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Sonntag, 3. Mai 2026

Weiße Sneakers und leere Köpfe: Wie Intellektuelle den Widerstand sabotieren

Über Daniel Sandmanns Abschiedsessay vom Coronawiderstand, seinen grotesken Kronzeugen Dirk C. Fleck und die Frage, warum die intellektuelle Klasse immer wieder den konkreten Widerstand von unten delegitimiert, anstatt ihm zu dienen.

Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Der Philosoph Daniel Sandmann hat auf der Freien Medienakademie einen langen Essay veröffentlicht, in dem er den Coronawiderstand als „Fehlkonstruktion" verabschiedet. Sein Hauptargument: Die Bewegung habe „das Kapital" nicht kritisiert. Sein Kronzeuge: Dirk C. Fleck, der sich über Daniele Gansers weiße Sneakers entsetzt. Der Text ist stilistisch aufwendig – und analytisch leer. Er benennt weder Institutionen noch Mechanismen noch Machtarchitekturen. Schlimmer noch: Er verlangt von Menschen, die gegen Impfzwang und Berufsverbote gekämpft haben, sie hätten nebenbei eine fundamentale Kapitalismuskritik formulieren sollen. Das ist nicht Analyse – das ist intellektueller Hochmut, der konkreten Widerstand sabotiert. Gunnar Kaiser hat gezeigt, wie es anders geht.


Der Anlass

Daniel Sandmann, promovierter Philosoph und Linguist, hat auf der Freien Medienakademie einen Text veröffentlicht, der den Coronawiderstand als strukturelle Fehlkonstruktion analysieren will. LMU-Professor Michael Meyen nennt den Text auf LinkedIn „fulminant". Schauen wir, was daran fulminant sein soll.

Die Sneaker-Urszene: Akademisches Blendwerk

Sandmann baut seinen gesamten Text auf einer Szene auf, die er als „Urszene des Widerstands" inszeniert: Der Schriftsteller Dirk C. Fleck echauffiert sich in einem Gespräch mit dem Journalisten Dirk Pohlmann über die weißen Sneakers, die Daniele Ganser bei einer Veranstaltung trägt. Sandmann macht daraus eine erkenntnistheoretische Grundsatzanalyse. Die Sneakers seien ein „leuchtendes Zeichen des Systems", die „Ästhetik des Kapitals", ein Symbol dafür, dass der Widerstand längst vom System absorbiert worden sei.

Das klingt intellektuell. Und ist vollkommen substanzlos.

Denn das Argument ist nicht falsifizierbar. Hätte Ganser Birkenstock getragen, wäre das die Ästhetik des Öko-Bürgertums. Anzugschuhe wären Establishment-Konformität. Barfuß wäre performative Gegenkultur-Eitelkeit. Es gibt kein Kleidungsstück, das diesem Argument entkommen kann – und ein Argument, dem nichts entkommt, hat keinen analytischen Wert. Es ist ein semiotischer Zirkelschluss, verpackt in mehrere tausend Wörter philosophischen Jargon. Mode ist Sozialisation. Ein modebewusster Mann trägt modische Schuhe. Dass ein promovierter Philosoph daraus eine „Urszene" konstruiert, sagt mehr über den Konstrukteur als über die Szene.

Der groteske Kronzeuge: Dirk C. Fleck

Damit kommen wir zum eigentlichen Skandal dieses Textes. Sandmann inszeniert Fleck als feinsinnigen Poeten, als „generösen Herrn mit Stil", der als einziger die Systemkonformität im Widerstand durchschaut. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen.

Derselbe Dirk C. Fleck hat in seinem Roman „GO! – Die Ökodiktatur" eine Gesellschaft entworfen, in der Arbeitspflicht herrscht, Reiseverbot gilt, private Medien verboten sind, Strom und Wasser rationiert werden und jede Frau zwischen 18 und 30 Jahren einen „Gebärgutschein" vom Gesundheitsamt braucht, um ein Kind bekommen zu dürfen. Das sind keine Metaphern. Das sind die „Grundgesetze" in Flecks literarischer Vision. Zentrale Planwirtschaft, staatliche Kontrolle über Fortpflanzung, Zwangsarbeit, Medien- und Informationskontrolle. Die Parallelen zu den totalitärsten Regimen des 20. Jahrhunderts sind nicht zu übersehen.

