Beleidigung als zulässige Kritik an dienstliches Verhalten
Die Bezeichnung eines persönlich und namentlich unbekannten Staatsanwalts als "selten dämlich" kann als zulässige Kritik an das dienstliche Verhalten vom Recht auf Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 Abs. 1 GG gedeckt sein. Dies hat das Bundesverfassungsgericht entschieden.
Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Im Rahmen eines Strafverfahrens wegen unrechtmäßigen Bezugs von Arbeitslosengeld machte der Beschuldigte im April 2018 mittels einer E-Mail an die Staatsanwaltschaft Landshut seinen Unmut deutlich. Dabei äußerte er, dass der Staatsanwalt selten dämlich sei und nicht lesen und schreiben könne. Dem Beschuldigten war nicht bekannt, dass für seinen Fall eigentlich eine Staatsanwältin zuständig war. Das Amtsgericht verurteilte den Beschuldigten wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe. Dies wurde vom Landgericht Landshut und dem Bayerischen Obersten Landesgericht bestätigt. Nunmehr legte der Beschuldigte Verfassungsbeschwerde ein. Er berief sich auf die Meinungsfreiheit.
Strafrechtliche Verurteilung stellt rechtswidrigen Eingriff in Meinungsfreiheit dar
Das Bundesverfassungsgericht entschied zu Gunsten des Beschuldigten. Die strafrechtliche Verurteilung wegen Beleidigung stelle einen rechtswidrigen Eingriff in die Meinungsfreiheit
gemäß Art. 5 Abs. 1 GG dar. Zwar habe die Äußerung des Beschuldigten
ehrverletzenden Charakter. Jedoch sei dem Beschuldigten unter
Berücksichtigung des Kampfes ums Recht und der Machtkritik
gestattet, den konkreten Amtsträger, dessen Strafverfolgungsgewalt er
unterworfen ist oder war, in anklagender und personalisierter Weise für
sein dienstliches Verhalten zu kritisieren. Es sei angesichts des
Kontextes fernliegend, dass der Beschuldigte die zuständige, ihm weder namentlich noch persönlich bekannte Staatsanwältin
in ihrer Person und nicht ausschließlich deren Amtsführung habe
angreifen wollen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der Kreis der
Personen, die von der Äußerung in dienstlichen, also nicht öffentlichen
Zusammenhang Kenntnis genommen haben, als überschaubar anzusehen sei.
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