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Montag, 5. Januar 2026

US-Interventionen in Lateinamerika: Eine Chronik des Imperiums

Einleitung

In knapp hundert Jahren, zwischen 1898 und 1994, haben die USA mindestens 41 Mal erfolgreich in lateinamerikanische Staaten eingegriffen – um Regierungen zu stürzen oder Volksbewegungen zu unterdrücken. Das entspricht einer Intervention alle 28 Monate. In 17 Fällen geschah dies direkt durch US-Militär oder Geheimdienste, in 24 weiteren Fällen indirekt, aber entscheidend. Was sich dabei zeigt, ist kein Sammelsurium historischer Zufälle, sondern ein System: Die systematische Unterwerfung eines Kontinents unter ökonomische und geopolitische Interessen.


I. Territoriale Expansion: Die Grundlagen des Imperiums (1823-1903)

Die Monroe-Doktrin von 1823 erklärte Lateinamerika zur "Einflusssphäre" der USA – ein euphemistischer Begriff für das, was später offen als Hinterhof bezeichnet werden sollte. Was folgte, war die gewaltsame Aneignung von Territorium und Ressourcen.

Der Mexiko-Krieg (1846): Die USA provozierten einen Krieg und eigneten sich über 500.000 Quadratmeilen an – das heutige Kalifornien, Nevada, Utah, Wyoming, Colorado, Arizona und New-Mexico. Kaufpreis: 15 Millionen Dollar. Das Land wurde nicht gekauft, es wurde geraubt und der Kauf war die nachträgliche Legitimation.

William Walker in Nicaragua (1855-1857): Ein Abenteurer aus Tennessee erklärte sich mit einer Privatarmee zum Präsidenten Nicaraguas. Er führte ein "Amerikanisierungsprogramm" ein: Sklaverei wurde wiedereingeführt, Englisch zur Amtssprache, die Währung umgestellt. Walker wurde zwar von einer zentralamerikanischen Koalition vertrieben, aber sein Projekt zeigte bereits das Muster: Lateinamerika als Spielfeld für US-Interessen.

Panama (1903): Als Kolumbien sich weigerte, den Kanal zu den US-Bedingungen zu überlassen, inszenierten die USA eine "Unabhängigkeitsbewegung" in Panama. Zehn Kriegsschiffe sicherten die Rebellion ab. Der Franzose Philippe Bunau-Varilla handelte daraufhin den Hay-Bunau-Varilla-Vertrag aus – Panama erhielt nominelle Unabhängigkeit, die USA de facto Souveränität über die Kanalzone.


II. Ökonomischer Imperialismus: Die Ära der Bananenrepubliken (1900-1945)

Die Roosevelt-Corollary zur Monroe-Doktrin (1905) machte aus der "Einflusssphäre" offen ein Protektorat: Die USA erklärten sich zum "Polizisten der Karibik". Was folgte, war die systematische Unterwerfung ganzer Volkswirtschaften unter US-Konzerninteressen.

Guatemala (1954 - Vorgeschichte ab 1901): Das Platt Amendment von 1901 gab den USA das "unilaterale Recht", in kubanische Angelegenheiten einzugreifen – ein Modell, das später auf andere Länder übertragen wurde. Gunboat Diplomacy wurde Standard: 1898 schickte Washington die USS Wachusett nach Guatemala, um "amerikanische Leben und Eigentum zu schützen" – ein Euphemismus für Konzerninteressen.

Nicaragua (1912-1933): US-Marines besetzten das Land fast ununterbrochen über zwei Jahrzehnte. Als sie 1933 abzogen, hinterließen sie die US-trainierte Guardia Nacional unter Anastasio Somoza – der Beginn einer Familiendiktatur, die bis 1979 dauerte.

Honduras: Zwischen 1903 und 1925 intervenierten die USA mindestens siebenmal militärisch in Honduras – um das amerikanische Konsulat, Dampfschiff-Anlegestellen und "politische Interessen" zu schützen. Honduras wurde zur klassischen Bananenrepublik, deren Wirtschaft vollständig von United Fruit kontrolliert wurde.

Dominikanische Republik (1916-1924): Die Marines besetzten das Land acht Jahre lang. Die USA unterstützten anschließend den Diktator Rafael Trujillo, der eine der brutalsten Diktaturen Lateinamerikas errichtete – geschätzt 25.000 Menschen wurden getötet oder verschwanden. Trujillo blieb bis zu seiner Ermordung 1961 ein US-Verbündeter.

Mexikanische Revolution (1914-1918): Die USA intervenierten militärisch gegen Nationalisten wie Pancho Villa und Emiliano Zapata, die das mexikanische Oligarchensystem stürzen wollten. Washington unterstützte Porfirio Díaz, dessen 30-jährige Diktatur von engen Wirtschaftsbeziehungen zu den USA profitierte. 1913 halfen die USA beim Putsch gegen den reformorientierten Francisco Madero und installierten General Victoriano Huerta.

