Im Mai 2026 sitzt Melanie Amann bei Ben (ungeskriptet) und erklärt, Stefan Homburg erzähle „verstrahlten Verschwörungskram". Wenige Wochen zuvor saß Homburg am selben Tisch — drei Stunden lang, mit Belegen. Was Amann nicht erwähnt: Der Spiegel, für den sie zwölf Jahre arbeitete, hat über 5,4 Millionen Dollar von der Bill & Melinda Gates Foundation erhalten. Homburg dokumentiert seit Jahren, wie Gates-Gelder die Berichterstattung über Pandemie, Impfpolitik und globale Gesundheit beeinflussen. Die Frage ist nicht, ob Homburg recht hat. Die Frage ist, warum eine Journalistin, deren Haus von Gates bezahlt wurde, darüber entscheidet, wer „verstrahlt" ist.
I. Was Amann sagt
Im Gespräch mit Ben kommt Amann auf Stefan Homburg zu sprechen. Nicht ausführlich — fast beiläufig, als sei die Sache erledigt. Sinngemäß sagt sie: Homburg ist Finanzwissenschaftler und erzählt uns, „dass die Pandemie irgendwie eine Lüge war und sich alle verschworen haben und irgendwie man uns vergiften wollte mit dem Impfstoff und so weiter". Würde man mit ihm reden, würde man ihn konfrontieren damit, dass „seine Ökonomenkollegen" seine Zahlen „zerfleddern". Dann hätte er „keine Lust" auf das Gespräch. Sein Material sei „verstrahlter Verschwörungskram".
Drei Sätze. Kein Argument. Kein Beleg. Keine Auseinandersetzung. Nur Labels. Und damit ist für Melanie Amann der Fall erledigt.
II. Wer Stefan Homburg ist
Es lohnt sich, kurz festzuhalten, wen Amann hier mit drei Sätzen aus dem Diskurs entfernt.
Stefan Homburg, Jahrgang 1961, studierte Volkswirtschaftslehre, Mathematik und Philosophie an der Universität zu Köln. Im dritten Semester — nicht nach dem Studium, im dritten Semester — verfasste er gemeinsam mit seinem späteren Doktorvater das Lehrbuch Makroökonomik und neue Makroökonomik, das bis 2005 in neun Auflagen und sechs Fremdsprachen erschien. 1987 wurde er mit dem Prädikat summa cum laude promoviert und erhielt den VUB-Preis für die beste Dissertation. 1991 folgte die Habilitation.
Danach: Professor für Wirtschaftstheorie an der Universität Bonn. Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Magdeburg. Von 1997 bis 2021 Direktor des Instituts für Öffentliche Finanzen an der Leibniz Universität Hannover. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen, berufen durch Bundesfinanzminister Theo Waigel. Mitglied der Föderalismuskommission I von Bundestag und Bundesrat, vorgeschlagen durch Ministerpräsident Christian Wulff. Herausgeber der Zeitschriften des Vereins für Socialpolitik. Sachverständiger bei Anhörungen des Finanzausschusses, des Haushaltsausschusses und des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestags. Berater aller im Bundestag vertretenen Parteien — parteilos.
Fünf Rufe auf Universitätsprofessuren, darunter Bonn, Magdeburg, Tübingen, Hannover und Köln. Preis für exzellente Lehre 2007.
Das ist der Mann, den Melanie Amann — promovierte Juristin, keine Ökonomin, keine Virologin, keine Epidemiologin — in drei Sätzen als „verstrahlt" abqualifiziert.
III. Was Homburg tatsächlich sagt
Wer sich die Mühe macht, Homburgs Positionen zu prüfen — statt sie nachzuerzählen, wie Amann es tut —, stellt fest: Der Mann arbeitet mit Daten. Nicht mit Meinungen, nicht mit Stimmungen, nicht mit Labels. Mit Daten.
Homburg hat während der Pandemie systematisch die offiziellen Statistiken des Robert-Koch-Instituts ausgewertet. Er hat gezeigt, dass der Rückgang der Infektionszahlen im Frühjahr 2020 bereits vor dem Lockdown einsetzte — ein Befund, den das RKI später in seinen eigenen Daten bestätigte, ohne die politischen Konsequenzen zu ziehen. Er hat die Wirksamkeitsstudien der Impfstoffhersteller analysiert und auf methodische Probleme hingewiesen, die inzwischen von Fachzeitschriften wie dem British Medical Journal aufgegriffen wurden. Er hat die ökonomischen Kosten der Lockdown-Politik beziffert und mit dem tatsächlichen Nutzen verglichen.
Man kann seine Schlussfolgerungen teilen oder nicht. Man kann einzelne Datenpunkte bestreiten. Was man nicht kann — nicht seriös, nicht intellektuell redlich —, ist das Gesamtwerk eines Mannes mit diesem Profil als „verstrahlten Verschwörungskram" abzutun und dann weiterzureden, als sei nichts gewesen.