(Ausführlich habe ich Flecks totalitäre Agenda und die eugenischen Wurzeln seiner Ideologie in einem eigenen Artikel dokumentiert.)

Und ausgerechnet dieser Mann – der selbst eine Diktatur will, nur eben eine grüne – soll die feine Antenne für Systemkonformität verkörpern? Ein Totalitarist als Kronzeuge gegen den Totalitarismus? Das ist keine intellektuelle Analyse, das ist eine groteske Fehlbesetzung. Fleck kritisiert Sneakers, aber schweigt zu Zwangsarbeitsforderungen. Er weint vor Mammutbäumen, aber seine literarische Blaupause sieht Gebärgutscheine vor. Die selektive Empörung ist entlarvend.

Der leere Kapitalbegriff

Sandmanns philosophisches Hauptargument lautet: Der Widerstand habe „das Kapital" als Naturgröße unangetastet gelassen. Die Bewegung habe kapitalgegebene Verhältnisse – Mittelstandswohlstand, bürgerliche Familie, gesellschaftlichen Zusammenhalt – als naturgegebene Zustände behandelt und sei daher im Kern reaktionär gewesen.

Als Beobachtung ist das nicht völlig falsch. Aber dann müsste Sandmann liefern: Welches Kapital? Welche Institutionen? Welche Mechanismen? Private Geldschöpfung? Die Clearing-Funktion der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die seit 1930 existiert? Offshore-Strukturen? Konzentrationsdynamiken des Geldes, wie sie der Ökonom Julius Wolf bereits 1892 beschrieben hat? Die dokumentierbaren Netzwerke, die Carroll Quigley, Antony Sutton und Werner Rügemer in jahrelanger Quellenarbeit freigelegt haben?

Nichts davon. Bei Sandmann bleibt „das Kapital" ein philosophisches Abstraktum ohne institutionelle Füllung. Er wirft der Bewegung begriffliche Diffusität vor und bleibt auf exakt derselben Abstraktionsebene. Er ersetzt eine leere Kritik durch eine andere leere Kritik – nur mit besserem Vokabular. Das Argument frisst sich selbst.

Dabei hätte Sandmann, wenn er schon vom Kapital redet, begreifen müssen, wo die eigentliche Macht sitzt. Es sind nicht die Produktionseigner, nicht die Unternehmer auf der Straße. Es sind die Inhaber der Geldschöpfung. Hinter den Politikern stehen Denkfabriken, hinter den Denkfabriken steht das Geldsystem, und hinter dem Geldsystem stehen die Strukturen der Kapitalakkumulation und der Machtvakuumbildung — die eigentlichen Steuerelemente, über die der gesamte Planet gesteuert wird, ob in Washington, Moskau, Peking oder Brüssel. Daran gibt es keine Politik vorbei. Dahinter sitzen die Offshore-Strukturen, in denen Eigentum unsichtbar wird. Dahinter sitzen die transnationalen Vermögensverwalter — BlackRock, State Street, Vanguard —, die wiederum von derselben ökonomischen Macht kontrolliert werden, die das Geld inne hat. Wer das versteht, versteht auch, warum jeder, der an dieser Struktur wirklich ansetzt, schneller vom Fenster weg ist, als ihm lieb ist. Und wer das versteht, versteht auch, warum die Menschen auf der Straße instinktiv das verteidigen, was sie verteidigen können — ihren Laden, ihren Arm, ihre Grundrechte —, anstatt eine philosophische Kapitalüberwindung zu formulieren, die in den gegebenen Machtverhältnissen ohnehin nicht durchsetzbar ist.

Und was schlägt Sandmann vor?

