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Montag, 5. Januar 2026

Erlaubte Dissidenz: Wenn das Establishment seine eigenen Verbrechen "enthüllt"

 


Über Mark Curtis' "Secret Affairs" und die Kunst der kontrollierten Kritik

Eine Analyse über imperiale Machtstrukturen, Chatham House und die Grenzen dessen, was man sagen darf


Akt I: Die "Enthüllung" - Was Curtis dokumentiert

Stellen Sie sich vor, Sie würden in den Archiven der britischen Regierung stöbern und dabei auf Dokumente stoßen, die belegen: Genau jene "terroristischen" Gruppen, gegen die der Westen seit Jahrzehnten vorgeblich "Krieg" führt, wurden von ebendiesen westlichen Regierungen systematisch aufgebaut, bewaffnet, trainiert und finanziert.

Der britische Historiker Mark Curtis hat genau das getan. 2010 veröffentlichte er "Secret Affairs: Britain's Collusion with Radical Islam" – eine akribisch dokumentierte Geschichte von fast 70 Jahren westlicher Kollaboration mit radikalen Islamisten. Basierend auf freigegebenen Regierungsdokumenten zeigt Curtis:

Die fünf Funktionen des nützlichen Extremismus:

1. Globale Gegenkraft zu Nationalismus und Kommunismus
Islamistische Gruppen eigneten sich perfekt als Verbündete gegen säkulare, nationalistische und sozialistische Bewegungen – sie waren anti-kommunistisch, anti-säkular und meist auch anti-demokratisch.

2. "Konservative Muskelkraft" im Inneren
In Ägypten, Syrien oder Jordanien nutzten westliche Mächte islamistische Organisationen (vor allem die Muslimbruderschaft), um linke Oppositionelle, Gewerkschaften und säkulare Nationalisten einzuschüchtern. Ein britischer Diplomat schrieb 1957 unverblümt: Die Muslimbruderschaft sei "nützlich als 'Schlägerorganisation', die notfalls linke Extremisten auf der Straße übernehmen könnte."

3. Stoßtruppen zum Regimewechsel
Ob in Afghanistan, Libyen oder Syrien – islamistische Milizen waren oft die bevorzugten Proxy-Armeen für Regime-Change-Operationen.

4. Proxy-Krieger
Die afghanischen Mudschahedin der 1980er Jahre – aufgebaut von CIA, MI6, Saudi-Arabien und Pakistan. Aus ihnen erwuchs später al-Qaida.

5. Politische Druckmittel
Islamistische Bewegungen als Hebel, um Regierungen zu erpressen oder unter Druck zu setzen.

Die strategischen Dauerallianzen:

Curtis dokumentiert, dass diese Kollaboration auf zwei zentralen Partnerschaften basiert:

  • Saudi-Arabien: Globale Finanzierungs- und Ideologiequelle des radikalen Islam (Wahhabismus). Westliche Regierungen schauten weg bei der Finanzierung extremistischer Moscheen weltweit, solange Riad Waffen kaufte und ölpolitisch kooperierte.

  • Pakistan: Operative Drehscheibe über den Geheimdienst ISI, der islamistische Milizen trainierte und steuerte – stets mit westlicher Billigung.

Die Chronologie der Komplizenschaft:

Von Iran 1953 (Putsch gegen Mossadegh unter Einbindung islamistischer Kräfte) über Afghanistan 1979-1992 (Aufbau der Mudschahedin), Bosnien/Kosovo 1990er (Kooperation mit al-Qaida-nahen Gruppen), Libyen 2011 (Unterstützung der al-Qaida-nahen LIFG) bis Syrien 2011-heute (Bewaffnung "moderater Rebellen" mit engen al-Qaida-Verbindungen).

Die perfide Pointe: Salman Abedi, der 2017 in Manchester 22 Menschen tötete, hatte zuvor in Libyen als Teil jener Milizen gekämpft, die Großbritannien beim Sturz Gaddafis unterstützt hatte.

Curtis' Material ist dokumentarisch solide. Die Fälle sind belegt. Die Dokumente sind echt.

Soweit die "Enthüllung".


Akt II: Die kritische Wendung - Wer ist Mark Curtis?

Aber jetzt wird es interessant. Denn die entscheidende Frage lautet nicht "Was sagt Curtis?", sondern: "Warum darf er das sagen?"

