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Freitag, 27. März 2026

Iran: Wie CIA und Wall Street die Geschichte eines Landes schrieben

Von Mossadegh über Pahlewi zu Khomeini: Die Architektur einer Dauerkrise


Was du wissen musst – in 30 Sekunden

Die iranischen Umbrüche von 1953 bis 1979 waren keine Zufälle und kein Ergebnis religiösen Fanatismus. Die CIA wurde maßgeblich von Wall-Street-Anwälten und Bankern geschaffen, um langfristige Wirtschaftsinteressen abzusichern. 1953 stürzte sie den demokratisch legitimierten Premierminister Mossadegh, weil er das iranische Öl verstaatlichte – das Ölkartell der „Sieben Schwestern" teilte die Beute unter sich auf. Als der daraufhin installierte Schah eigene Ambitionen entwickelte und europäische Atomtechnologie gegen Öl eintauschen wollte, wurde auch er fallengelassen. Die Revolution von 1979 brachte Khomeini an die Macht – mit logistischer Hilfe des Westens. Die anschließende Geiselkrise diente Chase Manhattan dazu, über eingefrorene iranische Milliardenguthaben sämtliche Kredite glattzustellen. Am Ende war der Iran finanziell ausgeplündert, dauerhaft destabilisiert und vom globalen Markt abgeschnitten. Der politische Islam war in diesem Spiel das Werkzeug, nicht der Motor.

 

„Politik ist der Schattenwurf auf die Gesellschaft durch das Big Business." — John Dewey —

Dieses Zitat ist nicht bloß eine akademische Randnotiz, sondern der operative Code der modernen Zeitgeschichte. Wenn wir heute auf den Iran blicken, sehen wir in den Fernsehnachrichten meist nur das Zerrbild eines religiösen Gottesstaates. Doch wer die Lupe ansetzt, entdeckt hinter den Kulissen ein weitaus komplexeres Geflecht aus Öl-Interessen, Bankenmacht und präzise kalkulierten Geheimdienst-Operationen.

Der Publizist Lars Schall hat dieses Geflecht in einer umfassenden Recherche entwirrt und quellenbasiert belegt: Die iranischen Umbrüche von 1953 bis 1979 wurden nicht in den Moscheen von Ghom geplant, sondern maßgeblich in den Sitzungssälen von Manhattan und den Anwaltskanzleien der Wall Street.


1. Das Fundament: Die CIA als Instrument der Finanzelite

Um die CIA zu verstehen, muss man ihre Geburtsstunde im Jahr 1947 betrachten. Sie entstand nicht als rein militärisches Aufklärungsorgan, sondern als Instrument zur Wahrung langfristiger Wirtschaftsinteressen. Bevor im heutigen Sinne Geheimdienste existierten, beschäftigten Banken, Konzerne und Anwaltskanzleien eigene Agenten, um Informationen über Konkurrenten und Geschäftsmöglichkeiten im Ausland zu sammeln. Die ersten Geheimdienst-Rekruten der USA wurden entsprechend von Ölfirmen, Wall-Street-Banken und Eliteuniversitäten genommen. Dass diese „häufig die Interessen ihrer mächtigen Businesspartner mit den nationalen Interessen" gleichsetzten, lag in der Natur der Sache.

Schon der Vorläufer der CIA, das Office of Strategic Services (OSS), wurde von William „Wild Bill" Donovan geleitet, dem Gründer der Wall-Street-Kanzlei Donovan, Leisure, Newton & Irvine. Ein Großteil der OSS-Führung war von der Wall Street rekrutiert. In einem Bericht von Colonel Richard Park aus dem Jahr 1945 hieß es, dass „die Einstellung und Beförderung leitender Beamter nicht auf Verdiensten beruhte, sondern auf einem alten Netzwerk der Wall Street".

Allen Dulles, der wohl einflussreichste CIA-Direktor der Geschichte, war zuvor Senior-Partner bei Sullivan & Cromwell, der bis heute mächtigsten Anwaltskanzlei der Wall Street, spezialisiert aufs Auslandsgeschäft. Zu deren Mandanten gehörten Schwergewichte wie Standard Oil, Chase National Bank, United Fruit Company, J.P. Morgan & Co., I.G. Farben, U.S. Steel, General Motors und die mit den Rockefellers verbundene J. Henry Schroder Banking Corporation. Dulles und seine Mitstreiter brachten die Mentalität von Unternehmensanwälten in den Dienst ein: Ein vertrauenswürdiger Unternehmensanwalt erreicht im Wesentlichen das für seine Klienten, was eine zentrale Geheimdienstanlaufstelle für ihren Auftraggeber erreichen kann – er handelt die Deals aus, er dämpft Paniken, er findet alles heraus und verwendet jedes erdenkliche Mittel, um das Resultat zu beeinflussen.

Die Konsequenz: Ein Nachrichtendienst, der von Anwälten ausgeheckt wurde – Männern, die es gewohnt sind, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern zu definieren und Lösungsvorschläge zu unterbreiten –, wird weitaus wahrscheinlicher die Politik beeinflussen als ein traditioneller militärischer Nachrichtendienst.

