Herr Schmidhuber macht
hier das, was Technologie-Evangelisten immer machen: historische
Analogien bemühen, die bei genauem Hinsehen hinken. Ja, vor 200 Jahren
waren 60% in der Landwirtschaft. Aber die Transition dauerte 200 Jahre
und wurde begleitet von Massenelend, Kinderarbeit, Slums, sozialen
Kämpfen und zwei Weltkriegen.
Das "hat sich doch alles geregelt" ist Überlebenden-Bias – die Millionen, die in diesem Prozess verarmt und gestorben sind, reden nicht mehr. Und die Industrieroboter? Die Deindustrialisierung hat ganze Regionen zerstört – Rust Belt, Ruhrgebiet, englische Midlands. Die "neuen Jobs" wie YouTube-Blogger sind oft prekär, ohne Sozialversicherung, ohne Tarifvertrag. Das ist kein Ersatz für Facharbeiter mit Betriebsrente.
Das Handwerker-Versprechen ist ein Trostpflaster. Nicht jeder kann Klempner werden. Und wenn Millionen Büroarbeiter plötzlich ins Handwerk drängen, kollabieren dort die Löhne.
Was Schmidhuber komplett auslässt: Wer profitiert? Microsoft, Google, OpenAI-Investoren Die Machtkonzentration: Wenige Konzerne kontrollieren die Infrastruktur des Denkens KI wird nicht gewählt, nicht kontrolliert, nicht rechenschaftspflichtig Kreative Arbeit wird gesampelt ohne Vergütung der Urheber Jede Interaktion wird gespeichert, analysiert, monetarisiert Die Frage, die er nicht stellt: Warum sollte eine Technologie, die Arbeit ersetzt, den Arbeitern nützen – wenn die Eigentumsverhältnisse bleiben wie sie sind?
Wer auf der Gewinnerseite sitzt, predigt gerne individuelle Anpassung. Die systemische Frage nach Macht und Verteilung stellt er nicht. Das ist keine Analyse, das ist Ideologie.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen