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Montag, 19. Januar 2026

Er nahm sich das Leben, damit das Haus bleibt

Es gibt Geschichten, die muss man erzählen. Nicht weil sie schön sind. Sondern weil sie zeigen, was dieses System mit Menschen macht.

Diese Geschichte ist wahr. Sie stammt aus dem engsten Kreis meiner Familie.


Ein Freund meines Vaters war schwer krank. Unheilbar. Seine Frau pflegte ihn, so lange sie konnte. Beide waren nicht mehr die Jüngsten. Es war absehbar: Irgendwann würde sie es nicht mehr schaffen. Irgendwann würde er ins Pflegeheim müssen.

Die beiden hatten sich ein kleines Häuschen erarbeitet. Nichts Großes. Kein Luxus. Einfach ein Zuhause. Ihr Zuhause. Das Ergebnis eines Arbeitslebens.

Und dann erfuhr er, was passiert, wenn man ins Pflegeheim muss und das Haus leer steht: Es gilt als "verwertbares Vermögen". Das Sozialamt kann verlangen, dass man es verkauft. Erst wenn das Geld aufgebraucht ist, gibt es Unterstützung.

Er hat das verstanden. Er hat verstanden, was das für seine Frau bedeutet hätte.

Also begann er zu recherchieren. Über Monate. Welche Medikamente. Welche Dosierungen. Er fragte vorsichtig nach, bei Menschen, die sich auskannten. Er sammelte Wissen. Für den Tag, an dem es soweit sein würde.

Eines Tages rief er meinen Vater an. Er verabschiedete sich.

Am nächsten Tag war er tot.


Ich schreibe das hier nicht, um Mitleid zu erregen. Ich schreibe das, weil wir begreifen müssen, was hier passiert ist.

Ein Mensch hat sich das Leben genommen, damit seiner Frau das Dach über dem Kopf bleibt.

Das ist kein individuelles Versagen. Das ist kein "tragischer Einzelfall". Das ist die logische Konsequenz eines Systems, das Menschen vor die Wahl stellt: Dein Leben oder dein Lebenswerk.

Das Sozialamt nennt es "Nachrangigkeit". Der Staat nennt es "Eigenverantwortung". Die Gesellschaft nennt es "so sind nun mal die Regeln".

Ich nenne es das, was es ist: Gewalt.


Wir leben in einem Land, in dem Menschen ihr ganzes Leben arbeiten, Steuern zahlen, Sozialabgaben leisten - und am Ende, wenn sie schwach und krank sind, nimmt man ihnen das Wenige, das sie sich aufgebaut haben.

Man redet von "Angemessenheit". Man prüft Quadratmeter. Man berechnet Marktwerte. Man schickt Briefe mit Fristen.

Und irgendwo sitzt ein alter, kranker Mann und rechnet nach. Nicht Quadratmeter. Sondern Tabletten.


Mein Vater ist mittlerweile auch schon viele Jahre tot. Die Frau, die damals als Krankenschwester dem Mann ungewollt Hinweise gab, ist ebenfalls gestorben. Die Generation, die das erlebt hat, geht.

Aber das System bleibt. Und jeden Tag stehen Menschen vor derselben Entscheidung.

Das Perfide: Das System zwingt niemanden direkt. Es schafft nur die Bedingungen, unter denen Menschen solche Entscheidungen treffen. Und dann kann man sagen: Er hat sich ja selbst entschieden. Er hätte ja auch das Haus verkaufen können.

So funktioniert strukturelle Gewalt. Sie hinterlässt keine Fingerabdrücke. Sie unterschreibt keine Urteile. Sie schafft nur Situationen, in denen Menschen keine guten Optionen mehr haben.


Ich habe keine Lösung anzubieten. Ich habe nur diese Geschichte.

Und die Frage, die mich nicht loslässt: In was für einem Land leben wir, wenn ein Mann sich umbringt, damit seine Frau in ihrem Haus bleiben darf?


Dieser Beitrag ist einem Menschen gewidmet, dessen Namen ich hier nicht nenne. Er hat getan, was er für richtig hielt. Das System hat ihn dahin gebracht.

Sonntag, 18. Januar 2026

Der Souverän hat zu fragen

 

Oder: Wie man Proteste gegen die Zerstörung der Lebensgrundlagen ordnungsgemäß verbietet


Das Verwaltungsgericht Greifswald hat gesprochen. Die Bauern dürfen nicht. Eine Woche Autobahnblockade am Grenzübergang Pomellen? Unmittelbare Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Könnte ja glatt sein. Kalte Temperaturen. Und überhaupt, die Anmeldung kam so kurzfristig - da kann man ja gar nicht genug Polizei zusammentrommeln, um das Grundrecht ordentlich zu verwalten.

Die Demokratie und ihre Formulare

Artikel 8 Grundgesetz, erster Absatz: "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln."

Ohne Anmeldung. Ohne Erlaubnis. So steht es da. Schwarz auf weiß. Seit 1949.

Aber dann kam das Versammlungsgesetz. Und die Durchführungsverordnungen. Und die Verwaltungspraxis. Und plötzlich muss der Souverän 48 Stunden vorher bei der Exekutive anfragen, ob er seinen Unmut über eben jene Exekutive äußern darf. Keine Genehmigung, bewahre! Nur eine Anmeldung. Zur Koordination. Damit die Behörden den Protest schützen können.

Vor sich selbst, vermutlich.

Was gefährlich ist und was nicht

Gefährlich ist, nach amtlicher Definition: Traktoren auf der Autobahn.

Nicht gefährlich ist, nach amtlicher Definition: Die systematische Zerstörung der landwirtschaftlichen Infrastruktur eines ganzen Kontinents.

Vor 40 Jahren stand an jeder Ecke ein Bauernhof. Die kleinen Obstgärtner, die Gemüsebauern, die Milchviehbetriebe mit 20 Kühen. Alles weg. Aufgelöst. Bereinigt. Strukturwandel, nennen es die Agrarberichte. Eine Million Höfe 1970, unter 260.000 heute. Die Fläche blieb. Sie gehört jetzt nur anderen.

Aber das ist keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Das ist Marktgeschehen. Das ist internationale Arbeitsteilung. Das ist Effizienzsteigerung.

Die Auflagen und ihre Funktion

Ein Kleinbauer soll morgens die Kühe versorgen, mittags die EU-Dokumentationspflichten erfüllen, nachmittags die Hygienevorschriften implementieren und abends die Förderanträge ausfüllen. Wenn er das nicht schafft, liegt es an seiner mangelnden Wettbewerbsfähigkeit.

Der Großbetrieb hat dafür eine Abteilung. Drei Sachbearbeiter, die nichts anderes tun. Die Auflagen sind formal neutral - sie treffen ja jeden gleich. Dass sie den einen vernichten und dem anderen ein Mittagessen kosten, ist bedauerlicher Kollateralschaden.

So funktioniert Selektion durch Bürokratie. Keine schmutzigen Hände. Alles rechtsstaatlich. Alles verhältnismäßig.

Die Abhängigkeit und ihre Verkäufer

Deutschland importiert die Hälfte seiner Lebensmittel. Bei Obst und Gemüse deutlich mehr. Die Lieferketten spannen sich um den halben Globus. Äpfel aus Chile, Tomaten aus Spanien, Getreide aus der Ukraine - solange es fließt, nennt man es Wohlstand.

Und wenn es nicht mehr fließt?

Dann wird aus internationaler Arbeitsteilung plötzlich strategische Verwundbarkeit. Dann erinnert man sich vielleicht an die Höfe, die es nicht mehr gibt. An die Obstgärten, die jetzt Bauland sind. An das Wissen, das mit einer Generation verschwunden ist.

Aber das ist ja keine unmittelbare Gefährdung. Das ist nur eine zukünftige. Und für zukünftige Gefährdungen sind Verwaltungsgerichte nicht zuständig.

Der Sachbezug und seine Abwesenheit

Das Gericht bemängelt, die Bauern hätten "keinen hinreichenden Sachbezug des Versammlungsthemas zum Versammlungsort vorgetragen". Die Autobahn, über die täglich die Importe rollen, die ihre Existenz vernichten - kein Sachbezug. Der Grenzübergang, durch den die Billigkonkurrenz kommt - kein Sachbezug.

Wo wäre denn Sachbezug? Auf dem Acker, den sie bald nicht mehr haben? Vor dem Ministerium, das niemanden interessiert? In der Fußgängerzone, wo die Passanten schnell weitergehen?

Die Logik ist bestechend: Ein Protest ist genau dann zulässig, wenn er niemanden stört. Und wenn er niemanden stört, berichtet niemand. Und wenn niemand berichtet, kann man so weitermachen wie bisher.

Die milderen Mittel und ihre Abwesenheit

Das Gericht sieht "keine gegenüber einem Versammlungsverbot milderen Mittel". Eine Woche ist zu lang. Eine Stunde wäre okay gewesen. Vielleicht. Wenn das Wetter besser wäre. Und mehr Vorlauf.

Die Zerstörung einer gesamten Berufsgruppe über Jahrzehnte - dafür gibt es offenbar auch keine milderen Mittel. Aber die sucht ja auch niemand.

Der Souverän und seine Stelle

Am Ende bleibt die Frage, die niemand stellt: Wer ist hier eigentlich der Souverän?

Auf dem Papier das Volk. In der Praxis die Behörde, die entscheidet, ob das Volk seine Meinung äußern darf. Die abwägt zwischen Versammlungsfreiheit und öffentlicher Sicherheit. Die definiert, was eine unmittelbare Gefährdung ist und was nur ein Strukturwandel.

Der Bauer darf Widerspruch einlegen. Gegen das Verbot. Beim selben Staat, gegen dessen Politik er protestieren wollte. Das nennt sich Rechtsstaat.

Und wenn der Widerspruch abgelehnt wird, kann er vor Gericht ziehen. Und wenn das Gericht ablehnt, kann er in die nächste Instanz. Und während er prozessiert, macht der letzte Nachbar zu. Marktbereinigung. Effizienzsteigerung. Ganz normaler Strukturwandel.

Die Autobahn bleibt frei.


Die Traktoren hätten die öffentliche Sicherheit gefährdet. Die Agrarpolitik gefährdet nur die Ernährungssicherheit. Das ist etwas völlig anderes.


Samstag, 17. Januar 2026

Willkommen in der Realität: Wenn die Zensur endlich im Wohnzimmer ankommt

Eine Garten-YouTuberin steht den Tränen nahe. Ihr Kanal wurde gelöscht. Einfach so. Ohne Vorwarnung, ohne konkreten Grund, ohne menschlichen Ansprechpartner. Sechs Jahre Arbeit - weg. "Spam, irreführende Praktiken und Betrug" lautete der Vorwurf. Was sie konkret verbrochen haben soll? Das erfährt sie nicht. Wie sie sich verteidigen soll? Unmöglich. 800 Zeichen Widerspruchsformular, dann Schweigen.