Die Personalstruktur belegt das Muster lückenlos: Robert A. Lovett, Gründungspartner der Wall-Street-Investmentbank Brown Brothers Harriman, leitete das Komitee, das den Weg zur CIA-Gründung bereitete. Clark Clifford, Wall-Street-Anwalt und Banker, wirkte unter Präsident Truman an der Ausarbeitung des National Security Act mit – wobei er den Vorgaben von Allen Dulles folgte. Ferdinand Eberstadt, Wall-Street-Anwalt und Investmentbanker bei Dillon, Read & Co., führte die Task Force, die der CIA verdeckte Operationen empfahl; ihr gehörten auch Verteidigungsminister James Forrestal (zuvor Investmentbanker bei Dillon, Read) und der damalige Weltbankpräsident John J. McCloy (Anwalt bei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy) an.

Richard Helms, CIA-Direktor von 1966 bis 1973 – und Enkel von Gates McGarrah, einem früheren Vorsitzenden der Federal Reserve Bank of New York und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich –, erzählt, dass Dulles 1946 sofort eine Beratergruppe aus sechs Männern bildete, „von denen alle bis auf einen Wall-Street-Investmentbanker und -Rechtsanwälte waren." 1948 überprüften drei Anwälte die CIA-Leistung – „fast ein Jahr lang in einem der Sitzungsräume von J.H. Whitney", einer weiteren Wall-Street-Investmentfirma.

In den ersten beiden Jahrzehnten seit ihrer Gründung stammten alle sieben der bekannten stellvertretenden Direktoren der CIA aus denselben New Yorker Anwalts- und Finanzkreisen; sechs von ihnen wurden im New York Social Register geführt – dem Verzeichnis der High Society.

Frank Wisner, Wall-Street-Anwalt und erster Chef des Office of Policy Coordination (OPC) innerhalb der CIA, baute den Apparat für verdeckte Operationen auf. Unter seiner Führung wuchs die Einheit von 302 Mitgliedern 1949 auf 2.812 Mitarbeiter plus 3.142 Auftragsagenten im Ausland 1952. Sein Budget stieg im gleichen Zeitraum von 4,7 auf 82 Millionen Dollar – finanziert unter anderem aus Währungsgegenwertmitteln des Marshall-Plans. Wisner nannte diesen Apparat seinen „mächtigen Wurlitzer" – ein Instrument, auf dem man jede beliebige Melodie der öffentlichen Meinung spielen konnte.

Peter Dale Scott, der diese Zusammenhänge für sein Buch „The Road to 9/11" recherchierte, brachte es im Interview auf den Punkt: Hinter den Kulissen wollten Leute von der Wall Street nach dem Zweiten Weltkrieg die gleiche Kontrolle über die Geheimdienste wiedererlangen, die sie während des Krieges durch das OSS besessen hatten. Truman habe immer versucht, jemanden an die CIA-Spitze zu setzen, der nicht von der Wall Street kam – doch darunter waren fast alle stellvertretenden Direktoren Wall-Street-Leute.

Die Gehlen-Connection: Nazis als Werkzeug des Kalten Krieges

Die Verflechtung von Wall Street, CIA und Geopolitik offenbart sich besonders deutlich an einem Kapitel, das bis heute unter Verschluss gehalten wird: der Rekrutierung von Reinhard Gehlen, Generalmajor der Wehrmacht und Leiter der „Abteilung Fremde Heere Ost".

Zwischen 1945 und 1947 konspirierten Elemente in der US-Armee, um Kontakte mit früheren deutschen Anti-Kommunisten und deren Kommandanten Gehlen aufrechtzuerhalten. Fünf Männer waren beteiligt, von denen drei – William J. Donovan, Allen Dulles und Frank Wisner – Repräsentanten der Wall-Street-Oberwelt und des New York Social Register waren.

Gehlen hatte sich im Mai 1945 dem Counter Intelligence Corps der US-Armee ergeben und wurde nach Fort Hunt in Virginia gebracht. Dort wurde ein geheimes Übereinkommen getroffen: Im Gegenzug für den Aufbau eines antisowjetischen Nachrichtendienstnetzes in Europa musste Gehlen sich „nur mit Kommunisten befassen" und wurde nicht gezwungen, die Entnazifizierungsbemühungen zu unterstützen. Sollte Deutschland wieder souverän sein, würde die US-Kontrolle enden und er könnte mit seiner Organisation Teil der deutschen Regierung werden. Zehn Jahre später wurde aus der „Organisation Gehlen" der Bundesnachrichtendienst.

Was Gehlen lieferte, war freilich weniger Aufklärung als vielmehr Propaganda. Victor Marchetti, ein ehemaliger CIA-Analyst im Bereich sowjetischer Kriegspläne, brachte es auf den Punkt: Gehlen habe „nichts Substantielles zum Verständnis oder zur Einschätzung militärischer oder politischer Fähigkeiten der Sowjets" gegeben. Stattdessen habe er sein Geld verdienen müssen, „indem er eine Bedrohung schuf, vor der wir Angst hatten." Die CIA habe ihn geliebt, weil er sie „mit dem fütterte, was wir hören wollten." Gehlens Berichte und Analysen wurden in den ersten Jahren der CIA „manchmal einfach nur neu auf CIA-Briefpapier abgetippt und Präsident Truman bei den morgendlichen Sicherheitsbriefings ohne jeden weiteren Kommentar vorgelegt."

