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Sonntag, 10. Mai 2026

Wie das Kapital das Denken kaufte — Die planmäßige Eroberung des öffentlichen Bewusstseins

Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Der Neoliberalismus ist kein natürliches Resultat von Marktgesetzen, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger, planmäßig finanzierter Bewusstseinsarbeit. Seit den 40er Jahren wurde mit Industriegeldern ein globales Netzwerk aus Denkfabriken und Publikationsorganen aufgebaut, das zuerst die Wirtschaftswissenschaft okkupierte und von dort aus Politik, Medien und Alltagsbewusstsein durchdrang. Der Schlüssel war die Übersetzung marktradikaler Theoreme in massentaugliche Schlagworte — „Sachzwang", „Standortwettbewerb", „Eigenverantwortung" — die Handlungsalternativen systematisch unsichtbar machten. Wer diesen Entstehungskontext nicht kennt, kann die heutigen Verwüstungen nicht verstehen und schon gar nicht wirksam kritisieren.

Neoliberalismus: Programm, nicht Naturgesetz

In heutigen Diskussionen über die neoliberalen Verwüstungen fällt oft eine völlige Unkenntnis von Beginn und Ursachen dieses Zustands auf. Die naheliegende Frage, wann und wieso es zur Abkehr von Sozialstaat und bescheidenem Massenwohlstand kam, wird kaum gestellt. Geht man ihr nach, findet man typische Merkmale der sozialstaatlichen Etappe, die selbst auf die Entstehungsbedingungen der neoliberalen Gegenoffensive verweisen: Die Stärkung von Arbeiterbewegung und Gewerkschaften, staatliche Verteilungs- und Investitionspolitik, Begrenzung des Freihandels und der Gewinne hatten die Einschränkung der Verfügungsmöglichkeiten des Kapitals über gesellschaftliche Ressourcen zur Folge und riefen die Marktradikalen auf den Plan. Solange er steigende Profite nicht tangierte, wurde der sozialstaatliche Kompromiss zähneknirschend hingenommen, als Reaktion auf sinkende Profitraten aber sofort aufgekündigt.

Zwar gab es auch früher schon Angriffe auf aktive Wirtschaftspolitik und sozialstaatliche Institutionen, doch schien die Restauration eines ungezügelten Laissez-faire-Kapitalismus wenig attraktiv, solange der weltwirtschaftliche Zusammenbruch von 1929 und das Massenelend der 30er Jahre noch gut erinnerlich waren. Um solches künftig zu verhindern, war ja gerade mit keynesianischem Reformismus begonnen worden, und neoliberale Ideen konnten lange Zeit kaum darauf hoffen, ernstgenommen zu werden:

„Den Neoliberalen war stets bewusst, dass sich ein solches Programm — das dem New Deal oder der Idee des Sozialstaats diametral entgegengesetzt ist — nur umsetzen lässt, wenn zuvor ein anderes geistiges Klima erzeugt wird. Ideen müssen verbreitet werden, bevor sie Folgen für das Leben der Bürger und der Gemeinschaft haben. Sie müssen unter den bestmöglichen Bedingungen produziert, (…) gelehrt und an die Öffentlichkeit gebracht werden" (George, 1996, S. 10).

Zu diesem Zweck wurden seit den 40er Jahren unaufhörlich Gelder bei der Industrie gesammelt für die Errichtung von Denkfabriken, Publikationsorganen und anderen Institutionen zur Beeinflussung des öffentlichen Bewusstseins, wobei sich insbesondere Friedrich August Hayek, ein exilierter österreichischer Nationalökonom, hervortat. Zu den bekannteren Denkfabriken gehören die von Hayek selbst gegründete Mont-Pèlerin-Gesellschaft, in Deutschland der Kronberger Kreis und verschiedene Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die Geschichte dieser Denkfabriken und ihrer Aktivitäten kann hier nicht dargestellt werden. Detaillierte Informationen finden sich bei Halimi (1997), George (1996) und Schui u.a. (1997).