Ich schaue mir das Video an und denke: Willkommen in meiner Welt. Willkommen in der Welt von tausenden Menschen, die das seit zehn Jahren erleben.

Die Entdeckung der Ohnmacht

Was mich an diesem Fall fasziniert, ist nicht die Ungerechtigkeit selbst - die ist banal, alltäglich, systematisch. Was mich fasziniert, ist das Erwachen. Da steht jemand, der jahrelang brav Kochvideos und Gartentipps produziert hat, politisch völlig unverdächtig, und entdeckt plötzlich: Es gibt keine Instanz, an die man sich wenden kann. Keine Telefonnummer. Keinen Menschen. Nur Algorithmen und Formulare.

"Wie soll ich mich wehren, wenn ich nicht weiß, was ich verbrochen habe?"

Diese Frage stellen kritische Blogger, Friedensaktivisten und politisch unbequeme Stimmen seit einem Jahrzehnt. Mein Facebook-Account ist lebenslang gesperrt. Nicht wegen Spam. Nicht wegen Betrug. Weil ich politisch nicht opportun bin. Und anders als diese Gärtnerin bekomme ich keine Wiederherstellung nach 24 Stunden, weil irgendein größerer YouTuber seinen "persönlichen Betreuer" einschaltet.

Das Märchen von der neutralen Plattform

Die Kanalbetreiberin ist empört, dass eine KI über ihre Existenzgrundlage entscheidet. Sie fordert, dass "ein Mensch drüberschauen" sollte, bevor solche Entscheidungen fallen. Sie glaubt noch an das System - sie denkt, es handele sich um einen Fehler, um mangelnde Programmierung, um fehlende Sensibilität der Algorithmen.

Sie begreift nicht, dass das System genau so funktioniert, wie es funktionieren soll.

Die Willkür ist kein Bug. Sie ist ein Feature. Sie hält alle in permanenter Unsicherheit. Niemand weiß genau, wo die Grenzen verlaufen. Also übt jeder Selbstzensur. Und wer sich trotzdem zu sicher fühlt, dem wird gelegentlich demonstriert, wie schnell alles vorbei sein kann.

Warum trifft es einen Gartenkanal?

Die Kommentare unter dem Video sind aufschlussreich. Menschen weisen darauf hin:

Saatgut ist monopolisiert. Saatguttauschbörsen arbeiten am Rande der Legalität. Wer Menschen beibringt, selbst Samen zu gewinnen und zu tauschen, untergräbt Geschäftsmodelle.

Selbstversorgung bedeutet Unabhängigkeit. Wer seinen eigenen Garten bewirtschaftet, einkocht, konserviert, braucht weniger vom industriellen Nahrungssystem. Das darf nicht sein.

Do-it-yourself ist der natürliche Feind von Fertigprodukten, Chemie, Konzernprofiten.

Vielleicht war es tatsächlich nur ein algorithmischer Fehler. Vielleicht. Aber dass ausgerechnet Kanäle, die Menschen zur Selbständigkeit anleiten, immer wieder "versehentlich" getroffen werden - das fällt auf.

Die Schlinge zieht sich zu

YouTuber, die vor politischen Entwicklungen warnen, werden gnadenlos gelöscht. Wer Tipps gibt, wie man sich unabhängiger machen kann, gerät ins Visier. Eigene Meinungen - Fehlanzeige. Und jetzt trifft es eben auch die, die dachten, sie seien sicher, weil sie doch "nur" über Einkochen und Hochbeete reden.

Die Gärtnerin im Video versteht noch nicht, dass sie keine Ausnahme ist. Sie denkt, wenn sie nur herausfindet, welche Regel sie gebrochen hat, kann sie ihr "Verhalten anpassen". Sie glaubt noch an transparente Regeln, an faire Verfahren, an die Möglichkeit, durch Wohlverhalten sicher zu sein.

Diese Illusion wird ihr genommen werden. Nicht heute, nicht morgen. Aber die Erfahrung, von einer Sekunde auf die nächste ausgelöscht werden zu können - die vergisst man nicht.

Ein Funken Hoffnung?

Vielleicht ist das der einzige Silberstreif: Wenn es genug Menschen trifft, die bisher dachten, das ginge sie nichts an, dann entsteht vielleicht irgendwann eine kritische Masse. Dann begreifen vielleicht auch die politischen Analphabeten in ihren gemütlichen Blasen, dass wir keine "wunderbare Demokratie" haben, sondern ein System, in dem private Konzerne darüber entscheiden, wer sprechen darf und wer nicht.

Willkommen in der Realität.

Sie ist weniger gemütlich als ein Gartenvideo. Aber sie ist real.

"KI-Fake!" - Der neue Schutzschild gegen die Wirklichkeit

 


Es gibt ein Video. Es zeigt einen Erwachsenen mit Hundemaske, der in einer Sporthalle auf allen Vieren kriecht, während ein "Handler" Kommandos gibt. Das Publikum applaudiert. Die Veranstaltung heißt "International Pup and Trainer Contest", hat tausende Follower auf Instagram, Sponsoren und findet jährlich statt.

Ich habe dieses Video auf LinkedIn geteilt. Die Reaktion eines Kommentators war vorhersehbar: "Schöner KI-Fake."

Keine Recherche. Kein Klick auf den verlinkten Instagram-Account. Kein Versuch, die Behauptung zu überprüfen. Stattdessen: sofortige Einordnung als Fälschung. Denn was nicht sein kann, das nicht sein darf.

Der neue Abwehrmechanismus

Wir erleben gerade die Geburt eines neuen kognitiven Schutzschildes. Früher hieß es "Verschwörungstheorie", "Spinner", "Nazi" - je nachdem, welches Etikett gerade am bequemsten war, um unbequeme Informationen zu neutralisieren. Heute heißt es: "KI-Fake".

Der Mechanismus ist derselbe. Die Realität wird nicht geprüft, sie wird wegrationalisiert. Der Unterschied: Das neue Etikett klingt technisch versiert. Wer "KI-Fake" ruft, präsentiert sich als aufgeklärter Skeptiker, der die Gefahren der neuen Technologie durchschaut hat. In Wahrheit ist es das Gegenteil von Skepsis - es ist die Weigerung, hinzuschauen.

Das eigentliche Problem

Aber reden wir über das, was in diesem Video zu sehen ist - und was weit darüber hinausgeht.

Das Therian-Phänomen breitet sich aus. Menschen - vor allem Jugendliche - identifizieren sich als Tiere. Nicht als Rollenspiel, nicht als Hobby. Als Identität. Seit 2021 hat TikTok diesen Trend zur weitreichendsten Verbreitung geführt. Die Hashtags haben hunderte Millionen Aufrufe.

In deutschen Schulen berichten Lehrerinnen von Kindern, die sich weigern, am Tisch zu sitzen, weil sie glauben, ein Fuchs zu sein. Die auf allen Vieren laufen. Die Tierlaute von sich geben. Eltern sind verzweifelt und finden keine Hilfe.

Und die Politik? Die rheinland-pfälzische Landesregierung wurde gefragt, wie Schulen damit umgehen sollen, wenn Schüler sich als Tiere fühlen. Die Antwort: Man müsse "pädagogisch sensibel" mit ihnen umgehen, um sie "zu unterstützen".

Noch aufschlussreicher: Sollten Mitschüler die Tier-Identität in Frage stellen, würden "verpflichtende schulische Krisenteams" eingesetzt, um den Konflikt beizulegen.

Lesen Sie das noch einmal. Das Krisenteam kommt nicht für das Kind, das glaubt ein Tier zu sein. Es kommt für das Kind, das noch zwischen Mensch und Tier unterscheiden kann.

Die Zerstörung der Unterscheidungsfähigkeit

Hier liegt die eigentliche Gefahr - und sie geht weit über einzelne Subkulturen hinaus.

Wir erleben die systematische Auflösung grundlegender Kategorien. Kinder lernen, dass Gefühle die Realität bestimmen. Dass jede Selbstwahrnehmung "validiert" werden muss. Dass es keine objektiven Unterscheidungen gibt - zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Tier, zwischen Realität und Wunschvorstellung.

Was passiert mit einer Generation, die so aufwächst?

Sie verliert die Fähigkeit, Realität als Realität zu erkennen. Sie entwickelt Reflexe, die unbequeme Wahrheiten automatisch neutralisieren. Sie ruft "KI-Fake", wenn sie ein Video sieht, das ihr Weltbild stört - ohne auch nur eine Sekunde zu recherchieren.

Die demokratiegefährdende Dimension

Und hier wird es politisch.

Eine Demokratie braucht Bürger, die hinschauen können. Die zwischen Fakten und Fiktionen unterscheiden. Die bereit sind, ihre Überzeugungen an der Realität zu prüfen - auch wenn das unbequem ist.

Wer bei einem harmlosen, leicht überprüfbaren Video schon die Sensoren ausschaltet - wie soll derselbe Mensch totalitäre Strukturen erkennen, wenn sie sich nicht als Karikatur präsentieren? Wie soll er Manipulation durchschauen, wenn sie subtil daherkommt? Wie soll er Propaganda identifizieren, wenn sie sich als "Wissenschaft" oder "Konsens" tarnt?

Der Kommentator unter meinem LinkedIn-Post forderte mich auf, "die Sensoren einzuschalten". Die Ironie ist bitter: Er selbst hatte seine Sensoren längst abgeschaltet. Er hatte ein Urteil gefällt, ohne hinzuschauen. Er hatte die Realität verweigert, weil sie nicht in sein Weltbild passte.

"Wir haben wichtigere Probleme"

Das war sein zweites Argument: Es gebe wichtigere Probleme.

Es ist der bequemste Satz der Welt, um jedes Problem zu ignorieren. Und er ist falsch.

Was könnte wichtiger sein als die geistige Gesundheit einer ganzen Generation? Als die Fähigkeit unserer Kinder, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden? Als die Bereitschaft von Erwachsenen, ihre Schutzfunktion wahrzunehmen?

Wir reden hier nicht über exzentrische Hobbys von Erwachsenen. Wir reden über Kinder, die in Schulen sitzen und glauben, sie seien Tiere. Über Eltern, die hilflos zusehen. Über einen Staat, der diese Verwirrung nicht korrigiert, sondern institutionell absegnet.

Der eigentliche Skandal

Der Skandal ist nicht das Video. Der Skandal ist nicht einmal das Therian-Phänomen an sich.

Der Skandal ist eine Gesellschaft, die verlernt hat, Nein zu sagen. Die jeden Irrsinn "validiert", weil sie Angst hat, als intolerant zu gelten. Die ihre Kinder einem ideologischen Experiment aussetzt und jeden mundtot macht, der Einwände erhebt.

Und der Skandal sind Menschen, die ein dokumentiertes, leicht überprüfbares Video sehen - und reflexartig "KI-Fake" rufen. Nicht weil sie skeptisch sind. Sondern weil sie feige sind.

Die Sensoren, die sie einfordern - sie sollten sie bei sich selbst einschalten.