Im April 2026 — wenige Wochen bevor Amann bei Ben saß — war Homburg selbst bei ungeskriptet zu Gast. Folge 289: „Neue Beweise: Alles war gelogen." Drei Stunden. RKI-Grafiken, Enquete-Kommission, Gates, Epstein, Impfpflicht, Medienverflechtung. Alles dokumentiert, alles nachprüfbar. Amann hat diesen Podcast offensichtlich nicht gehört — oder sie hat ihn gehört und verschweigt es. Beides ist bezeichnend.
IV. Wer den Spiegel bezahlt
Und hier wird es interessant. Wirklich interessant.
Die Bill & Melinda Gates Foundation hat dem Spiegel über die Jahre mehr als 5,4 Millionen Dollar überwiesen. Das sind keine Gerüchte — das sind Zahlen aus der Datenbank der Stiftung selbst. 2018 begann die Förderung, 2021 flossen erneut 2,9 Millionen Dollar. Erst im Januar 2026 berichtete der Medieninsider, dass der Spiegel künftig keine Gates-Gelder mehr annehmen werde — nachdem die Kritik über Jahre lauter geworden war.
Die Gates Foundation fördert weltweit Medien mit insgesamt über 319 Millionen Dollar. Die Liste liest sich wie ein Who's Who der „Qualitätsmedien": BBC, CNN, NPR, PBS, The Guardian (12 Millionen), Le Monde (4 Millionen), El País (4 Millionen), Al Jazeera (1 Million), Financial Times. Zusätzlich fließen zwölf Millionen an Journalisten-Ausbildungszentren und Presseverbände.
Der Spiegel beteuert, die redaktionellen Inhalte entstünden „ohne Einflussnahme der Stiftung". Das mag vertraglich so geregelt sein. Aber es ist eine bemerkenswerte Naivität — oder eine bemerkenswerte Dreistigkeit —, zu glauben, dass 5,4 Millionen Dollar die Berichterstattung nicht beeinflussen. Man muss keine direkte Anweisung geben. Man muss nur dafür sorgen, dass die Redaktion weiß, woher das Geld kommt. Der Rest erledigt sich von selbst. Schon die Seattle Times — Gates' Lokalzeitung — stellte 2011 fest: „Wie kann die Berichterstattung unvoreingenommen sein, wenn ein wichtiger Akteur die finanziellen Fäden in der Hand hält?" Das war allerdings, bevor die Zeitung selbst Gates-Gelder annahm.
Und jetzt die Pointe: Der Mann, den Amann als „verstrahlt" bezeichnet, dokumentiert seit Jahren genau diese Geldflüsse. Homburg benennt die Beträge, die Empfänger, die Strukturen. Er fragt, warum Bill Gates — ein medizinischer Laie mit unbegrenzten finanziellen Mitteln — weltweit Gesundheitspolitik bestimmt, Impfkampagnen finanziert und gleichzeitig die Medien bezahlt, die über diese Kampagnen berichten.
Und die Journalistin, deren Haus 5,4 Millionen Dollar von Gates bekommen hat, entscheidet, dass dieser Mann „verstrahlt" ist.
Man muss das nicht Korruption nennen. Man kann es Strukturblindheit nennen. Man kann es Betriebsblindheit nennen. Man kann es kognitive Dissonanz nennen. Aber was man nicht kann, ist so tun, als gäbe es hier keinen Zusammenhang.
V. Die Methode
Was Amann bei Ben mit Homburg macht, ist keine Widerlegung. Es ist ein Ausschlussverfahren. Sie argumentiert nicht gegen Homburgs Daten — sie argumentiert gegen seine Person. Sie sagt nicht: „Homburg behauptet X, aber die Datenlage zeigt Y." Sie sagt: „Homburg erzählt verstrahlten Verschwörungskram." Ende der Diskussion.
Das ist die klassische Delegitimierungsstrategie, die man in der Medienforschung als „Gatekeeping" beschreibt: Nicht den Inhalt widerlegen, sondern den Sprecher aus dem Diskurs entfernen. Wer „verstrahlt" ist, muss nicht widerlegt werden. Wer „Verschwörungskram" erzählt, hat keinen Anspruch auf Gegenargumente. Das Label ersetzt das Argument.
Es ist dieselbe Methode, die Amanns Spiegel-Redaktion während Corona intern anwandte. Als der Virologe Klaus Stöhr — WHO-Erfahrung, international anerkannt — vom Spiegel-Wissenschaftsressort als „Corona-Verharmloser" eingestuft wurde, war das kein wissenschaftliches Urteil. Es war ein Ausschlussurteil. Stöhr wurde nicht widerlegt. Er wurde aussortiert. Die Kollegin, die seinen Kontakt zur Redaktion hatte, sollte durch Durchsuchung ihres E-Mail-Postfachs überführt werden.