Die zweistufige Eroberung des öffentlichen Bewusstseins

Neoliberale Vorstellungen konnten nur hegemoniale Bedeutung erlangen, indem sie zuerst das Denken bestimmter gesellschaftlicher Gruppen erreichten und veränderten. Der Prozess erfolgte als zweistufiges Verfahren. Mit den theoretischen Schriften Hayeks u.a. sowie den Aktivitäten der „Think Tanks" wurden zunächst die Experten und Ökonomen in Universitäten, Instituten, Betrieben und staatlichen Stellen eingenommen und die Wirtschaftswissenschaft gewissermaßen okkupiert. Nachdem man sich dort die interne Definitionsmacht gesichert hatte, wurde „Neoliberalismus" als Leitwissenschaft in alle anderen Lebensbereiche exportiert, insbesondere auf das Feld der praktischen Politik und der medialen Massenbeeinflussung. Dort wird die neoliberale Theorie in propagandistisch handhabbare Diskurse übersetzt, mit denen die Veränderung von Bewusstseinslagen und Befindlichkeiten erfolgen soll.

Diese Übersetzungsarbeit ist kein beliebiger Vorgang. Sie folgt einem erkennbaren Muster: Die Komplexität politisch-ökonomischer Zusammenhänge wird auf scheinbar unpolitische Sachnotwendigkeiten reduziert. An die Stelle von Verteilungskonflikten treten technische Sachzwänge; an die Stelle kollektiver Interessendurchsetzung tritt individuelle Eigenverantwortung; an die Stelle politischer Entscheidung tritt die angebliche Logik der Märkte. Schlagworte wie „Standortwettbewerb", „Wettbewerbsfähigkeit" oder „Strukturreformen" erfüllen dabei eine doppelte Funktion: Sie benennen vorgebliche Notwendigkeiten und machen zugleich Alternativen systematisch unsichtbar. Margaret Thatchers berühmtes Diktum „There Is No Alternative" war nicht Ausdruck politischer Ratlosigkeit, sondern programmierte Schließung des Denkhorizonts.

Die politischen Durchbruchsmomente

Die Umsetzung neoliberaler Politik war zunächst auf günstige Krisenkonstellationen angewiesen, die das bestehende keynesianische Paradigma delegitimieren konnten. Den ersten Großversuch lieferte Chile nach dem Putsch von 1973: Unter Pinochet implementierten die sogenannten Chicago Boys — Ökonomen, die an der University of Chicago unter Milton Friedman ausgebildet worden waren — ein radikales Privatisierungs- und Deregulierungsprogramm, das zugleich auf staatlichem Terror gegen Gewerkschaften und soziale Bewegungen aufbaute. Das Experiment zeigte, was in westlichen Demokratien vorerst nicht möglich war: dass das neoliberale Programm zu seiner Durchsetzung der Zerschlagung organisierter Gegenkräfte bedarf.

In den westlichen Industrieländern bot die Stagflationskrise der 70er Jahre die entscheidende Gelegenheit. Das gleichzeitige Auftreten von wirtschaftlicher Stagnation und Inflation ließ sich als Versagen des keynesianischen Nachfragemanagements deuten — und die gut vorbereiteten neoliberalen Netzwerke standen bereit, diese Deutung hegemonial zu besetzen. Mit den Regierungsantritten von Margaret Thatcher in Großbritannien (1979) und Ronald Reagan in den USA (1981) begann die erste Welle systematischer Umsetzung: Abbau des Wohlfahrtsstaates, Privatisierungen, Zerschlagung der Gewerkschaftsmacht, Deregulierung der Finanzmärkte und Senkung von Unternehmens- und Spitzensteuern.

