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Montag, 5. Mai 2025

🎧 NEU: "Die 'Rage' der kleinen Arbeitsfrau" – Jetzt auch als Podcast!

In meinem ausführlichen Blogbeitrag habe ich die Mechanismen der systemischen Umverteilung in Deutschland analysiert und aufgezeigt, wie soziale Spannungen zwischen Geringverdienern und Transferleistungsempfängern bewusst geschürt werden, während die wahren Dimensionen der Umverteilung von unten nach oben ausgeblendet bleiben.

Für alle, die lieber hören als lesen: Diesen Beitrag gibt es jetzt auch als Podcast! Perfekt für unterwegs, beim Pendeln oder einfach zum Zurücklehnen und Nachdenken.

👉 Zum Original-Blogbeitrag: https://grilleau.blogspot.com/2025/04/die-rage-der-kleinen-arbeitsfrau.html

👉 Jetzt auch auf Spotify hören: https://open.spotify.com/episode/2G1VfvxwDYn3erhcDCVkp0?si=Xn18xdoMT6qnw3NYqDGirg

 


Mittwoch, 23. April 2025

Irrsinn Arbeitspflicht: Die Ein-Euro-Job-Sklavengaleere als Blaupause für die Zukunft?

 


Man reibt sich die Augen: Quer durch die Parteienlandschaft, von SPD bis CDU,CSU und AfD, tönt der Ruf nach einer „Arbeitspflicht" für Bürgergeldempfänger. Da fragt man sich unweigerlich: Sind die da oben noch ganz dicht in der Birne? In einer Welt, in der Automatisierung, Roboter, KI und globalisierte Arbeitsmärkte mit Millionen von Arbeitskräften aus der EU-Erweiterung und Migration die Idee traditioneller Vollbeschäftigung längst ad absurdum führen, während wir uns gleichzeitig Millionen Arbeitslose leisten – in diesem Kontext wird allen Ernstes über Zwangsarbeit nachgedacht?

Die Galeere: Entwürdigung und Kontrolle statt Arbeit

Was das in der Praxis bedeutet, offenbart ein Blick auf ein Instrument, das schon lange existiert und dessen verheerende Wirkung bereits 2012 in einem IAB-Forschungsbericht (15/2012) detailliert dokumentiert wurde: der Ein-Euro-Job. Dieses System ist keine Brücke, es ist eine moderne Sklavengaleere, die Menschen entrechtet und ehrliche Arbeit vernichtet.

Die Studie zeigt ungeschminkt, wie Ein-Euro-Jobs oft funktionieren: Menschen werden in „sinnfreie" Tätigkeiten gezwungen, die teils Züge einer „Straf-ABM" tragen. „Den Wald fegen" ist hier keine Metapher, sondern beschreibt die Perversion eines Systems, dessen Zweck oft nur Kontrolle, Abschreckung und – man höre und staune – das angebliche Verhindern von Schwarzarbeit sein soll.

Schwarzarbeit verhindern? Bei den Ärmsten der Armen, die oft kaum die Mittel für irgendetwas haben? Da muss man sich doch fragen, ob die Verantwortlichen noch alle Tassen im Schrank haben! Ist es nicht vielmehr der „Häuslebauer", der Kollege in Lohn und Brot, der abends oder am Wochenende schwarz dazuverdienen muss, weil der reguläre Lohn trotz Vollzeit nicht zum Leben reicht? Sollen die jetzt auch mit dem Fegen von Wäldern „kontrolliert" werden?

Stattdessen werden die Erwerbslosen, die ohnehin schon am Boden liegen, als Sündenböcke missbraucht und zu Problemfällen degradiert („Dumping-the-poor"), ihrer Rechte beraubt und für „dirty jobs" herangezogen. Von Qualifizierung oder gar einem Sprungbrett in den ersten Arbeitsmarkt kann oft keine Rede sein – es ist eine reine Verwahrung unter entwürdigenden Bedingungen.

 

Profiteure auf Kosten der Entrechteten

Die Schattenseiten deutscher Beschäftigungspolitik bedürfen einer kritischen Betrachtung. Arbeitssuchende, insbesondere Langzeitarbeitslose, werden systematisch in prekäre Beschäftigungsverhältnisse vermittelt. Das Mindestlohngesetz erlaubt es Arbeitgebern, Langzeitarbeitslosen in den ersten sechs Monaten einer Beschäftigung einen Lohn zu zahlen, der vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen ist – in der Praxis oft bis zu 30 Prozent unter dem Mindestlohnniveau von 12,82 Euro (Stand 2025).

Besonders problematisch ist der staatlich geförderte Subventionsmechanismus: Konkret sieht der Lohnkostenzuschuss nach §16i SGB II für Langzeitbezieher vor, dass Jobcenter in den ersten beiden Jahren 100% der Lohnkosten übernehmen. Danach wird die Förderung schrittweise reduziert – auf 90% im dritten Jahr, 80% im vierten und 70% im fünften Jahr. Nach diesem Zeitraum entfällt die Förderung vollständig. Für nicht-tarifgebundene Arbeitgeber wird dabei lediglich der Mindestlohn als Berechnungsgrundlage herangezogen.

Was passiert, wenn die Förderung ausläuft? In der Praxis folgt häufig die Entlassung der Beschäftigten, woraufhin der Zyklus mit neuen, vom Jobcenter vermittelten und wieder zu 100% geförderten Arbeitskräften von vorne beginnt. Dieses System schafft einen perversen Anreiz: Je kürzer die Beschäftigung, desto höher die staatliche Förderung – eine direkte Einladung zum Missbrauch.

Während die einen schikaniert werden, machen sich andere die Taschen voll. Die IAB-Studie belegt eindeutig, wie Träger dieses System als lukratives „Geschäftsfeld" nutzen. Mit den staatlichen Pauschalen werden Gewinne erwirtschaftet, andere Projekte querfinanziert oder das eigene Stammpersonal bezahlt.

So wird auf verschiedenen Ebenen an Langzeitarbeitslosen "gespart" oder mit ihrer Not Profit gemacht – sei es durch die Pauschalen für Träger von Ein-Euro-Jobs oder durch legalisierten Lohndruck beim Einstieg in reguläre Arbeit. Und die Politik schaut nicht nur zu, sondern hat diese Rahmenbedingungen geschaffen und diskutiert nun sogar noch über eine Verschärfung durch eine allgemeine Arbeitspflicht.

Dieser "Drehtüreffekt" offenbart ein fundamentales Systemversagen, bei dem staatliche Mittel letztlich zur Gewinnoptimierung privater Unternehmen statt zur nachhaltigen Verbesserung der Arbeitsmarktsituation genutzt werden.

Die Vernichtung regulärer Arbeit

Der größte Skandal ist vielleicht, dass diese Zwangsarbeit zu Niedrigstbedingungen aktiv reguläre Arbeitsplätze vernichtet. Die Studie belegt klar Verdrängungseffekte: Kommunen und Träger lassen Aufgaben durch Ein-Euro-Jobber erledigen, für die sonst Handwerker oder Dienstleister bezahlt werden müssten. Lokale Betriebe gehen leer aus.

