Alice Weidel fordert die Wehrpflicht zur Landesverteidigung. Historisch und aktuell (Sowjetunion/WWII, Russland/Ukraine, aber auch Korea und Vietnam in den USA) zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Nicht die Berufsarmee steht an vorderster Front, sondern zuerst die Verpflichteten – und innerhalb dieser Gruppe zuerst jene ohne ökonomische Ausweichmöglichkeiten. In Vietnam sorgten Zurückstellungen für Studenten und Vermögende dafür, dass die „poverty draft" überproportional Arme und Schwarze traf. In den USA von heute, ganz ohne Wehrpflicht, übernimmt wirtschaftliche Perspektivlosigkeit dieselbe Funktion: Wo Jobs fehlen, wird die Armee zur einzigen Alternative. Hinzu kommt eine zweite Dimension: Die Tübinger Tosca-Studie zeigt, dass Wehrdienst die Charakterentwicklung junger Männer nachweislich in Richtung weniger Reflexion und mehr Konkurrenzdenken verschiebt – passend zu Höckes offen formulierter Vorstellung der Bundeswehr als „Schule der Nation". Wer Wehrpflicht fordert, sollte beide Dimensionen mitdenken – nicht nur die Zahl der Köpfe.
Alice Weidel posaunte es jüngst heraus: „Wenn Pistorius kämpfen will, soll er selbst gehen – und die ganze SPD-Jugend mitnehmen." Für sie steht die Wehrpflicht klar im Programm, zwecks Landesverteidigung, das sei wichtig. Ich widerspreche – nicht aus Pazifismus, sondern aus einer schlichten strukturellen Beobachtung: Die Wehrpflicht ist historisch selten das, was sie vorgibt zu sein.