Aber dafür müssten sie bereit sein, hinzuschauen. Und genau das ist das Problem.


Der LinkedIn-Post mit dem Original-Video und der vollständigen Diskussion ist hier verlinkt.


Wer hier wirklich schmarotzt

Eine Abrechnung

Seit zwanzig Jahren hören wir dasselbe Lied: Der Sozialstaat sei zu teuer. Die Arbeitslosen zu faul. Man müsse "Anreize schaffen" und "Druck machen".

Das Ergebnis? Deutschland gibt heute mehr aus als vor Hartz IV. Nicht weniger. Mehr.
Nur: Das Geld landet nicht bei den Armen. Es landet bei denen, die an der Armut verdienen.

Die Rechnung
Was ein Arbeitsloser bekommt: 563 Euro im Monat. Davon 5,16 Euro am Tag für Essen. 1,60 Euro im Monat für Haushaltsgeräte.

Was die Armutsindustrie bekommt: Milliarden. Jedes Jahr.
Die Jobcenter beschäftigen über 100.000 Menschen. Nicht um Arbeitslose zu vermitteln – um sie zu verwalten, zu kontrollieren, zu sanktionieren. Die Vermittlungsquote in reguläre Arbeit? Unter 5 Prozent?


Dazu kommen die Maßnahmenträger: Bertelsmann, Dekra, Arbeiter-Samariter-Bund und hunderte andere. Sie verkaufen "Bewerbungstrainings" und "Aktivierungsmaßnahmen" an die Jobcenter. Teilnahme: Pflicht. Wirksamkeit: Nie ernsthaft überprüft. Umsatz: Garantiert.

Das Geschäftsmodell
Es ist simpel: Je mehr "Problemfälle", desto mehr Aufträge. Je komplizierter das System, desto mehr Bürokratie. Je mehr Sanktionen, desto mehr Widersprüche, desto mehr Anwälte, Gerichte, Gutachter.

 Armut ist kein Problem, das gelöst werden soll. Armut ist ein Markt.
Und die Arbeitgeber? Die zahlen Löhne, von denen niemand leben kann. Der Staat stockt auf. Das nennt sich "Aufstocker" – 25 Prozent aller Leistungsempfänger arbeiten bereits. Der Steuerzahler subventioniert Hungerlöhne. Die Gewinne bleiben privat.

Das neue Sklavensystem
Für acht Millionen Menschen in diesem Land gilt das Grundgesetz nur eingeschränkt:

  • Keine Vertragsfreiheit.

  • Eingliederungsvereinbarungen sind Befehle.

  • Kein Eigentum.

  • Wer spart, verliert den Anspruch.

  • Keine Berufsfreiheit.

  • Jede Arbeit ist "zumutbar".

  • Kein Existenzminimum.

  • Sanktionen waren bis 2019 bis auf Null möglich.

Das SGB II ist kein Sozialrecht. Es ist Sonderrecht für eine Kaste, die man entrechtet hat.
Und wer nicht spurt, wird bestraft. Wer bestraft wird, verschuldet sich. Wer sich verschuldet, wird noch erpressbarer. Ein Kreislauf – perfekt designt.

Die echten Schmarotzer
Sie sitzen nicht in Plattenbauten. Sie sitzen in Vorständen.
Sie tragen keine Jogginghosen. Sie tragen Anzüge.
Sie kassieren keine 563 Euro. Sie kassieren Millionen – für ein System, das Menschen arm hält, damit andere daran verdienen.

Freitag, 16. Januar 2026

Moralischer Kitsch statt Aufklärung: Wie watson einen Kriegsfilm missversteht

 

Bei watson erschien dieser Tage ein Artikel über den Amazon-Film "Der Tiger", der exemplarisch vorführt, was in der deutschen Erinnerungskultur schiefläuft. Nicht der Film ist das Problem – sondern die Kritik daran.

Die steile These

Jennifer Ullrich, Senior-Redakteurin im Ressort Unterhaltung, attestiert dem Film ein "moralisches Desaster". Der Vorwurf: Die deutschen Soldaten werden als Menschen gezeigt. Mit Ängsten. Mit Zweifeln. Mit moralischen Konflikten. Das sei gefährlich, weil es "die Mär vom guten deutschen Soldaten" beschwöre.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein Film wird kritisiert, weil er seine Figuren nicht als eindimensionale Monster zeichnet.

Die absurde Logik

Was wäre die Alternative? Ausschließlich sadistische Karikaturen, die "Heil Hitler" brüllend durch die Gegend marodieren? Das wäre nicht nur historisch falsch – es wäre gefährlich. Denn es würde uns von der eigentlich verstörenden Frage entlasten: Wie wurden ganz normale Menschen Teil einer verbrecherischen Maschinerie?

Die Antwort ist unbequem. Es waren keine fremden Wesen. Es waren Bäcker, Lehrer, Familienväter. Menschen, die in einem System gefangen waren, das Verweigerung mit dem Tod bestrafte. Deserteure wurden erschossen. "Wehrkraftzersetzer" standrechtlich hingerichtet. Die Frage individueller Schuld in totalitären Systemen ist philosophisch komplex – und Filme, die diese Komplexität zeigen, betreiben nicht Apologetik, sondern Aufklärung.

Hannah Arendt prägte den Begriff der "Banalität des Bösen". Er beschreibt genau das: Das Grauen entsteht nicht durch Monster, sondern durch Menschen, die funktionieren. Wer das zeigt, relativiert nichts – er macht das Verstehen erst möglich.

Die Immunisierungsstrategie

Der Artikel operiert mit einem rhetorischen Trick: Wer widerspricht, gerät automatisch in den Verdacht, etwas relativieren zu wollen. Die moralische Rahmung macht Kritik unmöglich. Wer will schon als Nazi-Apologet dastehen?

Das ist keine Argumentation, das ist Erpressung.

Bezeichnend ist auch die Beweisführung: Als Kronzeuge für das "moralische Desaster" dient ein anonymer Rotten-Tomatoes-Kommentar. Das ist das analytische Niveau, auf dem hier operiert wird.

Der eigentliche Skandal

Während Deutschland seit Jahrzehnten eine Erinnerungskultur pflegt, die weltweit einzigartig ist, verdrängen andere Nationen ihre Verbrechen munter weiter. In London steht Churchill als Held – derselbe Churchill, unter dessen Verantwortung drei Millionen Bengalen verhungerten. Leopold II. wurde in Belgien lange geehrt, obwohl sein Kongo-Regime geschätzte zehn Millionen Menschen das Leben kostete. Die Opiumkriege, die Kolonialverbrechen, die Genozide an indigenen Völkern – all das wird als "Geschichte" abgehakt.

Aber wehe, ein deutscher Film zeigt einen Soldaten, der Angst hat.

Provokation als Geschäftsmodell

Auf ihrer Profilseite beschreibt sich die Autorin so: Sie "provozierte gern und oft mit Meinungstexten". Das ist die Selbstbeschreibung dessen, was wir hier lesen: Clickbait mit moralischem Anstrich.

Man nimmt ein sensibles Thema, formuliert eine steile These, die Empörung triggert, und generiert Aufmerksamkeit. Differenzierung stört dabei nur. Die Frage, ob ein Film künstlerisch gelungen ist, ob er historisch redlich arbeitet, ob seine Ambivalenz vielleicht gerade die Stärke ist – das erfordert Nachdenken. Nachdenken bringt keine Klicks.

Was auf der Strecke bleibt

Die eigentlich wichtige Debatte wird so verhindert: Wie erzählen wir von dieser Zeit? Wie vermeiden wir sowohl die Dämonisierung, die uns von der Selbstbefragung entlastet, als auch die Verharmlosung, die das Grauen relativiert?

Das sind schwierige Fragen. Sie erfordern mehr als moralische Posen und Rotten-Tomatoes-Zitate. Sie erfordern das, was diesem Artikel fehlt: intellektuelle Redlichkeit.

Stattdessen bekommen wir Kitsch. Moralischen Kitsch, der sich gut anfühlt, aber nichts erhellt. Der die richtigen Empörungsgesten macht, ohne je zur Erkenntnis vorzudringen.

Das ist kein Journalismus. Das ist Pose.


Den Original-Artikel findet man bei watson.de unter dem Titel "'Moralisches Desaster': Warum 'Der Tiger' bei Amazon problematisch ist"

Donnerstag, 15. Januar 2026

Die gefährlichen Fantasien der Libertären - Eine Analyse

Ein libertäres "Aufklärungsvideo" macht derzeit die Runde, das in erschreckender Weise zeigt, wohin sich ein Teil unserer Gesellschaft entwickelt. Was uns hier als "Freiheit" verkauft wird, ist in Wahrheit ein Programm zur Errichtung einer brutalen Herrschaft des Geldes - und erschreckend viele Menschen applaudieren diesem Wahnsinn.

Die systematische Entwicklung einer gefährlichen Ideologie

Der moderne Libertarismus ist keine spontan entstandene Bewegung, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger systematischer Entwicklung und Förderung. Seine Wurzeln reichen in die 1940er Jahre zurück, als wohlhabende Industrielle begannen, libertäre Denkfabriken und Institute zu finanzieren. Die Entwicklung verlief in mehreren Phasen:

  1. Akademische Grundlagen (1940er-1960er):
  • Etablierung der "Österreichischen Schule" an US-Universitäten
  • Gründung libertärer Think Tanks und Forschungsinstitute
  • Systematische Förderung durch Industrielle und Großunternehmer
  • Entwicklung radikaler Markttheorien durch Ökonomen wie Rothbard
  1. Politische Institutionalisierung (1970er-1980er):
  • Aufbau eines Netzwerks von Denkfabriken und Stiftungen
  • Gezielte Beeinflussung politischer Entscheidungsträger
  • Entwicklung marktradikal-libertärer Wirtschaftsprogramme
  • Durchsetzung dieser Ideen unter Reagan und Thatcher
  1. Gesellschaftliche Durchdringung (1990er-heute):
  • Systematische Verbreitung durch "Wirtschaftsbildung" an Schulen und Universitäten
  • Aufbau von Mediennetzwerken und Kommunikationsplattformen
  • Gezielte Ansprache junger Menschen über Social Media
  • Tarnung radikaler Marktideologie als "Freiheitsbewegung"

Was als akademische Theorie begann, wurde so schrittweise zu einer einflussreichen politischen Kraft entwickelt. Finanziert durch ein Netzwerk von Milliardären und Konzernen, gefördert durch Think Tanks und Stiftungen, verbreitet durch Medien und "Experten", hat sich der Libertarismus zu einer Bewegung entwickelt, die heute aktiv an der Zerstörung demokratischer und sozialer Errungenschaften arbeitet.