Ganze Berufsfelder werden ausgehöhlt und entwertet („Deprofessionalisierung", „Entberuflichung"), weil un- oder quasi unbezahlte Kräfte Facharbeit ersetzen. Eine Arbeitspflicht nach diesem Muster wäre nichts anderes als ein staatlich organisierter Angriff auf den ersten Arbeitsmarkt und existenzsichernde Löhne.

Schluss mit dem Wahnsinn – Oder DDR 2.0?

Die Ein-Euro-Jobs sind gescheitert. Sie integrieren nicht, sie entwürdigen, sie zerstören Arbeit und sie schaffen ein System der Ausbeutung. Vor dem Hintergrund einer sich radikal wandelnden Arbeitswelt ist die Idee einer allgemeinen „Arbeitspflicht", die vermutlich auf ähnliche Mechanismen hinausliefe, purer gesellschaftspolitischer Wahnsinn.

Wenn man die Menschen schon partout zur Arbeit zwingen will, obwohl es in unserer automatisierten, digitalisierten, globalisierten Wirtschaft für Millionen keine reguläre, fair bezahlte Arbeit mehr gibt oder geben wird – dann sollte man wenigstens ehrlich sein und eine DDR 2.0 einführen. Dort hatten die Menschen trotz Arbeitspflicht wenigstens noch ihre Bürgerrechte, Urlaubsanspruch, Sozialversicherung und wurden auf Augenhöhe eingestellt. Das wäre immer noch menschlicher und ehrlicher als die heutige Sklavengaleere, die man uns als „Förderung" verkauft und die jetzt zur Blaupause für alle werden soll.

Eine grundlegende Neuausrichtung ist dringend erforderlich – hin zu einer Arbeitsmarktpolitik, die existenzsichernde Löhne und nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse in den Mittelpunkt stellt, anstatt kurzfristige Vermittlungserfolge auf Kosten der Betroffenen zu priorisieren und Profiteure auf Kosten der Allgemeinheit zu begünstigen.

Es ist ein System, das Profit aus der Not anderer schlägt. Wenn schon Zwang, dann zumindest mit Würde und echten Perspektiven – statt eines Teufelskreises von Entwürdigung und Ausbeutung, bei dem nur die Träger und Unternehmen gewinnen.


Quellen:

IAB Forschungsbericht: Aktuelle Ergebnisse aus der Projektarbeit des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 15/2012
https://drive.google.com/file/d/0B2NZzekYbAjBdUpCcFBpd0x0UUk/view?usp=sharing&resourcekey=0-v3Mu84WYDToRJ9DPn8r2Ng

Gilt der Mindestlohn auch für Langzeitarbeitslose?
https://www.arbeitsrechte.de/mindestlohn-langzeitarbeitslose/

Lohnkostenzuschuss für Langzeitbezieher nach §16i SGB II
https://www.jobcenter-ulm.de/arbeitgeber/zuschuesse/lohnkostenzuschuss-fuer-langzeitbezieher


Montag, 21. April 2025

Die bittere Wahrheit über Ernährungsarmut in Deutschland


 

 

Die Mär vom "einfach selbst kochen" im Bürgergeld entlarvt

Stellen Sie sich vor, Sie müssen drei Mahlzeiten am Tag zubereiten – mit nur 1,52€ pro Mahlzeit. Nicht für einen Tag oder eine Woche, sondern dauerhaft. Unmöglich? Genau diese Realität erleben täglich Millionen Bürgergeldempfänger in Deutschland.

Die nackte Wahrheit in Zahlen

Der aktuelle Bürgergeld-Regelsatz sieht 195,39€ monatlich für Ernährung vor. Klingt nach einer ordentlichen Summe? Bei näherer Betrachtung offenbart sich die bittere Realität:

  • 6,51€ täglich für Essen UND Trinken
  • Davon 0,80€ für Getränke (= nur Leitungswasser ist möglich)
  • Verbleiben 5,71€ für drei Mahlzeiten = 1,90€ pro Mahlzeit
  • 10-20% Schwund (laut DGE) ist nicht eingerechnet

Mit tatsächlichem Schwund bleiben realistisch nur 1,52-1,71€ pro Mahlzeit. Zum Vergleich: Eine einfache Suppe im Restaurant kostet 5-7€ – also mehr als das GESAMTE Tagesbudget eines Bürgergeldempfängers.

Was eine gesunde Ernährung wirklich kostet

Unabhängige Berechnungen zeigen, dass eine Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) tatsächlich deutlich teurer ist:

  • Für eine ausgewogene Ernährung nach DGE-Standard benötigt ein Erwachsener mindestens 220-380€ monatlich
  • Selbst bei ausschließlicher Wahl der günstigsten Lebensmittel und Verzicht auf jegliche Getränke außer Leitungswasser entsteht eine Lücke von mindestens 46€ zum Regelsatz
  • Mit realistischem Schwund von 10-20% steigt diese Diskrepanz auf 63-81€

Fast alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen zu dem gleichen Ergebnis. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags fasst in einer umfassenden Dokumentation von 2022 zusammen: "Von allen acht eigenständigen empirischen Studien und sonstigen Fachäußerungen, die ausgewertet wurden, kommt nur eine Arbeit zu dem Ergebnis, dass der Betrag ausreicht, und genau diese Arbeit ist extrem umstritten."

Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband berechnete 2020 konkret die Deckungslücke je nach Haushaltskonstellation:

  • Bei einer alleinstehenden Frau: etwa 14€ monatlich
  • Bei einem alleinstehenden Mann: etwa 45€ monatlich
  • Bei einem Paar mit zwei Kindern: etwa 123€ monatlich

Besonders dramatisch: Die Situation der Kinder

Für Kinder und Jugendliche stellt sich die Situation noch dramatischer dar. Der aktuelle Ernährungsanteil im Bürgergeld beträgt:

  • 0 bis 5 Jahre: ca. 124€ monatlich (4,13€ täglich)
  • 6 bis 13 Jahre: ca. 135€ monatlich (4,50€ täglich)
  • 14 bis 17 Jahre: ca. 163€ monatlich (5,43€ täglich)

Diese Beträge liegen deutlich unter dem, was Ernährungswissenschaftler als notwendig erachten. Studien wie die von Kersting & Clausen (2007) haben nachgewiesen, dass selbst bei ausschließlichem Einkauf in Discountern eine gesunde Kinderernährung nach dem Konzept der "Optimierten Mischkost" nicht finanzierbar ist. Die Deckungslücke wird mit zunehmendem Alter größer:

  • Bei 4-6-Jährigen: etwa 18% zu wenig
  • Bei 7-9-Jährigen: etwa 34% zu wenig
  • Bei 10-12-Jährigen: etwa 45% zu wenig
  • Bei 13-17-Jährigen: etwa 40% zu wenig

Besonders besorgniserregend: In der Entwicklungsphase von Kindern und Jugendlichen sind die Folgen von Mangelernährung besonders gravierend und teilweise irreversibel, wie die Studienergebnisse zu stunting (Wachstumsverzögerung) und kognitiven Einschränkungen belegen.