Mark Curtis ist kein verfolgter Whistleblower. Er ist kein investigativer Außenseiter. Er ist:

  • Ehemaliger Research Fellow am Royal Institute of International Affairs – besser bekannt als Chatham House
  • Ehemaliger Direktor der World Development Movement
  • Seine Bücher erscheinen bei etablierten Verlagen
  • Er wird in renommierten Medien rezensiert (wenn auch selten)

Und da liegt der Hund begraben. Denn Chatham House ist nicht irgendein Think Tank.


Akt III: Chatham House - Das Gehirn des Empire

Die Gründer: Rhodes, Milner und die angloamerikanische Weltdominanz-Agenda

Chatham House (Royal Institute of International Affairs) wurde 1920 gegründet – zusammen mit dem Council on Foreign Relations (CFR) in den USA als Zwillingsinstitutionen. Diese Gründung war kein Zufall, sondern die Institutionalisierung eines langfristigen Projekts:

Cecil Rhodes (1853-1902):

  • Schuf das Diamanten-Monopol De Beers in Südafrika
  • Beutete die schwarze Bevölkerung systematisch aus
  • Rhodesien (heute Zimbabwe/Zambia) wurde nach ihm benannt
  • Sein Testament: Schaffung einer geheimen Gesellschaft zur Errichtung einer angloamerikanischen Weltherrschaft
  • Die Rhodes Scholarships (Oxford) als Kaderschmiede dieser Elite

Alfred Milner (1854-1925) und die "Milner Group":

  • Rhodes' Nachfolger und Testamentsvollstrecker
  • Hochkommissar in Südafrika, organisierte den Burenkrieg
  • Schuf die Round Table Movement – das Netzwerk zur Koordination des Empire
  • Gründete 1920 Chatham House als institutionalisierte Form dieser Bewegung

Der Historiker Carroll Quigley (selbst Insider) beschrieb dieses System detailliert in "The Anglo-American Establishment" und "Tragedy and Hope". Das Programm war explizit:

  • Vereinigung der englischsprachigen Welt unter britisch-amerikanischer Führung
  • Kontrolle über strategische Ressourcen
  • Lenkung der Weltpolitik durch ein Elite-Netzwerk "hinter den Kulissen"
  • Propaganda nach außen: "Frieden", "Demokratie" – Realität: Imperiale Kontrolle

Chatham House heute: Die Mitgliederliste als Machtindex

Königshaus:

  • Queen Elizabeth II. war Schirmherrin
  • Königsfamilie tief verwoben mit dieser Struktur

Konzerne (Fördermitglieder/Sponsoren):

  • Energie: BP, Shell, ExxonMobil, Chevron, Total
  • Banken: Goldman Sachs, JP Morgan, Citi, HSBC, Deutsche Bank
  • Rüstung: BAE Systems, Lockheed Martin, Airbus
  • Pharma: GSK, AstraZeneca, Pfizer

Regierungen und Geheimdienste:

  • Britische Außenminister (fast alle Mitglieder oder Fellows)
  • MI6-Chefs und hochrangige Geheimdienstler
  • EU-Kommissare und hohe Beamte

Medien:

  • BBC, Financial Times, Economist, Guardian – Chefredakteure oft Mitglieder
  • Kontrolle über "respektable" Berichterstattung

Globales Netzwerk:

  • Verbindungen zu Bilderberg, Trilateraler Kommission, CFR
  • Koordination imperialer Politik weltweit

Die Funktion: Planung und Legitimierung

Chatham House ist keine akademische Institution. Es ist:

  • Planungszentrum für britische (und westliche) Außenpolitik
  • Kaderschmiede für Außenpolitik-Elite
  • Legitimierungsapparat für imperiale Interventionen
  • Netzwerk-Hub zwischen Regierung, Konzernen, Geheimdiensten, Medien

Die berühmte "Chatham House Rule" (Informationen aus Treffen dürfen verwendet werden, aber nicht zugeordnet) ermöglicht vertrauliche Koordination zwischen nominell getrennten Sektoren.

Und DA arbeitete Mark Curtis als Research Fellow

Im Herzen dieser Macht. Als Teil dieser Struktur. Und dann schreibt er ein Buch, das die britische Außenpolitik "entlarvt"?

Ernsthaft?