Das Muster war klar: Lateinamerikanische Volkswirtschaften wurden zu Rohstofflieferanten degradiert, demokratische Bewegungen unterdrückt, Diktatoren gefördert – solange sie US-Interessen dienten.


III. Antikommunistische Interventionen: Der Kalte Krieg als Vorwand (1946-1990)

Mit dem Kalten Krieg erhielt die US-Interventionspolitik eine neue ideologische Legitimation. Die "kommunistische Bedrohung" diente als Universalschlüssel für jeden Putsch, jede Invasion, jede Unterstützung für Diktaturen und Todesschwadronen.

Die School of the Americas: Kaderschmiede der Repression

1946 eröffnete die US-Army die School of the Americas (SOA) in Panama – eine hemisphärenweite Militärakademie. Ihr Kernstück war die "Doktrin der Nationalen Sicherheit", nach der die Hauptbedrohung eines Staates die innere Subversion sei. Diese Doktrin wurde zur Blaupause für Diktaturen in Brasilien, Argentinien, Uruguay, Chile, Zentralamerika und anderswo.

Über sechs Jahrzehnte wurden 65.000 lateinamerikanische Soldaten trainiert. Die Alumni-Liste liest sich wie ein Who's Who der Schlächter: 11 Diktatoren, darunter Argentiniens Leopoldo Galtieri, Guatemalas Ríos Montt und Haitis Raoul Cédras. Roberto D'Aubuisson, Anführer der Todesschwadronen in El Salvador, war ebenso Absolvent. Zehntausende Menschen wurden von SOA-Absolventen gefoltert und ermordet.

1984 wurde die Schule unter dem Panama-Kanal-Vertrag aus Panama vertrieben – panamaische Politiker hatten sich beschwert, dass Absolventen sich "repressiv und antidemokratisch" verhielten. 2001 wurde die Schule in "Western Hemisphere Institute for Security Cooperation" (WHINSEC) umbenannt und nach Fort Benning, Georgia, verlegt. Die kosmetische Umbenennung änderte wenig am Grundprogramm.

Pater Roy Bourgeois brachte es auf den Punkt: "Hier ist die School of the Americas. Es ist eine Kampfschule. Die meisten Kurse drehen sich um 'Aufstandsbekämpfung'. Wer sind die 'Aufständischen'? Das sind die Armen. Das sind die Menschen in Lateinamerika, die Reformen fordern. Das sind landlose Bauern, die hungern. Gesundheitsarbeiter, Menschenrechtsanwälte, Gewerkschaftsorganisatoren. Sie werden zu Aufständischen. Sie werden als 'Feind' gesehen. Sie werden zu Zielen derer, die ihre Lektionen an der School of the Americas gelernt haben."

Guatemala (1954): Der Prototyp des Kalte-Krieg-Putsches

Jacobo Árbenz, demokratisch gewählter Präsident Guatemalas, führte eine Landreform ein, die der verarmten Bevölkerungsmehrheit zugutekommen sollte. Er enteignete brachliegendes Land der United Fruit Company – und bot an, dafür den Wert zu zahlen, den United Fruit in seinen Steuererklärungen angegeben hatte.

Die Eisenhower-Regierung stufte Árbenz' Reformen als "kommunistisch" ein. CIA-Direktor Allen Dulles, selbst Aktionär von United Fruit, organisierte den Sturz. Die CIA lieferte Waffen und Training für Anti-Árbenz-Kräfte. Árbenz wurde gestürzt, es folgte eine Militärdiktatur. Die nächsten vier Jahrzehnte: Repression, Gewalt, Verschwundene. Geschätzte 250.000 Guatemalteken wurden getötet oder verschwanden.

Die CIA-Operation in Guatemala wurde zum Modell für spätere Interventionen: verdeckte Finanzierung oppositioneller Kräfte, mediale Destabilisierungskampagnen, militärisches Training, schließlich der Putsch.

Kuba (1960er): Obsession mit Castro

Nach Castros Revolution 1959 verstaatlichte Kuba US-Unternehmen ohne Entschädigung. Die USA reagierten mit einem Handelsembargo und dem Abbruch diplomatischer Beziehungen. Eisenhower autorisierte verdeckte Operationen – die CIA versuchte Castro mit explodierenden Zigarren und vergifteten Milchshakes zu ermorden. Zwischen 1961 und 1963 wurden mindestens fünf Mordpläne ausgearbeitet.

1961 scheiterte die von der CIA organisierte Invasion in der Schweinebucht. Castro proklamierte Kuba zum kommunistischen Staat und verbündete sich mit der UdSSR. Die Kubakrise 1962 brachte die Welt an den Rand eines Atomkriegs. Das Embargo besteht bis heute – eines der längsten Wirtschaftsblockaden der Geschichte.

Brasilien (1964): Putsch gegen Reformer

João Goulart wollte Agrarreformen und die Verstaatlichung der Ölindustrie. Das reichte: Ein von den USA unterstützter Militärputsch stürzte ihn 1964. Es folgte eine Militärdiktatur, die die SOA-Doktrin der Nationalen Sicherheit umsetzte: Folter, Verschwundene, Repression.

