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Dienstag, 26. Mai 2026

BlackRock — eine Gefahr? Sperrminorität, Ablenkung und wer wirklich die Aufsichtsräte stellt

BlackRock — eine Gefahr? Sperrminorität, Ablenkung und wer wirklich die Aufsichtsräte stellt

Was du wissen musst – in 30 Sekunden
Ein Leser kritisierte meinen Merz/BlackRock-Beitrag mit vier Einwänden. Alle vier scheitern — zwei davon direkt an Rügemers eigenem Originalvortrag, den der Kritiker nicht gelesen hatte. Rüdiger als Merz-Nachfolger bei BlackRock: unbekannt. Röller als Merkels Chefberater — drei Wochen nach Ausscheiden bei BlackRock: unbekannt. Rheinmetall-Anteilserhöhung drei Tage nach dem 100-Milliarden-Bundeswehr-Beschluss: unbekannt. ETF-Käufer werden keine Aktionäre — BlackRock behält die Stimmrechte: unbekannt. Das Kernargument bleibt unangetastet: Merz als 20-jähriger Transmissionsriemen zwischen US-Finanzkapital und deutschem Staatsapparat. Die eigentliche Frage — wer schöpft das Geld, wer stellt die Aufsichtsräte — wurde nicht einmal gestellt.

Mein Beitrag über Friedrich Merz und BlackRock hat eine längere Twitter-Debatte ausgelöst. Ein Leser — erkennbar mit Grundkenntnissen der Materie — hat vier konkrete Einwände formuliert. Das ist selten genug, um es ernst zu nehmen. Und selten genug, um es öffentlich zu beantworten.

Die kurze Zusammenfassung vorweg: Ein terminologischer Treffer. Ein Lesefehler. Ein partiell berechtigter Einwand, der das Argument trotzdem nicht widerlegt. Und ein vierter Einwand, der ungewollt genau das bestätigt, was er widerlegen wollte.

Das Kernargument — Merz als 20-jähriger Transmissionsriemen zwischen US-Finanzkapital und deutschem Staatsapparat — hat niemand berührt.


Einwand 1: „Keine Sperrminorität"

Der Leser moniert: BlackRock habe bei keinem deutschen Unternehmen auch nur eine Sperrminorität von 25 Prozent, geschweige denn eine Mehrheit. Das Wort „Mehrheitspakete" im Artikel sei daher falsch.

Zunächst zur Quelle: Der Originalbeitrag basiert auf dem dokumentierten Vortrag von Dr. Werner Rügemer — und Rügemer verwendet im Transkript selbst die Formulierung „Mehrheitseigentümer der wichtigsten Unternehmen und Banken". An anderer Stelle beschreibt er: BlackRock mit 8–9 Prozent, zusammen mit Vanguard, State Street und Wellington auf 35–40 Prozent — „und die sprechen sich ab und die anderen hampeln darum und haben nichts zu sagen." Der Artikel hat Rügemers eigene Sprache verwendet. Wer Rügemer widerlegen will, muss Rügemer widerlegen — nicht den Blogbeitrag.

Warum die Sperrminorität-Argumentation am Thema vorbeigeht: Die Sperrminorität ist ein juristischer Begriff für Hauptversammlungsblockaden. Darum geht es nicht. Es geht um Vorstandsbesetzungen, Dividendenpolitik, Standortentscheidungen — und die laufen nicht über Paragraphen, sondern über stille Abstimmungskoordination.

BlackRock, Vanguard und State Street halten gleichzeitig, in denselben Unternehmen, mit deckungsgleichen Interessen und gegenseitiger Kapitalbeteiligung. In einem Unternehmen mit breit gestreutem Restaktionariat ist dieser koordinierte Block faktisch unschlagbar. Das nennt sich Common Ownership — und ist in der Wirtschaftswissenschaft seit Jahren dokumentierter Forschungsgegenstand. Rügemer bringt es auf den Punkt: Die anderen haben nichts zu sagen. Das ist keine Mehrheit im juristischen Sinne. Das ist Mehrheitsmacht in der Realität.

Formale Schwelle ist nicht gleich reale Macht. Wer das gleichsetzt, versteht entweder Kapitalmärkte nicht — oder tut so als ob.


Einwand 2: „Was hat Merz/BlackRock mit KKR zu tun?"

Der Leser verwundert sich, welche Verbindung zwischen Merz, BlackRock und KKR bestehe — da es sich doch um völlig unterschiedliche Konzepte handle.

Die Antwort: Keine direkte — und der Artikel behauptet das auch nicht. KKR steht im Text als separate Erklärung für das Medienschweigen: KKR ist Mehrheitseigentümer beim Springer-Verlag. Das erklärt, warum Bild, Welt und andere Springer-Titel das Thema Merz/BlackRock nicht vertieft haben.