Den dritten und vielleicht folgenreichsten Durchbruchsmoment lieferte der Zusammenbruch des Staatssozialismus in Ostmitteleuropa. Nach 1989 entstand ein ideologisches Vakuum, in das neoliberale Kräfte mit großem Erfolg hineinstoßen konnten — indem sie, wie Christoph Butterwegge analysiert, die Vision einer klassenlosen Gesellschaft mit dem Aufklärertum des revolutionären Bürgertums verbanden (Butterwegge 2002). Der Begriff „Globalisierung" übernahm dabei eine zentrale Funktion. Armin Nassehi hat seinen Januscharakter präzise beschrieben: Die Rede von der Globalisierung legitimiere sowohl soziale Grausamkeiten in politischen Entscheidungen als auch die Hoffnung, dass die „Eine Welt" nun Realität geworden sei. Genau diese Doppeldeutigkeit machte ihn zur idealen Propagandaformel: Er transportierte Hoffnung und lieferte zugleich die Begründung für jeden Sozialabbau als unausweichliche Anpassung an weltweite Sachzwänge.

Der deutsche Sonderweg: Vom Rheinischen Kapitalismus zur Agenda 2010

In der Bundesrepublik verlief der Übergang zunächst gebremster. Das Modell des „Rheinischen Kapitalismus" mit seiner korporatistischen Einbindung der Gewerkschaften, dem dichten sozialen Sicherungsnetz und der exportorientierten Industriepolitik galt lange als Alternative zur angelsächsischen Marktradikalität. Doch auch hier hatten die neoliberalen Denkfabriken längst ihre Arbeit getan. Die Denkschriften des Kronberger Kreises, die Gutachten der einschlägigen Wirtschaftsforschungsinstitute und der publizistische Dauerbeschuss durch die Wirtschaftspresse schufen seit den 80er Jahren jenes „andere geistige Klima", das George beschreibt.

Den entscheidenden Durchbruch markierte nicht eine Regierung der explizit marktliberalen Rechten, sondern ausgerechnet eine Koalition aus SPD und Grünen: Die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen von 2003/2004 vollzogen unter dem Etikett der „Modernisierung" einen fundamentalen Umbau des Sozialstaates — Absenkung des Arbeitslosengeldes, Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, Verschärfung der Zumutbarkeitsregelungen und Schwächung des Kündigungsschutzes. Dass ausgerechnet eine sozialdemokratisch geführte Regierung dieses Programm umsetzte, war kein Zufall: Es illustriert den Erfolg der zweiten Stufe des neoliberalen Projekts. Wer die intellektuelle Hegemonie erreicht hat, braucht keine direkte Regierungspartei mehr — er formt die Denkkategorien aller Parteien.

Was bleibt

Das Verständnis dieses Entstehungskontexts ist keine akademische Fingerübung. Wer den Neoliberalismus als natürliches Resultat von Marktkräften oder gar als alternativlose Antwort auf Sachzwänge begreift, reproduziert exakt jenes Bewusstsein, das durch jahrzehntelange Arbeit erzeugt werden sollte. Die scheinbare Selbstverständlichkeit, mit der Lohnzurückhaltung als Standortvorteil, Sozialkürzungen als Haushaltsdisziplin und Privatisierungen als Effizienzgewinn erscheinen, ist das Resultat eines gezielten, finanziell massiv unterstützten Prozesses der Umdeutung politisch-ökonomischer Wirklichkeit.

Kritik, die diesen Kontext ausblendet, bleibt notwendigerweise an der Oberfläche. Sie beklagt Symptome, ohne die Mechanismen ihrer Erzeugung zu benennen, und öffnet damit dem nächsten Reformversprechen Tür und Tor — das denselben strukturellen Interessen dient wie die als Fehler dargestellte Vorgängerversion. Wirkungsvolle Gegenpolitik setzt voraus, dass man versteht, womit man es zu tun hat: nicht mit dem Scheitern einer Politik, sondern mit dem Erfolg einer anderen.


Literatur und Autoren

Halimi, Serge (1997): Wenn Hunde bellen. Hamburg. — Halimi ist Journalist beim Le Monde diplomatique und analysierte bereits 1995 die Funktionsweise der neoliberalen Think Tanks der amerikanischen Rechten. Bekannt wurde er vor allem durch „Les Nouveaux Chiens de garde", seine Studie über die Verflechtung von Medien und Kapitalinteressen.