Besonders folgenreich: Im Frühjahr 1948 lieferte Gehlens „Org" besonders ernsthafte Falschdarstellungen der „sowjetischen Gefahr", wodurch dem Kalten Krieg erheblicher Zunder gegeben wurde. Marchetti resümiert: „Wir haben sein Zeug immer wieder verwendet und haben es an jeden weiterverfüttert: ans Pentagon; ans Weiße Haus; an die Zeitungen. Die haben's auch geliebt. Es war aber überdrehter russischer Schreckgespenster-Unsinn, und das hat diesem Land sehr geschadet."

Dass Gehlens „Fremde Heere Ost" nicht nur im militärischen Zusammenhang der Ostfront stand, sondern auch im Kontext der „Endlösung der Judenfrage" – die „Teil des Kontextes" war, „in dem Entscheidungen, die mit dem ‚Osten' verbunden waren, in Nazi-Deutschland getroffen wurden" –, machte für die selbsternannten Pragmatiker der CIA keinen Unterschied. Allen Dulles über Gehlen: „Er ist auf unserer Seite, und das ist alles, was zählt."

Carl Oglesby, der die Gehlen-Geschichte in seinem Buch „The Yankee-Cowboy War" (1976) erstmals aufarbeitete, reichte 1985 FOIA-Anfragen bei CIA, NSA, FBI, der US-Armee und dem Außenministerium ein. Die Behörden blockten ab. Oglesby zog 1987 vor Gericht. Er starb 2011 – die Dokumente sind bis heute nicht freigegeben.

Parallel dazu flossen beschlagnahmte Nazi-Finanzmittel in den Aufbau der US-Nachkriegsgeheimdienste. Peter Dale Scott dokumentiert den Fall des „mysteriösen" E. P. Barry, der als OSS-Leiter der Gegenspionage in Wien über 500.000 Dollar an sichergestelltem Nazi-Gold verfügte, das anschließend zur Finanzierung von US-Geheimdienstoperationen verwendet wurde.

Die Botschaft dieses Abschnitts: Die CIA war von Anfang an kein neutrales Aufklärungsorgan, sondern ein Instrument, das von Wall-Street-Anwälten für Wall-Street-Interessen gebaut wurde – und das sich dabei nicht scheute, auf Nazi-Personal und -Gelder zurückzugreifen, um eine Bedrohungskulisse zu fabrizieren, die das eigene Wachstum und die eigene Autonomie rechtfertigte.


2. „Operation Ajax" 1953 – Das Ende der iranischen Demokratie

Die Wurzeln des iranischen Traumas liegen im Jahr 1951. Der iranische Premierminister Mohammad Mossadegh, ein hochgebildeter Jurist und Bewunderer westlicher demokratischer Werte, forderte das Ungeheuerliche: Gerechtigkeit. Er wollte nicht länger hinnehmen, dass die britische Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, heute BP) Milliarden mit iranischem Öl verdiente, während das Gastgeberland mit Almosen abgespeist wurde. Bis zum Zweiten Weltkrieg allein waren etwa 800 Millionen Pfund Sterling Gewinn nach Großbritannien geflossen, während der Iran lediglich 105 Millionen Pfund erhielt. Noch bis in die 1950er Jahre kamen rund 90 Prozent allen in Europa gehandelten Öls aus der AIOC-Raffinerie in Abadan.

Als die AIOC jede Verhandlung über eine faire Gewinnteilung ablehnte, blieb Mossadegh nur die Verstaatlichung. Der damals amtierende britische Premier Churchill bezeichnete die AIOC als „einen Preis aus dem Märchenland, jenseits unserer kühnsten Träume" – verständlich, dass er diesen Preis nicht herzugeben bereit war.

Die Reaktion des Westens war keine diplomatische Note, sondern verdeckte Kriegsführung. Obwohl Truman noch einen Emissär nach Teheran schickte – den Wall-Street-Investmentbanker W. Averell Harriman – und obwohl Mossadegh persönlich vor den Vereinten Nationen für die legitimen Interessen seines Volkes warb, war sein Schicksal unter Eisenhower besiegelt.

Peter Dale Scott macht auf einen entscheidenden Punkt aufmerksam: Unter Truman hatte das US-Justizministerium versucht, die Kartellvereinbarungen aufzubrechen, durch die Standard Oil of New Jersey (Exxon) und vier weitere Konzerne die globale Ölverteilung kontrollierten – die zusammen mit Royal Dutch Shell und Anglo-Iranian die „Sieben Schwestern" bildeten. Exxon-Anwalt Arthur Dean von Sullivan & Cromwell, wo Foster Dulles Senior-Partner war, weigerte sich, relevante Unterlagen herauszugeben. Mit Eisenhowers Wahl und der Ernennung der Dulles-Brüder als Außenminister und CIA-Chef wurde die Strafanzeige in eine Zivilklage umgewandelt und an das Außenministerium übergeben – das erste Mal in der Geschichte, dass ein Kartellverfahren dorthin wanderte. Da der Außenminister John Foster Dulles war und der Verteidiger des Kartells seine ehemalige Kanzlei Sullivan & Cromwell, war der Fall bald tot.