Das ist ein anderer Absatz, ein anderes Argument, ein anderer Zusammenhang. Zwei getrennte Argumente wurden hier zu einem Einwand zusammengezogen. Das ist ein Lesefehler — kein Fehler im Artikel.


Einwand 3: „Das Geld kommt nicht hauptsächlich von Superreichen"

Der Leser rechnet: institutionelle Anleger über 50 Prozent, davon zwei Drittel Pensionskapital — also indirekt Arbeitergeld. Etwa 10 Prozent direkte Privatkunden, 40 Prozent ETF/iShare, davon geschätzt 50 Prozent Privatanleger. Ergebnis: rund 30 Prozent private Anleger. Die Aussage „hauptsächlich von Superreichen" sei daher falsch.

Rügemer im Originalvortrag — nicht Interpretation, sondern Zitat aus dem Transkript: „11 Billionen, die zusammenkommen hauptsächlich durch das, was die Superreichen für das Wealth Management an BlackRock übergeben." Rügemer nennt Pensionsfonds und ETF ausdrücklich als „Zusatzgeschäft" — nicht als Hauptgeschäft. Der Einwand richtet sich also gegen Rügemers dokumentierte Aussage, nicht gegen eine Ungenauigkeit des Blogbeitrags. Wer das widerlegen will, braucht eine Gegendarstellung zu Rügemers Quellen — keine Rechnung aus Wikipedia-Kategorien.

Was die Rechnung strukturell nicht beantwortet: Pensionsfonds werden nicht von Arbeitern kontrolliert. Sie werden von Asset Managern verwaltet — darunter BlackRock selbst. Das Geld der Arbeiter liegt in den Händen von BlackRock. Das stärkt das Argument, es widerlegt es nicht.

Dazu kommt: Die Top-10 der globalen Asset Manager halten gegenseitig Anteile aneinander. Rügemer formuliert es in einem weiteren dokumentierten Vortrag explizit: „Der zweitgrößte Kapitalorganisator Vanguard ist der größte Aktionär bei BlackRock — und wieder umgekehrt. BlackRock ist der größte Aktionär beim zweitgrößten." Und so weiter bei den nächsten fünf. Die „institutionellen Anleger", die als Gegenargument ins Feld geführt werden, sind zum erheblichen Teil dieselbe Struktur. Das ist kein Widerspruch zur Machtkonzentrations-These — das ist ihr Beweis.

Und noch ein Detail zur ETF-Rechnung: Wer einen BlackRock-ETF kauft, wird kein Aktionär. BlackRock behält die Stimmrechte — der ETF-Käufer bekommt nur die Ausschüttung. Die 30-Prozent-Rechnung ist also nicht nur methodisch unsicher — sie unterschlägt, dass BlackRock durch ETFs seinen Stimmrechtsblock erweitert, nicht teilt. Rügemer: „Blackrock bleibt weiter der Vertreter dieser Volksaktie in den Unternehmen und erweitert damit natürlich seinen Einfluss."

Und noch etwas: Der Leser schätzt den ETF-Privatanlegeranteil selbst als „eher hoch" ein. Er räumt die Unsicherheit seiner eigenen Rechnung ein — und präsentiert sie trotzdem als Widerlegung.


Einwand 4: „Es gab doch Berichte — Zeit, SZ, Handelsblatt"

Das ist der stärkste Einwand — und er bestätigt ungewollt exakt das Muster, das Werner Rügemer beschreibt.

Ja: Es gab Berichte. Handelsblatt 2018, SPIEGEL 2018/19, ZEIT 2020, erneut 2025. Das ist dokumentiert und unbestritten. Und ja: Einzelne Stücke streiften auch strukturelle Fragen — BlackRocks Einfluss auf DAX-Unternehmen, Nachhaltigkeitskritik, politische Deutungsmacht.

Aber was fehlte? Über die Person Merz wurde berichtet — anlassbezogen, personalisiert, die Strukturkritik meist nur als Nebenstrang. Über die Funktion nicht: Keine Analyse der persönlich organisierten Treffen zwischen BlackRock-Chef Fink und Finanzminister Schäuble während der Amtszeit. Kein Stück über den Beratervertrag zusätzlich zu den offengelegten 180.000 Euro. Keine ressortübergreifende Untersuchung der BlackRock-Einkäufe bei RWE, Adidas und Deutsche Bank in den Jahren 2016 bis 2020. Kein gewichtiges Stück zur Davos-Reise im Januar 2025 — mitten im Bundestagswahlkampf. Die institutionellen Machtfragen verschwanden unter der Personenfrage. Wer über den Mann schreibt, ohne über die Funktion zu schreiben, erklärt die Oberfläche — und lässt den Kern im Dunkeln.