George, Susan (1996): Wie das Denken einheitlich wird, in: Le Monde diplomatique, September 1996. — George (1934–2026) war eine US-amerikanisch-französische Politikwissenschaftlerin und langjährige Partnerin des Transnational Institute (TNI). Sie gehörte zu den bedeutendsten Kritikerinnen von IWF, Weltbank und neoliberaler Globalisierung und ist im Februar 2026 gestorben.

Schui, Herbert / Ptak, Ralf / Blankenburg, Stephanie / Bachmann, Günter / Kotzur, Dirk (1997): Wollt ihr den totalen Markt? Der Neoliberalismus und die extreme Rechte. München. — Ein Sammelband, der die strukturellen Verbindungen zwischen marktradikalem Denken und politischem Rechtsextremismus dokumentiert.

Butterwegge, Christoph (2002): Globalisierung, Standortsicherung und Sozialstaat als Thema der politischen Bildung, in: ders. u.a. (Hg.): Politische Bildung und Globalisierung. Wiesbaden. — Butterwegge ist einer der profiliertesten deutschen Sozialwissenschaftler zur Verbindung von Neoliberalismus, Sozialstaatsabbau und Rechtsextremismus — und wie die übrigen hier zitierten Autoren im öffentlichen Mainstream weitgehend unbekannt geblieben.

Anmerkung zur Rezeption: Die hier zitierten Autoren und Werke sind im öffentlichen Diskurs weitgehend unbekannt geblieben. Namen wie Hayek, Mises oder — in jüngerer Zeit — Markus Krall sind medial präsent, weil sie das neoliberale Projekt propagieren. Wer es analysiert und kritisiert — George, Halimi, Schui, Butterwegge — bleibt Randerscheinung. Auch das ist kein Zufall, sondern Ergebnis jener zweistufigen Diskursarchitektur, die dieser Text beschreibt: Definitionsmacht bedeutet auch die Macht darüber, wessen Stimme gehört wird und wessen nicht.

Samstag, 9. Mai 2026

Vorzimmerpsychiater: Wie der Staat das Recht auf Krankheit abschafft

Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Ab Juli 2026 können Jobcenter Bürgergeld-Bezieher per Gesetz zu Zwangsuntersuchungen verpflichten – angeordnet von Personal ohne medizinische oder psychologische Ausbildung, dessen Mindestvoraussetzung eine abgeschlossene Berufsausbildung im Handel, der Logistik oder der Zeitarbeit ist. Durchgeführt wird die Untersuchung von einem staatseigenen Gutachterdienst, der dem gleichen Apparat angehört wie das Jobcenter selbst. Das behandelnde Attest des Arztes wird per Gesetz zum Verdachtsauslöser umgedeutet. Vorhandene Fachgutachten werden strukturell ignoriert. Das Kontrollsystem hat eine Richtung: nach unten. Nach oben läuft Geldwäsche im Milliardenmaßstab ungestört durch Offshore-Architekturen. Was hier aufgebaut wird, ist nicht Fürsorge. Es ist Klassifikationsinfrastruktur. Wer die Geschichte kennt, weiß, wozu solche Infrastruktur genutzt werden kann.

Der nachfolgende Beitrag stützt sich auf eine detaillierte Analyse der neuen Rechtslage, die du hier bei GegenHartz nachlesen kannst. Was dort als nüchterner Rechtsrat formuliert wird, muss an dieser Stelle beim Namen genannt werden.


Freitag, 8. Mai 2026

Ulrich Schneider und das Befriedungsverbrechen des Paritätischen

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Ulrich Schneider und der Paritätische Wohlfahrtsverband inszenieren sich als Anwälte der Armen. Gleichzeitig hat die Paritätische Geschäftsführerin Katja Kipping die Zuckersteuer ausdrücklich begrüßt – eine regressive Konsumsteuer, die Einkommensschwache überproportional belastet. Wer gleichzeitig höhere Regelbedarfe fordert, weil Arme sich keine gesunde Ernährung leisten können, und dann Lebensmittel teurer macht, betreibt kein Sozialrecht. Er betreibt Heuchelei mit Haushaltsnummer. Die sechs großen Wohlfahrtsverbände sind keine Gegeninstitutionen. Sie sind eine Industrie – finanziert mit öffentlichen Mitteln, eingebettet in staatliche Strukturen, und strukturell auf die Verwaltung von Armut angewiesen, nicht auf ihre Überwindung.


