„Die Mehrheit der Bevölkerung versteht nicht, was wirklich geschieht. Und sie versteht noch nicht einmal, dass sie es nicht versteht." – Noam Chomsky
Dieser Satz macht mich aggressiv. Nicht weil er falsch wäre, sondern weil er von genau den Leuten geteilt wird, die das Problem sind.
Die verdrehte Dialektik
Chomsky diagnostiziert das Nicht-Verstehen. Aber er verschweigt: Wer hat sieben Jahrzehnte lang dafür gesorgt, dass die Bevölkerung nicht versteht? Wer kontrolliert die Medien, die Universitäten, die Bildungssysteme?
Es ist zynisch, jemandem Unwissenheit vorzuwerfen, dem man systematisch Wissen vorenthält. Es ist wie einem Hungernden Fresssucht zu diagnostizieren, während man ihn aushungert.
Die Klassenverachtung des Intellektuellen
Der Arbeiter am Fließband:
- Hat nach 10 Stunden keine Kraft für Chomskys verschachtelte Syntax
- Wurde nie in akademischer Sprache sozialisiert
- Soll aber verstehen, dass er nicht versteht?
Chomsky schreibt Bücher für andere Professoren. Seine "Kritik" zirkuliert in geschlossenen Bildungsbürgerzirkeln. Die, über die er spricht, können ihn nicht lesen. Das ist kein Zufall, sondern Klassenpolitik.
Die neoliberalen Intellektuellen als Systemstabilisatoren
Wo ist die tägliche Aufklärung? Wo ist das mediale Trommelfeuer gegen Ausbeutung, Konzernmacht, Lobbyismus – so omnipräsent wie die Holocaust-Erinnerung? Richtig: Es gibt sie nicht.
Stattdessen gibt es Chomsky-Zitate auf LinkedIn. Die neuen "Aufgeklärten" teilen solche Sprüche und fühlen sich intellektuell überlegen. Sie sind die Mehrheit, die glaubt zu verstehen – und genau sie sind das Problem.
Der finale Widerspruch
Chomskys eigener Satz entlarvt nicht die Masse – sondern jene, die ihn teilen:
„Die Mehrheit versteht nicht mal, dass sie nicht versteht."
Genau. Die Mehrheit der selbsternannten Aufgeklärten versteht nicht, dass sie Teil des Problems sind. Sie applaudieren einem Zitat, das ihre eigene Klassenverachtung legitimiert, und merken nicht mal die Ironie.
Fazit
Die Intellektuellen der Neuzeit waren keine Befreier. Sie waren – und sind – Verwalter der Herrschaft. Sie liefern dem Bildungsbürgertum das gute Gewissen, "kritisch" zu sein, ohne je die Strukturen anzutasten.
Und die Masse, die diesem Unfug applaudiert? Die ist genauso bescheuert wie die, die sie für dumm hält.

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