Dominikanische Republik (1965): "Keine zweite Kuba"

Als konstitutionelle Kräfte versuchten, nach dem Sturz der Trujillo-Diktatur an die Macht zurückzukehren, entsandte Präsident Johnson gegen den Rat seiner zivilen Berater 42.000 Soldaten. Seine Begründung: Er fürchtete "eine zweite Kuba". Die Intervention zeigte, dass die USA bereit waren, selbst demokratische Bewegungen militärisch zu unterdrücken, wenn sie befürchteten, die Kontrolle zu verlieren.

Chile (1973): Die Zerstörung der Demokratie

Salvador Allende, demokratisch gewählter Präsident, verstaatlichte die Kupferindustrie und führte Sozialreformen ein. Die CIA orchestrierte seinen Sturz und installierte die Militärdiktatur unter Augusto Pinochet. Über 100.000 Menschen wurden inhaftiert, Folter und Vergewaltigung waren Standardverhörmethoden. Gewerkschaften wurden verboten, die Arbeitswoche auf 48 Stunden ausgedehnt, Allendes Landreformen rückgängig gemacht.

Chile wurde zum neoliberalen Experimentierfeld der Chicago Boys – Privatisierung, Deregulierung, Sozialabbau. Das "chilenische Wirtschaftswunder" wurde auf den Knochen der Verschwundenen errichtet.

Uruguay (1976): Weltrekord in politischer Inhaftierung

Mit US-Unterstützung übernahm das Militär die Macht. Uruguay erreichte den traurigen Weltrekord des höchsten Prozentsatzes politischer Gefangener in der Bevölkerung.

Kolumbien (1962): Geburt des endlosen Bürgerkriegs

Die Yarborough-Kommission des Pentagon riet der kolumbianischen Regierung, paramilitärische Organisationen zu schaffen und einen Totalangriff gegen Guerillas zu starten – die zu diesem Zeitpunkt weniger Aufständische als Volksmilizen zur Selbstverteidigung waren. Innerhalb von zwei Jahren, und mit US-Finanzierung und Beratung, versank Kolumbien vollständig im Bürgerkrieg. Dieser dauert, in verschiedenen Formen, bis heute an.

El Salvador (1980er): Todesschwadronen und Massaker

Eine rechte Junta übernahm die Macht. Die USA begannen, El Salvador massiv zu unterstützen im Kampf gegen die FMLN-Guerilla. Todesschwadronen wucherten. Erzbischof Romero wurde von rechtsextremen Terroristen ermordet. Zwischen 1978 und 1981 wurden 35.000 Zivilisten getötet. Als vier US-Kirchenfrauen vergewaltigt und ermordet wurden, suspendierte Washington die Militärhilfe – für einen Monat.

Nicaragua (1980er): Die Contra-Krieger

Die Reagan-Regierung begann 1981 den Contra-Krieg gegen Nicaraguas sandinistische Regierung. Die Contras, auf honduranischem Territorium basiert und von der CIA finanziert, terrorisierten die Zivilbevölkerung. Honduras wurde zur Operationsbasis – Washington pumpte jährlich 100 Millionen Dollar ins Land und zwang das honduranische Militär, sich "aufzuräumen" und Wahlen abzuhalten, während die Todesschwadronen weiterarbeiteten.

Grenada (1983): Invasion wegen eines Flughafens

Die USA invadierten Grenada im Rahmen der "Operation Urgent Fury", um eine populäre Regierung zu stürzen. Präsident Reagan rechtfertigte die Invasion mit der Anwesenheit von 800 US-Medizinstudenten und dem Bau eines Flughafens mit kubanischer Hilfe – angeblich für sowjetische Nutzung. 10.000 US-, jamaikanische und karibische Truppen landeten am 25. Oktober 1983.

Die UN-Vollversammlung verurteilte die Invasion international. 20 amerikanische Soldaten wurden getötet, zusammen mit über hundert kubanischen und grenadischen Soldaten und Zivilisten. Später kündigten die USA an, den Flughafen fertigzustellen – für den Tourismus.

Präsident Carter: Kurzes Intermezzo

Jimmy Carters Wahl 1977 führte zu einem neuen Fokus auf Menschenrechte in Zentralamerika. Carter stoppte (oder versuchte es) die Hilfe für Guatemalas Militär und reduzierte die Hilfe an El Salvador. Das Intermezzo war kurz: Mit Reagan kehrte die unverblümte Unterstützung für Diktaturen und Todessschwadronen zurück.


IV. Neoliberale Ära: Vom Antikommunismus zum "War on Drugs" (1990-heute)

Mit dem Ende des Kalten Krieges brauchte die US-Interventionspolitik eine neue Legitimation. Der "Krieg gegen die Drogen" trat an die Stelle des Antikommunismus, "Narco-Guerillas" ersetzten "Kommunisten", später kam der noch bedrohlicher klingende "Terrorist" hinzu. Die Kontinuität der Interventionen blieb bestehen – nur die Begründung änderte sich.