Die zentralen Thesen dieser libertären Dystopie:

  1. Der Staat soll komplett abgeschafft werden - außer zum Schutz von Privateigentum
  2. Alle gesellschaftlichen Funktionen sollen durch private Versicherungen geregelt werden
  3. Wer keine Versicherung hat, wird praktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen

Besonders wahnwitzig ist die Vorstellung, private Militär- und Polizeikräfte wären "effizienter" als staatliche Strukturen. Die libertäre Fantasie dahinter: Der "freie Markt" würde durch Konkurrenzdruck zu besserem Service und korrekterem Handeln führen. Die historische Realität zeigt uns das genaue Gegenteil: Überall, wo militärische Macht privatisiert wurde, entstanden brutale Söldnerheere und Systeme der Schutzgelderpressung. Private "Sicherheitskräfte" würden zwangsläufig nur dem Meistbietenden dienen. Wer mehr zahlt, bekommt die stärkeren Truppen. Kriminelle könnten sich einfach "ihre" Polizei kaufen. Am Ende stünden wenige mächtige Konzerne mit privaten Armeen - eine albtraumhafte Vision, die direkt ins Feudalsystem zurückführt. Dass ausgerechnet profitorientierte Söldnertruppen für mehr "Sicherheit" und "Ordnung" sorgen sollen als demokratisch kontrollierte Institutionen, offenbart die ganze Realitätsferne dieser Ideologie. 

Die erschreckenden Konsequenzen dieses Irrsinns:

Faktische Todesurteile für Arme:

  • Keine Krankenversicherung? Sterben Sie eben.
  • Keine Unfallversicherung? Verrecken Sie auf der Straße.
  • Keine Rentenversicherung? Arbeiten Sie bis zum Umfallen.

Totale Macht der Konzerne:

  • Private Söldnerarmeen statt demokratischer Kontrolle
  • Versicherungskonzerne entscheiden über Leben und Tod
  • Wer nicht zahlen kann, hat keine Rechte

Die menschenverachtende Dimension des anarcho-kapitalistischen Denkens wird in Robert P. Murphys "Chaos Theory" besonders in seinen konkreten Vorschlägen zur privatisierten Kriegsführung sichtbar. Mit erschreckender Präzision entwickelt er ein System, in dem Versicherungsunternehmen wie bei einer Kopfgeldjagd Prämien auf die "Eliminierung" feindlicher Soldaten und Generäle aussetzen würden. Noch verstörender ist sein Vorschlag, dass diese privaten Militärfirmen den gegnerischen Streitkräften regelrechte Kataloge übermitteln könnten, in denen aufgelistet wird, welche zivilen "Nachbarschaften ohne Vergeltungsschläge bombardiert werden könnten" (Murphy, 2002, S.40). Die Zivilbevölkerung wird damit zur reinen Verhandlungsmasse in einem perversen Kosten-Nutzen-Kalkül. Wenn Murphy im gleichen Werk die Idee entwickelt, dass private Gefängnisbetreiber in einen "gesunden Wettbewerb" um Häftlinge treten sollen, offenbart sich die völlige Perversion des Gerechtigkeitsgedankens. In dieser Ideologie wird selbst das Menschenleben zu einer handelbaren Ware degradiert, deren Wert sich ausschließlich nach ihrer ökonomischen Verwertbarkeit bemisst. Murphy treibt damit die neoliberale Marktlogik auf eine erschreckende Spitze, die jede Form von Menschenwürde und gesellschaftlicher Solidarität dem Profitstreben unterordnet. Seine Thesen zeigen exemplarisch, wie der radikale Marktfundamentalismus in letzter Konsequenz zu einer Erosion aller humanistischen und demokratischen Grundwerte führen muss.

Das Scheitern des Marktradikalismus: Ein historisches Lehrstück

Die verheerenden Folgen dieser Ideologie sind keine theoretische Spekulation - sie wurden bereits in den 1980er Jahren unter Reagan praktisch erprobt. David Stockman, Reagans Budgetdirektor und einer der führenden Köpfe der "neoliberalen Revolution", musste nach nur einem Jahr eingestehen, dass das Experiment gescheitert war. In einem bemerkenswerten Interview mit dem Atlantic 1981 gestand er ein:

  • Die "Trickle-Down"-Theorie war von Anfang an eine bewusste Täuschung: Die Steuersenkungen für die Reichen wurden nur als "Supply-Side Economics" getarnt, um sie politisch durchsetzbar zu machen
  • Die versprochenen positiven Effekte für die breite Bevölkerung blieben aus
  • Stattdessen explodierten die Staatsschulden
  • Die sozialen Einschnitte trafen vor allem die Schwächsten
  • Die Konzerne und Wohlhabenden sicherten sich durch Lobbying weitere Privilegien

Besonders aufschlussreich ist Stockmans Eingeständnis, dass das System grundsätzlich die Schwachen benachteiligt: "Das Problem ist, dass unorganisierte Gruppen in diesem Spiel nicht mitmachen können." Während sich gut organisierte Wirtschaftsverbände ihre Interessen sichern konnten, hatten die sozial Schwachen keine Lobby.

Die heutigen Libertären ziehen aus diesem Scheitern jedoch einen perfiden Schluss: Das Problem sei nicht zu viel, sondern zu wenig Markt gewesen. Der Staat habe durch seine bloße Existenz verhindert, dass sich die "reinigende Kraft des Marktes" entfalten konnte. Ihre "Lösung" ist daher die komplette Abschaffung des Staates - bis auf seinen Kernbereich: den Schutz des Privateigentums.

Was sie verschweigen: Ohne demokratische Kontrolle würde genau das passieren, was Stockman beschreibt - nur in noch extremerer Form. Die organisierten Interessengruppen - Konzerne, Banken, Vermögende - würden ihre Macht nun völlig ungehindert ausüben können. Sie könnten sich private Armeen und Sicherheitsdienste leisten, während die breite Bevölkerung schutzlos wäre. Das Ergebnis wäre nicht mehr Freiheit, sondern die Rückkehr zu feudalen Machtverhältnissen mit modernen Mitteln.

Diese historischen Erfahrungen zeigen: Der radikale Marktliberalismus ist kein theoretisches Modell für mehr Freiheit und Wohlstand, sondern ein Instrument zur Umverteilung von unten nach oben. Die aktuellen libertären Vordenker ignorieren diese Lehren nicht aus Unwissenheit - sie wollen das gescheiterte Experiment in noch radikalerer Form wiederholen.

Kinder als "Eigentum": Die ethische Bankrotterklärung des Libertarismus

Die ethische Bankrotterklärung des Libertarismus zeigt sich besonders deutlich in Rothbards Werk 'The Ethics of Liberty' (S. 97-107). Dort entwickelt er eine erschreckende Theorie zu Kinderrechten: Kinder seien ein 'treuhänderisch verwaltetes Vermögen' (trustee ownership), das unter der absoluten Rechtsprechung (jurisdiction) der Eltern steht. Noch verstörender ist seine Schlussfolgerung: Eltern seien nicht verpflichtet, sich um ihre Kinder zu kümmern - selbst wenn diese in der Folge sterben. Diese Position wird von seinen Anhängern als 'konsequente Ethik' verteidigt, da angeblich niemand das Recht habe, auf Kosten anderer zu leben. Dass dieses 'Prinzip' selbst auf Säuglinge angewendet werden soll, offenbart die fundamentale Unmenschlichkeit dieser Ideologie. Hier zeigt sich in aller Klarheit, wohin die absolute Verabsolutierung von Eigentumsrechten führt: zur kompletten Aufgabe grundlegender humanitärer Prinzipien.

Rückkehr zu feudalen Zuständen:

  • Privatjustiz für die Reichen
  • Rechtlosigkeit für die Armen
  • Moderne Form der Leibeigenschaft durch totale Abhängigkeit

Das besonders Erschreckende: Diese menschenverachtende Ideologie wird nicht etwa von einer kleinen Randgruppe vertreten. Sie findet zunehmend Anhänger in der Mitte der Gesellschaft, wird an Universitäten gelehrt und von "Thinktanks" propagiert.

Die Perfidität dieser Bewegung:

  • Sie tarnt Sozialdarwinismus als "Freiheit"
  • Sie verkauft Entrechtung als "Eigenverantwortung"
  • Sie verschleiert die Wiedereinführung des Rechts des Stärkeren als "freien Markt"

Wer die Geschichte kennt, weiß: Diese Art von "freiem Markt" haben wir schon einmal erlebt. Im 19. Jahrhundert bedeutete er:

  • Kinderarbeit
  • 16-Stunden-Tage
  • Massenelend
  • Keine soziale Absicherung
  • Tote durch mangelnde medizinische Versorgung

Der Libertarismus würde uns direkt in diese Barbarei zurückführen - nur diesmal global und mit moderneren Mitteln. Die Konsequenzen wären noch verheerender als damals:

  • Globale Konzernarmeen statt nationaler Kontrolle
  • Weltweite private Überwachungssysteme
  • Technologisch perfektionierte Ausbeutung

Was die Anhänger dieser Ideologie als "ineffizient" bezeichnen und abschaffen wollen, sind genau die Errungenschaften, die Millionen Menschen ein würdiges Leben ermöglichen:

  • Öffentliches Gesundheitssystem
  • Soziale Absicherung
  • Arbeitsschutz
  • Demokratische Kontrolle
  • Umweltschutz

Es ist an der Zeit, diese gefährliche Ideologie als das zu entlarven, was sie ist: Ein Programm zur Errichtung einer dystopischen Konzernherrschaft, das die Mehrheit der Menschen in Elend und Abhängigkeit stürzen würde.

Die wachsende Popularität dieser menschenverachtenden Ideen ist ein Alarmsignal. Sie zeigt, wie dünn der Firnis der Zivilisation ist und wie schnell Menschen bereit sind, die Grundlagen einer humanen Gesellschaft über Bord zu werfen - wenn es nur in wohlklingende wirtschaftstheoretische Phrasen verpackt wird.

Wer einen Eindruck von der Realitätsferne und gleichzeitig der Gefährlichkeit dieser Bewegung bekommen will, sollte sich dieses Video [Link] ansehen. Es ist ein erschreckendes Dokument dessen, wie akademisch verbrämter Sozialdarwinismus im 21. Jahrhundert aussieht.

Es wird höchste Zeit, dieser Ideologie entschieden entgegenzutreten. Nicht nur mit Argumenten, sondern mit dem aktiven Einsatz für eine solidarische Gesellschaft, die auf demokratischer Kontrolle und sozialer Verantwortung basiert - statt auf dem Recht des finanziell Stärkeren.