Akt IV: Was Curtis NICHT sagt - Die blinden Flecken

Die entscheidende Frage lautet: Was sind die Grenzen von Curtis' "Enthüllung"?

1. Chatham House selbst

Curtis kritisiert "die Regierung", "Whitehall", "britische Außenpolitik" – aber kein Wort über Chatham House. Die Institution, die ihn bezahlte, die seit 100 Jahren britische Außenpolitik formuliert, bleibt unsichtbar.

Keine Erwähnung von:

  • Rhodes' Testament und der Weltdominanz-Agenda
  • Der Milner-Tradition
  • Der aktuellen Rolle von Chatham House als Planungszentrum
  • Den Namen der Verantwortlichen in diesen Netzwerken

2. Die Israel-Dimension

Curtis erwähnt Israel nur am Rande (Suez 1956). Aber:

  • Britische Rolle bei der Schaffung Israels (Balfour-Deklaration 1917)
  • Israels Kooperation mit Saudi-Arabien gegen säkulare arabische Nationalisten
  • Die Förderung der Hamas durch Israel gegen die PLO
  • Die "Clean Break"-Strategie (Destabilisierung des Nahen Ostens)
  • Mossad-Kooperationen mit radikalen Islamisten

Warum diese Lücke? Weil Israel-Kritik, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht, im Establishment karriereendend ist.

3. Die Finanz-Dimension

Curtis fokussiert auf Öl und Waffen. Aber:

  • City of London als Geldwaschmaschine für Petrodollars
  • Die "Öl-für-Waffen" Kreisläufe im Detail
  • Offshore-Banking und Korruptionsnetzwerke
  • Wer persönlich profitierte – Namen, Zahlen, Konten

Die Finanzströme zwischen Golfstaaten und westlichen Banken werden nur oberflächlich behandelt. Warum? Weil die City of London zum innersten Machtkern gehört.

4. Die Drogenökonomie

Afghanistan ist seit den 1980ern das Heroin-Zentrum der Welt.

  • CIA-Verwicklung im Drogenhandel ist dokumentiert (Gary Webb, Alfred McCoy)
  • HSBC und andere Banken als Geldwäscher
  • Die "Golden Triangle"- und "Golden Crescent"-Operationen

Bei Curtis: Fast kein Thema. Ein paar Randerwähnungen, keine systematische Analyse.

5. Aktuelle Operationen

Curtis bleibt bei historischen Fällen oder solchen, die bereits medial behandelt wurden. Wirklich geheime, laufende Operationen? Fehlanzeige.

Was läuft JETZT gerade? Ukraine? Taiwan? Venezuela? Welche islamistischen Gruppen werden AKTUELL aufgebaut?

6. Das System selbst

Curtis' Kritik bleibt liberal-moralisch: "Heuchelei", "Doppelmoral", "Fehler", "Kurzsichtigkeit".

Seine implizite Botschaft: "Mit besserer, ehrlicherer Politik könnte man es anders machen."

Die Wahrheit: Man KANN es nicht anders machen im Rahmen dieses Systems.

Imperiale Akkumulation BRAUCHT:

  • Kontrolle über Ressourcen (Öl, Gas, Mineralien)
  • Destabilisierung konkurrierender Regionen
  • Waffenverkäufe (Profit)
  • Billige Arbeitskräfte (Migration als Folge von Kriegen)
  • Permanenten Ausnahmezustand ("War on Terror")

Das ist keine "schlechte Politik", die man korrigieren könnte. Das IST die Politik. Das ist der Kapitalismus in seiner imperialen Form.

Curtis analysiert die Ausführung, nicht das System. Er kritisiert die Methoden, nicht die Struktur.


Akt V: Das Geschäftsmodell der "erlaubten Dissidenz"

Jetzt verstehen wir, warum Curtis publizieren darf. Er erfüllt mehrere Funktionen für das System:

1. Limited Hangout (Klassische Geheimdiensttechnik)

Man gibt Teilwahrheiten zu, um größere Wahrheiten zu verbergen:

  • Man opfert "historische" Skandale, um aktuelle Operationen zu schützen
  • Die 30-Jahres-Regel macht alte Dokumente ungefährlich
  • Niemand wird strafrechtlich verfolgt für 50-70 Jahre alte Operationen

2. Historisierung = Neutralisierung

"Ja, damals haben wir Fehler gemacht" → impliziert: "Aber heute machen wir's besser"

Die Realität: Sie machen es heute genauso, nur mit anderen Akteuren.

3. Kanalisierung und Entschärfung von Kritik

Wer Curtis liest, fühlt sich "aufgeklärt" und informiert. Die Kritik bleibt aber im Rahmen:

  • "Bessere Politik" statt Systemwechsel
  • Moralische Empörung statt strukturelle Analyse
  • Individuelle Fehler statt Klassenherrschaft

Das System produziert solche Kritiker, um radikalere Kritik zu verhindern.

4. Kontrolle der Kritik

Besser, ein "seriöser" Historiker aus Chatham House schreibt darüber (kontrollierbar) als dass Whistleblower oder echte Außenseiter unkontrolliert Informationen streuen.

Curtis wird als "verantwortungsvoller Kritiker" präsentiert – im Gegensatz zu "Verschwörungstheoretikern".

5. Marginalisierung durch selektive Aufmerksamkeit

Curtis' Buch wird von Mainstream-Medien weitgehend ignoriert. Es erreicht eine kleine kritische Öffentlichkeit, aber die Masse bekommt davon nichts mit. Die öffentliche Debatte bleibt unbeeinflusst.

Das System toleriert diese Art von Kritik, weil sie ungefährlich ist.

Die erlaubte vs. die verbotene Kritik

Erlaubt:

  • Kritik an "vergangenen Fehlern"
  • Kritik an einzelnen Politikern
  • Kritik an "Fehleinschätzungen"
  • Dokumentation historischer Skandale
  • Moralische Empörung

Verboten/Karriereendend:

  • Benennung aktueller Operationen mit Namen
  • Strukturkritik am kapitalistischen System selbst
  • Aufdeckung persönlicher Netzwerke (wer mit wem, wer profitiert)
  • Radikale Israel-Kritik
  • Darstellung der Drogenökonomie als System
  • Nennung von Chatham House, CFR, Bilderberg als Planungszentren

Curtis bewegt sich geschickt innerhalb dieser Grenzen.


Akt VI: Die dialektische Nutzung - Wie man Curtis trotzdem nutzen kann

Bedeutet das, Curtis' Buch ist wertlos? Nein. Aber es erfordert dialektisches Lesen:

Was man nehmen kann:

  •  Die Dokumente – sie sind echt
  •  Die historischen Fälle – akkurat dokumentiert
  •  Die faktischen Zusammenhänge – als Ausgangsmaterial
  •  Die Widersprüche – zwischen Propaganda und Realität

Was man verwerfen muss:

  •  Die Analyse – liberal-moralisch statt strukturell
  •  Die Erklärung – "Fehler" statt System
  •  Die Lösung – "bessere Politik" statt Systemwechsel
  •  Die blinden Flecken – als zufällig statt systematisch

Die richtige Nutzung:

1. Fakten extrahieren
Nutze Curtis' Dokumentation als Rohmaterial. Die Archive hat er durchgearbeitet, die Dokumente zitiert er korrekt.

2. Analyse ersetzen
Verwerfe seine liberale Interpretation. Ersetze sie durch materialistische Analyse:

  • Nicht "Heuchelei", sondern imperiale Akkumulationslogik
  • Nicht "Fehler", sondern systemische Notwendigkeit
  • Nicht "Kurzsichtigkeit", sondern kalkulierte Strategie

3. Lücken füllen
Ergänze, was Curtis auslässt:

  • Die Rolle von Chatham House und Round Table-Netzwerken
  • Israel als integraler Teil der Strategie
  • Finanzströme und Profiteure (Namen!)
  • Drogenökonomie als Finanzierungsquelle
  • Aktuelle Operationen

4. Radikalisieren
Gehe weiter als Curtis:

  • Nicht "bessere Außenpolitik", sondern Ende der imperialen Struktur
  • Nicht "ehrlichere Regierungen", sondern Entmachtung der herrschenden Klasse
  • Nicht "Reform", sondern Systemwechsel

Curtis als Sprungbrett

Curtis liefert die Einstiegsdroge für Uninformierte:

  • "Schau, sogar ein Chatham-House-Fellow sagt, dass..."
  • Dann radikalisieren: "Aber er sagt nicht alles. Hier ist, was fehlt..."