Panama 1989: Anatomie eines Massakers

Am 20. Dezember 1989 invadierten über 27.000 US-Soldaten Panama im Rahmen der "Operation Just Cause". Offizielles Ziel: die Verhaftung von Manuel Noriega wegen Drogenhandels. Noriega war ein ehemaliger CIA-Informant und US-Verbündeter – Washington wusste seit den 1970er Jahren von seinem Drogenhandel und hatte sich nie daran gestört.

Die US-Streitkräfte entfesselten einen der gewalttätigsten Terrorangriffe des Jahrhunderts. Sie brannten systematisch Wohngebäude nieder und erschossen wahllos Menschen auf den Straßen. Menschen wurden von Panzern überrollt, gefangene Panamaer auf offener Straße hingerichtet, Leichen stapelten sich – viele wurden vor der Identifizierung verbrannt.

Augenzeugen berichten, dass US-Soldaten um 6:30 Uhr morgens begannen, Wohngebäude in Brand zu setzen. Videoaufnahmen zeigen die verkohlten Überreste von Häuserreihen in El Chorillo, einem der ärmsten Viertel der Stadt. "Sie brannten ein Haus nieder und gingen dann zum nächsten über und wiederholten den Prozess. Sie brannten von Straße zu Straße. Sie koordinierten das Abbrennen über Walkie-Talkies", berichtet ein Zeuge.

Überlebende wurden angeblich für 6 Dollar pro Leiche angeheuert, um Massengräber zu füllen. Krankenwagenpfahrer begannen, El Chorillo "Klein-Hiroshima" zu nennen. Etwa 20.000 Menschen verloren ihre Häuser und wurden zu Flüchtlingen.

Die genaue Zahl der Getöteten bleibt unbekannt. Die besten Schätzungen liegen bei mindestens 2.000 bis 3.000 Panamaern. Eine Kommission der Zentralamerikanischen Menschenrechtskommission (COEDHUCA) stellte fest: "Die meisten dieser Todesfälle hätten verhindert werden können, wenn die US-Truppen angemessene Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten ergriffen und die internationalen Rechtsnormen der Kriegsführung befolgt hätten."

Die Aggression wurde international verurteilt, aber die Botschaft war klar: Das US-Militär kann tun, was es will, wann es will – ohne ethische oder rechtliche Bindungen.

Plan Colombia (1999-2000): Militärhilfe als Wirtschaftspolitik

Plan Colombia wurde offiziell als Initiative zur Drogenbekämpfung und gegen linke Aufständische verkauft. Kritiker argumentierten, dass dies größtenteils als Deckmantel diente, um die US-Militärpräsenz auszubauen und US-Konzerninteressen zu schützen.

General Charles E. Wilhelm, Chef des US Southern Command, legte 1998 vor dem Senatsausschuss die wahre Rationale offen: "Niemand stellt die strategische Bedeutung des Nahen Ostens in Frage, aber Venezuela allein liefert den USA die gleiche Ölmenge wie alle Staaten am Persischen Golf zusammen. Die Entdeckung großer Ölreserven in Kolumbien und bestehende Ölvorkommen in Trinidad-Tobago und Ecuador erhöhen die strategische Bedeutung der Energieressourcen dieser Region weiter."

Er fuhr fort: "Lateinamerika wurde von demokratischen Nationen regiert, die begierig auf US-Investitionen und Handel sind. Wenn wir ins neue Jahrtausend eintreten, wird der US-Handel mit dieser Region voraussichtlich den Handel mit ganz Europa übertreffen. Bis 2010 wird der US-Handel mit dieser Region voraussichtlich den Handel mit Europa und Japan zusammen übertreffen."

Plan Colombia machte das Land zu einem der größten Empfänger von US-Auslandshilfe – hauptsächlich in Form von Militärausrüstung und Training. "Terrorismus, internationale organisierte Kriminalität und Drogenhandel" wurden als Bedrohung der Zivilgesellschaft dargestellt. Die "Vorteile von Handel und Entwicklung" würden eine umfangreiche US-Investition erfordern, "um Aggression abzuschrecken, friedliche Konfliktlösung zu fördern und demokratische Entwicklung zu ermutigen, während Stabilität und Wohlstand gefördert werden."

Plan México (Mérida-Initiative, 2008)

Die 2008 unterzeichnete Mérida-Initiative – von Kritikern "Plan México" genannt – war eine Sicherheitskooperationsvereinbarung zwischen den USA, Mexiko und zentralamerikanischen Staaten zur Bekämpfung von Drogenhandel, organisierter Kriminalität und Geldwäsche. Die Hilfe umfasste Training, Ausrüstung und Geheimdienste.

Die Ankündigung enger Sicherheitskooperation erzeugte in Mexiko Kontroversen – Fragen nach nationaler Souveränität wurden erneut aufgeworfen: Inwieweit würden US-Strafverfolgung, Militär und Geheimdienste auf mexikanischem Territorium operieren, und würden sie bewaffnet sein?