Homburg, Stöhr, Ben — die Methode ist immer dieselbe: Wer den Korridor verlässt, wird nicht widerlegt, sondern etikettiert. Und dann ist die Sache erledigt.
VI. Was auf dem Spiel steht
Im Mai 2026 postet Stefan Homburg auf X eine Aufschlüsselung der Gates-Zahlungen an Medien weltweit. Guardian 12 Millionen, Spiegel 5 Millionen, Le Monde und El País je 4 Millionen. Er schreibt: Bill Gates wolle bei jeder Krankheit, für die es keine Impfstoffe gibt, mit modRNA „herumexperimentieren" — und könne das wegen seines Reichtums weltweit durchsetzen, „notfalls mit Zwang".
Man kann das für übertrieben halten. Man kann einzelne Formulierungen kritisieren. Aber die Zahlen sind öffentlich. Die Zahlungen sind dokumentiert. Die Empfänger sind benannt. Es sind keine Gerüchte und keine Phantasien — es sind Buchungsbelege einer Stiftung, die ihre Grants selbst veröffentlicht.
Und die Frau, die das als „Verschwörungskram" abtut, hat zwölf Jahre für ein Magazin gearbeitet, das von demselben Mann bezahlt wurde, über den Homburg berichtet.
Man stelle sich für einen Moment das Umgekehrte vor: Ein Wissenschaftler hat jahrelang für eine Institution gearbeitet, die Millionen von der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung erhielt — und bezeichnet dann in einem Podcast die Kritiker dieser Stiftung als „verstrahlt". Amann wäre die Erste, die einen Interessenkonflikt diagnostiziert. Zu Recht.
Aber wenn der Geldgeber nicht rechts, sondern progressiv ist — wenn er nicht Erasmus heißt, sondern Gates —, dann ist es keine Beeinflussung, sondern „Förderung". Dann ist die redaktionelle Unabhängigkeit „vertraglich gesichert". Dann gibt es keinen Interessenkonflikt, nur „branchenübliche Produktkooperationen".
VII. Ein Professor und eine Priesterin
Melanie Amann hat bei Ben drei Stunden lang erklärt, warum Journalismus eine „Übersetzungsaufgabe" sei. Das Volk brauche Einordnung, damit es kein „schiefes Bild" bekomme. Der Journalist als Übersetzer, als Gatekeeper, als — in Helmut Schelskys Worten — Priester der Sinnproduktion.
Stefan Homburg hat bei Ben ebenfalls drei Stunden lang geredet. Er hat keine Übersetzung angeboten. Er hat Daten vorgelegt. RKI-Grafiken, Zahlungsströme, Protokolle, Beschlüsse. Er hat gesagt: Hier sind die Fakten. Prüft sie. Widerlegt sie. Oder lasst es.
Amanns Antwort: „Verstrahlter Verschwörungskram."
Das ist keine Widerlegung. Das ist eine Verweigerung. Und es ist eine Verweigerung, die nur funktioniert, solange niemand die Frage stellt, die Amann nicht gestellt werden will:
Warum entscheidet eine Journalistin, deren Haus 5,4 Millionen Dollar von Gates kassierte, wer über Gates-Gelder sprechen darf?
Diese Frage hat Homburg gestellt. Diese Frage wird er weiter stellen. Und keine noch so geschickte Etikettierung wird sie zum Verschwinden bringen.
Marigny de Grilleau
Quellen und Verweise:
ungeskriptet #289: Neue Beweise: Alles war gelogen (Prof. Dr. Homburg), YouTube, April 2026
ungeskriptet: Melanie Amann — Financial Times, FAZ, FAS, SPIEGEL, FUNKE, YouTube, 20. Mai 2026
Leibniz Universität Hannover: Personalseite Prof. Dr. Stefan Homburg
Deutscher Bundestag: Sachverständigenverzeichnis Prof. Dr. Stefan Homburg (Finanzausschuss, Haushaltsausschuss, Rechtsausschuss)
MintPress News: Gates Foundation spending on media, 2022 (319 Millionen Dollar Gesamtvolumen)
Medieninsider: Der Spiegel: Keine Förderung mehr von Bill Gates' Stiftung, 20. Januar 2026
newsroom.de: Die Gates-Millionen und der Spiegel, Januar 2022 (2,9 Millionen Dollar, Oktober 2021)
eXXpress.at / Tichys Einblick: Aufschlüsselung der Gates-Medienzahlungen (Guardian, Spiegel, Le Monde, El País, Al Jazeera u.a.)
Seattle Times, 2011: Zitat zum Interessenkonflikt Gates-Medienförderung
Stefan Homburg auf X (@SHomburg), 22. Mai 2026: Gates-Zahlungsaufschlüsselung
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