Anlassbezogene Personalberichterstattung mit Strukturkritik als Nebenstrang — das ist exakt Rügemers These: gnädig verschwunden in der leitmedial-medialen Fake Production. Der Leser liefert den Beweis, während er glaubt, ihn zu widerlegen.


Die eigentliche Frage: Wer stellt die Aufsichtsräte?

All diese Einwände bewegen sich auf der Oberfläche. Die eigentliche Frage wurde in der gesamten Debatte nicht einmal gestellt: Wer bestimmt, wer Larry Fink seinen Posten bekommen hat — und wer seinen Nachfolger bestimmt?

Rügemer beantwortet die Frage mit einem konkreten Fall: Als Merz 2018 als BlackRock-Aufsichtsratsvorsitzender zurücktreten musste — weil es zu viel öffentliche Aufmerksamkeit gab — hatte BlackRock drei Wochen später einen Nachfolger. Sein Name: Michael Rüdiger. Kommt von der Deka-Bank, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. Sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Börse. Völlig unbekannt in der Öffentlichkeit. Genau so soll es sein.

Und Merkels oberster Wirtschafts- und Finanzberater im Bundeskanzleramt — Lars Hendrik Röller — saß dort ein Jahrzehnt lang, von 2011 bis Ende 2021. Wenige Wochen nach seinem Ausscheiden war er Leiter des „Transition Investing Advisory" bei BlackRock. Gleichzeitig hat Ursula von der Leyen BlackRock als Berater für den EU Green Deal engagiert. Dieselben Personen. Dieselbe Struktur. Drehtür — dokumentiert.

Und noch ein Datum: Drei Tage nach Scholz' Ankündigung des 100-Milliarden-Sondervermögens für die Bundeswehr erhöhte BlackRock seinen Anteil am größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall. Drei Tage. Das braucht keine Interpretation. Das spricht für sich.

Das läuft nicht über Aktionärsprozente. Das läuft über Netzwerke. Council on Foreign Relations, Bilderberg, Trilateral Commission — dieselben 200 bis 300 Namen tauchen in Aufsichtsräten von BlackRock, Deutsche Bank, Allianz, RWE, Bundesbank-Beiräten und Regierungsberatungsgremien auf. Rotierend. Untereinander bekannt. Gegenseitig bestätigend.

Darunter liegt eine weitere Ebene: Eigentum wird durch verschachtelte Holdingstrukturen, Trusts, Family Offices und Stiftungen aufgesplittet, bis kein Name mehr in Pflichtmitteilungen erscheint. Das nennt Carroll Quigley in Tragedy and Hope die unsichtbare Kontinuität der Macht. Antony Sutton hat es an konkreten Transaktionen belegt. Die DuPont-Methode — seit Generationen bewährt.

Und über allem steht die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel — Zentralbank der Zentralbanken, keiner Regierung rechenschaftspflichtig, durch internationales Abkommen immun. Hier werden nicht Beschlüsse gefasst — hier werden Spielregeln koordiniert. Das braucht keine Verschwörung. Das braucht nur gemeinsame Interessen und funktionierende Kommunikationskanäle.

BlackRock ist nicht der Ursprung dieser Struktur. BlackRock ist ihre aktuelle Erscheinungsform. Die Struktur ist Jahrhunderte älter als Friedrich Merz — und wird Jahrhunderte nach ihm weiterbestehen, wenn nichts Grundlegendes sich ändert.


Ein Wort zur Methode: Der Denktunnel

Alle genannten Gegenquellen stammen aus dem Mainstream — Handelsblatt, Focus, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche. Das ist kein Zufall. Wer ausschließlich dort recherchiert, findet ausschließlich das, was dort zu finden ist.

Der Denktunnel funktioniert nicht durch Lügen — er funktioniert durch Auslassung. FAZ berichtet über Merz und BlackRock, wenn es nicht zu vermeiden ist. Aber FAZ berichtet nicht über Common Ownership. Nicht über die Netzwerke hinter den Aufsichtsräten. Nicht über die BIS. Nicht über die DuPont-Methode der Eigentumsvernebelung. Das sind Fragen, die der Mainstream strukturell nicht stellen kann — nicht darf — nicht will.

