Grilleau

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Um den Befürwortern der Sanktionen vor Augen zu führen, in welchem geistigen Umfeld sie sich bewegen – schließlich ist selbst das Regierungsmotto von CDU und CSU- "sozial ist, was Arbeit schafft" – der nationalistischen Propaganda entlehnt, wo es hieß: – "Sozial ist, wer Arbeit schafft" – nachstehend Zitate von der sogenannten Leistungselite, die aufzeigen, wie die heutige Diskriminierung der Erwerbslosen nach dem SGB II vonstattengeht, die im Übrigen in keinster Weise von der Diskriminierung der Erwerbslosen im Dritten Reich sich unterscheidet. Zum Vergleich verweise ich auf die Gestapo-Aktion gegen sog. Arbeitsscheue hin, die auf einen Erlass des Reichsführers SS, Heinrich Himmler vom 26.1.1938 zurückging. http://grilleau.blogspot.de/2016/02/hartz-iv-und-die-strukturelle-gewalt.html

Samstag, 25. Juni 2016

Zur Geschichte der Mediensteuerung

Als Deutschland den 1. Weltkrieg verloren hatte, wurden Deutschland von den Siegern zwar einige Reparationszahlungen auferlegt, aber auf eine vollständige Steuerung der Medien verzichtet. Die Sieger scheinen angenommen zu haben, wenn der Kaiser davongejagt sei und aus Deutschland eine freiheitliche demokratische Republik gemacht würde, dann würde von Deutschland keine Gefahr mehr ausgehen. Das war ein Irrtum.

Im Jahre 1928 publizierte Edward L. Bernays sein bis heute gültiges Standardwerk “Propaganda“, in dem er zur Steuerung der Demokratie folgende Überlegung anstellte:
“Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist.”
Dieses Buch wurde nicht nur von den Eliten in den USA und Großbritanien gelesen, sondern hatte, wie Bernays später schockiert feststellte, auch einen festen Platz im Bücherschrank von Joseph Goebbels. Dank großzügiger Finanzspritzen durch Personen wie Fritz Thyssen und Prescott Bush, mit deren Geld Propagandaschriften wie der “völkische Beobachter“, “Der Stürmer” und “Der Angriff” letztlich finanziert wurden, gelang es Adolf Hitler im Januar 1933 zuerst die Wahl zu gewinnen und dann, nachdem seine nationalsozialistische Propagandamaschine keine Zweifel daran ließ, dass Kommunisten für den von den Nazis organisierten Reichstagsbrand verantwortlich wären, mit dem Ermächtigungsgesetz wenige Wochen später auch gleich Diktator von Deutschland zu werden. Während der Nazi-Diktatur verbreitete das Deutsche Nachrichtenbüro als Nachrichtenagentur Propaganda anstelle von Nachrichten und Klitschen wie Bertelsmann wurden mit dem Druck von linientreuer Propaganda zu Großkonzernen.

Als der Sieg der Alliierten 1944 absehbar war, standen sie vor der Aufgabe, in Deutschland eine Medienlandschaft zu schaffen, die sicherstellte, dass es gleichgeschalteten Goebbels-Medien nie wieder gelingen würde, die deutsche Bevölkerung zu einem Krieg gegen ihre Befreier aufzuhetzen. In der Zeit von 1944 bis etwa 1950 ist die Steuerung der Medien in Deutschland durch die Allierten von Grund auf neu in dauerhaften Strukturen organisiert worden. Zum Verständnis der heutigen Medienlandschaft in Deutschland macht es deshalb sicherlich Sinn, sich die Erschaffung dieser dauerhaften Strukturen sehr genau anzuschauen.