Zeitgleich organisierte das Ölkartell gemeinsam mit der AIOC einen Boykott iranischer Ölexporte. Die Sieben Schwestern kontrollierten fast 99 Prozent der Rohöltanker der Welt. Die iranische Ölproduktion fiel von 241 Millionen Barrel (1950) auf 10,6 Millionen Barrel (1952). „Dies wurde erreicht, indem dem Iran die Fähigkeit verweigert wurde, sein Erdöl exportieren zu können."

Die Planungen zur CIA-Beteiligung begannen im November 1952, obwohl Eisenhower die Operation erst am 22. Juli 1953 genehmigte. Wie Scott betont: „Was den tiefen Staat betrifft, initiierte das Öl-Kartell im Jahre 1951 einen Prozess, den der öffentliche Staat Amerikas erst zwei Jahre später genehmigte."

Kermit Roosevelt Jr., Enkel des US-Präsidenten Theodore Roosevelt, koordinierte den Putsch aus dem Untergrund von Teheran. CIA-Direktor Allen Dulles stellte rund eine Million Dollar bereit, während sein Bruder, Außenminister John Foster Dulles, den US-Botschafter anwies, bereitwillige Iraner anzuwerben. Nicht ganz unerheblich: Allen Dulles hatte nach dem Krieg bei Sullivan & Cromwell den Schah als Mandanten betreut. Außerdem war Dulles mit der J. Henry Schroder Banking Corporation verbandelt – der Hausbank der Anglo-Iranian Oil Company.

Mit Koffern voller Bargeld kaufte Roosevelt Zeitungsredakteure und Gangster, organisierte Demonstranten und gründete eine falsche kommunistische Partei, um Chaos zu stiften. General Fazlollah Zahedi, ein Nazi-Sympathisant, befehligte die dem Schah treuen Truppen. Mossadegh wurde gestürzt, die junge Demokratie im Keim erstickt.

Das Propagandamuster verdient eigene Erwähnung, weil es sich bis heute nicht geändert hat: Großbritanniens Außenminister Anthony Eden „verglich Mossadegh wiederholt mit Hitler". Ein CIA-Dokument beschrieb ihn „in einer Sprache, die sich später fast wortgleich gegenüber Diktatoren wie Saddam Hussein, Gaddafi oder Assad wiederfindet". Michael Lüders kommentiert: Mossadegh „war ein überzeugter Anhänger des Parlamentarismus, ein Bewunderer Mahatma Gandhis, von Abraham Lincoln und der amerikanischen Demokratie. Heute hieße es wohl: Er teilte die westlichen Werte. Was ihm allerdings nichts nutzte, im Gegenteil."

Das Ergebnis des „Deals": Am 28. Oktober 1954 wurde ein Nachfolgevertrag unterzeichnet, der die Verstaatlichung rückgängig machte. Das iranische Ölmonopol wurde unter dem Kartell der Sieben Schwestern aufgeteilt – wobei Anglo-Iranian/BP nun 40 Prozent mit den fünf US-Konzernen (Exxon, Mobil, Chevron, Gulf, Texaco), Royal Dutch/Shell und der Compagnie Française des Pétroles teilen musste. Die Konsortialpartner trafen zusätzlich eine vor den Iranern geheim gehaltene Übereinkunft: Ein Quotensystem hielt die Produktion – und damit die Zahlungen an die iranische Regierung – künstlich niedrig.

Als Roosevelt 1958 die CIA verließ, heuerte er bei Gulf Oil an. Der Schah hatte auf der Gala zu seiner Wiedereinsetzung das Glas erhoben und gesagt: „Ich verdanke meinen Thron Gott, meinem Volk, meiner Armee und Ihnen!"

Die Verbindungslinien laufen schnurgerade: Begünstigte waren Standard Oil-Firmen. Standard Oil gehörte zur Klientel von Sullivan & Cromwell. Die Gelder flossen auf Konten der Chase Bank, der Hausbank der Rockefellers und einem der größten Eigner der Federal Reserve Bank of New York. Nach 1953 wurde Chase zur „bevorzugtesten Bank" des Schahs; der Iran wurde „zum Kronjuwel im internationalen Bankportfolio von Chase".


3. Der Schah: Vom nützlichen Statthalter zum strategischen Risiko

Zwei Jahrzehnte lang funktionierte das System. Der Schah modernisierte das Land nach westlichem Vorbild, kaufte für Milliarden US-Rüstungsgüter, und sein Geheimdienst SAVAK, von CIA und Mossad geschult, unterdrückte jede Opposition. Doch in den 1970er Jahren begann der „König der Könige", eigene Ambitionen zu entwickeln, und beging damit den ultimativen Fehler: Er forderte die Kontrolle über die globalen Energieströme heraus.