Nutze ihn als Türöffner, aber bleib nicht bei ihm stehen.


Fazit: Die Anatomie erlaubter Dissidenz

Mark Curtis' "Secret Affairs" ist ein Lehrstück – aber nicht das, als das es sich präsentiert.

Es zeigt nicht primär, wie die britische Außenpolitik funktioniert (das ist der Oberflächeninhalt).

Es zeigt, wie das System mit Kritik umgeht:

  • Teilwahrheiten zugeben, um Gesamtwahrheiten zu verbergen
  • Historische Skandale opfern, um aktuelle zu schützen
  • Kontrollierte Kritiker produzieren, um radikale zu verhindern
  • Moralische Empörung kanalisieren, um strukturelle Analyse zu vermeiden

Curtis ist nützlich – aber nicht so, wie er denkt.

Seine Dokumente sind Munition. Seine Analyse ist Ablenkung. Seine Position bei Chatham House ist das eigentliche Thema.

Für eine radikale Kritik brauchen wir:

  • Curtis' Fakten (nehmen)
  • Curtis' Analyse (verwerfen)
  • Curtis' Position (analysieren)
  • Curtis' Lücken (füllen)
  • Curtis' Grenzen (überschreiten)

Die zentrale Lektion:

Imperiale Außenpolitik ist kein "Fehler", keine "Heuchelei", keine "Kurzsichtigkeit". Sie ist die logische Konsequenz eines Systems, das auf Akkumulation durch Ausbeutung basiert. Die Kollaboration mit radikalen Islamisten war nie Irrweg – sie war und ist kalkulierte Strategie.

Der "War on Terror" bekämpft die selbstgeschaffenen Monster nicht trotz, sondern WEGEN ihrer Existenz. Denn der permanente Krieg:

  • Legitimiert Rüstungsausgaben
  • Rechtfertigt Überwachungsstaaten
  • Ermöglicht Ressourcenkontrolle
  • Sichert Profite
  • Verhindert Demokratie

Und die Profiteure?

Sie sitzen bei Chatham House, im CFR, in Vorstandsetagen von BP und Goldman Sachs, in Regierungen und Geheimdiensten. Sie planen, finanzieren und profitieren.

Und manchmal lassen sie einen ihrer Leute ein Buch schreiben. Zur Beruhigung der Kritischen. Zur Kanalisierung der Wut. Zur Verhinderung des Umsturzes.

Mark Curtis erfüllt diese Funktion perfekt.

Nutzen wir sein Material. Aber fallen wir nicht auf die Rolle herein, die ihm zugedacht ist.


Wo bekommt man das Buch? (Und warum es sich trotzdem lohnt)

Das Buch ist nicht auf Deutsch erhältlich, nur im englischen Original:

  • Amazon.de
  • Verschiedene Buchhandlungen (englische Ausgabe)
  • Auch als E-Book

Mark Curtis: "Secret Affairs: Britain's Collusion with Radical Islam"
Serpent's Tail, aktualisierte Ausgabe 2018, ca. 450 Seiten

Lohnt es sich? Ja – als Quellenmaterial. Als Sprungbrett. Als Ausgangspunkt für weitergehende Analyse.

Aber lest es mit der richtigen Frage im Kopf: Nicht "Was sagt Curtis?", sondern "Was darf Curtis nicht sagen – und warum?"

Die Lücken sind oft aufschlussreicher als der Inhalt.


Für eine Außenpolitik jenseits imperialer Logik müsste man das System selbst angreifen – nicht nur seine Ausführung. Aber dafür müsste man aus Chatham House austreten. Und das tut Curtis nicht. Darin liegt seine Grenze. Und unser Auftrag: Diese Grenze zu überschreiten.

Marigny de Grilleau


P.S.: Die Ironie ist bitter: Ein Buch über die geheimen Kollaborationen des britischen Empire, geschrieben von einem Fellow der Institution, die diese Kollaborationen seit 100 Jahren plant. Man könnte lachen, wenn es nicht so tragisch wäre.

P.P.S.: Wer mehr über die Struktur von Chatham House, Round Table Movement und die angloamerikanische Machtelite erfahren will: Carroll Quigley, "The Anglo-American Establishment" (1981) und "Tragedy and Hope" (1966). Quigley war selbst Insider – und zahlte den Preis für zu viel Ehrlichkeit.

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