Zusammenfassend die Kernpunkte dieser gefährlichen Ideologie:

Kernthese:

  • Der Staat soll komplett abgeschafft werden - außer zum Schutz von Privateigentum
  • Alle Verteidigung, Justiz etc. soll privat durch Versicherungen geregelt werden
  • Der "freie Markt" würde angeblich alles besser regeln

Das vorgeschlagene System:

  • Private Versicherungen übernehmen Polizei und Militär
  • Jeder muss Verträge mit Versicherungen abschließen
  • Wer keine Versicherung hat, wird praktisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen
  • Sogar Kriegsführung soll privatisiert werden

Die absurden Annahmen:

  • Versicherungen würden angeblich fair und effizient arbeiten
  • Der Markt würde automatisch die besten Lösungen finden
  • Private Armeen wären effizienter als staatliche
  • Verbrechen würde durch Versicherungsbeiträge reguliert

Das Ganze ist ein perfektes Beispiel libertärer Realitätsverweigerung:

  • Ignoriert völlig reale Machtverhältnisse
  • Blendet die Rolle von Kapitalkonzentration aus
  • Übersieht, dass private Armeen zu Söldnerheeren werden
  • Verkennt, dass ohne staatliche Kontrolle das Recht des Stärkeren herrscht

Besonders absurd ist die Vorstellung, dass Versicherungsunternehmen - die heute schon oft genug ihre Kunden abzocken - plötzlich zu fairen Garanten von Recht und Ordnung werden sollen. Das ist nicht nur naiv, sondern gemeingefährlich.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Das globale Theater: Warum der Krieg echt, aber der Feind eine Illusion ist

  


Wir blicken gebannt auf die Weltkarte. Im Osten rasseln Russland und China mit den Säbeln, im Westen beschwören NATO und USA die „Werte der Demokratie". Es sieht aus wie der finale Kampf: Freiheit gegen Tyrannei.

Doch was, wenn das alles nur die Kulisse für ein ganz anderes Stück ist?

Wenn wir den Vorhang beiseiteziehen und die Grundsätzlichkeit betrachten – also die nackte Mechanik der Macht – erkennen wir ein erschreckendes Bild: Wir werden nicht von außen erobert. Wir wurden bereits von innen übernommen.


1. Guter Bulle, Böser Bulle: Das Spiel der Giganten

Stell dir vor, du sitzt in einem Verhörraum. Ein Polizist brüllt dich an und droht dir Gewalt an – der „Böse Bulle". Der andere bietet dir eine Zigarette an und verspricht dir Schutz, wenn du kooperierst – der „Gute Bulle".

Was du in dem Moment vergisst: Beide Polizisten arbeiten für dasselbe Revier. Ihr Ziel ist nicht, sich gegenseitig zu bekämpfen, sondern dich dazu zu bringen, deine Rechte freiwillig aufzugeben.

Auf der Weltbühne spielen Russland und China den Part des „Outlaws" – der gesetzlosen Bedrohung, die Angst verbreitet. Das treibt uns in die Arme des Westens, der uns „Sicherheit" verspricht. Doch der Preis für diese Sicherheit ist derselbe wie im Osten: totale Überwachung, Zensur und Gehorsam.

Das Ziel ist nicht der Sieg einer Nation, sondern die Unantastbarkeit der globalen Machtstruktur.


2. Der stille Raub: Du besitzt bereits nichts mehr

Während wir uns über Putins Landraub aufregen, hat im Westen ein viel größerer Diebstahl stattgefunden – leise, legal und bürokratisch.

David Rogers Webb hat in The Great Taking enthüllt, was Juristen und Banker längst wissen: Das Eigentum wurde abgeschafft.

Früher gehörte dir dein Haus oder deine Aktie direkt. Heute hast du oft nur noch einen vertraglichen Anspruch („Security Entitlement") gegen eine Bank oder einen Vermittler. Das klingt technisch, ist aber brandgefährlich.

Denn das Gesetz wurde geändert: Wenn das Finanzsystem wackelt und die großen Banken fallen, dürfen sie sich gesetzlich an deinem Vermögen bedienen, um sich selbst zu retten – „Safe Harbor".

Das ist keine Verschwörungstheorie, das steht in den Geschäftsbedingungen. Im Westen herrscht längst derselbe Grundsatz wie im Kommunismus: Privateigentum ist eine Illusion. Es wird dir nur so lange gelassen, wie das System stabil läuft.


3. Die tödliche Umarmung

Wir starren auf die Unterschiede: Hier bunte Fahnen und Wahlen, dort Marschmusik und Diktatoren. Doch schauen wir auf die Technik der Herrschaft, sehen wir fast Zwillinge:

China überwacht seine Bürger digital und belohnt Wohlverhalten. Der Westen führt digitale Zentralbankwährungen und Zensurgesetze ein, um genau dasselbe zu tun.

Die Wahrheit ist bitter: Es gibt keinen fundamentalen ideologischen Kampf mehr. Es gibt nur noch ein globales Management-Kartell. Die eine Filiale (Ost) führt mit brutaler Härte, die andere Filiale (West) mit sanftem Zwang und ökonomischem Druck.

Beide nutzen dieselben Banken, dieselben Technologien und dasselbe Ziel: Die totale Kontrolle über Ressourcen und den menschlichen Willen.


Fazit: Erwache aus der Show

Solange wir uns darüber streiten, ob die „Linken" oder die „Rechten" recht haben, oder ob wir „für" oder „gegen" Russland sein sollen, haben wir das Spiel schon verloren. Wir sind Zuschauer in einem Theater, während hinter unserem Rücken das Haus ausgeräumt wird.

Die Realität ist: Der „Feind" steht nicht nur an der Grenze. Er sitzt im System selbst. Ob durch die kommunistische Doktrin der Enteignung oder die kapitalistische Doktrin der „Rettungsschirme" – das Ergebnis für dich und mich ist identisch:

Wir sollen nichts besitzen und glücklich sein, dass wir überhaupt noch da sind.

Es ist Zeit, nicht mehr auf die Schauspieler zu achten, sondern auf das Drehbuch. Und in diesem Drehbuch sind wir nicht als Helden vorgesehen – sondern als Inventar.

Nachtrag: Die Beweise – Wenn Feinde Händchen halten

Für alle, die jetzt denken: „Das klingt logisch, aber ist das nicht übertrieben? Führen die nicht wirklich Krieg?" – Hier sind sechs unbestreitbare Fakten aus den Jahren 2024–2026, die beweisen, dass die „Todfeinde" hinter dem Vorhang längst Partner sind.


1. Der nukleare Handel (Die Uran-Lüge)

Während Politiker uns erzählen, wir müssten frieren für den Frieden und Sanktionen gegen Russland tragen, kaufte die USA bis weit ins Jahr 2025 hinein angereichertes Uran aus Russland. Warum? Weil es „ökonomisch rational" war.

Das US-Gesetz enthielt extra „Ausnahmeregelungen" (Waivers), damit der russische Brennstoff weiter fließen konnte. Wir finanzieren also direkt den „Feind", vor dem wir uns rüsten sollen.

2. Siamesische Zwillinge im Weltraum

Schau nach oben zur ISS. Dort oben existiert der Krieg nicht.

Die Raumstation ist so gebaut, dass sie nicht getrennt werden kann: Die USA liefern den Strom, Russland den Antrieb. Ein Rückzug Russlands würde die Station abstürzen lassen. Also entschied man sich ganz pragmatisch, die Show gemeinsam bis 2030 weiterzuführen.

Während unten Panzer rollen, teilen sich oben Amerikaner und Russen die Lebenserhaltungssysteme.

3. Das gemeinsame Bankkonto

Man erzählt uns, Russland sei finanziell isoliert. Die Wahrheit ist: Die russische Zentralbank ist weiterhin Mitglied der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel – der Zentralbank der Zentralbanken.

Die Finanz-Eliten aus Moskau, Washington und Frankfurt sitzen immer noch im selben Club und setzen dieselben Regeln um. Sie arbeiten nicht an der Zerstörung des globalen Finanzsystems, sondern an dessen gemeinsamer Rettung und Transformation.

4. Die digitale Hintertür (Microsoft & Cloudflare)

Offiziell haben sich Tech-Riesen zurückgezogen. Die Realität: Das US-Finanzministerium hat spezielle „General Licenses" (z.B. GL 25D) erlassen. Diese erlauben es US-Firmen legal, Software und Internetdienste in Russland weiter zu betreiben.

Warum? Offiziell für die „Internetfreiheit". In Wahrheit behält der Westen so seinen tiefen Einblick in russische Datennetze (Intelligence), und Russland behält seine IT-Infrastruktur. Ein stiller Deal: Daten gegen Stabilität.

5. Der Hunger-Pakt (Düngemittel)

Neben Uran importieren die USA und die EU weiterhin massiv russische Düngemittel. Sie wurden explizit von den härtesten Sanktionen ausgenommen.

Der Zynismus dabei: Wir liefern Waffen an die Ukraine, um Russland zu bekämpfen, aber überweisen gleichzeitig Milliarden an Putin für Dünger, damit bei uns die Lebensmittelpreise nicht explodieren. „Brot geht vor Krieg" – die Moral endet dort, wo der Supermarkt beginnt.

6. Der Frieden im ewigen Eis (Antarktis-Vertrag)

Ein absurdes Bild: Während man sich in der Ukraine beschießt, treffen sich russische, chinesische und amerikanische Diplomaten 2025 friedlich zur jährlichen Antarktis-Konferenz. Dort unten gilt der Krieg nicht. Man inspiziert gegenseitig die Forschungsstationen und koordiniert die Verwaltung des Südpols.

Das zeigt: Die Welt ist aufgeteilt. Wo es um Ressourcen der Zukunft geht, sind die „Feinde" Partner in einem exklusiven Club, der keine Störungen duldet. 

7. Die Sonne der Feinde (ITER)

In Südfrankreich wird gerade der teuerste Reaktor der Menschheitsgeschichte gebaut: ITER – ein Fusionsreaktor, der die Energie der Sonne auf die Erde holen soll. Kosten: über 20 Milliarden Euro. Beteiligte: EU, USA, China, Indien, Japan, Südkorea – und Russland.

Ja, Russland. Mitten im Krieg.

Rosatom, der russische Staatskonzern, der auch die Kriegswirtschaft antreibt, liefert supraleitende Magnete und Gyrotrons, ohne die der Reaktor nicht funktioniert. Kein Ausschluss. Nicht einmal der Versuch. Warum? Weil es den Zeitplan sprengen würde.

Deine Steuergelder fließen in ein Projekt, das von der russischen Nuklearindustrie abhängt. Während du Sanktionen trägst, bauen die Eliten gemeinsam an der Energiequelle der Zukunft.

Die Botschaft ist klar: Der Krieg ist für heute. Die Zukunft teilen sie sich bereits.


Die Schlussfolgerung

Wenn deine Regierung beim „Feind" Uran und Dünger kauft, seine IT wartet und mit ihm Bankgeschäfte macht – dann ist das kein Krieg ums Überleben.

Dann ist es verwaltete Feindschaft. Ein Geschäftsmodell, bei dem wir die Zuschauer sind und die Rechnung zahlen.

Du willst Beweise? Die vollständige Analyse mit allen Quellen, Daten zu Uran-Importen, BIZ-Verbindungen und Technologietransfers (Stand 2026) kannst du hier kostenlos herunterladen: [📄 ZUR VOLLSTÄNDIGEN RECHERCHE-AKTE]

Dienstag, 13. Januar 2026

Unsere Demokratie

Wer Frieden will, ist Putin-Versteher. Wer Waffen will, ist Realist. So einfach ist Demokratie.