Besonders bemerkenswert: Während die tatsächlichen Lebensmittelpreise seit 2000 kontinuierlich gestiegen sind, werden die offiziellen "wissenschaftlichen" Berechnungen zu den Kosten einer gesunden Ernährung immer günstiger. Im Jahr 2000 wurden noch 7-8€ täglich für eine ausgewogene Ernährung mit 2000 kcal veranschlagt – heute soll dieselbe Ernährung angeblich für knappe 6€ möglich sein, trotz einer Inflation von über 40% bei Lebensmitteln in diesem Zeitraum. Bedenkt man, dass der tatsächliche Tagesbedarf für einen durchschnittlichen Erwachsenen bei etwa 2500 kcal liegt, müssten die realen Kosten noch etwa 25% höher angesetzt werden. Damit wächst die Diskrepanz zwischen offiziellem Regelsatz und tatsächlichem Bedarf noch dramatischer.


Die "wissenschaftliche" Rechtfertigung

Eine aktuelle Studie aus dem Bundesgesundheitsblatt (Januar 2025) behauptet, der Ernährungsanteil im Bürgergeld sei knapp ausreichend für eine gesunde Ernährung nach dem Konzept der "Optimierten Mischkost" (OMK). Doch die Voraussetzungen dieser Studie sind realitätsfremd:

  • Ausschließlich die günstigsten Preise im Einzelhandel wurden berücksichtigt
  • Kein Lebensmittelschwund einkalkuliert
  • Perfekte Selbstherstellung aller Speisen angenommen
  • Nur kostenloses Leitungswasser als Getränk
  • Keine soziale Teilhabe berücksichtigt
  • Kein Gefrierschrank zur Vorratshaltung eingerechnet

Selbst mit diesen unrealistischen Annahmen bleibt nur ein winziger "Puffer" von 2,45-8,86€ monatlich. Ein einziger nicht optimaler Einkauf – und diese Reserve ist aufgebraucht.

"Koch doch einfach selbst!" – Wovon? Womit? Wo lagern?

Die Realität zeigt: Traditionelles Kochen von Grund auf ist unter den gegebenen Bedingungen oft unmöglich. Was frühere Generationen als "richtiges Kochen" bezeichneten, umfasste Praktiken, die heute für Bürgergeldempfänger strukturell unmöglich sind:

  • Grundfonds und -saucen selbst herstellen: Die Basis der klassischen Küche - Fonds und Grundsaucen, aus denen alle weiteren Gerichte entwickelt werden - erfordern lange Kochzeiten (4-8 Stunden) und damit hohe Stromkosten
  • Fermentieren und Einkochen: Sauerkraut, Rotkraut und Gemüse selbst einlegen und haltbar machen - eine traditionelle Methode der Vorratshaltung - erfordert spezielle Ausstattung und Lagerräume
  • Fleisch vollständig verwerten: Eine Karkasse für Brühe verwenden, Knochen für Fond auskochen - ohne Gefrierfach unmöglich zu lagern

Ein konkretes Beispiel: Die Zubereitung eines hochwertigen Rinderfonds (2 Liter) kostet mit Zutaten und Strom etwa 17,20€, während eine Packung Brühwürfel aus dem Discounter für etwa 1,50€ bereits 6 Liter Brühe ergibt. Diese industriellen Produkte enthalten allerdings oft kaum echtes Fleisch (typischerweise nur 0,1% Fleischpulver) und bestehen hauptsächlich aus Geschmacksverstärkern, künstlichen Aromen und Salz.

Der Grund für diesen enormen Preisunterschied zwischen traditionellem Kochen und Industrieprodukten:

  • Kein Gefrierschrank erlaubt: Gerichtlich abgelehnt als "nicht notwendig" – obwohl er für eine effiziente Küche unerlässlich ist
  • Stromkosten massiv unterfinanziert: Im Regelsatz sind nur etwa 41€ monatlich für Strom, Wohnungsinstandhaltung und weitere haushaltsbezogene Ausgaben vorgesehen – davon bleibt für Strom oft nur ein Bruchteil übrig, wodurch lange Kochzeiten für Fonds und Brühen kaum finanzierbar sind
  • Keine Vorratshaltung möglich: Kleine Wohnungen ohne adäquate Lagerräume
  • Verwertung unmöglich: Ohne Gefrierfach können Reste wie Knochen, Gemüseabschnitten oder Fleischreste nicht für spätere Verwendung aufbewahrt werden

Wie soll jemand...

  • stundenlang Knochenbrühe kochen?
  • Gemüsereste für spätere Suppen aufbewahren?
  • größere Mengen zubereiten und portionsweise einfrieren?
  • Sonderangebote nutzen ohne Lagermöglichkeit?

Der Zirkelschluss der Bevormundung

Besonders perfide: Politisch und medial wird Bürgergeldempfängern oft mangelnde Kochkompetenz unterstellt. Gleichzeitig werden ihnen die strukturellen Voraussetzungen für effizientes Kochen verweigert.

Dieses widersprüchliche Argumentationsmuster wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Wie soll jemand Kochkompetenzen entwickeln, wenn ihm die dafür notwendige Ausstattung verweigert wird? Während von wohlhabenden Menschen nicht erwartet wird, dass sie kochen können (sie können es sich leisten, essen zu gehen oder Personal zu beschäftigen), werden ärmere Menschen moralisch dafür verurteilt, wenn sie auf Fertiggerichte zurückgreifen müssen.

Die Folgen: Double-Burden und versteckter Hunger

Die Konsequenzen dieser strukturellen Ernährungsarmut sind wissenschaftlich belegt:

  • Double-Burden-Phänomen: Übergewicht bei gleichzeitigem Nährstoffmangel
  • Stunting bei Kindern: Irreparable Wachstumsverzögerungen
  • Kognitive Einschränkungen: 15-mal häufigere Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern aus einkommensschwachen Familien
  • Nachweisbare Veränderungen im Hippocampus

Professor Biesalski berichtete im Bundestagsausschuss für Landwirtschaft: "Kinder aus armen Verhältnissen in Brandenburg werden entgegen dem Trend kleiner. Das nennt man stunting, d.h. eine verringerte Körperlänge im Verhältnis zum Alter. Und stunting ist letztendlich nicht mehr reparabel." Bei Schuleingangsuntersuchungen seien Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern aus armen Verhältnissen 15-mal häufiger als bei Kindern aus wohlhabenden Familien.

Kabisch et al. (2021) kamen in ihrer Studie zum überraschenden Ergebnis, dass in Deutschland keine der untersuchten Ernährungsweisen – selbst die günstigste Alternative (fettarme vegetarische Ernährung) – mit einem Monatsbudget von 150 Euro pro Erwachsenem (ALG II) zu realisieren ist.