Mitte der 1960er Jahre erzwang er eine Neuaufteilung der Gewinne. 1973 machte er unmissverständlich klar, dass der Konzessionsvertrag von 1954 nicht verlängert werden würde. Im Sommer 1973 wurde ein neues Vertragswerk unterzeichnet, das der National Iranian Oil Company die Kontrolle über Förderung und Verkauf übertrug. Die internationalen Ölkonzerne wurden zu Kunden degradiert. Ab 1975 drängten sie auf Neuverhandlung – ohne Erfolg.

Noch brisanter: Der Schah plante ein gigantisches Atomprogramm mit europäischen Partnern, um iranisches Öl gegen Hochtechnologie einzutauschen. Mit Frankreich bestand seit 1974 ein Vertrag über den Bau von Kernforschungsanlagen und fünf Reaktoren, 1975 erweitert auf acht Kraftwerke für 8,6 Milliarden Dollar. Der Schah kaufte sich mit zehn Prozent in die französische Urananreicherungsanlage Tricastin ein. 1978 startete der Iran „das viertgrößte Kernenergieprogramm der Welt" – 20 Kernkraftwerke mit 23.000 Megawatt bis Mitte der 1990er. Bei der deutschen Kraftwerk Union (KWU/Siemens) allein waren sechs Reaktoren bestellt.

Im März 1975 legte der Schah zusammen mit Saddam Hussein auf dem OPEC-Gipfel die Differenzen zwischen Iran und Irak bei. Ihr Ziel: die Reihen als Ölproduzenten schließen und sowohl die USA als auch die Sowjetunion von der Golfregion fernhalten. Ein CIA-Analyst hielt das „für eine der überraschendsten Wendungen nach dem Zweiten Weltkrieg".

Damit wurde der Schah vom Statthalter zum Risiko – für die US-Ölmultis und die großen New Yorker Banken. Denn die „Einheitsfront" zwischen Ölindustrie und Finanzsektor war personell und strukturell eng verflochten: Die Familie Rockefeller hielt 1979 Stimmrechtaktien von 1,74 Prozent bei Exxon, 1,82 Prozent bei Mobil und 2,11 Prozent bei Standard Oil of California. Chase Manhattan hielt kaum geringere Anteile an denselben Firmen. Drei der Big Five – Exxon, Mobil und Standard Oil of California – gingen direkt auf das Erdöl-Imperium von John D. Rockefeller zurück, dem Großvater von David Rockefeller, der den Vorsitz bei Chase Manhattan innehatte. Die sieben größten US-Banken besaßen zusammen knapp 5,5 Prozent aller Aktien der Big Five und kontrollierten untereinander durchschnittlich 5,63 Prozent ihrer eigenen Aktien. Firmen wie Exxon teilten mit Chase Manhattan, Citibank und Chemical Bank dieselben Vorstandsmitglieder.

Diese Verflechtung verlieh den Ölkonzernen „einen starken Kontrollhebel. Jene, die sonst womöglich in der Lage gewesen wären, ihre Kontrolle über die Weltmärkte herauszufordern, waren vom Verlust an Krediten bei den größten Banken bedroht."

Ende 1978 hatte Chase Kredite in Höhe von fast zwei Milliarden Dollar an den Iran vergeben – eine gewaltige Summe für eine einzelne Bank und einen einzelnen Kreditnehmer.

In dieser Lage begann – wie auf Knopfdruck – die westliche Presse, Berichte über die Grausamkeiten des SAVAK zu synchronisieren. Die Carter-Administration entdeckte die „Menschenrechte" als politische Waffe gegen einen Verbündeten, der nicht mehr spurte.


4. 1979: Die Revolution – mit freundlichen Empfehlungen des Westens

Die Vorgeschichte: Warnsignale, die der Schah ignorierte

Der chinesische Staatspräsident warnte den Schah im September 1978, dass die USA und die Sowjetunion gleichermaßen sein Regime sabotieren wollten. Der Chef des französischen Nachrichtendienstes, Alexandre de Marenches, und „gut informierte Kreise" in der Türkei warnten ihn ebenfalls – die Carter-Administration betreibe „im Einverständnis mit bestimmten religiösen Autoritäten" seinen Sturz. Der Schah, schwer an Krebs erkrankt, schlug die Warnungen in den Wind: „Ich bin der beste Verteidiger des Westens in diesem Teil der Welt; ich habe die beste Armee und die größte Macht; die ganze Sache ist so absurd, dass ich sie unmöglich glauben kann."

Am 28. September 1978 meldete die U.S. Defense Intelligence Agency – ebenso realitätsblind – man erwarte, „dass der Schah in den nächsten zehn Jahren aktiv an der Macht bleibt".

US-Botschafter William H. Sullivan in Teheran sah es anders. Schon im Mai 1978 bezifferte er die Überlebenschancen des Schahs auf unter 50 Prozent. Im November schickte er eine Botschaft nach Washington mit dem Titel „Thinking the Unthinkable": Washington müsse Optionen überdenken, die bislang nicht tunlich erschienen, und mit einer kohärenten Politik reagieren, um die vitalen US-Interessen zu schützen.