Reinhard Mohn, Sohn von Heinrich Mohn und ein Enkel von Johannes Mohn, dem 1887 von seinem Schwiegervater Heinrich Bertelsmann die Leitung des Gütersloher Druck- und Verlagshauses Bertelsmann übertragen wurde, war, nachdem er als Leutnant der deutschen Luftwaffe in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, von 1943 bis 1945 in einem Offizierslager in Kansas und eignete sich dort laut Wikipedia “neben Englisch auch Management-Kenntnisse an” an.
Hanni Butkay hat im März 2003 aus dem 1999 erschienenen Wälzer “Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland” von Jürgen Wilke eine Zeittafel extrahiert, in der einige bemerkenswerte Vorgänge aus dieser Zeit im Detail aufgeführt sind:
“Jan 1944: Briten und Amerikaner führen Detailplanungen für Eroberung Deutschlands und für die Phase nach der Kapitulation zusammen in der Psychological Warfare Division (PWD), einem Teil der SHAEF, durch.”
Dass das geschehen ist, ist naheliegend. Sender und Druckmaschinen sind im Rahmen eines Krieges strategisch wichtige Ziele und wenn man dabei ist, Sender und Druckmaschinen zu erobern, dann wird man sich auch mal Gedanken darüber machen, was man da eigentlich senden und drucken will. Für das befreite Deutschland wurde die Steuerung der Medien also gemeinsam von Briten und Amerikanern geplant und zuständig dafür war die Armeeabteilung für psychologische Kriegsführung. Im März 1944 waren auch die Franzosen mit dabei, womit die Westalliierten komplett waren.
Für den März 1944 findet sich dann ein generelles Verbot aller publizistischen Tätigkeiten in Deutschland:
“Verbot aller publizistischen Tätigkeiten in Deutschland durch das Gesetz Nr. 191 des Supreme Headquarters of the Allied Expeditionary Forces (SHAEF)”
Jeder, der in den befreiten Gebieten der Westalliierten etwas publizieren wollte, benötigte also fortan eine Genehmigung. Ohne die Genehmigung der Alliierten durfte in den folgenden Jahren nichts publiziert werden. Weiter fasst Hanni Butkay zusammen:
“April (1944): Verfahrensvorschlag der PWD für die längerfristige Rundfunkkontrolle: Es sollte ein Tripartite (Amerikaner, Briten, Sowjets) Propaganda Policy Committee eingerichtet werden, dessen ausführendes Organ ein Executive Control Body (3-Mächte-Kontrolle für den Deutschlandsender und das Deutsche Nachrichtenbüro in Berlin) darstellen sollte; in dieses sollte eine interalliierte Direction of German Radio Service eingegliedert werden, die v.a. für die Produktion eines nationalen Rundfunkdienstes zuständig sein sollte.”
Diese Idee der Psychological Warfare Division war eine Schnapsidee. Die Regierungen von USA und Großbritannien waren 1944 längst in die Planung des Kampfes gegen den sowjetischen Kommunismus übergegangen. Briten, Amerikaner und Franzosen haben die Medien 1945 in ihren Zonen ohne Mitsprache der Sowjetunion organisiert, die bei der Übernahme und Neuerschaffung von Medien in ihren Zonen deutlich langsamer war.

Da es bei der Hoheit über Medien um die strategisch außerordnetlich wichtige psychologische Kontrolle der Bevölkerung geht, gab es bereits am 24.08.1945 einen Eklat zwischen Westalliierten und Sowjets in Rundfunkangelgenheiten:
“24.8.Erster rundfunkpolitischer Eklat zwischen den Alliierten: Die Errichtung
eines Multipartite Radio-Committees, die zuvor im Information
Committee der Berliner Kommandatur vereinbart worden war, scheitert. …”
Für den Dezember 1945 ist vermerkt, dass in der britischen Zone 40 Lizenzzeitungen genehmigt wurden und aus Effizienzgründen die Kontrolle der Lizenzpresse dort über eine Nachzensur geregelt wurde:
“Aufsicht über die Lizenzpresse: Press and Information Services Control (PR/ISC); ihre Aufgabe war allerdings nahezu unlösbar, v.a. was die Umerziehungs-Kontrolle anbelangt. Die Inhaltskontrolle wurde über eine Nachzensur durchgeführt.”
In der sowjetischen Besatzungszone wurde hingegen versucht, die Umerzeihung der Deutschen mithilfe von direkter Zensur zu erreichen:
“21.11.(1945) Die Leitung des Rundfunkwesens in der sowjetischen Zone wird der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung (DVV) überantwortet, dessen Leiter Paul Wedel, ehemaliger Chefredakteur des KPD-Zentralorgans Deutsche Volkszeitung, wird. Die SMAD kontrolliert alle Rundfunkmitarbeiter und zensiert die Sendungen.”
Die anfänglich in den Westzonen von den Westallierten selbst betriebenen Rundfunksender und Nachrichtenagenturen wurden in der Folgezeit an Vertrauenspersonen der Alliierten übergeben und somit eingedeutscht. Als 1948 in den Westzonen eine vielfältige freie Lizenzpresse entstanden war, die komplett mit den Westalliierten genehmen Personen besetzt und ranghohe Nazis aus Hitler’s Ostgeheimdienst “Fremde Heere Ost” in der “Organisation Gehlen” von der CIA als antikommunistische Machtstütze für den Schwager von John McCloy, Konrad Adenauer, übernommen war, stand 1949 der Gründung der Bundesrepublik Deutschland als Teil des westlichen Staatenbündnisses, was der Absicht der Sowjets auf ein geeinigtes neutrales Deutschland zuwiderlief, nichts mehr im Wege.