Diese biologischen Folgen der Mangelernährung haben nichts mit fehlendem Willen oder mangelnden Kochkenntnissen zu tun. Es sind die direkten Konsequenzen eines Systems, das Menschen strukturell von einer ausgewogenen Ernährung ausschließt.

Die systematische Abwärtsspirale der Berechnungen

Ein besonders aussagekräftiges Beispiel für die systematische Abwärtsspirale der offiziellen Kostenberechnungen zeigt sich im historischen Vergleich:

  • 2008: Ernährungswissenschaftler Mertens & Hoffmann berechneten die Kosten einer gesunden Mischkost für Erwachsene auf etwa 260€ monatlich bzw. 8,60€ täglich
  • 2007: Die Ernährungswissenschaftlerinnen Kersting & Clausen ermittelten, dass selbst bei ausschließlichem Einkauf in Discountern gesunde Kinderernährung mit den Regelsätzen nicht finanzierbar war
  • 2022: Der wissenschaftliche Dienst des Bundestags stellt fest, dass von acht untersuchten Studien und Fachäußerungen sieben übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen, dass die Regelsätze nicht ausreichen
  • 2024: Das aktuelle Budget von 195,39€ monatlich (6,51€ täglich) soll plötzlich ausreichen

Was ist in diesen Jahren passiert? Die Lebensmittelpreise sind um über 40% gestiegen, während die offiziellen Berechnungen zur "gesunden Ernährung" systematisch nach unten korrigiert wurden. Während 2008 noch anerkannt wurde, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung etwa 8,60€ täglich kostet, sollen heute 6,51€ für dieselbe Ernährungsqualität ausreichen - trotz drastischer Preissteigerungen.

Besonders irreführend ist die Argumentation mancher Studien, dass eine gesunde Ernährung möglich sei, wenn man "alles selbst kocht" - vom Brot über Suppen bis zu eingekochtem Obst und Gemüse. Diese Berechnungen ignorieren komplett die energieintensiven Herstellungsprozesse. Wer soll mit dem fixen, unzureichenden Stromkontingent im Regelsatz täglich Brot backen, stundenlang Fonds kochen und regelmäßig Obst und Gemüse einwecken? Hier wird ein romantisiertes Bild der Haushaltsführung gezeichnet, das mit der Realität der Energiekosten und -grenzen nichts zu tun hat.

Diese systematische Reduzierung der anerkannten Bedarfe läuft parallel zur Einführung und Fortentwicklung der Hartz-Reformen und dient letztlich der Rechtfertigung immer knapperer Regelsätze. Ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei zugunsten fiskalischer Interessen ignoriert oder uminterpretiert.

Besonders tragisch ist die Situation für Erwerbsminderungsrentner und Schwerbehinderte, die auf Grundsicherung nach SGB XII angewiesen sind. Während für Bürgergeld-Empfänger zumindest theoretisch die Hoffnung besteht, irgendwann durch Arbeitsaufnahme ihre Situation zu verbessern, haben diese Menschen keinerlei Aussicht auf Veränderung. Sie sind dauerhaft auf einen Regelsatz angewiesen, der nachweislich keine gesunde Ernährung ermöglicht – nicht für ein paar Monate, sondern für den Rest ihres Lebens.

Das System ist nicht darauf ausgelegt, Menschen zu befähigen, sich gesund zu ernähren. Es zwingt sie in eine Ernährungsweise, die langfristig zu genau jenen gesundheitlichen Problemen führt, die später dem individuellen Fehlverhalten zugeschrieben werden.

Solange wir nicht bereit sind, diese Realität anzuerkennen und die strukturellen Ursachen von Ernährungsarmut zu bekämpfen, werden wir weiterhin Millionen Menschen in Deutschland einer vermeidbaren gesundheitlichen Benachteiligung aussetzen – während wir ihnen gleichzeitig die Schuld dafür geben.


Dieser Beitrag basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, gerichtlichen Dokumenten und den realen Erfahrungen von Bürgergeldempfängern. Er soll dazu beitragen, die öffentliche Diskussion über Ernährungsarmut auf eine faktenbasierte Grundlage zu stellen.


Sonntag, 13. April 2025

Die "Rage" der kleinen Arbeitsfrau: Anatomie eines ideologischen Zirkelschlusses

 


Einleitung: Ein Gespräch über systemische Umverteilung

In einer Diskussion auf LinkedIn behauptete eine Nutzerin, sie verstehe "wie dieser Kapitalismus funktioniert" und bezeichnete gleichzeitig das Bürgergeld als "funktionierende soziale Grundversorgung", für die man dankbar sein sollte. Sie argumentierte aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus, dass es mit dem Bürgergeld "möglich sei" zu leben und relativierte systematische Probleme mit dem Hinweis, dass es in "vielen Ländern dieser Welt" noch schlechter sei.

Ihre Haltung ist beispielhaft für einen weit verbreiteten Diskurs, der soziale Spannungen zwischen Geringverdienern und Transferleistungsempfängern schürt, während die wahren Dimensionen der Umverteilung von unten nach oben ausgeblendet werden. Als Antwort auf diese verkürzte Darstellung möchte ich die tatsächlichen Mechanismen der systemischen Umverteilung aufzeigen.

Die wahre Schieflage in Zahlen

Um die Dimensionen klarzumachen, hier nochmals die Verhältnisse im Überblick:

Während wir über die 48 Milliarden Euro für das Bürgergeld erbittert diskutieren, ignorieren wir systematisch:

Die verborgene Zinsbelastung in jedem Produkt

Jeder einzelne Euro in unserem Wirtschaftssystem entsteht ausnahmslos als Schuld. Privatbanken schaffen Geld buchstäblich aus dem Nichts, indem sie Kredite vergeben. Dieses Privileg der privaten Geldschöpfung führt zu einer systematischen Umverteilung durch Zinsen.

Diese Zinskosten werden systematisch entlang der gesamten Produktionskette weitergereicht:

  • Der Rohstofflieferant zahlt Zinsen für seine Anlagen und rechnet sie in seine Preise ein
  • Der Hersteller nimmt Kredite für Maschinen und Betriebsmittel auf und kalkuliert sie in seine Preise
  • Der Transporteur finanziert seine Fahrzeuge auf Kredit und gibt die Kosten weiter
  • Der Handel finanziert Immobilien und Warenlager und preist die Zinsen ein
  • Der Endverbraucher zahlt schließlich die aufaddierten Zinskosten aller Produktionsstufen

Bei einem Konsumvolumen von etwa 2 Billionen Euro jährlich in Deutschland macht allein der Zinsanteil in den Preisen zwischen 30-35% aus - das sind rund 700 Milliarden Euro, die wir alle jedes Jahr zahlen, meist ohne es zu wissen. Diese gigantische Summe fließt zu den Geldgebern und Banken, nicht in produktive Arbeit oder soziale Sicherung.