Der ewige Kämpfer bleibt auf X – und was das über ihn sagt

Mittwoch, 6. Mai 2026

Die Türsteher des Faschismus

Was du wissen musst – in 30 Sekunden Der volksnahe Antifaschismus sucht den Faschismus seit Jahrzehnten bei Lieschen Müller: im Forum, auf dem Stammtisch, bei Höcke. Das ist kein Versehen. Es ist Systemfunktion. Wer den Blick nach unten lenkt, hält ihn von oben fern — von den Strukturen, die Faschismus historisch produziert und finanziert haben. Die Medien verstärken das. Die Intellektuellen legitimieren es. Und die Millionen Toten auf den Nachkriegsschlachtfeldern dieser Erde? Die kommen in keiner Antifa-Doku vor.

Ein Bild, ein Zitat, ein Name. Sebastian Klein. Wer auch immer das ist — das Zitat ist repräsentativ für eine ganze Denkschule, und diese Denkschule ist nicht harmlos. Sie ist, bei näherer Betrachtung, eines der effektivsten Ablenkungsmanöver, das das politische Bewusstsein der letzten Jahrzehnte systematisch deformiert hat.

Dienstag, 5. Mai 2026

Was passiert, wenn man laut denkt

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Ich habe auf YouTube einen Kommentar geschrieben. Jemand hat geantwortet: Russland sei eine faschistische Diktatur und könne daher kein Partner sein. Meine Gegenfrage: Warum gilt das nicht für Saudi-Arabien, die Emirate, Ägypten, die USA? Weil es nie um Menschenrechte ging. Es ging um Einbindung ins System. Wer das nicht sieht, lebt im Tunnel.

Konfrontation in der Pariser U-Bahn: Daniel Cohn-Bendit und die Schatten der Vergangenheit

 


Ein bemerkenswertes Video macht im Netz die Runde und wirft ein Schlaglicht auf ein Kapitel, das den Politiker Daniel Cohn-Bendit bis heute verfolgt. In der Pariser U-Bahn wird er von einem couragierten Bürger direkt mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Zur Erinnerung: In seinem 1975 erschienenen Buch „Der große Basar“ beschrieb Cohn-Bendit explizit, wie er als Erzieher in einem Kinderladen sexuelle Berührungen durch die ihm anvertrauten Kinder zuließ und genoss. Passagen, die er später als bloße "Provokation" abtat, die aber für viele Menschen zutiefst verstörend und unerträglich bleiben.

Friedrich Merz: 20 Jahre im Dienst des Finanzkapitals Wie ein Politiker den deutschen Mittelstand verriet, Millionen ins Elend trieb – und jetzt Bundeskanzler ist

Grundlage dieses Beitrags ist der öffentliche Vortrag von Dr. Werner Rügemer bei der Deutschen Friedensgesellschaft in Kiel, 2025. Rügemer ist Ökonom, Publizist und Autor mehrerer Bücher zu BlackRock und Friedrich Merz. Der Vortrag ist als Video dokumentiert und wird am Ende verlinkt.


Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Friedrich Merz war von 2005 bis 2021 Miteigentümer und Berater der amerikanischen Wirtschaftskanzlei Mayer Brown – und half dabei, amerikanische Heuschreckeninvestoren beim Aufkauf des deutschen Mittelstands zu unterstützen. Von 2016 bis 2020 war er Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Deutschland AG und organisierte Treffen zwischen BlackRock-Chef Larry Fink und der Bundesregierung. Er wurde Multimillionär. Der Mainstream schwieg. Jetzt ist er Bundeskanzler.