Venezuela (2015-2019): Die lange Vorbereitung

2015 erklärte Präsident Obama Venezuela zu einer "außerordentlichen Bedrohung der nationalen Sicherheit und Außenpolitik der Vereinigten Staaten" – um gezielte Sanktionen gegen hochrangige Regierungsbeamte zu rechtfertigen.

2017 verhängte Präsident Trump weitreichende Wirtschaftssanktionen, die Venezuelas Zugang zu internationalen Finanzmärkten drastisch einschränkten und die laufende Wirtschaftskrise des Landes verschärften.

Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen 2018 erreichte die Krise ihren Höhepunkt. Trump und Vizepräsident Pence ermutigten offen das venezolanische Militär, einen Putsch durchzuführen. US-Beamte trafen sich sogar mit potenziellen Putschführern. Im September 2017 hatte Trump bereits die Idee eines Militärputsches zur Absetzung von Nicolás Maduro lanciert. Laut New York Times und anderen Quellen hielt die Regierung "geheime Treffen" mit ehemaligen Mitgliedern der venezolanischen Streitkräfte ab, die entschlossen waren, Maduro zu stürzen.

2020 erhob das US-Justizministerium Anklage gegen Maduro wegen "Narco-Terrorismus" und bot 15 Millionen Dollar Belohnung für seine Festnahme. Die juristischen Vorbereitungen für das, was 2026 folgen sollte, waren damit gelegt.

Venezuela (2026): Die Entführung eines Präsidenten

Am 3. Januar 2026, in den frühen Morgenstunden, vollzogen die USA das, was Beobachter als eine der direktesten und brutalsten Interventionen in der lateinamerikanischen Geschichte bezeichnen – eine Operation, die Panama 1989 in den Schatten stellt und eine neue Ära unverhohlener imperialer Gewalt markiert.

Die Operation "Absolute Resolve":

Um 22:46 Uhr Ostküstenzeit am 2. Januar gab Präsident Donald Trump den Angriffsbefehl. Was folgte, war ein großangelegter Militärschlag auf die venezolanische Hauptstadt Caracas und weitere Städte. Etwa 150 Flugzeuge und Helikopter starteten von 20 Luftwaffenbasen in der westlichen Hemisphäre. Die Operation war monatelang vorbereitet worden – US-Geheimdienste hatten Maduros Tagesablauf kartiert, wussten, was er aß, wo er sich bewegte, welche Haustiere er hatte.

US-Streitkräfte deaktivierten Venezuelas Luftabwehrsysteme. Trump erklärte später, "die Lichter von Caracas wurden größtenteils ausgeschaltet aufgrund einer gewissen Expertise, die wir haben" – ein verhüllter Hinweis auf Cyberkriegsführung oder elektromagnetische Waffen.

Die Angriffe richteten sich gegen Militärstützpunkte, Flugplätze, Kommunikationsanlagen und Häfen. Nach Angaben der venezolanischen Regierung wurden auch Wohngebiete bombardiert – Soldaten und Zivilisten starben. Die USA gaben keine eigenen Verluste bekannt.

Die Entführung:

Um 2:01 Uhr Ortszeit (6:01 GMT) landeten US-Helikopter auf Maduros Gelände in Caracas. US-Spezialkräfte der Delta Force nahmen Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores gefangen. Die gesamte "Raid"-Operation dauerte weniger als 30 Minuten. Trump erklärte später gegenüber Fox News, US-Truppen hätten auf einer Replika des Gebäudes trainiert, "die identisch war mit der, in die sie eindrangen, mit all dem Stahl überall".

Um 4:29 Uhr wurde Maduro an Bord des Flugzeugträgers USS Iwo Jima gebracht. Ein von Trump auf Truth Social veröffentlichtes Bild zeigte Maduro in grauem Trainingsanzug mit schwarzer Augenbinde und einer Wasserflasche in der Hand. Gegen 16:30 Uhr Ortszeit (21:30 GMT) landete das Flugzeug mit Maduro auf der Stewart Air National Guard Base in New York.

Die Rechtfertigungen:

Trump pries die Operation als "eine der atemberaubendsten, effektivsten und mächtigsten Demonstrationen amerikanischer Militärmacht und Kompetenz in der amerikanischen Geschichte". Die offizielle Begründung: Anklage wegen "Narco-Terrorismus" und Drogenschmuggel – dieselbe Legitimation wie 1989 in Panama, als Manuel Noriega entführt wurde.

US-Außenminister Marco Rubio erklärte, Maduro werde nun "endlich für seine Verbrechen vor Gericht gestellt". US-Verteidigungsminister Pete Hegseth beschrieb den Angriff als "massive gemeinsame militärische und Strafverfolgungsoperation".