Während wir über die 38 Milliarden Euro für das Bürgergeld erbittert diskutieren und Transferempfänger als "Sozialschmarotzer" diffamieren, schweigen wir über diesen systematischen Transfer von 700 Milliarden Euro jährlich von der arbeitenden Bevölkerung zu den Geldgebern.

  • 94-121 Milliarden Euro jährliche Verschwendung im Gesundheitssystem durch das Pharmakartell, überteuerte Medikamente und unnötige Behandlungen
  • Rund 100 Milliarden Euro jährlich durch Steuerhinterziehung und -vermeidung
  • Über 500 Milliarden Euro für die Bankenrettung, ohne dass die strukturellen Probleme beseitigt wurden – und als besonderer Treppenwitz der Geschichte: Der Staat lieh sich dieses Geld von eben jenen Banken, die er damit rettete, um es ihnen zurückzugeben, wobei wir Steuerzahler die Schulden plus Zinsen zurückzahlen müssen
  • Die systematische Privatisierung öffentlicher Güter, die zu höheren Kosten bei schlechterer Versorgung führt

Die systematische Ausplünderung des Gesundheitssystems

Ein weiteres Beispiel für massive Umverteilungsströme ist unser Gesundheitssystem. Während wir über die 38 Milliarden Euro für das Bürgergeld erbittert diskutieren, werden jährlich zwischen 94 und 121 Milliarden Euro durch das Pharmakartell, überteuerte Medikamente und unnötige Behandlungen verschwendet.

Die Zahlen im Detail:

  • Überhöhte Kosten bei patentgeschützten Medikamenten: 13,9 Mrd. Euro jährlich
  • Medikamente ohne echten Zusatznutzen: 3,8 Mrd. Euro jährlich
  • Überteuerte Krebsmedikamente: 6,56 Mrd. Euro jährlich
  • Generelle Preisaufschläge: 15,1 Mrd. Euro jährlich
  • Vermeidbare Kosten durch privatisierungsbedingte Mehrkosten, DRG-System, Geräteindustrie, Verwaltung etc.: weitere 50-80 Mrd. Euro

Weitere systematische Vermögenstransfers

Dies sind nur zwei Beispiele für die gigantischen Vermögensverschiebungen, die täglich stattfinden:

  • Rund 100 Milliarden Euro jährlich durch Steuerhinterziehung und -vermeidung
  • Über 500 Milliarden Euro für die Bankenrettung, ohne dass die strukturellen Probleme beseitigt wurden
  • Die systematische Privatisierung öffentlicher Güter, die zu höheren Kosten bei schlechterer Versorgung führt

Die "Dankbarkeit" für Krümel als Systemstabilisator

Angesichts dieser Dimensionen ist es nicht nur ungerecht, sondern geradezu schäbig, Bürgergeldempfängern die Schuld für gesellschaftliche Probleme zuzuschieben und gleichzeitig zu erwarten, dass sie für ihre prekäre Situation auch noch dankbar sein sollen. Diese Erwartungshaltung – "sei froh, dass du überhaupt etwas bekommst" – ist ein perfider Mechanismus zur Systemstabilisierung.

In einem der reichsten Länder der Welt sollte es nicht um "Krankenversicherung, Miete, Essen" und "Boden unter den Füßen" als Maximalziel gehen, während gleichzeitig Banken und Konzerne unvorstellbare Summen abschöpfen.

Die bewusste Förderung sozialer Spannungen: Die Wut richtet sich nach unten

Die "starken sozialen Spannungen", die angeblich aus der "Spannung von Reallöhnen zu Bürgergeld und Steuerlasten" resultieren, werden bewusst gefördert. Die Behauptung, es gehe "mitnichten um Superarm gegen Superreich", ist Teil der Ablenkungsstrategie: Die unteren 90% sollen sich gegenseitig bekämpfen, während die eigentliche Umverteilung ungestört weitergehen kann.

Bezeichnenderweise spricht die Kommentatorin explizit davon, dass ihre "Rage" (ihre eigene Wortwahl!) daher rührt, dass ihr bei Arbeitsaufnahme die Begünstigungen wegfielen. Sie richtet ihren Zorn aber nicht gegen ein System, das Arbeit so gering entlohnt, dass es kaum über dem Existenzminimum liegt, sondern gegen jene, die in der Situation sind, die sie selbst verlassen hat.

Der perfekte Zirkelschluss: Wütend auf die Falschen

Besonders entlarvend ist folgende Aussage dieser LinkedIn-Nutzerin: "Alles in allem: ich kam gut klar, hatte aber später bei meinem 1. Vollzeitjob (40h) nur 170€ netto mehr, weil alle Zahlungen (Miete!) und Befreiungen (GEZ) wegfielen. Daher rührt der Rage."

Diese Behauptung ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern offenbart auch einen perfekten Zirkelschluss: Sie ist wütend ("Rage") darüber, dass sie trotz 40-Stunden-Vollzeitjob angeblich kaum mehr hatte als mit Hartz IV – richtet diese Wut aber nicht gegen die Verursacher dieser Situation (Niedriglohnpolitik, Lohndumping), sondern gegen jene, die noch weiter unten stehen.

Tatsächlich widerlegen konkrete Zahlen ihre Darstellung. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat in seiner Studie "Die Bürgergeld-Reform von 2023" (Link) nachgewiesen, dass der Lohnabstand zwischen Bürgergeld und Mindestlohn bei Singles mindestens 347€ (2021) bzw. 555€ (2025) beträgt – also weit mehr als die behaupteten 170€, selbst wenn man die GEZ-Befreiung berücksichtigt.

Man muss sich die Absurdität dieses Denkens einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da behauptet jemand, mit Hartz IV "gut klarzukommen", verbreitet nachweislich falsche Zahlen zum Lohnabstand und beschwert sich gleichzeitig über die angeblich mickrigen Mehreinnahmen für einen Vollzeitjob. Die große Frage drängt sich auf: Wenn Bürgergeld doch so eine "funktionierende soziale Grundversorgung" ist, mit der man "gut klarkommt" – warum hat sie sich dann die Mühe gemacht, 40 Stunden pro Woche zu arbeiten? Warum hat sie nicht einfach die "soziale Hängematte" gewählt, die sie anderen indirekt vorwirft?

Die Antwort liegt auf der Hand: Weil sie genau weiß, dass ein Leben mit Grundsicherung eben NICHT "gut" ist, sondern ein permanenter Kampf am Existenzminimum. Ihr eigenes Verhalten widerlegt ihre Argumentation – sie selbst hat die "Hängematte" verlassen, obwohl der finanzielle Anreiz ihrer eigenen (falschen) Darstellung nach minimal war. Und jetzt empört sie sich über jene, die genau in der Situation sind, die sie selbst als unerträglich empfunden hat.