Nichts. Am Ende verweist er auf Marx (den er selbst als „reduktiv-bübisch" abqualifiziert), auf Goethes Faust und auf ein Buch von Claudia von Werlhof, das „in diesen Tagen endlich erscheint". Das ist keine ideelle Grundlage, das ist eine Leseempfehlung. Er wirft der Bewegung genau das vor, was er selbst nicht liefert.

Die zynische Kernforderung

Und hier kommen wir zum eigentlich Unerträglichen an diesem Text.

Was Sandmann im Kern verlangt, ist vollkommen lebensfremd. Menschen, die gegen Maskenzwang, Impfpflicht und Berufsverbote auf die Straße gegangen sind, hätten gleichzeitig eine fundamentale Kapitalismuskritik formulieren sollen. Ärzte, die in deutschen Gefängnissen sitzen, hätten nebenbei die richtige Kapitaltheorie entwickeln müssen. Ein Selbstständiger, der gegen die Schließung seines Ladens kämpft, verteidigt nicht „das Kapital als System" – er verteidigt seine Existenzgrundlage.

Wer Bürgergeld bezieht und vor dem Sozialgericht um seine Rechte streitet, lässt dabei auch „das Kapital als Naturgröße unangetastet" – weil er mit der Wirklichkeit arbeitet, die ihm gegenübersteht, und nicht mit einem philosophischen Abstraktum. Verlangt man von ihm deshalb, sein Widerstand sei eine Fehlkonstruktion? Das wäre absurd. Aber genau das ist Sandmanns Logik, angewendet auf die Coronabewegung.

Der Coronawiderstand war eine konkrete Abwehrbewegung gegen konkrete staatliche Repression. Keine Partei mit Grundsatzprogramm. Da standen Libertäre neben Linken, Esoteriker neben Ärzten, Selbstständige neben Arbeitslosen. Das ist kein Makel – das liegt in der Natur einer solchen Bewegung. Wer von einer Abwehrbewegung ideologische Reinheit und die richtige Kapitaltheorie verlangt, der will keinen Widerstand. Der will ein Seminar.

Die strukturelle Ahnungslosigkeit

Sandmann kritisiert die nostalgische Sehnsucht nach den 1980er Jahren. Aber er hat selbst nicht begriffen, dass die Machtarchitektur 1980 strukturell identisch war zu der von 2020. Die BIS existiert seit 1930. Die private Geldschöpfung seit Jahrhunderten. Die Konzentrationsdynamik des Geldes war 1980 genauso wirksam wie heute. Was sich verändert hat, ist der Grad der sichtbaren Repression und die technologische Durchdringung – nicht die Grundstruktur. Wer das nicht sieht, operiert mit einem historischen Bruch, der nicht existiert.

Die Machtstrukturen hinter der Coronaregulatur – die Netzwerke, die Budgets, die Institutionen – haben konkrete Namen und dokumentierbare Verbindungen. Sie zu benennen, wäre die Aufgabe eines Intellektuellen, der dem Widerstand dienen will. Sandmann benennt nichts. Er wabert an der Oberfläche und analysiert Schuhwerk.

Wovon Sandmann keine Ahnung hat: Infiltration und gesteuerte Opposition

Es gibt noch einen weiteren blinden Fleck in Sandmanns Analyse, der seine gesamte Argumentation vollends entwertet. Er analysiert seitenweise die inneren Widersprüche der Coronabewegung — ihre ideologische Unschärfe, ihre Anfälligkeit für Trump, ihre reaktionären Muster. Und es fällt ihm offenbar nicht ein, auch nur zu fragen, woher manche dieser Widersprüche rühren könnten.