Khomeini: Das „sorgfältig gestaltete Bild"

Ruhollah Khomeini, der im irakischen Exil lebte, erfreute sich eines stetig wachsenden Zuspruchs – nicht zuletzt dank professioneller PR. Die westlichen Medien priesen den Mullah als „brillanten Philosophen und Theologen" an, ohne genaue Einsicht in seine Schriften genommen zu haben. Das sorgfältig gestaltete Bild von Khomeini war die Arbeit von PR-Profis: Die Aureole der Heiligkeit sprach Konservative an, die revolutionäre Neigung gewann die Linke, die demokratische Pose gefiel den Liberalen.

Der britische Radiosender BBC strahlte „Programme in persischer Sprache" aus, die Khomeinis Propaganda „bis in die hintersten Winkel Persiens" verbreiteten. Mehrfach bat der Schah persönlich die britische Regierung, diese Einmischung einzustellen. Ohne Erfolg.

Nachdem Khomeini Anfang Oktober 1978 aus dem Irak ausgewiesen wurde, nahm ihn Frankreich auf – wo er in Neauphle-le-Château seine Machtzentrale einrichtete. Der französische Journalist Dominique Lorenz schrieb: Den Amerikanern stellte sich die Aufgabe, Khomeini aus dem Irak herauszubringen, mit Ehrbarkeit zu kleiden und in Paris anzusiedeln – „eine Abfolge von Ereignissen, die nicht hätte auftreten können, wenn die Führung in Frankreich dagegen gewesen wäre."

Die Konferenz von Guadeloupe: Der Schah wird fallengelassen

Vom 4. bis 7. Januar 1979 trafen sich die Staatschefs der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Bundesrepublik auf Guadeloupe. Das Treffen galt als „informell" – keine Erklärungen, kein Kommuniqué, keine Entscheidungen. Die Realität sah anders aus.

Valéry Giscard d'Estaing, der Gastgeber, schrieb in seinen Memoiren: „Präsident Jimmy Carter erklärte uns überraschenderweise, dass die Vereinigten Staaten entschieden hätten, das Regime des Schahs nicht länger zu unterstützen." Noch eine Woche zuvor hatte Sicherheitsberater Brzezinski volle Unterstützung für den Schah verlautbart. Helmut Schmidt soll „am wenigsten begeistert" gewesen sein.

Giscard d'Estaing erhielt den Auftrag, die Fühler zu Khomeini auszustrecken. Ein französischer Ex-Botschafter im Iran, François Charles-Roux, hörte den Präsidenten im Élysée-Palast „mehrfach im Zusammenhang mit der Entscheidung von Guadeloupe befriedigt sagen: ‚Endlich werden wir mit Khomeini Stabilität im Iran haben!'"

Die Huyser-Mission: Protokollbruch und Demontage

Parallel beauftragte die Carter-Regierung den Vier-Sterne-General Robert E. Huyser, Vizechef der US-Streitkräfte in Europa, nach Teheran zu reisen. Huyser traf ab dem 10. Januar die Spitzen der kaiserlichen iranischen Streitkräfte – ohne dass der Schah, deren Oberbefehlshaber, informiert wurde. Ein blanker Protokollbruch.

Huyser war sich tagelang selbst nicht im Klaren über seinen genauen Auftrag; die Instruktionen waren „grundlegend und unvollständig". Am Ende kabelte er sechs Punkte nach Washington, deren Kernbotschaft lautete: Die neue Zivilregierung unter Schapur Bachtiar brauche die Unterstützung des Militärs; die Generäle sollten bei ihren Jobs bleiben; ein Putsch sei „absolut letztes Mittel". Unterdessen knüpfte Botschafter Sullivan Kontakte zu Khomeinis Vertretern und war an Verhandlungen über dessen Rückkehr beteiligt.

Sullivan teilte dem Schah „so höflich wie möglich" mit, dass Washington es für das Beste hielte, wenn er das Land verließe. Der Schah „breitete seine Arme aus und fragte ‚fast flehentlich': ‚Ja, aber wohin soll ich denn gehen?'" Sullivan wusste es nicht.

Der geheime Kanal: Carter und Khomeini

Wie aus ehemals geheimen diplomatischen Depeschen hervorgeht, über die der persische Dienst der BBC 2016 berichtete, unterhielt die Carter-Regierung einen Kommunikationskanal zu Khomeini in Frankreich. Khomeini ließ ausrichten, man hege keine „besondere Feindschaft" gegenüber den Amerikanern. Das Weiße Haus signalisierte, dass man Verfassungsänderungen nicht ablehne. Und Khomeini versicherte: „Der Ölfluss wird nach der Gründung der Islamischen Republik fortgesetzt werden."

Die Abreise

Am 16. Januar 1979 verließ der Schah den Iran. In Assuan bot ihm der ägyptische Präsident Sadat an, die iranische Luftwaffe und Flotteneinheiten in Ägypten unterzubringen. Die Antwort des Schahs: „Weil die Amerikaner es nicht erlauben werden. Sie haben mich gezwungen, das Land zu verlassen; der Botschafter hat auf dem Flughafen immer wieder auf seine Uhr gesehen."

Dreieinhalb Wochen nach Guadeloupe bestieg Khomeini mit 200 Journalisten – darunter Peter Scholl-Latour, der die neue Verfassung im Handgepäck mitbrachte – eine Air-France-Boeing 747 nach Teheran, wo ihn Millionen Iraner jubelnd empfingen.

