In Nordhausen schickt ein SPD-Landrat uniformierte Vollzugsbeamte mit Handschellen und Reizgas zu jungen Arbeitslosen — morgens, an die Wohnungstür, vor den Augen der Nachbarn. Sie sollen 1,20 Euro pro Stunde arbeiten. Wer nicht mitzieht, verliert alles. Von 68 Betroffenen fanden vier eine Stelle. Acht wurden vollständig sanktioniert. Der Landrat nennt das Erfolg. Ab 1. Juli wird dieses Modell Bundesrecht. Die Organisationen, die jahrelang die „Brandmauer gegen rechts" beschworen haben — Ver.di, Caritas, AWO, Paritätischer, SPD — schweigen. Oder sie reisen als Ministerpräsident an und applaudieren. Diese Serie hat in vier Teilen die Theorie dieses Systems aufgebaut. Nordhausen ist die Praxis. Das Urteil lautet: schuldig — ohne AfD.
Es war einmal eine Brandmauer.
Sie wurde errichtet, um die Demokratie zu schützen. Gewerkschaften riefen dazu auf, sie zu verteidigen. Wohlfahrtsverbände unterzeichneten Erklärungen. Die SPD stellte sich breitbeinig davor und versicherte: Nicht mit uns. Nie. Nicht einen Millimeter.
Und dann schickte ein SPD-Landrat Männer in Uniform, mit Handschellen und Reizgas ausgerüstet, zu den Wohnungstüren von jungen Arbeitslosen. Morgens. Früh. Damit die Nachbarn es sehen.
Die Brandmauer steht noch. Sie schützt nur nicht mehr das, wofür sie errichtet wurde.