Denn es ist selbstredend, dass Graswurzelbewegungen, die nicht vom Establishment selbst aufgebaut wurden, systematisch infiltriert werden. Das ist keine Spekulation, das ist dokumentierte Praxis von Geheimdiensten weltweit — seit Jahrzehnten. Man schleust Akteure ein, die irrationale Dinge tun oder sagen, damit die gesamte Bewegung als extremistisch gelabelt werden kann. Man installiert Köpfe, die die Bewegung beiläufig mit anführen, aber im Sinne der ökonomischen Macht arbeiten. Man sorgt dafür, dass bestimmte Positionen — etwa rechtsextreme Parolen auf Demos — medial sichtbar werden, während die Substanz der Kritik unsichtbar bleibt. Das ist Standardvorgehen. In einem System, in dem Geldmacht Machtvakuum ist, wird jede unkontrollierte Bewegung von unten als Bedrohung wahrgenommen und entsprechend bearbeitet.

Bei Sandmann: kein Wort darüber. Kein Wort über Geheimdienste. Kein Wort über den tiefen Staat. Kein Wort über gesteuerte Opposition. Er betrachtet die Coronabewegung, als hätte sie sich in einem politischen Vakuum frei entfaltet und wäre allein an ihren eigenen Schwächen gescheitert. Das ist entweder naiv oder es ist gewollt. In beiden Fällen disqualifiziert es die Analyse.

Das Muster: Wie Intellektuelle Widerstand zerstören

Sandmanns Text steht nicht allein. Er reiht sich ein in ein Muster, das historisch dokumentierbar ist: Konkrete Widerstandsbewegungen von unten werden von der intellektuellen Klasse nicht unterstützt, sondern zersetzt – mit dem Vorwurf, sie hätten nicht die richtige Theorie, nicht das richtige Bewusstsein, nicht die richtige Analyse. Die Gelbwesten in Frankreich: sofort als diffus und theoretisch unzureichend abgestempelt. Die Coronabewegung: dasselbe Muster.

Statt sich neben die Leute zu stellen, die ihre Existenz verlieren, stellt man sich darüber und erklärt ihnen, warum ihr Widerstand eine Fehlkonstruktion war. Das ist nicht Analyse – das ist Kollaboration. Denn wer den konkreten Widerstand von Menschen delegitimiert, weil er nicht die richtige Kapitaltheorie mitliefert, der arbeitet im Ergebnis dem System zu, das diese Menschen unterdrückt.

Das ist die typische Denkfigur: Der Handwerker, der Arbeiter, der Bürger auf der Straße – er hat die Sprache nicht gelernt, in der er gehört wird. Er hat mit den Händen gearbeitet. Das kann er perfekt. Aber einen Essay schreiben, der in intellektuellen Kreisen Anerkennung findet – das kann er nicht. Und genau deshalb bräuchte er Intellektuelle, die ihre Formulierungsfähigkeit in seinen Dienst stellen. Die seine Anliegen artikulieren. Die ihm den Weg zeigen, anstatt sich von ihm zu verabschieden.

Der Soziologe Helmut Schelsky hat dieses Phänomen bereits in den 1970er Jahren präzise beschrieben: die Priesterherrschaft der Sinnproduzenten. Eine neue Klasse von Intellektuellen, Akademikern und Medienschaffenden, die sich die Deutungshoheit über das gesellschaftliche Leben anmaßt — die den Menschen vorschreibt, wie sie zu denken, zu leben und zu kämpfen haben. Sandmanns Text ist Schelsky in Reinform: Ein Sinnproduzent, der von oben herab erklärt, warum der Widerstand der konkreten Menschen ideologisch unzureichend war, warum ihre Motive nicht den richtigen theoretischen Anforderungen genügen, warum ihre Bewegung eine „Fehlkonstruktion" ist. Der Sinnproduzent dient nicht dem Menschen — er herrscht über ihn, indem er ihm die Legitimität seines Handelns abspricht. Die säkulare Priesterschaft hat gesprochen: Euer Widerstand war falsch. Geht nach Hause.

Historischer Beleg: Die 68er und die „Scheißarbeiter"

Dass dieses Muster keine Erfindung der Coronazeit ist, zeigt ein NDR-Panorama-Beitrag von 1999 über 68er-Studentenführer, die nach rechts außen abgedriftet sind. In dem Beitrag kommt unter anderem Rainer Langhans zu Wort, Ikone der Kommune 1. Er sagt über die Arbeiterklasse, für die er angeblich kämpfte:

„Wir haben uns schon damals davon verabschiedet und haben gesagt: Die Scheißarbeiter wollen sowieso nur ihre Kühlschränke und ihre Autos. Das ist absolut keine revolutionäre Geschichte. Das sind nicht mal Leute, die uns halbwegs akzeptieren. Weil wir ein neues Leben wollen – im Gegenteil, es sind unsere Feinde geradezu."

