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Freitag, 27. Februar 2026

Agenda 2010: Die Beichte eines politischen Machtinstruments

Gestatten: Ich bin die Agenda 2010. Lange habt ihr über mich geredet, mich gelobt oder verflucht, doch jetzt spreche ich selbst. Vergessen wir das PR-Märchen von der „Modernisierung des Arbeitsmarktes“ und dem hehren Ziel des „Förderns und Forderns“. In Wahrheit war das nur mein Deckmantel für ein viel brutaleres Ziel: die gezielte Erschaffung eines gigantischen Niedriglohnsektors durch die radikale Zerschlagung sozialer Rechte. Lasst uns die Masken fallen lassen.

Teil 1: Meine Geburt im Hinterzimmer Glaubt ihr wirklich, ein VW-Manager namens Peter Hartz hätte mich erschaffen? Das ist nur die bequeme halbe Wahrheit. Ich war eine elitäre, „geheime Staatsaktion“, orchestriert von Bundeskanzleramt und Arbeitsministerium, maßgeblich gesteuert durch die Bertelsmann Stiftung,. Meine Kompromisse wurden in Hinterzimmern geschmiedet, isoliert von der lästigen demokratischen Öffentlichkeit und ohne störende Bundestagsabgeordnete,.

Mein Meisterstück nannte man intern das „Kuckucksei“,. Die sogenannte „Zusammenlegung“ von Arbeitslosen- und Sozialhilfe war nichts anderes als der kaltblütige Mord an der alten Arbeitslosenhilfe,. Warum? Weil arbeitserfahrene Menschen noch zu viele Rechte und Gestaltungsmöglichkeiten hatten – ich musste ihren Widerstand brechen, sie auf den Boden der Tatsachen holen und in billige Jobs zwingen,.

Teil 2: Das Regime der Zermürbung Um euch zu beherrschen, schuf ich das Instrument der „strengen Zumutbarkeit“,. Das alte Prinzip, euren erarbeiteten Lebensstandard zu sichern, habe ich ausradiert und durch den nackten Absturz auf das Existenzminimum ersetzt. Wer nach zwölf Monaten keine Arbeit fand, den raubte ich faktisch seiner gesamten Lebensleistung.

Ich zwang die Entrechteten, selbst die entwürdigendsten Jobs weit unter ihrer Qualifikation anzunehmen. Meine perfideste Waffe aber war die Stigmatisierung: Durch permanente Sanktionsandrohungen und sinnlose „Aktivierungsmaßnahmen“ stellte ich jeden Erwerbslosen unter den Generalverdacht der Faulheit. Obwohl psychologische Studien glasklar belegen, dass Hartz-IV-Empfänger keineswegs antriebsärmer, unsozialer oder fauler sind als Berufstätige,,, war das Gift vom „faulen Schmarotzer“ für meine Zwecke einfach unverzichtbar.

Teil 3: Die Disziplinierung der Massen Mein wahrer Triumph betrifft gar nicht die Arbeitslosen, sondern die gesamte verdammte Gesellschaft. Ich bin das ständige, unübersehbare Symbol des sozialen Absturzes ohne Netz und doppelten Boden,. Die öffentliche Demütigung und Entmündigung in den Jobcentern war meine gezielte Warnung an alle Noch-Beschäftigten.

Und es funktionierte perfekt: Aus nackter Existenzangst vor meinem Schöpfungswerk Hartz IV schluckte die arbeitende Klasse plötzlich klaglos sinkende Reallöhne, unbezahlte Überstunden und miese Arbeitsbedingungen,. So, und nur so, konnte der deutsche Niedriglohnsektor derart explodieren. Ich habe euch alle diszipliniert.

Teil 4: Der aussichtslose Eigensinn Ich gebe zu, Menschen sind manchmal zäher als berechnet. Sie reagierten auf meine Daumenschrauben mit dem, was Soziologen „Eigensinn“ nennen,. Einige wurden zu „Um-jeden-Preis-Arbeitern“: Sie unterwarfen sich jeder Schikane, nahmen jede Demütigung hin, nur um meinem Stigma zu entkommen,. Andere wurden zu „Als-ob-Arbeitern“ und flüchteten in die Illusion von Ein-Euro-Jobs, um verzweifelt eine Normalitätsfassade aufrechtzuerhalten, während der Arbeitsmarkt sie längst ausgespuckt hatte,.

Und dann gab es die „Nicht-Arbeiter“: Diejenigen, an denen meine Peitsche abprallte, weil sie sich völlig aus dem offiziellen System zurückzogen und in Nischen überlebten, in denen meine Sanktionen nutzlos wurden,. Ein kleiner Schönheitsfehler in meiner ansonsten perfekten Matrix.

Fazit Wenn eure Politiker und Wirtschaftsbosse heute vom „Wunder am deutschen Arbeitsmarkt“ schwadronieren, dann sonnen sie sich in meinem eiskalt kalkulierten Werk,. Armut, psychologischer Druck und die allgegenwärtige Angst vor dem sozialen Abstieg waren niemals bloße „bedauerliche Unfälle“ oder „Nebenwirkungen“. Sie waren die gezielten Instrumente meiner Architekten, um Arbeit in Deutschland gnadenlos und nachhaltig billig zu machen. Schaut euch die Statistiken an: Meine Mission war ein voller, brutaler Erfolg.

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