Die Iranische Revolution, ohne den Putsch von 1953 undenkbar, stellte den Durchbruch des islamischen Fundamentalismus dar. Michael Lüders kommentiert trocken: „Für den politischen Islam wurde Khomeini zum Big Bang – fast möchte man ironisch anmerken: Mit freundlichen Empfehlungen von CIA und MI6."


5. „Project Alpha" – Die Geiselkrise als Bankenstrategie

Die finanzielle Ausgangslage

Die neue Regierung in Teheran kündigte im Februar 1979 die Kooperation mit den westlichen Ölfirmen auf. Die National Iranian Oil Company riss das Monopol über Produktion und Vermarktung an sich und produzierte binnen Monaten wieder so viel Öl wie unter dem Schah. Ein Ölboykott wie 1951 war nicht mehr möglich: Der Iran exportierte jetzt große Mengen und besaß Anfang 1979 Devisenreserven von über 12 Milliarden Dollar, mit einer Projektion von 20 Milliarden bis Januar 1980. Ein anderer Weg musste gefunden werden, um den Iran unter Druck zu setzen. Ein Einfrieren der iranischen Vermögenswerte wäre – für die Ölgesellschaften – „eine attraktive Möglichkeit" gewesen.

Für Chase Manhattan war die Lage besonders prekär: Das neue Regime zog ab, was es konnte. In den ersten acht Monaten 1979 wurden rund 6 Milliarden Dollar von Chase-Konten abgezogen. Bis Mitte des Sommers liefen alle Ölzahlungen an andere Banken. Die meisten US-Unternehmen waren durch den Regierungswechsel nicht finanziell bedroht – einige profitierten sogar vom Zustrom an Kontoguthaben, die Chase verlor. Chase war isoliert und doppelt bedroht: durch den Kontoverlust und durch die ungedeckten Kredite.

Rockefeller, Kissinger, McCloy – und die „Mullah-Theorie"

Nach der Abreise des Schahs im Januar 1979 setzte steigender Druck ein, ihm die Einreise in die USA zu gewähren – ausgeübt „von einer Handvoll mächtiger Leute inner- und außerhalb der Regierung". Zbigniew Brzezinski bezeichnete sie als „einflussreiche Freunde des Schahs". Das Trio Rockefeller-Kissinger-McCloy repräsentierte Chase Manhattan: David Rockefeller war Vorstandsvorsitzender, Henry Kissinger saß im internationalen Aufsichtsrat, John J. McCloy vertrat die Bank als Partner bei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy.

Zusammen mit Joseph Reed, Rockefellers persönlichem Assistenten bei Chase, und Archibald Bulloch Roosevelt – ehemaliger CIA-Mitarbeiter und Bruder jenes Kermit Roosevelt Jr., der 1953 den Putsch durchführte –, starteten sie das „Project Alpha". Im Chase-Hauptquartier fanden regelmäßige Treffen statt; Rockefeller bezahlte die Extrastunden aus eigener Tasche.

Parallel wies McCloy Anwälte seiner Kanzlei an, die „Mullah-Theorie" juristisch aufzubauen: Über die in den iranischen Kreditverträgen enthaltenen Klauseln zu „wesentlich nachteiligen Veränderungen" sollte der Einfluss des iranischen Klerus als Grundlage für die Erklärung eines technischen Zahlungsverzugs konstruiert werden – um diesen sodann dafür zu nutzen, über Cross-Default-Klauseln sämtliche iranischen Kredite und Einlagen zu sperren. Ob internationale Gerichte diese Theorie je akzeptiert hätten, sei dahingestellt – der springende Punkt ist, dass „die Vorbereitungen bei Chase zur Verrechnung der iranischen Kredite und Einlagen bis zum Sommer 1979 bereits ziemlich weit fortgeschritten waren."

SALT II als Erpressungshebel

Carter widerstand dem Druck zunächst. Mehr als einmal verlor er bei dem Thema die Beherrschung. Als ihn sein Berater Hamilton Jordan warnte, der Widerstand gegen Kissinger sei politisch gefährlich, fuhr Carter hoch: „Zur Hölle mit Henry Kissinger, ich bin der Präsident dieses Landes!" Es stimmte – aber Kissingers Team behielt die Oberhand.

Der Hebel war der SALT-II-Vertrag zur nuklearen Rüstungsbegrenzung. Im Juli teilte Kissinger Brzezinski mit, dass seine Unterstützung für SALT II abhängig von einer entgegenkommenderen Haltung bei der Schah-Frage sei. John McCloy, dessen Unterstützung die Carter-Regierung ebenfalls brauchte, bearbeitete parallel Außenminister Vance, dessen Stellvertreter, den dritten Mann im Ministerium und den UN-Botschafter.

Der „Adler" landet – und die Falle schnappt zu

Nachdem der Schah über die Bahamas und Mexiko gereist war – betreut von Robert Armao, dem früheren PR-Agenten Nelson Rockefellers –, wurde sein Gesundheitszustand zum Schlüssel. Benjamin H. Kean, ein persönlicher Arzt David Rockefellers, flog zweimal nach Mexiko und empfahl, der Schah solle „vorzugsweise" in einem amerikanischen Krankenhaus behandelt werden. Gegenüber dem Außenministerium wurde dies zu „an der Schwelle zum Tod" eskaliert – obwohl Kean laut eigener Aussage gesagt hatte, die Behandlung könne „in Mexiko oder praktisch überall" durchgeführt werden.

