Eine Generation, die in Umerziehungsprogramme, Schuldkomplexüberlastung und angloamerikanische Mediensozialisation hineingeboren wurde, wird heute als das personifizierte Versagen der Geschichte dargestellt. Das ist keine Kritik. Das ist eine Umkehrung.
Wer eine Generation für ihr historisches Bewusstsein tadeln will, sollte zunächst fragen: unter welchen Bedingungen wurde dieses Bewusstsein geformt?
Die Nachkriegsgeneration wuchs nicht in einem Vakuum auf. Sie wurde in Besatzungspädagogik hineingeboren, in Re-education-Programme, in eine angloamerikanisch geformte Öffentlichkeit, in einen Schuldkomplex, der politisch instrumentalisiert wurde, bevor die Betroffenen lesen konnten. Sie hat das nicht gewählt. Sie hat es geerbt.
Wer das als persönliches Versagen dieser Generation verbucht, verwechselt Sozialisation mit Entscheidung. Wer ein System kritisiert, das er nicht gewählt hat, ist redlich. Wer die Menschen dafür verantwortlich macht, dass sie in dieses System hineingeboren wurden, ist es nicht.
Und wer dabei glaubt, selbst außerhalb jeder Sozialisation zu stehen — aufgeklärt, kritisch, ungeformt — sollte sich fragen, wer seine Begriffe geprägt hat. Und wessen Interessen diese Begriffe bedienen.
Wir alle haben noch zu lernen. Das gilt ohne Ausnahme.
Marigny de Grilleau schreibt seit zwanzig Jahren über Macht, Sprache und die Mechanismen, die beides verschleiern.
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