Volkssouveränität bedeutet: Das Volk ist so souverän, dass man es von schwierigen Entscheidungen verschont.

Demokratischer Krieg: Rheinmetall liefert, das Parlament beschließt, der Kanzler erklärt, der Redakteur rechtfertigt - und in den Schützengräben verbluten die Kinder derer, die keiner gefragt hat.

Demokratischer Krieg: Die Söhne der Arbeiter verbluten in den Schützengräben - damit die Söhne der Entscheider in den Aufsichtsräten sitzen können.

Sonntag, 11. Januar 2026

Minneapolis 2026: Kein Trump-Problem – Ein 170 Jahre altes amerikanisches Muster

 

Am 7. Januar 2026 erschoss der ICE-Agent Jonathan Ross die 37-jährige US-Bürgerin Renee Good in Minneapolis – ein Vorfall, der in ein 170 Jahre altes Muster staatlicher und parastaatlicher Gewaltanwendung gegen Zivilisten eingeordnet werden muss. Der Schütze war kein privater Söldner, sondern ein vereidigter Bundesbeamter mit 20 Jahren Diensterfahrung. Dieser Fall reiht sich ein in eine Geschichte, die von den Pinkerton-Detektiven des 19. Jahrhunderts über Kent State und COINTELPRO bis zu den nicht-gekennzeichneten Bundesagenten in Portland 2020 reicht – eine Geschichte systematischer Gewalt durch staatliche und quasi-staatliche Akteure, die selten zu strafrechtlicher Verantwortung führt.

Die Erschießung von Renee Good: Was wirklich geschah

Am Morgen des 7. Januar 2026 fuhr Renee Good – Mutter dreier Kinder, Poetin, US-Bürgerin aus Colorado Springs – durch die Straßen von South Minneapolis, nur etwa eine Meile von der Stelle entfernt, wo George Floyd 2020 getötet wurde. Sie hatte gerade ihren sechsjährigen Sohn zur Schule gebracht, als sie auf eine ICE-Operation stieß – Teil der „größten DHS-Operation aller Zeiten" in Minnesota mit rund 2.000 Bundesbeamten, wie Wikipedia dokumentiert.

Good und ihre Frau Becca nutzten Trillerpfeifen, um Nachbarn vor den Razzien zu warnen – eine gängige Aktivisten-Praxis. Good war Mitglied der Gruppe „ICE Watch", die Razzien dokumentierte. Sie blockierte kurzzeitig mit ihrem Honda Pilot die Straße. Agent Jonathan Ross näherte sich, filmte dabei mit seinem Handy in einer Hand. Laut NPR-Rekonstruktion sagte Good nach einem kurzen Wortwechsel: „Das ist okay, Kumpel. Ich bin nicht sauer auf dich" – dann forderten andere ICE-Beamte sie auf auszusteigen. Als Becca rief „Fahr, Baby, fahr!" und Good losfuhr, feuerte Ross drei Schüsse ab. Der letzte traf Good in den Kopf. Sie starb im Krankenhaus.

Die entscheidende Kontroverse: Mehrere Videos zeigen, dass Goods Lenkrad nach rechts gedreht war – also weg von den Beamten, nicht auf sie zu. Präsident Trump behauptete auf Truth Social, Good habe den Agenten „gewaltsam überfahren" – die Videobeweise widersprechen dem. Minneapoliser Bürgermeister Jacob Frey nannte die Selbstverteidigungsnarrative des DHS schlicht „Bullshit".

Kein Einzelfall: Das Marshall Project dokumentierte, dass Bundesbeamte in den vier Monaten vor Goods Tod auf mindestens neun Personen in Fahrzeugen geschossen hatten. Truthout bezeichnete die Erschießung als „die neue Normalität" – nicht als Anomalie.

Der Schütze: Vereidigter Bundesagent, kein Söldner

Jonathan Ross, 43 Jahre alt, war kein privater Contractor oder Söldner, sondern ein karrierelanger Bundesbeamter:

  • ICE Deportation Officer seit 2015
  • Zuvor U.S. Border Patrol Agent (2007-2015)
  • Irak-Veteran der Indiana Army National Guard
  • Mitglied des FBI Joint Terrorism Task Force
  • Ausgebildeter Scharfschütze und Schusswaffenausbilder

Ross wurde im Juni 2025 von einem undokumentierten Migranten etwa 100 Meter mitgeschleift und erlitt Verletzungen, die 33 Stiche erforderten. Vizepräsident JD Vance verwies darauf mit den Worten: „Glauben Sie, er ist vielleicht etwas sensibel, wenn jemand ihn rammt?"

Der "One Big Beautiful Act": Die Gesetzesstruktur hinter den Razzien

Die Razzia in Minneapolis war kein spontaner Polizeieinsatz, sondern Teil einer systematischen Eskalation, die durch den „One Big Beautiful Act" (OBBBA) vom 4. Juli 2025 ermöglicht wurde. Das Brennan Center for Justice bezeichnet das Gesetz als Grundlage eines „Abschiebung-Industriellen Komplexes".

Die Dimensionen:

Laut Government Executive hat ICE seine Belegschaft 2025 mehr als verdoppelt – von 10.000 auf über 22.000 Agenten. Das Gesetz stellt über vier Jahre mehr als 170 Milliarden Dollar für die Durchsetzung bereit – eine Summe, die die kombinierten Jahresbudgets aller staatlichen und lokalen Strafverfolgungsbehörden der Nation in den Schatten stellt.

Das Problem der Schnellausbildung: Government Executive berichtete, dass die Ausbildungszeiten für neue Agenten von sechs Monaten auf sechs Wochen gekürzt wurden, um die Einstellungsziele zu erreichen. Das Feld wird mit unerfahrenen Beamten geflutet, die Bundesabzeichen und Schusswaffen tragen – eine Parallele zu den schlecht ausgebildeten Nationalgardisten von Kent State 1970.

Die Privatisierung: Das Brennan Center analysierte, wie das Gesetz frühere Beschränkungen für private Gefängnisse aufhob. Konzerne wie GEO Group und CoreCivic verwalten nun den Großteil der Inhaftierungsinfrastruktur. Wenn Wall-Street-Analysten beklagen, dass die Inhaftierungszahlen nicht schnell genug steigen, offenbaren sie den Marktdruck für aggressive Durchsetzung.

Zur Frage privater Contractors: Obwohl Ross selbst ein Staatsbeamter war, hat ICE parallel ein „Kopfgeldjäger"-Programm mit privaten Auftragnehmern gestartet. The Intercept dokumentierte, dass Verträge über mehr als eine Milliarde Dollar vergeben wurden. Jacobin berichtete, dass Erik Prince, Gründer von Blackwater, eine Blaupause für den Einsatz privater Contractors bei Massenabschiebungen zirkuliert hat.

Die Pinkertons: Der Ursprung privatisierter Gewalt (1850-1900)

Die Charakterisierung der ICE-Agenten als „Söldner" zieht eine direkte historische Linie zum späten 19. Jahrhundert. Laut Wikipedia war die 1850 gegründete Pinkerton National Detective Agency der Vorläufer der modernen privaten Sicherheitsindustrie – und das erste amerikanische Modell für die Privatisierung staatlicher Gewalt.

Die Pinkertons waren nicht bloß Ermittler; sie waren Streikbrecher, die Gewalt anwendeten, um Minen und Fabriken von Gewerkschaftsorganisatoren zu „säubern" – dieselbe Rhetorik, die heute auf Migranten angewandt wird.

Der Homestead-Streik 1892: Die Carnegie Steel Company heuerte 300 Pinkerton-Agenten an, um die Kontrolle über die Stahlwerke von streikenden Arbeitern zurückzugewinnen. Die resultierende Schlacht, die mit Gewehren und sogar einer Kanone ausgetragen wurde, forderte fast ein Dutzend Tote. Der öffentliche Aufschrei führte zum Anti-Pinkerton Act von 1893, der der Bundesregierung untersagte, die Agentur anzuheuern – aber private Armeen nicht grundsätzlich verbot.

Die Coal and Iron Police: Staatlich sanktionierte Söldner

Nach dem PR-Desaster der Pinkertons innovierte Pennsylvania eine rechtliche Struktur, die die verschwommenen Linien von 2026 vorwegnimmt: die Coal and Iron Police. Laut Wikipedia wurden diese Offiziere vom Staat kommissioniert (erhielten also polizeiliche Befugnisse), aber vollständig von den Kohleunternehmen bezahlt.

Dieses Arrangement verband den Anschein staatlicher Autorität (das Abzeichen) mit den Anreizen privatwirtschaftlichen Handelns (der Gehaltsscheck). Die Coal and Iron Police war berüchtigt für ihre Brutalität und agierte als „Kosaken", die Bergbaugemeinden terrorisierten.

Das Lattimer-Massaker (1897): Ein Aufgebot von Hilfssheriffs und der Coal and Iron Police feuerte auf unbewaffnete streikende Bergarbeiter und tötete 19 von ihnen. Die Opfer wurden größtenteils in den Rücken geschossen, während sie flohen. Keiner der Schützen wurde verurteilt – exakt dasselbe Muster wie später in Orangeburg, Jackson State und bei unzähligen anderen Fällen.

Die Parallele zu 2026: Der OBBBA funktioniert ähnlich wie die Verträge der Coal and Iron Police. Er monetarisiert die Entfernung von „Unerwünschten". Wenn Agent Ross' tödlicher Schuss Teil eines Systems ist, das darauf ausgelegt ist, „Bettenkapazitäten" privater Gefängnisse und „Transportmetriken" zu maximieren, dann ist die Unterscheidung zwischen Staatsagent und Söldner semantisch geworden.

Blair Mountain 1921: Bomben auf amerikanische Arbeiter

Der Zenit privatisierter Kriegsführung ereignete sich in West Virginia. West Virginia Public Broadcasting dokumentiert die Rolle der Baldwin-Felts Detective Agency als „Gunmen of Capitalism". Baldwin-Felts-Agenten, die vom lokalen Sheriff deputiert wurden, ermordeten lokale Gewerkschaftsfiguren im Matewan-Massaker.

Das Zinn Education Project beschreibt, wie dies in einer offenen Feldschlacht gipfelte: 10.000 bewaffnete Bergarbeiter gegen private Detektive und die Nationalgarde. Die Beteiligung der Baldwin-Felts-Agenten demonstriert den extremen Endzustand privatisierter „Säuberungs"-Operationen: der Einsatz von privaten Flugzeugen, um selbstgebaute Bomben auf amerikanische Bürger abzuwerfen.

Es bedurfte der Intervention der US-Armee, um den Konflikt zu beenden – ein Präzedenzfall, auf den sich Präsident Trump 2025 berief, als er drohte, das „Kriegsministerium" gegen Portland und Chicago einzusetzen.