Doch Trump selbst machte die wahren Motive unmissverständlich klar: "Das Land ist kaputt. Wir müssen es wiederbeleben, und dafür brauchen wir große Investitionen von den Ölgesellschaften, um die Infrastruktur wieder funktionsfähig zu machen." Die USA würden Venezuela "übergangsweise führen", bis ein "sicherer, ordnungsgemäßer und umsichtiger Übergang" gewährleistet sei. Das Ölembargo gegen Venezuela bleibe bestehen – die USA würden die Kontrolle über die größten Ölreserven der Welt übernehmen.

Trump verkündete auch, die USA hätten "keine Angst", Bodentruppen in Venezuela einzusetzen.

Die "Donroe-Doktrin":

Trump proklamierte, was er die "Donroe-Doktrin" nannte – eine Neuauflage der Monroe-Doktrin von 1823, nun nach ihm selbst benannt. Die Botschaft war klar: Lateinamerika ist amerikanisches Territorium, amerikanisches Öl, amerikanischer Einflussbereich. Russland und China sollen verdrängt werden. Die westliche Hemisphäre gehört den USA.

Die völkerrechtliche Dimension:

Der Völkerrechtler Christoph Safferling von der Universität Erlangen-Nürnberg bezeichnete die US-Aktion als eindeutigen Verstoß gegen das Gewaltverbot der UN-Charta (Artikel 2, Absatz 4). "Irgendwelche Behauptungen, gegen einen Narco-Terrorismus zu kämpfen", seien keine Rechtfertigung für den Einsatz der US-Armee in Venezuela. "Offensichtlich haben die Vereinigten Staaten von Amerika hier das Ziel, gegen die Grundregeln des Völkerrechts Lateinamerika, Südamerika unter ihren politischen Einfluss zu bringen."

Die UN-Charta legt fest: "Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt."

Venezuela beantragte eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats. Die venezolanische Regierung verurteilte die "militärische Aggression" und "Entführung" als Verletzung der UN-Charta. Verteidigungsminister Vladimir Padrino erklärte: "Sie haben uns angegriffen, aber sie werden uns nicht brechen."

Internationale Reaktionen:

Kolumbiens linker Präsident Gustavo Petro verurteilte die Angriffe: "In diesem Moment wird Caracas bombardiert. Alarm an alle: Venezuela wurde angegriffen. Sie beschießen es mit Raketen." Er forderte ein sofortiges Zusammentreten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der UNO.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel nannte es einen "kriminellen US-Angriff" und forderte eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Der Iran sprach von einer "eklatanten Verletzung" der nationalen Souveränität und territorialen Integrität Venezuelas.

Die Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner in Deutschland forderte: "Berlin und die EU müssen jetzt deutliche Worte finden. Trump reagiert ausschließlich auf Entschlossenheit. Europa muss diese Entschlossenheit nun unter Beweis stellen."

Das Machtvakuum:

Vizepräsidentin Delcy Rodríguez übernahm geschäftsführend die Regierung und forderte "einen sofortigen Beweis", dass Maduro und seine Frau noch am Leben seien. Sie erklärte, Maduro sei "der einzige Präsident Venezuelas". Die venezolanische Regierung kündigte an, sich gegen die Anwesenheit ausländischer Truppen zu wehren.

Die USA warnten ihre Bürger: "Reisen Sie nicht nach Venezuela. US-Bürger in Venezuela sollten sich an Ort und Stelle in Sicherheit bringen und das Land unverzüglich verlassen, sobald das gefahrlos möglich ist."

Die historische Bedeutung:

Die Entführung eines amtierenden Präsidenten aus seiner Hauptstadt mitten in der Nacht ist beispiellos in der modernen Geschichte. Selbst die Entführung Noriegas 1989 geschah im Kontext einer bereits laufenden Invasion. Die Venezuela-Operation markiert eine neue Qualität imperialer Unverfrorenheit: Die USA greifen einen souveränen Staat an, entführen dessen Regierungschef, erklären offen, das Land "führen" und dessen Ölreserven ausbeuten zu wollen – und verkünden dies als Triumph.

CNN kommentierte: "Ausdrücke ungebremster Macht kommen nicht direkter als die Entführung eines amtierenden Präsidenten aus seiner Hauptstadt mitten in der Nacht."

Die Operation zeigt: Die Maske ist gefallen. Es geht nicht um Demokratie, nicht um Menschenrechte, nicht um Drogenbekämpfung. Es geht um Öl, um Kontrolle, um die Wiederherstellung uneingeschränkter US-Hegemonie über Lateinamerika. Die "Donroe-Doktrin" macht aus der Heuchelei offene Ansage.

Honduras (2009): Obama und Clintons Putsch

Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton halfen einem rechtsgerichteten Militärputsch in Honduras zum Erfolg, indem sie Bemühungen zur Wiedereinsetzung des gewählten, linksliberalen Präsidenten Manuel Zelaya behinderten und operationelle Unterstützung für den Putsch leisteten.

Paraguay (2012) und Brasilien (2016): "Parlamentarische Putsche"

2012 vereitelte das US-Außenministerium regionale Bemühungen, einen "parlamentarischen Putsch" rückgängig zu machen, der den linken Präsidenten Paraguays durch einen weithin umstrittenen Prozess absetzt.