Nachdem in der frisch gegründeten Bundesrepublik Deutschland mit Unterstützung der Lizenzpresse Konrad Adenauer zum Bundeskanzler gewählt worden war, wurde die Genehmigungspflicht für Medien durch die Westalliierten am 21.09.1949 aufgehoben. Alle bis dahin in den westlichen Besatzungszonen gegründeten Rundfunksender, Verlage, Zeitungen und Zeitschriften, angefangen bei der Süddeutschen Zeitung über Spiegel und Zeit bis hin zur Hamburger Morgenpost, die sich danach als Medienunternehmen auf dem freien Markt behaupten durften, sind Lizenzprodukte der Westalliierten. Dank Wirtschaftswunder und der von CIA und Nazis fiel es der “freien” Ex-Lizenzpresse in der Folgezeit nicht schwer, braune 131er zu feiern.

Besonders gut behaupteten sich auf dem freien Markt offenbar diejenigen Medienunternehmen, die über eine besonders enge Beziehung zu den westlichen Geheimdiensten verfügten. Hervorragend entwickelte sich beispielsweise die Zeit. Über die Partnerin von Eric M. Warburg in der Atlantik-Brücke, Marion Gräfin Dönhoff, die wesentlichen Einfluss bei der Zeit hatte, schrieb Otto Köhler in Freitag im Jahre 2003 unter dem Titel Deckname “Dorothea”:
“So vielfältig die Zeit-Kontakte zum BND waren - Marion Gräfin Dönhoff wurde - laut Eenboom - im März 1970 unter dem Decknamen “Dorothea” als “erstrangige BND-Sonderverbindung” geführt - andere Geheimdienste konnten sich auch nicht beschweren.”
Dass bei der Zeit nun ausgerechnet Michael Naumann, Ex-Schwiegersohn von Reinhard Gehlens Stellvertreter Gerhard Wessel und jetztiger Ehemann von Eric M. Warburgs Tochter Marie Warbug, Herausgeber ist, spricht nicht gerade dafür, dass heutzutage eine geradezu familiäre Beziehung zu einem Geheimdienst schädlich für eine Medienkarriere ist. Wenn die Zeitschrift “Der Monat“, bei dem Michael Naumann maßgeblich mitgewirkt hat, bevor sie an die Zeit gegangen ist, möglicherweise über die CIA-Tarnfirma “Congress for Cultural Freedom” mitfinanziert wurde, spricht das auch nicht gerade dagegen. Aber möglicherweise ist die Information auch falsch. So genau weiß das im Umfeld von Geheimdiensten ja meist niemand.

