untere Ebene glaubt wirklich, was sie tut — und wird genau deshalb niemals zur Gefahr für das System. Carroll Quigley, Antony Sutton und Helmut Schelsky haben dieses Prinzip aus drei völlig verschiedenen Richtungen beschrieben. Es ist keine Theorie. Es ist Systemarchitektur.

Es gibt eine Frage, die immer wieder als vermeintliches Totschlagargument gegen jede tiefergehende Strukturanalyse eingesetzt wird: „Wenn das alles so geplant wäre — müssten das dann nicht Tausende wissen? Und würde nicht irgendwann einer reden?"

Die Antwort lautet: Nein. Denn das Prinzip funktioniert nicht durch flächendeckendes Einweihen — es funktioniert durch das genaue Gegenteil.


Montag, 22. Juni 2026

Teil V: Rom ist nicht untergegangen – Die gekaufte Revolution und das Märchen vom Widerstand

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Wir haben in den ersten vier Teilen die Architektur der Macht freigelegt: Das Schuldgeldsystem, die Offshore-Netzwerke, die Strohmänner des Tech-Kapitals, die Kalibrierung globaler Pfade durch Familien wie die Rothschilds. Aber eine Frage blieb offen: Wenn diese elitären Strukturen seit Jahrhunderten bestehen, wie haben sie die großen Arbeiteraufstände und Revolutionen überlebt? Die Antwort, die der Autor Richard Poe in seinem Buch How the British Invented Communism liefert, ist ein brutaler Paradigmenwechsel: Die Elite hat diese Revolutionen nicht überlebt. Sie hat sie erfunden. Der Kommunismus war nie ein Aufstand der Unterdrückten, sondern eine psychologische Waffe britischer Geheimdienste. Karl Marx und die alte Aristokratie hatten denselben Feind: die aufstrebende Mittelklasse. Wer das System verstehen will, muss begreifen: Die wahre Macht kontrolliert nicht nur das Kapital – sie kontrolliert auch den Widerstand dagegen.

Der blinde Fleck der Systemkritik

Samstag, 20. Juni 2026

Die entwaffnete Seele — Wie Deutschland seinen kulturellen Kern verlor

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Deutschland wurde nicht nur militärisch besiegt. Es wurde kulturell entwaffnet: Die eigene Denktradition verdrängt, ein politisch funktionalisierter Schuldkult installiert, und schließlich durch Gender-Ideologie und Identitätspolitik das letzte atomisiert, was noch Widerstand hätte leisten können — das Gemeinschaftsgefühl. Drei Philosophen von außen sehen, was viele Deutsche nicht mehr sehen dürfen: Fusaro, Preparata, Marazzina.

Es gibt Beobachtungen, die man nur machen kann, wenn man von außen kommt. Der italienische Philosoph Diego Fusaro beschreibt, wie er als Doktorand nach Deutschland reiste — ins Mekka der Philosophie, wie er es nannte. Er erwartete Hegel, Kant, Fichte, Schelling. Er fand analytische Philosophie angelsächsischer Prägung. Und in einem Bielefelder Seminar über Platons Ideenlehre: keinen einzigen Studierenden, der Altgriechisch konnte. Das Volk der Philologen — sprachlos in seiner eigenen Tradition.

Das ist kein Zufall. Es ist Methode.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Baba Jaga und die KI-Revolution im Mythos-Content

 

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
KI generiert heute Musik, Text und Film in einer Qualität, die vor wenigen Jahren undenkbar war. Das Weltenklang-Projekt zeigt am Beispiel Baba Jaga, wie slawische Mythologie als episches Wissenslied aufbereitet werden kann — und was das über die Transformation von Bildung, Kultur und Kreativität aussagt.

Über 170.000 Aufrufe für ein KI-generiertes Wissenslied über eine slawische Waldhexe. Das klingt nach einer Randnotiz — ist aber in Wahrheit ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat in der Art, wie Wissen vermittelt, Kultur produziert und Mythos weitergegeben wird.

Das YouTube-Projekt Weltenklang verbindet Musik, Animation und historisches Wissen zu dem, was die Macher selbst „epische Wissenslieder" nennen. Der Beitrag über Baba Jaga — die unheimliche Gestalt aus den slawischen Wäldern, die in ihrem Haus auf Hühnerbeinen lebt und Menschen prüft statt sie bloß zu bestrafen — ist dabei kein Einzelfall. Zweimal pro Woche erscheinen neue Produktionen, von Níðhöggr über Hel bis zum Ragnarök.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Der perfekte Betrug – wie Volkswagen, Lidl und ADAC die Sozialkassen plündern

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Zwanzig Jahre lang wurden Bürgergeldbezieher in Talkshows vorgeführt, in Realityshows gedemütigt, als Asoziale und Schmarotzer beschimpft. Gleichzeitig zapfen Volkswagen, Lidl, ADAC und Coca-Cola systematisch Milliarden aus denselben Töpfen. Staatlich finanzierte Gratisarbeit, subventionierte Konzernakademien, Löhne die der Staat aufstocken muss. Das ist kein Versagen des Systems. Das ist das System. Und darüber hört man: nichts.

Zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre lang hat die Republik ein Bild gepflegt, geschärft und in jedes Wohnzimmer transportiert. Das Bild vom faulen Schwein in der sozialen Hängematte. Vom Asozialen, der auf Kosten der Steuerzahler lebt. Vom bildungsfernen Drückeberger, der sich lieber vom Amt durchfüttern lässt als morgens aufzustehen. Vom Schmarotzer.

Talkshows haben dieses Bild produziert und reproduziert. Sandra Maischberger, Markus Lanz, Anne Will – Sendung für Sendung wurde der Hartz-IV-Empfänger auf die Couch gesetzt, befragt, seziert, verurteilt. Realityshows haben nachgelegt: „Hartz und herzlich", „Armes Deutschland", „Die Geissens" als Kontrastprogramm. Der Arbeitslose als Unterhaltungsformat. Als Warnendes Beispiel. Als Beweis dafür, dass wer arm ist, selbst schuld ist.

Politiker haben mitgemacht. Von links bis rechts. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Wer zehn Euro Nebenverdienst nicht meldet, wird zur Rechenschaft gezogen. Wer einen Behördentermin verpasst, wird sanktioniert. Wer die zugewiesene Probearbeit verweigert – unbezahlt, versteht sich – riskiert Leistungskürzungen. Der Sozialstaat als Strafvollzugsanstalt für die Ärmsten.

Und gleichzeitig? Gleichzeitig läuft ein anderes System. Still, hochorganisiert, milliardenschwer. Volkswagen. Lidl. ADAC. Coca-Cola. Sie greifen tief in exakt dieselben Töpfe. Seit Jahrzehnten. Mit vollem Wissen der Behörden. Mit ausdrücklicher gesetzlicher Erlaubnis. Mit politischer Rückendeckung.

Man nennt sie keine Schmarotzer. Man nennt sie Kooperationspartner.

Dienstag, 16. Juni 2026

Vom Schachbrett in den Ring – Wie der Boxsport zum geopolitischen Instrument wurde

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
1997 schrieb Zbigniew Brzezinski die Blaupause für die US-Weltherrschaft: Die Ukraine ist der Schlüssel zur Kontrolle Eurasiens. Seitdem folgt alles einem Drehbuch – Maidan, Selenskyj, Krieg, Rohstoffabkommen. Und mittendrin: ukrainische Boxweltmeister im Weißen Haus und im Pentagon. Kein Zufall. Kein Sport. Geopolitik in Sportkleidung.

Im Juni 2026 stand Oleksandr Usyk im Oval Office. Der amtierende Schwergewichtsweltmeister schüttelte Donald Trump die Hand, besuchte anschließend das Pentagon und dokumentierte alles in den sozialen Medien. Die Sportpresse berichtete pflichtgemäß. Die meisten Kommentatoren fanden es irgendwie nett.

Wer aber die richtigen Fragen stellt, sieht etwas anderes: ein Muster das sich über drei Jahrzehnte erstreckt, das in einem Buch aus dem Jahr 1997 seinen Anfang nimmt und das heute im Boxring seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. 

Montag, 15. Juni 2026

„Lieber vulgär- als gar nicht liberal" – Anna Schneiders Radikalprogramm in eigenen Worten

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Anna Schneider, „Chefreporterin Freiheit" bei Die Welt, bezeichnet sich selbst als Libertäre, nennt Hayek, Mises und Ayn Rand als ausdrückliche geistige Vorbilder, zitiert Rothbard zustimmend und fordert „Freiheit und Staatsabwesenheit". Das ist kein Schubladendenken von außen – das sind ihre eigenen Worte, belegt durch Primärquellen. Wer den Staat als strukturellen Feind der Freiheit begreift und den Wohlfahrtsstaat als moralisches Korruptionsmedium, betreibt keinen Meinungsjournalismus – sondern politische Programmatik.

Ein früherer Beitrag auf diesem Blog hat Anna Schneiders ideologische Positionierung analysiert und dabei eine heftige Reaktion ausgelöst. Der häufigste Einwand lautete sinngemäß: „Das ist Schubladendenken. Sie bringt einzelne Zitate – du interpretierst das ganzheitlich." Dieser Artikel antwortet darauf – ausschließlich mit Schneiders eigenen Worten, aus belegten Primärquellen.

Ohne dieses Kapital kein Krieg

Die Abhängigkeitsstruktur des Dritten Reichs und wer davon wusste

Von Marigny de Grilleau


Vorbemerkung

Dieser Beitrag relativiert keine NS-Verbrechen. Er stellt eine andere Frage: Wer hat die materielle Voraussetzung dafür geschaffen dass diese Verbrechen möglich wurden? Wer hat geliefert, finanziert, ermöglicht – und was sagt das über die Mechanismen aus, die hinter der offiziellen Geschichtserzählung liegen?


Das Fundament: Wem gehörte Deutschland 1933 wirklich?