Dieses Muster ist bezeichnend für die perfide Wirkung dieses Systems:

  • Die Löhne werden durch die Agenda 2010 und Migration systematisch gedrückt
  • Der tatsächliche Abstand zu Transferleistungen wird durch Falschbehauptungen kleingeredet
  • Die dadurch künstlich verstärkte Wut wird gegen Bürgergeldempfänger kanalisiert
  • Die Betroffenen verteidigen dann ausgerechnet das System, das sie ausbeutet

Die kleine Arbeitsfrau richtet ihre Wut nach unten, statt nach oben zu blicken, wo die eigentlichen Profiteure sitzen. Sie ist selbst Opfer der Politik, die sie verteidigt – ein klassisches Beispiel dafür, wie effektiv die ideologische Konditionierung funktioniert. Der selbst auferlegte Zwang zur Arbeit trotz angeblich minimaler finanzieller Vorteile zeigt, dass sie innerlich genau weiß, wie unzureichend das Bürgergeld tatsächlich ist – und trotzdem verteidigt sie ein System, das diese Unzulänglichkeit zum Programm erhoben hat und durch Falschbehauptungen wie ihre eigene immer wieder neu legitimiert wird.

Agenda 2010 und Migration: Die doppelte Lohndrückungsstrategie

Besonders bezeichnend für die oberflächliche Kenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge ist die historisch falsche Behauptung, dass "Hartz nach dem Platzen der US-amerikanischen Immobilienblase und der Bankenrettung" gekommen sei. Tatsächlich wurden die Agenda 2010 und die Hartz-Reformen bereits 2003-2005 eingeführt, Jahre vor der Immobilienkrise 2007-2008.

Die Agenda 2010 war ein bewusst geplantes politisches Instrument zur Schaffung eines Niedriglohnsektors und zur Schwächung der Verhandlungsposition von Arbeitnehmern – keine Reaktion auf eine spätere Krise. Sie diente der Erzeugung einer "Reservearmee" prekär Beschäftigter, die Lohndruck nach unten erzeugen sollte.

Migration als zweiter Hebel zur Lohndrückung

Parallel dazu wurde ein zweiter Mechanismus zur systematischen Lohnsenkung etabliert: die gezielte Nutzung von Migration als Lohndruckmittel. Wie Werner Rügemer in "Das Imperium EU" detailliert dokumentiert, werden etwa 10 Millionen osteuropäische Arbeitskräfte auf deutschen Baustellen, in der Landwirtschaft, im Hotelgewerbe, in der Pflege und anderen Branchen als Niedriglohnarbeiter eingesetzt.

Der Mechanismus funktioniert perfide: Langjährige und entsprechend besser bezahlte deutsche Pflegekräfte, Bauarbeiter oder Hotelmitarbeiter werden systematisch entlassen und durch günstigere Arbeitskräfte aus Osteuropa ersetzt. Die Folge ist ein doppelter Druck auf den Arbeitsmarkt:

  • Die Agenda 2010 schafft die "Reservearmee" im Inland
  • Die gezielte Steuerung der Migration sorgt für zusätzlichen Lohndruck von außen

Die besondere Perfidie liegt darin, dass die gleichen Kräfte, die für diese Politik verantwortlich sind, anschließend Stimmung gegen  Bürgergeldempfänger machen und sie als "Schmarotzer" und "Parasiten" diffamieren – während der eigentliche Zweck dieser Politik die Senkung der Lohnkosten für Unternehmen ist.

Fazit: Die wahren "Sozialschmarotzer"

Die vermeintliche Kenntnis des Kapitalismus bleibt oberflächlich, solange die fundamentalen Mechanismen der Umverteilung nicht erkannt – oder bewusst ignoriert – werden. Die wahren "Sozialschmarotzer" sitzen nicht beim Jobcenter, sondern in den Vorstandsetagen, Banken und Steueroasen dieser Welt.

Eine tatsächliche Verbesserung der sozialen Lage kann nur durch eine grundlegende Veränderung dieser Umverteilungsmechanismen erreicht werden. Solange wir uns jedoch weiter gegenseitig bekämpfen und Bürgergeldempfänger als Sündenböcke für strukturelle Probleme missbrauchen, bleibt das System der systematischen Umverteilung von unten nach oben unangetastet.

Der "Kochen können"-Mythos: Wenn strukturelle Probleme als Bildungsfrage maskiert werden

Die Behauptung unserer Diskussionspartnerin, dass das Problem eine Frage mangelnder Bildung sei ("Das ist ein elementarer Bildungsfaktor: Kochen zu können. Einkaufen zu können."), ignoriert die tatsächlichen strukturellen Barrieren, die Bürgergeldempfängern im Weg stehen.

Die nackte Realität sieht anders aus:

  • Der aktuelle Bürgergeld-Regelsatz sieht lediglich 195,39€ monatlich für Ernährung vor
  • Das entspricht 6,51€ täglich für Essen UND Getränke
  • Nach Abzug der Kosten für Getränke bleiben nur 5,71€ für drei Mahlzeiten = 1,90€ pro Mahlzeit
  • Mit dem wissenschaftlich anerkannten Schwund von 10-20% bleiben realistisch nur 1,52-1,71€ pro Mahlzeit

Unabhängige Berechnungen zeigen, dass eine Ernährung nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) mindestens 220-380€ monatlich erfordert - weit mehr als der Regelsatz vorsieht. Selbst der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags kam 2022 zu dem Schluss, dass von acht untersuchten Studien sieben übereinstimmend feststellten, dass der Regelsatz nicht ausreicht.

Besonders absurd ist die Vorstellung, dass "richtiges Kochen" die Lösung sei. Die Realität für Bürgergeldempfänger sieht anders aus:

  • Kein Gefrierschrank (gerichtlich als "nicht notwendig" abgelehnt)
  • Unzureichende Stromkontingente für lange Kochzeiten
  • Keine Möglichkeit zur Vorratshaltung in kleinen Wohnungen
  • Kein Budget für hochwertige Grundzutaten

Die irrationale Doppelmoral dieser Argumentation offenbart sich, wenn man den Blick auf die gesellschaftliche Elite richtet: Von wohlhabenden Menschen wird keineswegs erwartet, dass sie selbst kochen können - sie können es sich leisten, essen zu gehen oder Personal zu beschäftigen. Die kulinarischen Fähigkeiten der Oberklasse werden nicht zum moralischen Maßstab ihrer Würdigkeit erhoben.

Tatsächlich ist es gerade die untere soziale Schicht, in der Kochen aus Notwendigkeit eine weit verbreitete Fertigkeit ist. Die Oberschicht lässt kochen und wenn sie selbst kocht, dann als Gourmet-Hobby mit Premium-Zutaten und ohne finanzielle Beschränkungen.

Der Verweis auf mangelnde Kochkompetenz als Ursache für Ernährungsarmut ist nichts anderes als eine Umkehr der tatsächlichen Verhältnisse und eine Verschleierung der strukturellen Probleme. Es ist nicht mangelndes Wissen, sondern mangelndes Geld und fehlende strukturelle Voraussetzungen, die eine gesunde Ernährung im Bürgergeld unmöglich machen.