Auch der Verlag Kiepenheuer & Witsch entwickelte sich prima. Über Joseph Caspar Witsch findet sich folgende Information bei Telepolis:
“Heimlicher Kopf der Kölner Gruppe der CIA-Organisation war Josef Caspar Witsch, ein ehemaliger nationalsozialistischer Kulturfunktionär und SA-Mann, so die ZDF-Dokumentation, der den Literaturverlag Kiepenheuer & Witsch gegründet hatte.”
Schön, dass die alternative taz, deren Mitgründer Johannes Eisenberg als Presseanwalt auch den BND vertritt, gleich zu berichten weiß, dass das vermutlich gar nicht stimmt:
“Der CIA ist fast jeder Schwachsinn zuzutrauen, trotzdem hat sie bisher versucht, ihre Aktivitäten geheim zu halten, wenn auch oft vergeblich. Also, was im Hause Kiepenheuer und Witsch geschah, lag offen zu Tage, jeder, der es wissen wollte, konnte wissen: Witsch ließ sich seinen, dem belletristischen Verlag angegliederten ›Verlag für Politik und Wissenschaft‹ vom US-Geheimdienst bezahlen. Und jeder, der es wollte, konnte in der ›Schröder erzählt‹-Folge ›Menschen wie du und ich‹ nachlesen, wie Witschs ehemaliger Partner Behrend von Nottbeck 1961 fahnenflüchtig wurde. Der alte Konflikt zwischen SA und SS. Von Nottbeck gründete mit dem Geld von Reinhard Mohn einen eigenen Verlag, um einen Teil des kräftig sprudelnden CIA-Dollar-Segens für sich und die Bertelsmann-Gruppe abzuzweigen. Ich weiß das alles so genau, weil ich von 1962 bis 1965 Werbeleiter im Hause Kiepenheuer und Witsch war.”
Weiter geht’s damit hier:
“Aber Ehrgeiz findet immer auch ein Objekt, am 27. September 1964 veröffentlichte die Warren-Kommission ihren Siebenhundert-Seiten-Report. Fünf Tage nach dem Tod des Präsidenten hatte Johnson den Sonderausschuß eingesetzt, der die Ermordung von John F. Kennedy am 22. November 1963 untersuchen sollte. … »Es würde ein Jahr dauern, bis wir die Übersetzung fertig hätten, und wer weiß, wer es noch herausbringen will – das ist der Nachteil, wenn die Rechte frei sind.« »Wieso ginge es nicht schneller mit fünf Übersetzern? Lassen Sie uns die Sache mal mit Witsch besprechen. … Ich schaltete eine ›Börsenblatt‹-Anzeige: »Warren-Report« – schon in März-Typographie, nur statt der ›Fetten Block‹ nahm ich eine schmalfette ›Information‹ für den Schriftzug, acht Zentimeter hoch, klotzig – »erscheint bereits im Januar 1965«. Also insgesamt nur eine Produktionszeit von drei Monaten, sehr knapp. Kaum war diese Anzeige erschienen, meldete ›dpa‹: »Der ›Warren-Report‹ wird schon Anfang Dezember im Verlag für Wissenschaft und Politik vorliegen.« Und zwei Tage später wieder die Agentur: »Der Bechtle Verlag, München, kündigt das Erscheinen des ›Warren-Reports‹ für Mitte November an.« Ja, große Scheiße! Offenbar hatten die beiden Konkurrenten längst mit der Übersetzung begonnen, also entschied Witsch: »Wir lassen das fallen.”
Die Lacher haben die Autoren der taz auf ihrer Seite. Den Beweis, dass Reinhard Mohn möglicherweise bessere Connections für den Druck der Alleintätertheorie des Warren-Reports zum Attentat auf John F. Kennedy hatte als der CIA-Agent Joseph Caspar Witsch, würde man allenfalls der “Generation Doof” zutrauen.

Denn es noch eine ganz andere Geschichte, die zu Reinhard Mohn, dem damals scheinbar allmächtigen Chef von Bertelsmann, passen könnte. In einem Forum schrieb ein Poster mit Namen “Sterling Seagrave” vor etwa einem halben Jahr folgendes:
“I know Jack Singlaub personally, and knew Bill Casey slightly, as well. … Casey was one of the key men in the acquisition of media after WW2. It was one of his proteges (a young German immigrant to the US) who was sent back to Germany after the war to take over Bertelsmann and build it up.”
Zu Rupert Murdoch steht da dann übrigens auch noch was interessantes, aber das soll nun hier nicht interessieren. Mit Bill Casey könnte wohl der PSYOP-Spezialist beim CIA-Vorläufer OSS und spätere CIA-Chef von Ronald Reagan William Casey gemeint sein. Mein Parteibuch weiß natürlich nicht, ob die Information richtig ist, dass Reinhard Mohn vom CIA_Mann William Casey protegiert wurde. Aber falls es so war, dann würde das erklären, wie der Eindruck entstehen kann, Reinhard Mohn hätte bessere Kontakte zur CIA gehabt als CIA-Agent Joseph Caspar Witsch. Und es hätte dem schier unermesslichen Wachstum von Bertelsmann zumindest nicht im Wege gestanden.
Ja, gibt’s denn sowas? Wer sich dann noch bewusst ist, dass die CIA im Rahmen der Operation Mockingbird Milliardenbudgets für die ebenso geheime wie illegale Mediensteuerung im In- und Ausland ausgegeben hat, der kann auf den seltsamen Gedanken kommen, die Alliierten hätten die Kontrolle über die Medien in Deutschland 1949 nur zum Schein aufgegeben und die Steuerung der Medien insgeheim durch die Geheimdienste fortgesetzt.

Man stelle sich mal vor, in allen Massenmedien hat ein Geheimdienst dafür gesorgt, dass ihre Agenten alle wichtigen Posten besetzen. Aber wer denkt schon sowas? Das tun die heute bestimmt nicht mehr. Denn wenn Geheimdienste mit einem Milliardenbudget von Steuergeldern die Medien als vierte Gewalt steuern, dann wär die Demokratie ja kaum einen Pfifferling wert. Und das würden Ehrenmänner wie Bush bestimmt nicht verantworten können.

Quelle Mein Parteibuch Blog

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