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Die CIA wurde von Wall-Street-Anwälten gebaut. Sie stürzte 1953 Irans demokratischen Premier, damit das Ölkartell die Kontrolle behielt. Als der daraufhin installierte Schah eigene Wege ging, ließ ihn der Westen 1979 fallen und half Khomeini an die Macht. Die anschließende Geiselkrise nutzte Chase Manhattan, um über eingefrorene Milliardenguthaben sämtliche Iran-Kredite einzutreiben. Religiöser Fanatismus war das Bühnenbild — die Regie führte das Kapital.
Der Publizist Lars Schall hat in einer 35-seitigen, quellenbasierten Recherche die iranische Geschichte von 1953 bis 1979 aufgearbeitet. Was er dokumentiert, ist keine Randnotiz der Zeitgeschichte, sondern ein Lehrstück darüber, wie Geopolitik tatsächlich funktioniert. Hier die Kernpunkte.
Die CIA: Ein Wall-Street-Produkt
Die CIA wurde 1947 nicht als militärisches Aufklärungsorgan geschaffen, sondern als Instrument zur Sicherung langfristiger Wirtschaftsinteressen. Ihre Gründer kamen fast ausnahmslos von der Wall Street: Allen Dulles (Sullivan & Cromwell), Frank Wisner, Robert Lovett (Brown Brothers Harriman), Clark Clifford, Ferdinand Eberstadt (Dillon, Read & Co.). In den ersten zwei Jahrzehnten stammten alle sieben stellvertretenden CIA-Direktoren aus New Yorker Anwalts- und Finanzkreisen. Sechs von ihnen standen im New York Social Register — dem Verzeichnis der High Society. Frank Wisner nannte den Apparat für verdeckte Operationen, den er aufbaute, seinen „mächtigen Wurlitzer" — ein Instrument, auf dem man jede Melodie der öffentlichen Meinung spielen konnte.
1953: Demokratie gestürzt, Ölkartell bedient
Premierminister Mohammad Mossadegh verstaatlichte das iranische Öl, nachdem die britische Anglo-Iranian Oil Company (heute BP) jede faire Gewinnteilung abgelehnt hatte. Die Reaktion: Die „Sieben Schwestern" des Ölkartells boykottierten iranische Exporte — sie kontrollierten 99 Prozent der Rohöltanker weltweit. Die iranische Produktion fiel von 241 Millionen Barrel (1950) auf 10,6 Millionen (1952). Die CIA organisierte unter Allen Dulles — der zuvor den Schah als Anwalt bei Sullivan & Cromwell betreut hatte — den Putsch. Kermit Roosevelt Jr. kaufte mit Koffern voller Bargeld Zeitungsredakteure und Gangster.
Das Ergebnis: Mossadegh gestürzt, Schah wiedereingesetzt, iranisches Öl unter dem Kartell aufgeteilt. Chase Manhattan wurde zur Hausbank des Schahs, der Iran „zum Kronjuwel im internationalen Bankportfolio von Chase".
Peter Dale Scott betont: Das Ölkartell initiierte 1951 einen Prozess, den der öffentliche Staat der USA erst zwei Jahre später genehmigte. Der „CIA-Coup" war in Wahrheit eine verspätete Beitrittserklärung der CIA zu einer Kartell-Operation.
Der Schah wird unbequem
Zwei Jahrzehnte lang funktionierte das System. Dann entwickelte der Schah eigene Ambitionen: Er erzwang die Neuaufteilung der Ölgewinne, plante ein riesiges Atomprogramm mit Frankreich und Deutschland, und schloss 1975 mit Saddam Hussein ein Abkommen, um die Supermächte von der Golfregion fernzuhalten. Damit wurde er vom nützlichen Statthalter zum strategischen Risiko für eine „Einheitsfront" aus Ölkonzernen und Banken, die personell eng verflochten waren: Drei der fünf großen US-Ölkonzerne gingen direkt auf das Rockefeller-Imperium zurück; deren Vorstandsmitglieder saßen gleichzeitig bei Chase Manhattan, Citibank und Chemical Bank.
Wie auf Knopfdruck begann die westliche Presse, SAVAK-Grausamkeiten zu synchronisieren. Die Carter-Administration entdeckte „Menschenrechte" als Waffe gegen einen Verbündeten, der nicht mehr spurte.
1979: Revolution mit westlicher Logistik
Auf der Konferenz von Guadeloupe (Januar 1979) ließen die vier westlichen Staatschefs den Schah fallen. Die BBC strahlte Khomeini-Propaganda auf Persisch aus. Frankreich stellte dem Ayatollah eine Operationsbasis bei Paris bereit. Die Carter-Regierung unterhielt einen geheimen Kommunikationskanal zu Khomeini, der versicherte: „Der Ölfluss wird fortgesetzt werden." General Huyser wurde ohne Wissen des Schahs nach Teheran geschickt, um die iranischen Generäle auf Linie zu bringen. US-Botschafter Sullivan teilte dem Schah mit, er solle gehen — wusste aber nicht, wohin.
Die Geiselkrise: Bankenstrategie statt religiöser Furor
Hier wird es zum Wirtschaftskrimi. Das „Project Alpha" — gesteuert von David Rockefeller, Henry Kissinger und John J. McCloy — erzwang gegen Carters Widerstand die Einreise des Schahs in die USA. Rockefeller wusste, dass die US-Botschaft in Teheran gestürmt werden könnte — Geheimdienstberichte hatten ausdrücklich davor gewarnt.
Die Provokation funktionierte: Am 4. November 1979 wurden US-Diplomaten als Geiseln genommen. Am selben Tag erhielt Chase ein Telex aus Teheran, das eine fällige Zinszahlung autorisierte. Chase führte sie nicht aus. Zehn Tage später fror die Carter-Regierung sämtliche iranischen Guthaben ein — die Einfrierorder trat einen Tag vor Fälligkeit der Zahlung in Kraft. Chase deklarierte den Zahlungsverzug, pfändete sämtliche iranischen Konten und verrechnete sie mit den ausstehenden Krediten. Die Cross-Default-Klauseln in den Kreditverträgen erlaubten genau diesen Dominoeffekt.
Das Geiseldrama endete am 20. Januar 1981 — dem Tag der Amtseinführung Ronald Reagans, in derselben Stunde, in der die finanziellen Ansprüche der Banken befriedigt waren. Der Iran zahlte 3,7 Milliarden Dollar. Für die Anwälte von Milbank, Tweed war die Geiselkrise laut Gerichtsreporter Paul Hoffman eine „Goldgrube".
McCloys Maxime: „Nationale Ehre ist wichtiger als amerikanische Leben."
Was bleibt
Die Zerstörung der iranischen Demokratie 1953 schuf den Nährboden für den religiösen Radikalismus 1979. Die Ereignisse von 1979 dienten dazu, ein Land finanziell auszuplündern und es dauerhaft vom globalen Markt fernzuhalten. Der politische Islam war in diesem Spiel das Werkzeug — nicht der Motor.
Wer die vollständige Beweiskette nachlesen will: Lars Schall: „Iranische Geschichte, geschrieben durch CIA und Wall Street", März 2026. Meine ausführliche Aufarbeitung findet sich hier: Iran: Wie CIA und Wall Street die Geschichte eines Landes schrieben.
Wer die Zeitgeschichte durch die Logik des Kapitals betrachtet, erkennt: Die Muster von 1953 und 1979 sind keine Vergangenheit. Sie sind die Blaupause.
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