2016 warf die Obama-Regierung ihr gesamtes diplomatisches Gewicht hinter korrupte, rechtsgerichtete politische Akteure in Brasilien, die die linksliberale Präsidentin Dilma Rousseff durch ein fehlerhaftes und umstrittenes Amtsenthebungsverfahren absetzten.

Nicaragua (2018): Der gescheiterte Putschversuch

Zwischen dem 18. und 22. April 2018 brachen gewalttätige Proteste nach einem Regierungsvorschlag zur Reform des Sozialversicherungssystems aus. Die Proteste begannen in Managua und breiteten sich rasch aus – befeuert durch entzündliche Botschaften in sozialen Netzwerken und gezielte Manipulation durch rechtsgerichtete Medien.

Der Putsch scheiterte, aber er legte die Klassenspaltungen in Nicaragua offen und enthüllte die Allianzen, die mit den USA zusammenarbeiteten, um eine neoliberale Regierung zu installieren, die von den USA kontrolliert wird und den Interessen der Reichen dient.

Kuba (2002-2004): Die "Achse des Bösen"

2002 kündigte Präsident George H. Bush neue Maßnahmen an, um das Ende der kommunistischen Herrschaft in Kuba zu beschleunigen – einschließlich Verschärfung des Reiseembargos, Durchgreifen gegen illegale Geldtransfers und einer robusteren Informationskampagne gegen Kuba. Eine neue Behörde, die "Commission for Assistance to a Free Cuba", wurde geschaffen.

Im Mai 2003 beschuldigte Unterstaatssekretär John Bolton Kuba, biologische Waffen zu entwickeln, und fügte das Land Washingtons Liste der "Achse des Bösen"-Staaten hinzu.


Analyse: Kontinuitäten und Wandel

Die wechselnden Legitimationen

Was sich ändert, sind die Begründungen: Von "Zivilisierungsmission" über "Antikommunismus" zu "War on Drugs" und "Terrorismusbekämpfung". Was bleibt, ist die Kontinuität der Intervention selbst.

Die Monroe-Doktrin etablierte das ideologische Fundament, die Roosevelt-Corollary machte daraus offene Politik. Der Kalte Krieg lieferte den perfekten Vorwand: Jede Landreform war "kommunistisch", jeder Gewerkschafter ein "Subversiver", jeder Reformer eine "Bedrohung der nationalen Sicherheit". Nach 1990 wurden "Kommunisten" zu "Narco-Guerillas" und schließlich zu "Terroristen" – die Interventionslogik blieb identisch.

Mit der Venezuela-Operation 2026 fällt selbst diese dünne Maske. Trump proklamiert offen die "Donroe-Doktrin" – Lateinamerika als US-Besitz, dessen Ressourcen den USA gehören. Die Heuchelei weicht der unverhüllten Machtdemonstration.

Die ökonomische Logik

Hinter allen Interventionen steht eine simple ökonomische Logik: Die Sicherung von Rohstoffen, Märkten und Investitionsmöglichkeiten. General Wilhelm formulierte es 1998 unverblümt: Es geht um Öl, es geht um Handel, es geht um Investitionen. Trump machte 2026 keinen Hehl mehr daraus: "Wir brauchen große Investitionen von den Ölgesellschaften."

United Fruit in Guatemala, Kupfer in Chile, Öl in Venezuela – die Muster sind austauschbar. Wenn gewählte Regierungen es wagen, Ressourcen zu verstaatlichen oder Sozialreformen einzuführen, die Konzernprofite schmälern könnten, werden sie gestürzt. Die Methoden variieren – von CIA-Putschen über Wirtschaftssanktionen bis zu direkten Invasionen und Entführungen –, aber das Ziel bleibt gleich.

Die Institutionalisierung der Repression

Die School of the Americas symbolisiert die Systematisierung der Repression. Es reichte nicht, gelegentlich zu intervenieren – die USA schufen ein hemisphärenweites Netzwerk von Militärs und Geheimdienstlern, die in Aufstandsbekämpfung, Folter und "Low-Intensity Warfare" ausgebildet wurden. Diese Netzwerke überdauern einzelne Interventionen und schaffen dauerhafte Strukturen der Kontrolle.

Die Rolle der Diktaturen

Die USA haben durchweg Diktaturen unterstützt, wenn diese US-Interessen dienten: Somoza in Nicaragua, Trujillo in der Dominikanischen Republik, Pinochet in Chile, die brasilianischen Generäle. "Autoritär, aber pro-westlich" war die Formel. Demokratie war zweitrangig – oder störend, wenn demokratisch gewählte Regierungen soziale Reformen wagten.

Neoliberalismus als Fortsetzung

Der Neoliberalismus setzte die ökonomische Unterwerfung mit anderen Mitteln fort. Wo militärische Interventionen politisch schwierig wurden, traten IWF, Weltbank und Freihandelsabkommen an ihre Stelle. Strukturanpassungsprogramme erzwangen Privatisierung, Deregulierung, Sozialabbau – das, wofür früher Diktaturen installiert wurden, geschieht nun durch "technokratische" Mechanismen.

Die "parlamentarischen Putsche" in Paraguay und Brasilien zeigen die neue Form: Formell legal, faktisch Regimewechsel. Venezuela 2026 demonstriert die Rückkehr zur unverhüllten militärischen Gewalt, wenn die "sanfteren" Methoden versagen.

Von Panama 1989 zu Venezuela 2026: Die Eskalation

Panama 1989 war brutal – 2.000 bis 3.000 Tote, ein Stadtteil in Schutt und Asche, ein Präsident entführt. Aber die USA gaben sich noch Mühe, dies als "Drogenbekämpfung" zu tarnen und international zu rechtfertigen.

Venezuela 2026 markiert eine neue Qualität: Die USA greifen einen souveränen Staat an, bombardieren die Hauptstadt, entführen den Präsidenten und seine Frau mitten in der Nacht, verkünden, das Land "führen" und dessen Öl ausbeuten zu wollen – und präsentieren dies als Triumph amerikanischer Macht. Der Völkerrechtsbruch wird nicht mehr verschleiert, sondern zelebriert. Die "Donroe-Doktrin" macht aus dem informellen Imperium ein offenes.

Die Kosten

Die Bilanz ist verheerend: Hunderttausende Tote, Verschwundene, Gefolterte. Zerstörte Demokratien, abgewürgte Entwicklung, traumatisierte Gesellschaften. Länder wie Guatemala, El Salvador, Honduras sind bis heute nicht von den Interventionen erholt – die Gewalt, Armut und Migration der Gegenwart sind direkte Folgen dieser Geschichte.

Venezuela steht nun vor dieser Perspektive: Ein von den USA "geführtes" Land, dessen Ressourcen den amerikanischen Ölkonzernen ausgeliefert werden, dessen Bevölkerung den Preis für die "Befreiung" zahlen wird.

Die Doppelmoral

Die USA sprechen von "Demokratieförderung" und stürzen gewählte Regierungen. Sie beklagen "Menschenrechtsverletzungen" und bilden Folterer aus. Sie führen einen "War on Drugs" und arbeiten mit Drogenhändlern zusammen, wenn diese politisch nützlich sind. 2026 reden sie von "Narco-Terrorismus" und verkünden gleichzeitig offen ihren Hunger nach venezolanischem Öl.

Diese Doppelmoral ist kein Betriebsunfall, sondern systemisch. Sie war immer durchsichtig – aber die Venezuela-Operation zeigt, dass Washington nicht einmal mehr vorgibt, daran zu glauben.


Schlussbemerkung: Das Imperium ohne Maske

42 Interventionen in 128 Jahren – von der Monroe-Doktrin 1823 bis zur Entführung Maduros 2026. Die jüngste Intervention markiert einen qualitativen Bruch: Das Imperium operiert nun ohne Maske, ohne Rechtfertigungszwang, ohne die Simulation internationaler Legalität.

Diese Timeline ist keine Ansammlung historischer Kuriositäten, sondern die Dokumentation eines Systems imperialer Kontrolle. Die Formen ändern sich, die Legitimationen wechseln, aber die Grundlogik bleibt: Lateinamerika wird als "Hinterhof" behandelt, als Ressourcenlieferant und Investitionsfeld, dessen politische Entwicklung den Interessen des Nordens untergeordnet werden muss.

Die Kontinuität von 1823 bis 2026 zeigt: Dies ist keine Geschichte, die vorbei ist. Die Mechanismen existieren weiter, die Netzwerke sind intakt, die ökonomischen Interessen bestehen fort. Die Venezuela-Operation 2026 demonstriert, dass die USA bereit sind, zur offenen militärischen Aggression zurückzukehren, wenn andere Methoden versagen.

Trump erklärte nach der Operation, er habe "keine Angst", Bodentruppen einzusetzen. Die USA kündigten an, Venezuela "zu führen", bis ein Übergang nach ihren Vorstellungen gesichert ist. Das Öl soll fließen – in amerikanische Konzernkassen.

Wer die gegenwärtige Weltordnung verstehen will – und die Rolle der USA darin –, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei. Die Frage ist nicht mehr, ob die USA wieder intervenieren werden. Die Frage ist: Welches Land ist das nächste?

Und die noch wichtigere Frage: Wann setzen die internationale Gemeinschaft, die lateinamerikanischen Völker, die demokratischen Kräfte weltweit diesem System endlich Grenzen?


Quellen: Siehe ausführliche Quellenliste im Originaldokument. Die Dokumentation stützt sich auf Berichte von Veterans for Peace, Recherchen aus Archivmaterial, akademische Studien, investigativen Journalismus und Aussagen von Zeitzeugen. Aktuelle Informationen zu Venezuela 2026: ZDF, SRF, ORF, Al Jazeera, CNN, ABC News, t-online (Stand: 5. Januar 2026).

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