„Der Adler" – so der Codename – landete am 22. Oktober 1979 in New York. Carter fragte in die Runde seiner Berater: „Und was raten Sie mir, wenn die Iraner unsere Leute in Teheran als Geißeln nehmen?"

Am 4. November stürmten Studenten die US-Botschaft. Die Warnung des Chargé d'Affaires Bruce Laingen, dass „die Gefahr von Geißelnahmen im Iran bestehen bleiben wird", hatte sich als prophetisch erwiesen – und Rockefeller hatte von dieser Warnung gewusst.

Die Verrechnung: Wie Chase Manhattan seine Kredite eintrieb

Am Tag der Botschafts-Besetzung erhielt Chase ein Telex aus Teheran, das die Zahlung von 4,05 Millionen Dollar an fälligen Zinsen autorisierte. Chase setzte die Anweisung nicht um.

Zeitgleich drängten die Anwälte von Milbank, Tweed beim Finanzministerium darauf, die iranischen Guthaben einzufrieren – eine Möglichkeit, die schon im Februar 1979 erwogen worden war. Als am 14. November Irans Außenminister ankündigte, alle Einlagen von US-Banken abzuziehen, fror die Carter-Regierung sämtliche iranischen Guthaben ein – im In- und Ausland. Die internationale Bankengemeinschaft war überrascht von der Pauschalität.

Da die Einfrierorder einen Tag vor Fälligkeit der iranischen Zinszahlung in Kraft trat, wurde die Zahlung nicht vorgenommen. Gegen die energischen Einwände der ausländischen Konsortialbanken deklarierte Chase den Zahlungsverzug. Mit bewusster Hast – und noch vor Erhalt der Autorisierung durch das Finanzministerium – pfändete Chase sämtliche iranischen Konten und verrechnete sie mit den ausstehenden Krediten.

Die Cross-Default-Klauseln in den iranischen Kreditverträgen erlaubten genau diesen Mechanismus: Der Zahlungsverzug bei einem Kredit war hinreichender Grund, alle anderen Kredite ebenfalls als in Verzug zu erklären. Als Konsortialführer besaß Chase „eine besondere Macht", den Verzug zu deklarieren – auch gegen den Willen der anderen Banken.

Finanzanalyst Mark Hulbert konstatiert: „Nachdem sich der Staub gelegt hatte, gab es keine iranischen Kredite mehr in den Büchern der Chase."

Das Geiseldrama endete am 20. Januar 1981 – dem Tag der Amtseinführung Ronald Reagans, in derselben Stunde, in der die finanziellen Ansprüche befriedigt waren. Der Iran zahlte 3,7 Milliarden Dollar. „Als die amerikanischen Banker erfuhren, dass ihre Kredite vollständig zurückgezahlt werden würden, fielen sie fast von ihren Stühlen." Für die Anwälte von Milbank, Tweed war die Geiselkrise, so Gerichtsreporter Paul Hoffman, nichts weniger als eine „Goldgrube".

John J. McCloy brachte die Haltung auf den Punkt: Die Interessen der Chase Bank und die Interessen des Landes seien „sehr ähnlich". Gegenüber einem Mitarbeiter des Außenministeriums erklärte er 1980: „Nationale Ehre ist wichtiger als amerikanische Leben."


6. Die Implikationen: Geopolitik als Dauerzustand der Kontrolle

Die Folgen dieser Geschichte reichen bis in die heutige Stunde. Die Zerstörung der iranischen Demokratie 1953 schuf erst den Nährboden für den religiösen Radikalismus von 1979. Und die Ereignisse von 1979 dienten dazu, ein Land finanziell auszuplündern und es durch ein permanentes Sanktionsregime vom globalen Markt fernzuhalten.

Wenn wir heute über den „Schurkenstaat" Iran sprechen, sollten wir fragen: Wem dient dieses Narrativ? Wer profitiert davon, wenn ein ressourcenreiches Land dauerhaft destabilisiert bleibt? Die Geschichte lehrt uns, dass die großen Umbrüche im Nahen Osten selten das Ergebnis von religiösem Fanatismus sind, sondern fast immer das Resultat von Kalkül in den Vorstandsetagen. Der politische Islam war in diesem Spiel oft nur das Werkzeug, um nationale Bestrebungen nach Unabhängigkeit zu zerschlagen und die globale Vorherrschaft des Dollars und des Öls zu sichern.

Dieser Beitrag basiert auf den tiefgehenden Recherchen von Lars Schall: „Iranische Geschichte, geschrieben durch CIA und Wall Street", März 2026.


Wer die Zeitgeschichte nicht durch die Linse der Propaganda, sondern durch die Logik des Kapitals betrachtet, sieht die Muster. Sie haben sich seit 1953 nicht verändert.

Sicherung: Iranische Geschichte, geschrieben durch CIA und Wall Street Von Lars Schall März 9, 2026: https://drive.google.com/drive/my-drive

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