Montag, 4. Mai 2026

Sie räumen das Feld – und nennen es Haltung

Was du wissen musst – in 30 Sekunden:
SPD, Linke und Grüne verlassen X. Sie sagen: zu viel Chaos, zu viel Hass, zu viel Rechts. Sie meinen: der Daumen liegt nicht mehr auf unserer Seite der Waage. Wer einen Streit nur unter eigener Aufsicht führen kann, hat ihn verloren, bevor er beginnt. Der Rückzug ist kein Standpunkt. Er ist eine Beichte.

SPD, Linke und Grüne räumen X. Die Erklärung ist eingeübt: Chaos, Hetze, rechte Übermacht. Wer genauer hinhört, vernimmt etwas anderes. Hier wird keine Bühne kritisiert. Hier wird ungewollt vorgeführt, wie diese Parteien Politik verstehen.

Zu viele Menschen – oder zu wenige? Wie das Überbevölkerungsnarrativ entstand und wem es nützt


Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Das Narrativ der „Bevölkerungsexplosion" ist kein naturwissenschaftlicher Befund, sondern ein ideologisches Konstrukt mit einer nachweisbaren institutionellen Geschichte. Der Earth Day 1970 wurde bewusst eingesetzt, um die Anti-Vietnam-Bewegung in harmlose Ökologie umzulenken. Der Club of Rome wurde von David Rockefeller finanziert. Der geheime Kissinger-Report von 1974 erklärte die Bevölkerungsreduktion der Dritten Welt zum US-Sicherheitsziel. Die tatsächliche demographische Entwicklung zeigt das Gegenteil einer Explosion: globalen Geburtenrückgang, ungeplante Kinderlosigkeit in Rekordhöhe, Entvölkerung ganzer Regionen. Das Narrativ „zu viele Menschen" lenkt die Frage nach ungleicher Ressourcenverteilung um in eine Frage der Anzahl – vorzugsweise der Anzahl der Armen.

Sonntag, 3. Mai 2026

Weiße Sneakers und leere Köpfe: Wie Intellektuelle den Widerstand sabotieren

Über Daniel Sandmanns Abschiedsessay vom Coronawiderstand, seinen grotesken Kronzeugen Dirk C. Fleck und die Frage, warum die intellektuelle Klasse immer wieder den konkreten Widerstand von unten delegitimiert, anstatt ihm zu dienen.

Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Der Philosoph Daniel Sandmann hat auf der Freien Medienakademie einen langen Essay veröffentlicht, in dem er den Coronawiderstand als „Fehlkonstruktion" verabschiedet. Sein Hauptargument: Die Bewegung habe „das Kapital" nicht kritisiert. Sein Kronzeuge: Dirk C. Fleck, der sich über Daniele Gansers weiße Sneakers entsetzt. Der Text ist stilistisch aufwendig – und analytisch leer. Er benennt weder Institutionen noch Mechanismen noch Machtarchitekturen. Schlimmer noch: Er verlangt von Menschen, die gegen Impfzwang und Berufsverbote gekämpft haben, sie hätten nebenbei eine fundamentale Kapitalismuskritik formulieren sollen. Das ist nicht Analyse – das ist intellektueller Hochmut, der konkreten Widerstand sabotiert. Gunnar Kaiser hat gezeigt, wie es anders geht.


Samstag, 2. Mai 2026

Homöopathie – der Tod auf leisen Sohlen?

Was du wissen musst – in 30 Sekunden:

Bis zu 58.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an zugelassenen Medikamenten. 1,9 Millionen sind medikamentenabhängig. In Pflegeheimen werden über die Hälfte der Bewohner dauerhaft mit Psychopharmaka sediert – Fachleute sprechen von „chemischer Gewalt." Chemotherapie trägt laut einer Studie im Fachjournal Clinical Oncology nur 2,1 % zum 5-Jahres-Überleben bei Krebs bei. Aber der Spiegel erklärt Globuli zum Staatsfeind. Die Frage ist nicht, ob Homöopathie wirkt. Die Frage ist: Warum richtet sich die gesamte mediale Empörung gegen Zuckerkügelchen – und nicht gegen die dokumentierte Schadensbilanz der Pharmaindustrie?