Die wissenschaftliche Faktenlage: Eine erdrückende Beweislast

Die Behauptung, dass mit dem Bürgergeld-Regelsatz eine gesunde Ernährung möglich sei oder es nur eine Frage von "Bildung" und "Kochkompetenz" wäre, widerspricht der überwältigenden wissenschaftlichen Evidenz. Zahlreiche unabhängige Studien und Gutachten belegen die systematische Unterfinanzierung:

  • Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (2020) stellt eine signifikante Deckungslücke zwischen den Regelsätzen und den tatsächlichen Kosten einer gesundheitsfördernden Ernährung fest.
  • Kersting/Clausen (2007) wiesen nach, dass eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche mit den Regelsätzen nicht finanzierbar ist - selbst beim ausschließlichen Einkauf in Discountern.
  • Biesalski (2018-2021) belegt in mehreren Studien, dass die Kosten für eine DGE-konforme Ernährung die Regelsätze deutlich übersteigen.
  • Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband (2020) quantifizierte die monatliche Deckungslücke je nach Haushaltskonstellation:
    • Bei einer alleinstehenden Frau: etwa 14€
    • Bei einem alleinstehenden Mann: etwa 45€
    • Bei einem Paar mit zwei Kindern: etwa 123€
  • Selbst der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags (2022) kommt in seiner Analyse zu dem Schluss: "Von allen acht eigenständigen empirischen Studien und sonstigen Fachäußerungen, die ausgewertet wurden, kommt nur eine Arbeit zu dem Ergebnis, dass der Betrag ausreicht, und genau diese Arbeit ist extrem umstritten."

Weitere Untersuchungen von Normann (2011), Leclaire et al. (2009), Kuntz et al. (2018), der Böll-Stiftung (2021), Foodwatch (2021), der Verbraucherzentrale (2022) und Hohoff et al. (2022) kommen ausnahmslos zu demselben Ergebnis: Die Regelsätze ermöglichen keine bedarfsgerechte, gesunde Ernährung.

Angesichts dieser erdrückenden wissenschaftlichen Beweislage ist die Behauptung, es handle sich lediglich um ein Bildungsproblem oder eine Frage der Kochkompetenz, nicht nur faktisch falsch, sondern zynisch. Sie dient einzig der moralischen Entlastung jener, die das System der Unterfinanzierung rechtfertigen und stützen wollen.

Das Märchen vom "Vater Staat" und der individuellen Verantwortung

In einer weiteren Antwort offenbart die Diskussionsteilnehmerin noch tiefere Widersprüche:

"Ich stamme aus der Gastarbeiterschicht und benötige weder Aufklärung noch Almosen. Und schon gar keinen 'Vater Staat'. Ich bin erwachsen. Gegen strukturelle Ungerechtigkeit (Kapitalismus, Patriarchat) kann ich außer Revolution nichts unternehmen. [...] BG ist eine Grundsicherung. Es ist gut, dass sie da ist. Besser als nichts. [...] Bildung hilft. Auch bei Umgang mit Geld. Nicht hinreichend, aber tendenziell."

Diese Aussagen sind in mehrfacher Hinsicht entlarvend:

  1. Die Machtlosigkeits-Falle: Sie erkennt strukturelle Ungerechtigkeit an, erklärt sich aber gleichzeitig für machtlos dagegen. Genau diese Haltung der selbst auferlegten Ohnmacht ist das, was das System benötigt, um zu überleben.
  2. Der "Vater Staat"-Widerspruch: Sie lehnt den "Vater Staat" ab, lobt aber gleichzeitig das Bürgergeld als "besser als nichts" – ohne zu erkennen, dass dieses staatliche Umverteilungssystem genau das ist, was sie angeblich ablehnt.
  3. Das "Patriarchat"-Narrativ: Sie spricht von einem "Patriarchat" als struktureller Ungerechtigkeit – während Ursula von der Leyen, Angela Merkel, Annalena Baerbock, Christine Lagarde und zahlreiche andere Frauen in höchsten Machtpositionen sind. Die systemischen Probleme haben offensichtlich andere Ursachen als das Geschlecht der Entscheidungsträger.
  4. Der "Bildung hilft beim Umgang mit Geld"-Mythos: Besonders absurd ist der Verweis auf Bildung für den "Umgang mit Geld" – als ob die systemische Mangelernährung, die Professor Biesalski im Bundestagsausschuss dokumentierte, ein Problem mangelnder Finanzbildung wäre! Als ob die wissenschaftlich nachgewiesene Unmöglichkeit, sich mit dem Bürgergeld-Budget gesund zu ernähren (Kabisch-Studie), durch besseren "Umgang mit Geld" gelöst werden könnte.

Bei einem durchschnittlichen Regelsatz von etwa 500 Euro ist es eine zynische Verhöhnung, den Betroffenen mangelnde Fähigkeiten im "Umgang mit Geld" zu unterstellen. Selbst finanzielle Genies könnten die Mathematik nicht überlisten: Wenn das Geld für eine gesunde Ernährung objektiv nicht ausreicht, kann auch der beste "Umgang mit Geld" dieses Problem nicht lösen.

Diese Argumentation spiegelt perfekt die neoliberale Ideologie wider: Strukturelle Probleme werden zu individuellen Kompetenzdefiziten umdefiniert. Die wissenschaftlich belegte Unmöglichkeit, mit dem Bürgergeld auszukommen, wird ignoriert, stattdessen wird den Betroffenen mangelnde Bildung unterstellt. 

Was tun? Die versäumte Verantwortung der Bildungselite

Die Frage "Was tun?" gegen strukturelle Ungerechtigkeit ist berechtigt – doch die Antwort "nichts außer Revolution" ist eine fatale Kapitulation gerade jener, die tatsächlich etwas bewirken könnten.

Es war die sogenannte Bildungselite – Journalisten, Professoren, Intellektuelle, Politikwissenschaftler –, die der Agenda 2010 den Weg bereitete, indem sie die neoliberale Rhetorik des "Förderns und Forderns" legitimierte und kritische Stimmen marginalisierte. Ohne diese intellektuelle Flankierung wäre das damit einhergehende Unrecht nicht möglich gewesen.

Die bitteren Früchte dieser Politik – Niedriglohnsektor, prekäre Beschäftigung, wachsende Ungleichheit – sind keine Naturkatastrophen, sondern Ergebnisse gezielter politischer Entscheidungen, die von der Bildungselite mitgetragen oder zumindest nicht wirksam bekämpft wurden.

Und genau dieses Muster setzt sich in unserer Diskussion fort: Statt ihre Bildung zu nutzen, um systemische Ungerechtigkeiten zu entlarven, unterstützt unsere Gesprächspartnerin mit ihren Aussagen zur "ausreichenden Grundversorgung" und zum "besseren Umgang mit Geld" genau jene Narrative, die das System am Leben erhalten. Trotz ihres Politikwissenschaftsstudiums, trotz ihrer eigenen negativen Erfahrungen mit dem geringen Lohnabstand, trotz ihres Eingeständnisses struktureller Probleme – am Ende reproduziert sie die gleichen entmenschlichenden Denkmuster, die sie eigentlich durchschauen müsste.