Und im selben Beitrag dann Langhans' Offenbarung über das eigene Weltbild:

„Wir müssen die besseren Faschisten sein, denn der Faschist ist in meinen Augen jemand, der erst mal natürlich das Himmelreich auf Erden holen wollte – also der wirklich was Gutes wollte. Also unter dem Gesichtspunkt ist Hitler selbstverständlich für uns alle ein großer Lehrer, das wird keiner ablehnen können."

Da ist die ganze Struktur in zwei Zitaten offengelegt. Die intellektuelle Klasse verachtet die konkreten Bedürfnisse der konkreten Menschen — der Arbeiter, der seinen Kühlschrank verteidigt, ist „nicht revolutionär genug", ist geradezu der Feind. Gleichzeitig flirten dieselben Intellektuellen mit dem brutalsten Totalitarismus, solange er nur in der richtigen theoretischen Verpackung daherkommt. Langhans will den „besseren Faschismus." Fleck will die Ökodiktatur mit Gebärgutscheinen. Und Sandmann will, dass die Coronabewegung eine Kapitalüberwindung formuliert, statt sich gegen den Impfzwang zu wehren. Die Linie ist durchgängig — von 1968 bis 2026.

Das Gegenbeispiel: Gunnar Kaiser

Dass es auch anders geht, hat Gunnar Kaiser gezeigt. Er war Philosoph, Schriftsteller, intellektuell auf Augenhöhe mit Sandmann. Er hätte genauso gut im Trockenen sitzen und Essays über die Ästhetik des Systemwiderstands verfassen können. Stattdessen hat er seine intellektuelle Fähigkeit in den Dienst der konkreten Bewegung gestellt. Er hat den Menschen, die auf der Straße standen, Worte gegeben. Er hat formuliert, was sie gespürt, aber nicht artikulieren konnten. Er hat seine Reichweite, sein Ansehen, am Ende seine Gesundheit eingesetzt – nicht um sich zu verabschieden, sondern um dabei zu sein.

Kaiser hat die Widersprüche innerhalb der Bewegung gesehen. Er war kein naiver Mitläufer. Aber er hat verstanden, dass eine Abwehrbewegung gegen konkrete Repression nicht an ideologischer Reinheit gemessen werden darf, sondern daran, ob sie den Menschen dient, die unter der Repression leiden. Das ist der Unterschied zwischen einem Intellektuellen, der sich selbst dient, und einem, der den Menschen dient.

Fazit: Der Abgang aus einem nie betretenen Raum

Sandmann verabschiedet sich von einer Bewegung, die er analytisch nie durchdrungen hat, in einem Text, der selbst nichts durchdringt. Er diagnostiziert Oberflächenkonformität – von einer Oberfläche aus. Sein Kapitalbegriff ist institutionell leer. Sein Kronzeuge ist ein Totalitarist, der sich über Schuhe echauffiert. Seine Forderung an die Bewegung ist lebensfremd. Und sein Abschied ist kein Verlust.

Was verloren geht – und das ist die eigentliche Tragik –, ist eine weitere intellektuelle Stimme, die dem konkreten Widerstand hätte dienen können. Stattdessen dient sie der eigenen Profilierung. Gut formuliert, elegant verpackt – und im Kern: nichts.

Der Michel auf dem Feld hätte Leute wie Sandmann gebraucht. Nicht als Richter über seinen Widerstand, sondern als Sprachrohr. Der Michel hat stattdessen einen Abschiedsbrief bekommen. Einen fulminanten, wie Professor Meyen findet. Fulminant substanzlos.


Marigny de Grilleau, Mai 2026

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