Kent State und Jackson State: Die Blaupause staatlicher Gewalt (1970)

Der 4. Mai 1970 markiert den symbolträchtigen Moment, an dem der amerikanische Staat offensichtlich auf seine eigenen Bürger schoss. National Geographic dokumentierte zum 50. Jahrestag, wie an der Kent State University in Ohio 28 Nationalgardisten in 13 Sekunden 67 Schüsse auf protestierende Studenten abfeuerten. Vier Tote: Allison Krause (19), Jeffrey Miller (20), Sandra Lee Scheuer (20), William Schroeder (19). Wikipedia bestätigt, dass die Scranton-Kommission urteilte: Die Schüsse waren „nicht gerechtfertigt".eine Euro es hier Jahre oder so aus mein, mein schon ein wenig glauben oder daraus ein Haustier ausgeht

Die Parallele zu 2026: Die Nationalgardisten waren jung, schlecht in der Kontrolle von Menschenmengen ausgebildet und übermüdet – eine direkte Parallele zum sechswöchigen Ausbildungskurs für neue ICE-Agenten. In der unmittelbaren Folge behaupteten offizielle Stellen, die Garde sei von einem Scharfschützen beschossen worden – später als falsch erwiesen. Dies spiegelt die Behauptung des DHS, Renee Good sei eine „inländische Terroristin" gewesen.

Jackson State – das vergessene Massaker: Nur elf Tage später, am 15. Mai 1970, eröffnete die Polizei in Jackson, Mississippi, das Feuer auf ein Wohnheim am Jackson State College. Die Jackson State University dokumentiert, wie über 400 Schüsse in 28 Sekunden abgefeuert wurden. Zwei Tote: Phillip Lafayette Gibbs (21) und der unbeteiligte Oberschüler James Earl Green (17). Laut Wikipedia wurde kein Beamter jemals verurteilt.

Das rassistische Muster: Jackson State (schwarze Studenten) erhielt einen Bruchteil der Medienaufmerksamkeit von Kent State (überwiegend weiß). Dasselbe gilt für das Orangeburg-Massaker von 1968 – dokumentiert vom Zinn Education Project – bei dem südcarolinische Polizisten drei schwarze Studenten töteten, zwei Jahre vor Kent State.

COINTELPRO: Staatlich orchestrierte Mordanschläge

Das FBI-Programm COINTELPRO (1956-1971) stellt die dunkelste Dimension staatlicher Gewalt dar. Das Zinn Education Project dokumentiert es als systematisches Programm zur „Neutralisierung" politischer Gegner – FBI-Direktor J. Edgar Hoover bezeichnete die Black Panther Party als „größte Bedrohung der inneren Sicherheit des Landes".

Am 4. Dezember 1969, um 4 Uhr morgens, stürmten 14 Chicagoer Polizisten die Wohnung des 21-jährigen Black Panther-Vorsitzenden Fred Hampton. Die Polizei feuerte 90-99 Schüsse ab. Die Panthers feuerten genau einen Schuss. FBI-Informant William O'Neal hatte den Grundriss der Wohnung geliefert und Hampton mutmaßlich betäubt.

Geschätzte 28 Black Panther-Mitglieder wurden durch COINTELPRO-Operationen getötet, 750 inhaftiert. Die Familien erhielten erst 1982 eine Zivilentschädigung von 1,85 Millionen Dollar – ohne strafrechtliche Konsequenzen für die Täter.

Die MOVE-Bombardierung 1985: Polizei wirft Bombe auf Wohnhaus

Der extremste Fall polizeilicher Militarisierung gegen eine Gruppe ereignete sich 1985 in Philadelphia. Das Zinn Education Project dokumentiert, wie die Polizei eine C4-Bombe aus einem Hubschrauber auf das Wohnhaus der Organisation MOVE warf. Laut Wikipedia tötete das resultierende Feuer 11 Menschen, darunter 5 Kinder, und zerstörte über 60 Häuser in einem schwarzen Viertel.

Die Stadt ließ den Brand absichtlich brennen, anstatt zu löschen. Der Bürgermeister, der Polizeichef und der Feuerwehrchef wurden nie strafrechtlich verfolgt.

Die Relevanz für 2026: Die MOVE-Bombardierung zeigt die Bereitschaft amerikanischer Strafverfolgungsbehörden, Kriegswaffen in Wohngebieten gegen eigene Bürger einzusetzen, wenn diese als „Terroristen" gerahmt werden. Die Kategorisierung von Renee Good als „inländische Terroristin" durch DHS-Ministerin Noem öffnet exakt diese Tür.

Ruby Ridge und Waco: Die Verschiebung der Einsatzregeln (1990er)

Ruby Ridge (1992): Das Justizministerium dokumentierte später, wie das FBI seine Einsatzregeln (Rules of Engagement) modifizierte: „Wenn irgendein erwachsener Mann mit einer Waffe beobachtet wird... kann und sollte tödliche Gewalt angewendet werden." Famous Trials analysiert, wie diese Regel eine faktische „Shoot-on-Sight"-Politik schuf. Laut Wikipedia erschoss ein FBI-Scharfschütze Vicki Weaver in den Kopf, während sie ihre Säuglingstochter hielt. Die Regierung zahlte 3,1 Millionen Dollar Entschädigung.

Waco (1993): PBS analysierte zum 30. Jahrestag, wie die 51-tägige Belagerung der Branch Davidians mit dem Tod von 76 Menschen, darunter 25 Kinder, endete. Wikipedia dokumentiert den Einsatz von CS-Gas und gepanzerten Fahrzeugen.

Die Parallele zu 2026: Die Erschießung von Renee Good in ihrem Fahrzeug deutet auf eine ähnliche Verschiebung der Einsatzregeln hin. Das Marshall Project dokumentierte, dass Bundesbeamte in vier Monaten auf neun Personen in Fahrzeugen geschossen hatten – eine de facto Politikverschiebung, die tödliche Gewalt gegen Fahrzeuge erlaubt.

Private Söldner im Inland: Von Katrina bis Standing Rock

Hurricane Katrina (2005): Mother Jones enthüllte, wie Blackwater-Kontraktoren – frisch von Einsätzen im Irak – in New Orleans patrouillierten. CBS News berichtete, dass diese Männer automatische Waffen trugen und behaupteten, vom Gouverneur „deputiert" worden zu sein. Wikipedia bestätigt Kosten von 240.000 Dollar pro Tag. Berichte tauchten auf, dass Kontraktoren auf „Plünderer" schossen.

Standing Rock (2016-2017): Wikipedia dokumentiert, wie die Firma TigerSwan – gegründet von einem pensionierten Delta-Force-Kommandeur – militärische Aufstandsbekämpfungstaktiken gegen Wasserschützer anwandte. The Guardian berichtete, wie indigene Demonstranten in internen Berichten als „Dschihadisten" oder „aufständische Bedrohungen" kategorisiert wurden – dieselbe Sprache, die DHS 2026 gegen Renee Good verwendete.

Portland 2020: Nicht-gekennzeichnete Bundesagenten

Die George-Floyd-Proteste 2020 brachten eine neue Eskalation: Laut Wikipedia setzten DHS, CBP und U.S. Marshals in Portland mehr als 750 Bundesbeamte ein – viele in nicht gekennzeichneten Fahrzeugen, ohne sichtbare Identifikation. Demonstranten wurden in anonymen Vans festgenommen.

OPB berichtete, dass der DHS Inspector General feststellte, dass Beamte „keine einheitlichen Uniformen und keine ordnungsgemäße Identifikation" trugen. Dies war das operative Testfeld für die Taktiken, die 2026 unter dem OBBBA landesweit ausgerollt wurden.

Das System der Straflosigkeit

Ein roter Faden zieht sich durch 170 Jahre: strafrechtliche Konsequenzen bleiben die absolute Ausnahme.

Bei Lattimer 1897 wurden die Schützen freigesprochen. Bei Kent State wurden keine Gardisten angeklagt. Bei Jackson State niemand. Die neun Polizisten von Orangeburg wurden freigesprochen. Die Mörder Fred Hamptons blieben straffrei. Niemand wurde für MOVE verurteilt. Der FBI-Scharfschütze von Ruby Ridge wurde nie verurteilt.

Im Fall Renee Good hat laut PBS News das FBI die Ermittlungen übernommen und dem Minnesota Bureau of Criminal Apprehension den Zugang zu Beweismitteln verweigert. Vizepräsident Vance erklärte, der Schütze genieße „absolute Immunität" – das Center for Constitutional Rights dokumentiert die entsprechenden Exekutivanordnungen.

Fazit: Strukturelle Gewaltmuster über 170 Jahre

Der Fall Renee Good ist kein isolierter Vorfall und kein „Trump-Problem", sondern fügt sich in ein 170 Jahre altes dokumentiertes Muster ein:

Erstens: Die Privatisierung von Gewalt. Von den Pinkertons 1850 über die Coal and Iron Police bis zu Blackwater in Katrina und den Milliarden-Dollar-Verträgen des OBBBA – amerikanische Geschichte ist geprägt von der Auslagerung staatlicher Gewalt an Entitäten, die in einer Grauzone der Rechenschaftspflicht operieren.

Zweitens: Die Rhetorik der „Säuberung". 1954 hieß es „Operation Wetback" mit rassistischen Slurs. 1970 nannte Gouverneur Rhodes die Kent-State-Demonstranten „schlimmer als die Braunhemden". 2026 spricht Trump von „Invasion von innen" und „Städte säubern". Diese Sprache entfernt die Zielpersonen aus der moralischen Gemeinschaft und macht Gewalt gegen sie akzeptabel.

Drittens: Rassistische Asymmetrie. Von Orangeburg bis Jackson State, von MOVE bis zu den Migranten-Razzien erhielten nicht-weiße Opfer staatlicher Gewalt systematisch weniger Aufmerksamkeit und Gerechtigkeit.

Viertens: Systematische Straflosigkeit. Zivilrechtliche Entschädigungen ohne Schuldeingeständnis ersetzen strafrechtliche Verantwortung. Die Muster wiederholen sich, weil sie nie Konsequenzen haben.

Die Frage, die der Fall Good aufwirft, ist nicht, ob dies ein Einzelfall war – sondern warum dieses Muster nach 170 Jahren ungebrochen fortbesteht.

Der gelöschte Kommentar: Wenn Machtkritik zur "Schwurbelei" wird



Das Experiment

Ein Fitness-Influencer produziert ein 33-Minuten-Video gegen "Schwurbler". Seine Kernbotschaft: Wer behauptet, "die Elite will uns vergiften" oder "die Pharmaindustrie manipuliert uns", ist ein paranoider Spinner. Er fordert "Zahlen, Daten, Fakten statt Gefühle".

Dann verkauft er Supplements.

Ich schrieb unter sein Video einen Kommentar. YouTube löschte ihn ohne Begründung.


DER GELÖSCHTE KOMMENTAR:

In einer Zeit, in der "Schwurbler" inflationär gebrandmarkt werden, müssen wir uns einer unbequemen Wahrheit stellen: Die selbsternannten Wissenschaftswächter könnten genauso irren wie jene, die sie bekämpfen – und die Geschichte gibt ihnen Unrecht.

