Hier wird aus einer wirtschaftlichen Tätigkeit beinahe eine höhere Form menschlicher Intelligenz, Verantwortung und gesellschaftlicher Kompetenz gemacht. Seit wann ist eine Gewerbeanmeldung ein Intelligenznachweis?
Wer schafft denn tatsächlich den Wohlstand? Der Unternehmer allein? Oder die Millionen Arbeitnehmer, Wissenschaftler, Ingenieure, Pflegekräfte und all jene Menschen, deren Arbeit unsere Gesellschaft überhaupt erst am Laufen hält?
Noch absurder ist die Behauptung, künstliche Intelligenz werde wirtschaftliche Macht praktisch von selbst abschaffen. Wem gehören denn die Rechenzentren, die Chipfabriken, die Plattformen und die Produktionsmittel? Wer verfügt über das Kapital? Dass jeder irgendwann ein KI-Modell auf seinem Rechner betreiben kann, beseitigt doch keine Eigentumsverhältnisse!
Precht trifft den entscheidenden Punkt: Die Technologie verändert sich, aber das Kapital verschwindet deshalb nicht. Es wandert weiter und konzentriert sich gegebenenfalls in neuen Geschäftsmodellen. Und dann wird uns eine Zukunft versprochen, in der Maschinen die Arbeit erledigen und alle Menschen von Wohlstand und Freiheit profitieren. Wer verteilt denn diese Produktivitätsgewinne? Die Unternehmer aus reiner Menschenliebe?
Oder braucht es dafür vielleicht doch politische Entscheidungen – ausgerechnet jene Politik, die hier für unfähig erklärt wird? Besonders grotesk finde ich die Vorstellung, Unternehmer seien aufgrund ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit gesellschaftlich besonders kompetent. Wirtschaftlicher Erfolg beweist weder überlegene Intelligenz noch moralische Größe.
Besitz ist keine Qualifikation zur Herrschaft über andere Menschen! Hier wird nicht die Abschaffung von Macht erklärt, sondern wirtschaftliche Macht ideologisch verklärt. Und das Ganze wird auch noch als Aufklärung verkauft. Die Maschine mag uns eines Tages einen großen Teil der Arbeit abnehmen.
Die Frage, wem die Maschinen gehören und wer von ihrer Leistung profitiert, beantwortet sie nicht. Wer über die Zukunft der Menschheit spricht, aber Eigentum, Klassenverhältnisse, demokratische Kontrolle und Verteilung ausblendet, hat den gesellschaftlichen Kern der technologischen Revolution nicht verstanden. Unternehmer sind keine gesellschaftlichen Übermenschen. Und Kapitalismus wird nicht dadurch zur Befreiung, dass man seine Machtverhältnisse einfach wegfantasiert.
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