Wer
trotz ihrer Diskreditierung auf der Gesellschaftlichkeit menschlicher
Existenz beharrt und die Teilhabe aller am sozialen Reichtum fordert,
wird mit dem neoliberalen Kampfbegriff des "Sozialneids" konfrontiert,
der sich besonders gegen Personen richtet, welche die Einkommen der
Reichen und Superreichen thematisieren, die ihrerseits ständig verkünden,
"wir alle" müssten "den Gürtel enger schnallen", während sie sich
selbst schamlos die Taschen füllen.
"Sozialneid" ist die Abwehrfigur der "wasserpredigenden Weintrinker" (Beck/Meine, 1998, S. 10), die sich bei ihrem Gelage ertappt sehen.
Da die rücksichtslose Bereicherung der ökonomisch Stärkeren zugleich die Armut der Schwachen produziert, reicht Hayeks "einfach nötige Ungleichheit" als Legitimationsgrundlage nicht aus und man versucht sie mit dem Feindbildes des "Neiders" abzusichern. Ähnlich der Losung "Leistung" müsse sich "wieder lohnen", die nur diejenigen zu "belohnen" gedenkt, die ihren Reichtum aus der Arbeit anderer ziehen, verrät der "Sozialneid" seine Zugehörigkeit zum Arsenal einer offensiver werdenden Klassensprache von oben, mit deren Hilfe der gesellschaftliche Reichtum immer weiter nach dort umverteilt werden soll.
Dabei geht es nicht "nur" um die Diskreditierung sozialer Gerechtigkeit, die als "sinnlos" verschwinden soll, sondern um den Versuch, dieäußerst gefährliche Vorstellung zu etablieren, es gäbe keinen Anspruch auf Teilhabe am Gemeinwohl.
Eine Vorahnung der hier heraufziehenden Brutalisierung vermittelt die Forderung, Sozialleistungen nur an "wirklich Bedürftige" auszuzahlen. Als deren Kriterium führte der damalige Gesundheitsminister Seehofer 1997 den Begriff der "Wäschewechselhäufigkeit" ins sprachliche Repertoire der "geistigmoralischen Wende"ein.
Seehofer, damals Empfänger monatlicher Bezüge von mindestens 25 000 Mark, wollte damit regeln, wieviele Unterhosen Sozialhilfeempfänger (monatliche Bezüge: 525 Mark) besitzen dürfen, um als "wirklich bedürftig" zu gelten. Neben den Betroffenen selbst, denen einmal mehr die demütigende Forderung nach völliger Anspruchslosigkeit überbracht wird, sind hier alle von Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg Bedrohten angesprochen, also weite Teile der Bevölkerung bis in die Mittelschichten hinein.
Ihnen wird mit solchen Botschaften die Möglichkeit gegeben, die eigene Angst vor drohender Armut und Ausgrenzung projektiv abzuwehren. Die diskursive Rede vom "Sozialneid" gehört damit zu den Herrschaftstechniken, die mit dem Schüren von Angst und Schuldgefühlen versuchen, normale Lebensbedürfnisse der Menschen mit der Aura des Anstößigen zu versehen, während zugleich die Medien der "Besserverdienenden" über deren "neuen Spaß am Luxus" berichten (Focus, 26.5.1997).
Es geht auch hier nicht "nur" um die Abwehr tagespolitischer Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, sondern um die Formierung von Subjekten, dienicht die Gier gesellschaftlicher Eliten nach grenzenloser Bereicherung (und ein System, das dieseermöglicht) als Gefahr erkennen, sondern ihre eigenen Lebensregungen für illegitim und bedrohlich haltensollen bis hin zur Unterwäsche. Aus Denkgifte: https://www.kritische-psychologie.de/files/tg2000a.pdf?fbclid=IwAR2kR-_q6j4gFBQH5NkGNNqvViHuLNwOGkmkNiRq9yeogY_pOypteZ-M-8w
"Sozialneid" ist die Abwehrfigur der "wasserpredigenden Weintrinker" (Beck/Meine, 1998, S. 10), die sich bei ihrem Gelage ertappt sehen.
Da die rücksichtslose Bereicherung der ökonomisch Stärkeren zugleich die Armut der Schwachen produziert, reicht Hayeks "einfach nötige Ungleichheit" als Legitimationsgrundlage nicht aus und man versucht sie mit dem Feindbildes des "Neiders" abzusichern. Ähnlich der Losung "Leistung" müsse sich "wieder lohnen", die nur diejenigen zu "belohnen" gedenkt, die ihren Reichtum aus der Arbeit anderer ziehen, verrät der "Sozialneid" seine Zugehörigkeit zum Arsenal einer offensiver werdenden Klassensprache von oben, mit deren Hilfe der gesellschaftliche Reichtum immer weiter nach dort umverteilt werden soll.
Dabei geht es nicht "nur" um die Diskreditierung sozialer Gerechtigkeit, die als "sinnlos" verschwinden soll, sondern um den Versuch, dieäußerst gefährliche Vorstellung zu etablieren, es gäbe keinen Anspruch auf Teilhabe am Gemeinwohl.
Eine Vorahnung der hier heraufziehenden Brutalisierung vermittelt die Forderung, Sozialleistungen nur an "wirklich Bedürftige" auszuzahlen. Als deren Kriterium führte der damalige Gesundheitsminister Seehofer 1997 den Begriff der "Wäschewechselhäufigkeit" ins sprachliche Repertoire der "geistigmoralischen Wende"ein.
Seehofer, damals Empfänger monatlicher Bezüge von mindestens 25 000 Mark, wollte damit regeln, wieviele Unterhosen Sozialhilfeempfänger (monatliche Bezüge: 525 Mark) besitzen dürfen, um als "wirklich bedürftig" zu gelten. Neben den Betroffenen selbst, denen einmal mehr die demütigende Forderung nach völliger Anspruchslosigkeit überbracht wird, sind hier alle von Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg Bedrohten angesprochen, also weite Teile der Bevölkerung bis in die Mittelschichten hinein.
Ihnen wird mit solchen Botschaften die Möglichkeit gegeben, die eigene Angst vor drohender Armut und Ausgrenzung projektiv abzuwehren. Die diskursive Rede vom "Sozialneid" gehört damit zu den Herrschaftstechniken, die mit dem Schüren von Angst und Schuldgefühlen versuchen, normale Lebensbedürfnisse der Menschen mit der Aura des Anstößigen zu versehen, während zugleich die Medien der "Besserverdienenden" über deren "neuen Spaß am Luxus" berichten (Focus, 26.5.1997).
Es geht auch hier nicht "nur" um die Abwehr tagespolitischer Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit, sondern um die Formierung von Subjekten, dienicht die Gier gesellschaftlicher Eliten nach grenzenloser Bereicherung (und ein System, das dieseermöglicht) als Gefahr erkennen, sondern ihre eigenen Lebensregungen für illegitim und bedrohlich haltensollen bis hin zur Unterwäsche. Aus Denkgifte: https://www.kritische-psychologie.de/files/tg2000a.pdf?fbclid=IwAR2kR-_q6j4gFBQH5NkGNNqvViHuLNwOGkmkNiRq9yeogY_pOypteZ-M-8w