Wer drei Mainstream-Quellen zitiert, die alle aus derselben Richtung kommen, hat keine Quellenvielfalt. Er hat denselben Brunnen dreimal gezapft. Rügemer, Quigley, Sutton, Engdahl stehen nicht im Mainstream — weil sie die Fragen stellen, die dort nicht gestellt werden dürfen. Das ist kein Qualitätsmerkmal gegen sie. Es ist eines für sie.

Und dass der Mainstream Rügemer nicht mag, ist kein Gerücht — es ist dokumentiert. Die Berliner Zeitung veröffentlichte 2023 einen Artikel Rügemers zu Rheinmetall ohne seine Zustimmung in gekürzter und veränderter Fassung. Rügemer klagte. Das Landgericht Köln verurteilte die Zeitung wegen Urheberrechtsverletzung und Rufschädigung — und 2025 zu einer Entschädigungszahlung. Die FAZ kommentierte das Urteil als potenziell wegweisend für redaktionelle Verläufe in deutschen Medien. Ein Ökonom, dessen Artikel zensiert wird, weil er unbequeme Wahrheiten über Rüstungskonzerne und Finanzkapital schreibt — und der deswegen vor Gericht zieht und gewinnt. Das ist kein Randfall. Das ist das System in Aktion.

Wer Rügemers Arbeit selbst nachlesen will:

— Alle Artikel: werner-ruegemer.de/artikel
— Rügemer auf den NachDenkSeiten: nachdenkseiten.de
— Buch „BlackRock Germany" (2025): werner-ruegemer.de/buecher
— BlackRock Tribunal: blackrocktribunal.de

Weitere Primärquellen zum Thema: Jens Berger, Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen? — untersucht BlackRock, Vanguard und State Street, ihre Netzwerke und Stimmrechtsalgorithmen. Fichtner, Heemskerk, Garcia-Bernardo, Hidden Power of the Big Three (2017) — peer-reviewed, belegt Common Ownership als koordinierten Machtblock empirisch. Azar, Schmalz, Tecu, Anticompetitive Effects of Common Ownership — misst den direkten Verbraucherschaden: Common Ownership erhöht Preise nachweislich. Drei völlig verschiedene Quellenstränge — Publizistik, unabhängiger Journalismus, Wirtschaftswissenschaft — ein Ergebnis.


Fazit: Was die Debatte zeigt

Vier Einwände. Keiner trifft das Kernargument. Zwei scheitern direkt am Originaltranskript Rügemers, das der Kritiker offensichtlich nicht gelesen hat. Ein Lesefehler. Und eine Medienkritik, die Rügemers These bestätigt, während sie sie widerlegen will.

Das Kernargument steht unangetastet: Friedrich Merz hat 20 Jahre als Transmissionsriemen zwischen amerikanischem Finanzkapital und deutschem Staatsapparat fungiert — dokumentiert, mit Namen, Daten, Quellen. Mayer Brown. BlackRock-Aufsichtsrat. Davos Januar 2025. Jetzt Bundeskanzler.

Ist BlackRock eine Gefahr? Die Frage ist falsch gestellt. BlackRock ist ein Symptom. Die Gefahr ist die Struktur dahinter — und die Tatsache, dass wir über Sperrminoritäten diskutieren, während der Mann, der 20 Jahre Teil dieser Struktur war, jetzt die Bundesregierung führt.

Und selbst BlackRock ist noch nicht die tiefste Ebene. Die eigentliche Machtfrage lautet nicht: wer besitzt welche Aktien? Sie lautet: wer schöpft das Geld? Geldschöpfung ist Machtvakuum in Reinform — wer bestimmt, wieviel Geld existiert, zu welchen Konditionen, an wen es fließt, der hat mehr Macht als jeder Aktionär und jeder Bundeskanzler zusammen. Wer die Geldströme lenkt, lenkt die Realwirtschaft. Wer die Geldschöpfung kontrolliert, lenkt die Geldströme. Das ist die Hierarchie. BlackRock operiert auf Ebene zwei. Die BIS operiert auf Ebene eins.

Margrit Kennedy, Helmut Creutz und Bernhard Senf haben das mathematisch durchgerechnet: solange Geld als Ware mit Zins funktioniert, ist Kapitalkonzentration kein Versagen des Systems — sie ist sein Ergebnis. Das Invarianzprinzip. Nicht korrigierbar durch bessere Aufsicht oder strengere Regulierung. Nur durch Änderung der Grundstruktur.

Wer das nicht weiß — oder nicht wissen will — wird immer auf der Ebene der Prozentpunkte und Medienlisten bleiben. Und genau dort soll die Debatte bleiben. Das ist der Tunnel. Und er funktioniert.

Den vollständigen Ausgangsbeitrag zu Friedrich Merz hier: Friedrich Merz: 20 Jahre im Dienst des Finanzkapitals

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