Bevor wir über Finanzierung und Technologietransfer sprechen, muss eine Frage gestellt werden die in keinem Schulbuch vorkommt: Wem gehörten die deutschen Schlüsselindustrien als Hitler die Macht übernahm?

Die Antwort verändert alles.

Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland wirtschaftlich am Boden. Die Reparationsforderungen des Versailler Vertrags waren nicht erfüllbar. Was folgte war kein spontaner Wiederaufbau sondern ein gezielt konstruierter Kapitaltransfer: der Dawes-Plan von 1924 und der Young-Plan von 1929, beide federführend von amerikanischen Bankiers – allen voran J.P. Morgan – ausgehandelt.

Sozialdarwinismus 2.0: Alte Ideologie, neue Verpackung

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Der Sozialdarwinismus des 19. Jahrhunderts ist nicht verschwunden. Er hat nur die Sprache gewechselt. Was Spencer „natürliche Auslese" nannte, heißt heute „Eigenverantwortung." Was Galton „minderwertige Erbanlagen" nannte, heißt heute „genetische Disposition für Armut." Was Haeckel „Belastung durch Untaugliche" nannte, heißt heute „Sozialschmarotzer." Die Logik ist identisch. Die Funktion ist identisch. Nur die Verpackung ist moderner geworden – und deshalb gefährlicher.

Zwei Begegnungen in kurzer Zeit haben mich veranlasst, diesen Beitrag zu schreiben. Eine Privatière auf Twitter, die unumwunden erklärte, Armut sei Genetik – schlechte Gene vererben sich, die Armen haben es verdient. Und Markus Krall, der in der alternativen Szene als Freiheitsphilosoph gehandelt wird und dessen Programm bei näherer Betrachtung die radikalste Besitzstandswahrungsideologie der Moderne ist – verpackt in Bibelzitate. Beide zusammen ergeben kein Zufall. Sie ergeben ein System. Und dieses System hat einen Namen, den es sorgfältig vermeidet.

Samstag, 13. Juni 2026

Souveränität, Neutralität, Kultur: Deutschland – fremdbestimmt ruiniert

Von Dr. Wolfgang Bittner | Redemanuskript des Vortrags vom 30. Mai 2026, internationale Konferenz des Schiller-Instituts, Berlin | Erstveröffentlicht auf RT DE

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Deutschland ist seit 1945 nie vollständig souverän gewesen – Truppenstationierungsvertrag, NATO-Mitgliedschaft und EU-Recht schränken den politischen Handlungsspielraum bis heute ein. Die aktuelle Vorkriegssituation böte die Chance für eine Neutralität Deutschlands, doch die Berliner Politik folgt weiterhin dem Kurs der Obama/Biden-Netzwerke. Statt eigene Interessen zu vertreten, liefert die Regierung Merz Geld und Waffen für die Ukraine. Die Kulturkonfrontation zwischen US-dominierter Westkultur und europäisch-konservativer Kultur ist dabei ein oft übersehener Hintergrund des Konflikts.

Die aktuelle Vorkriegssituation bietet Deutschland die Chance, sich aus der militärischen und kulturellen Umklammerung der USA zu lösen und zu seinen kulturellen Wurzeln zurückzufinden. Der Ukraine-Konflikt erscheint dabei als Kampf zwischen US-dominierter und konservativer europäischer Kultur.

Sie schicken dich vor — Thomas Wasilewski und die Milliardenverbände, die schweigen

Sie schicken dich vor — Thomas Wasilewski und die Milliardenverbände, die schweigen

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Ein schwer kranker Mann steht allein vor einem Ministerium. Er bekommt den Hass der kleinen Leute ab — den Hass, der eigentlich den Verbänden gehört, die ihn vorschicken. Sechs karitative Spitzenverbände plus organisierter Gewerkschaftsapparat: über 2 Millionen hauptamtliche Beschäftigte, rund 3 Millionen Ehrenamtliche, 7 Millionen Gewerkschaftsmitglieder — über 12 Millionen Menschen insgesamt. Einen Jahresumsatz der Wohlfahrtsverbände, der die 100-Milliarden-Grenze überschreitet. Genug Macht, um die Agenda 2010 zu verhindern. Sie haben es nicht getan. Und jetzt stehen sie hinter ihm — unsichtbar.

Thomas Wasilewski steht vor dem Ministerium. Allein. Schwer krank. Mit einem Schild: Regelsatz rauf auf 813 Euro. Und er fängt ab, was auf ihn einprasselt: Schmarotzer. Parasit. Faules Schwein. Der aufgestaute Zorn der kleinen Arbeitsfrau. Die aufgestaute Wut des kleinen Arbeiters. All jener, die sich jeden Morgen zwingen aufzustehen, die den eigenen Arbeitszwang täglich gegen sich selbst durchsetzen müssen — und die jemanden brauchen, an dem sich das entladen kann.

Er ist dieser Jemand. Sichtbar. Greifbar. Mit einem Gesicht.

Und die, die ihn vorgeschickt haben, sind unsichtbar.