Arbeit als Herrschaftsinstrument — Monika Schnitzer und die Priester der Wirtschaftsweisheit

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, erklärt dem Fernsehpublikum, warum Arbeitszwang eigentlich Fürsorge ist. Wer keine Gegenleistung fordert, erwartet nichts von den Menschen — so ihr Kernargument. Napoleon hat das klarer formuliert: Je mehr das Volk arbeitet, umso weniger Laster gibt es. Helmut Schelsky hat für Leute wie Schnitzer einen Begriff gehabt: Sinnproduzenten. Die Arbeit tun die anderen.

Frau Schnitzer, welche Arbeit meinen Sie eigentlich?

Monika Schnitzer, Professorin an der LMU München, Vorsitzende des Sachverständigenrates, Trägerin des Bundesverdienstordens und des Bayerischen Verdienstordens, Mitglied von mehr Beiräten und Kommissionen als ein Mensch mit beiden Händen abzählen kann — diese Frau sitzt im Fernsehen und erklärt uns, was Arbeit bedeutet. Was sie dem Menschen gibt. Warum der Arbeitszwang, der im gegenwärtigen System steckt, eigentlich kein Zwang ist, sondern Fürsorge. Pädagogik. Eine berechtigte gesellschaftliche Erwartung.

Man möchte fragen: Welche Arbeit meinen Sie eigentlich?

Freitag, 1. Mai 2026

Das trojanische Pferd der Menschenwürde

Was du wissen musst – in 30 Sekunden:

Wer ein unbedingtes Aufnahmerecht ohne Rücksicht auf die Tragfähigkeit des Sozialsystems fordert, zerstört genau das System, das Menschenwürde materiell absichert. Ob bewusst oder unbewusst – diese Position arbeitet der ökonomischen Macht direkt in die Hände: Lohnkonkurrenz nach unten, Sozialkassen am Limit, und am Ende heißt es „nicht mehr finanzierbar". Die Libertären um Krall, von Mises und Co. müssen gar nichts mehr tun. Das erledigen die vermeintlichen Menschenrechtler gleich selbst.

Eine Menschenrechtsaktivistin, die sich für Bürgergeldempfänger einsetzt und für die Erhöhung der Leistungen plädiert, sagt folgenden Satz:

„Ich wollte hinzufügen, dass jeder Mensch jenseits von Arbeitskraft das Recht hat, zu existieren, und eine Menschenwürde hat und dementsprechend bei uns aufgenommen werden muss und sollte."

Klingt gut. Klingt unangreifbar. Wer will schon gegen Menschenwürde argumentieren?

Doch wer diesen Satz zu Ende denkt, dem muss die Kinnlade herunterfallen.

Donnerstag, 30. April 2026

Die Kalorien-Diktatur: Warum die Zuckersteuer erst der Anfang ist

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Die Zuckersteuer ist keine Gesundheitspolitik. Sie ist ein Prinzip: Der Staat besteuert Verhalten, das ihm fiskalisch ungelegen kommt. Wer akzeptiert, dass Gesundheitskosten ausreichen, um Konsum zu besteuern, hat dem Staat die Generalvollmacht über jeden Aspekt seines Lebens erteilt. Heute Zucker. Morgen Fleisch, Salz, Bewegungsmangel, Risikosport. Das Tor steht offen. Und die meisten halten es für den Eingang zum Paradies.

Mittwoch, 29. April 2026

Dreimal Deutschland — dasselbe Drehbuch, dieselben Täter, dieselbe Rechnung

Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Ein führender amerikanischer Geostratege hat es 2015 öffentlich zugegeben: Das primäre Ziel der USA über mehr als hundert Jahre war es, Deutschland und Russland zu trennen. Dafür wurden Kriege geführt. Zwei davon haben Deutschland verwüstet. Der dritte läuft gerade an. Wer das für eine Verschwörungstheorie hält, möge erklären, warum Nordstream auf dem Meeresgrund liegt.