Die Machtfrage: Wer definiert "wissenschaftliche Wahrheit" – und wer profitiert davon?

Die "wissenschaftliche Wahrheit" wird finanziert – von Pharmakonzernen, Lebensmittelindustrie, staatlichen Institutionen. Wer zahlt, bestimmt die Fragen. Wer die Fragen bestimmt, beeinflusst die Antworten.

Die Geschichte ist voll von Beispielen:

  • Lobotomie: Nobelpreis 1949 – heute: Verbrechen
  • Margarine: "Herzgesunde Alternative" (Trans-Fette = Gift)
  • Low-Fat: Zuckerindustrie kaufte Studien → Adipositas-Epidemie
  • Cholesterin: Grenzwerte gesenkt, um Statine zu verkaufen
  • Tabak: Jahrzehntelang "wissenschaftlich harmlos"
  • Contergan: "Sicherstes Schlafmittel" – 10.000 missgebildete Kinder
  • Oxycontin: Hunderttausende Tote durch gefälschte Pharma-Studien
  • Vioxx: 60.000+ Herztote, dann vom Markt
  • Antidepressiva für Kinder: GSK verheimlichte Suizid-Risiken
  • Glyphosat: Jahrzehntelang "unbedenklich" – Krebsurteile in Milliardenhöhe

Was heute als Wahrheit gilt, könnte morgen als Lüge entlarvt werden. Die "offiziellen Wahrheiten" wurden stets von Konzernen und abhängigen Instituten diktiert – während abweichende Stimmen als "Schwurbler" gebrandmarkt wurden.

Das Bundesverfassungsgericht 2018: "Die Konfrontation mit beunruhigenden Meinungen, selbst wenn sie gefährlich sind, gehört zum freiheitlichen Staat."

Wahrheit entsteht durch freien Diskurs, nicht durch Autoritäten, die festlegen, was gedacht werden darf.


Die perfide Strategie

Der YouTuber nimmt die dümmsten Verschwörungstheorien ("Echsenmenschen") und stellt sie auf eine Stufe mit berechtigter Kritik an ökonomischer Macht.

Seine Botschaft: Wer sagt "Pharma/Lebensmittelindustrie lügt für Profit", ist ein Spinner.

Die historische Realität:

  • Pharma HAT gelogen (Oxycontin, Vioxx, Contergan)
  • Lebensmittelindustrie HAT manipuliert (Margarine, Zucker-Lobby)
  • "Eliten" HABEN vergiftet (Tuskegee, Tabak)

Aber genau diese Kritik darf nicht geäußert werden – sonst ist man ein "Schwurbler".


Die Heuchelei

Er sagt im Video: "Jede Aussage ist geformt, damit die eigene Agenda verfolgt werden kann. Und die Agenda ist meist: Ich will dir was verkaufen."

Er beschreibt sich selbst.

Seine Supplements sind "sehr sehr wissenschaftlich orientiert" und "innovativ am Zahn der Zeit".

Die kognitive Dissonanz: Er verkauft Produkte mit wissenschaftlichem Marketing – und diffamiert andere, die dasselbe tun, als "Schwurbler".


Die Frage, die er nie stellt

In 33 Minuten fragt er nicht ein einziges Mal:

  • Wer finanziert wissenschaftliche Studien?
  • Warum kommen Pharma-finanzierte Studien häufiger zu positiven Ergebnissen?
  • Wer profitiert von "wissenschaftlichen Wahrheiten"?

Diese Blindheit ist kein Zufall.

Denn sobald diese Fragen gestellt werden, wird sichtbar: Auch er hat ökonomische Interessen. Auch er nutzt "Wissenschaft" für Marketing.

Deshalb diffamiert er Machtkritik pauschal als "Verschwörungstheorie".


Die Ironie der Geschichte

1960er: "Die Lebensmittelindustrie lügt über Margarine!"
Antwort: Schwurbelei!
Heute: Trans-Fette sind Gift. Die Kritiker hatten Recht.

1990er: "Pharma lügt über Oxycontin!"
Antwort: Verschwörungstheorie!
Heute: Hunderttausende Tote. Die "Verschwörungstheoretiker" hatten Recht.

2026: "Ökonomische Macht produziert 'Wahrheiten' für Profit."
Antwort: Kommentar gelöscht!


Das System, von dem er profitiert

Und jetzt die entscheidende Frage: Warum diffamiert er Machtkritik so vehement?

Die Antwort liegt in der Industrie, von der er lebt: Der Supplement-Markt.

Die Protein-Lüge: Wie aus Müll Gold wurde

Die gesamte Supplement-Industrie basiert auf einer fundamentalen Täuschung:

Die Ausgangslage:

  • Molke war ursprünglich Abfall der Käseproduktion
  • 1 kg Käse = 9 kg Molke (flüssiger Müll)
  • In den 60er/70er Jahren wurde Molke in Flüsse gekippt (Umweltverschmutzung)
  • Molkereien mussten für die Entsorgung bezahlen

Die "geniale" Lösung:
Den Müll trocknen, verpacken und als "essentielles Nahrungsergänzungsmittel" verkaufen.

Die ökonomische Realität

Großhandelspreis Molkekonzentrat (WPC 80%): 9-18 € pro Kilo
Verkaufspreis Einzelhandel: 30-80 € pro Kilo
Aufschlag: 800%

Aber es wird noch perfider. Die Industrie nutzt weitere Tricks:

  • Aminospiking: Billiges Glycin/Taurin reinmischen, zählt als "Protein"
  • Protein Blends: Teure Molke mit billigem Soja/Erbsen strecken
  • Verdickungsmittel: Wasser wird "cremig", täuscht Sättigung vor
  • Süßstoffe (3-5g/kg): Maskieren bitteren Geschmack minderwertiger Rohstoffe

Das Marketing-Narrativ, das die Industrie erschaffen hat

  • "Du brauchst sofort Protein nach dem Training!" (Anaboles Fenster - wissenschaftlich widerlegt)
  • "Ohne Pulver erreichst du deine Proteinziele nicht!"
  • "Shake = optimale Versorgung!"

Die wissenschaftliche Realität (die verschwiegen wird)

Studien von Pinckaers, van Loon (2024):

  • Vollwertige Nahrung (Fleisch, Eier, Fisch) führt zu höherer und länger anhaltender Muskelproteinsynthese
  • Proteinpulver = kurzer "Spike" im Blut, dann schneller Absturz
  • Echtes Essen = stabile Versorgung über Stunden
  • Vollwertige Nahrung liefert: Eisen (Häm-Eisen, hochbioverfügbar), Zink, B-Vitamine (B12!), gesunde Fette

Mit anderen Worten: Die Industrie verkauft einen minderwertigen Ersatz zu 800% Aufschlag als "Premium-Produkt".


Warum er die Machtfrage nicht stellt

Wenn Menschen anfangen zu fragen:

  • "Wer profitiert von diesen wissenschaftlichen Wahrheiten?"
  • "Warum wird Proteinbedarf künstlich hochgerechnet?"
  • "Warum werden Studien von der Industrie finanziert?"

...dann bricht das gesamte Geschäftsmodell zusammen.

Deshalb muss Machtkritik als "Schwurbelei" diffamiert werden.

Nicht weil sie falsch ist. Sondern weil sie das System gefährdet, von dem er lebt.

Die historische Parallele

1960er: "Margarine ist gesünder als Butter!" (Lebensmittelindustrie kauft Studien)
Heute: Trans-Fette = Gift. Die Kritiker hatten Recht.

2000er: "Ihr braucht zwingend Proteinpulver!" (Supplement-Industrie erschafft künstlichen Bedarf)
Morgen: ???


Die eigentliche Demaskierung

Er stellt sich hin als rationaler Aufklärer gegen "Schwurbler".

Aber er verschweigt:

  • Aus Müll wird Gold (800% Marge)
  • Die Industrie trickst systematisch (Aminospiking, Blends)
  • Wissenschaftliche Studien zeigen: Echtes Essen ist überlegen
  • Der "Proteinbedarf" ist oft künstlich aufgeblasen

Warum verschweigt er das?

Weil er Teil dieses Systems ist. Er verkauft Supplements. Er profitiert von der Protein-Hysterie. Er lebt davon, dass Menschen glauben, sie bräuchten diese Produkte.

Und wer auf die ökonomische Macht hinter diesem System hinweist?

Wird als "Verschwörungstheoretiker" diffamiert.


Die historische Beweislast

Wer jetzt denkt, "Machtkritik ist doch meistens Spinnerei" – dem empfehle ich einen Blick in die Geschichte:

Über 2.000 dokumentierte Fälle, in denen "Verschwörungstheoretiker" Recht behielten:

  • Phoebus-Kartell: Globale Sabotage von Glühbirnen-Technologie (Lebensdauer von 100.000 auf 1.000 Stunden reduziert)
  • MK-Ultra: CIA-Menschenversuche mit LSD an unwissenden Bürgern
  • Tuskegee: 40 Jahre staatliche Folter – Schwarze Männer absichtlich nicht behandelt
  • Operation Gladio: NATO-Geheimarmeen in ganz Europa
  • Gates-Foundation-Experimente: 491.000 gelähmte Kinder in Indien durch Impfkampagne

Der komplette Beitrag mit allen Quellen:
Der missbrauchte Begriff "Verschwörung": Von realen Machenschaften und kritischem Denken

Die Lektion: Wer "Machtkritik" pauschal als "Schwurbelei" abtut, hat entweder keine Ahnung von Geschichte – oder profitiert vom System.


Fazit: Cui bono?

Die alte römische Frage: Wem nützt es?

  • Wem nützt es, Machtkritik als "Schwurbelei" zu diffamieren?
  • Wem nützt es, wenn niemand fragt: "Wer profitiert?"
  • Wem nützt es, wenn der Proteinbedarf künstlich hochgerechnet wird?

Die Antwort: Der Supplement-Industrie. Und allen, die von ihr leben.

Er ist kein Aufklärer. Er ist ein Gatekeeper, der das System schützt, von dem er profitiert.

Und mein gelöschter Kommentar? Hat genau diese Frage gestellt. Deshalb musste er weg.

Mein Kommentar wurde gelöscht, obwohl jedes Beispiel historisch dokumentiert ist. Nicht weil er falsch war, sondern weil er die verbotene Frage stellte: "Wer profitiert?"

Wenn jemand behauptet, "Machtkritik ist Verschwörungstheorie" – fragt euch, wer davon profitiert.

Wenn jemand "Wissenschaft" verkündet, während er Produkte verkauft – fragt euch, wessen Interessen bedient werden.

Und wenn diese Fragen zensiert werden – wisst ihr, dass ihr richtig liegt.


Grilleau, Januar 2026

P.S.: Wer jetzt denkt, "das ist doch alles übertrieben" - der sollte sich fragen: Warum wurde mein Kommentar mit dokumentierten historischen Fakten gelöscht, während "Nah bruh" stehenbleiben durfte?