Veränderung beginnt mit Bewusstsein. Die Bildungselite hätte die intellektuellen Werkzeuge, die systematische Umverteilung von unten nach oben zu analysieren, zu benennen und in die öffentliche Debatte zu tragen. Sie könnte ihre privilegierten Zugänge zu Medien, Universitäten und Politik nutzen, um den Finger in die Wunde zu legen.

Stattdessen schweigen viele oder spielen – wie unsere Diskussionspartnerin – die Realität herunter. Jene, die in den sozialen Abgrund gedrängt wurden, haben keine Lobby, keine Fürsprecher und nicht die ökonomischen Mittel, um selbst etwas zu verändern. Sie dienen lediglich als Fußabstreifer für jene, die sich durch Abgrenzung nach unten besser fühlen können.

Der erste Schritt zu echter Veränderung wäre, dass die Bildungselite ihre Mitverantwortung erkennt und ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommt: Aufklärung im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht als herablassende Belehrung über "besseren Umgang mit Geld", sondern als radikale Analyse der Machtstrukturen, die unser aller Leben bestimmen.

Dies würde bedeuten:

  • Die Monopolisierung der Geldschöpfung durch private Banken zu thematisieren
  • Die systematische Ausplünderung unseres Gesundheitssystems aufzuzeigen
  • Die Mechanismen der Niedriglohnpolitik zu entlarven
  • Die mediale Stigmatisierung der Armen zu bekämpfen
  • Die künstliche Spaltung zwischen Geringverdienern und Transferleistungsempfängern zu überwinden

Solange die Bildungselite diese Verantwortung nicht wahrnimmt, bleibt sie Teil des Problems – unabhängig davon, wie viele Abschlüsse sie vorweisen kann.

Nachwort: Zur besonderen Verantwortung der "Bildungselite"

Die besondere Ironie in dieser Diskussion liegt in der Selbstpositionierung der Kommentatorin als Teil der "Bildungselite" mit ihrem expliziten Verweis auf ein abgeschlossenes Politikwissenschaftsstudium. Diese Selbsteinordnung wirft eine fundamentale Frage auf: Was ist eigentlich die Aufgabe jener, die sich zur "Bildungselite" zählen?

Ist es nicht gerade die Verantwortung der Gebildeten, mit jenen Seite an Seite zu kämpfen, die in der medialen Realityshow tagtäglich als "Schmarotzer", "Parasiten" oder "bildungsferne Schicht" vorgeführt werden? Müsste eine wahre Bildungselite nicht gerade die Schwächsten der Gesellschaft schützen, anstatt das Narrativ zu unterstützen, das seit über 20 Jahren in RTL, Sat.1, der Bild-Zeitung und anderen Massenmedien systematisch gezeichnet wird – das Bild vom "bildungsfernen Schmarotzer"?

Wenn selbst aus Politikerkreisen entmenschlichende Aussagen kommen wie jene, dass "Sozialhilfemütter" ihr Geld lieber in "Schnapsläden" tragen als selbstbestimmte Verhütung zu betreiben – wo bleibt da der entschiedene Widerspruch der "Bildungselite"?

Stattdessen unterstützt ein Teil dieser selbsternannten Elite - wie unsere Diskussionspartnerin - genau diese Narrative, indem sie auf "mangelnde Bildung im Umgang mit Geld" verweist und behauptet, der Regelsatz sei "ausreichend". Im gleichen Atemzug erklärt sie dann, man könne "nichts gegen die strukturellen Probleme tun außer Revolution" – und lehnt diese gleichzeitig ab.

Diese Widersprüche sind so exorbitant, dass man sich nur verwundert den Kopf fassen kann. Wo ist denn die kritische Reflexion, die man von "Bildung" erwarten würde? Ist es nicht gerade die Klasse der Gebildeten, der wir den gegenwärtigen gesellschaftlichen Abgrund zu verdanken haben – nicht nur auf sozioökonomischer, sondern auch auf geopolitischer Ebene?

Die wahre Bildung zeigt sich nicht in Titeln und Abschlüssen, sondern in der Fähigkeit, die eigenen Privilegien zu erkennen und die Verantwortung anzunehmen, die daraus erwächst. Eine "Bildungselite", die sich von den strukturellen Problemen distanziert und sie gleichzeitig individualisiert, hat ihren gesellschaftlichen Auftrag grundlegend missverstanden.

Die Ausrede "ich kann nichts tun" ist dabei nichts anderes als die moralische Bankrotterklärung jener, die am ehesten etwas tun könnten – und sollten. 

Weiterführende Analysen zum Thema

Wenn Sie tiefer in die verschiedenen Aspekte der systemischen Umverteilung, die Mechanismen staatlicher Sozialpolitik und die ideologischen Grundlagen unseres Wirtschaftssystems einsteigen möchten, finden Sie in den folgenden Blogbeiträgen weiterführende Analysen und Hintergrundinformationen:

  1. Die Rolle der Finanzeliten und deren Machenschaften
  2. Die organisierte Enteignung: Wie Steuer- und Geldsystem die Vermögensübertragung perfektionieren
  3. Pharma, Privatisierung & Co: 121 Milliarden Euro Verschwendung jährlich
  4. Die dunkle Seite der deutschen Wohlfahrt
  5. Die Agenda 2010 und Hartz IV: Priesterherrschaft in Perfektion
  6. Die Agenda 2010: Ein Werkzeug der ökonomischen Macht
  7. Die große Täuschung: Arbeit, Sozialsystem und die Machtstrukturen unserer Zeit
  8. Die Geschichte wiederholt sich - nur diesmal im Gewand der "sozialen Marktwirtschaft"
  9. Der Sozialstaat als Befriedungsverbrecher
  10. Offener Brief an die "Generation Doof": Euer Hass auf Bürgergeld-Empfänger ist nicht nur dumm, sondern entlarvend!
  11. Wenn Politiker mit falschen Steuerzahlen Stimmung machen  
  12. Die organisierte Menschenverachtung - Wie unser System Arbeitslose systematisch vernichtet
  13. Die Mindestlohn-Lüge: Warum das Niedriglohn-Argument wirtschaftlich unsinnig ist
  14. Der programmierte Kollaps: KI, Niedriglöhne und das Ende der Gesellschaft wie wir sie kennen
  15. Die Illusion der Selbsthilfe: Eine kritische Analyse von Armut und struktureller Abhängigkeit
  16. Arbeitsmarktintegration von Kriegsflüchtlingen: Eine pervertierte Humanität 
  17. Die Mär vom Fachkräftemangel - Eine politische Täuschung
  18. Die menschenverachtende Fratze der Ökonomie: Eine Anatomie der akademischen Grausamkeit
  19. Der große Betrug: Warum uns die "Rente mit 85" den wahren Charakter des Systems zeigt
  20. Der Mythos der Leistungsträger - Eine Analyse typischer Denkfehler
  21. Sozialismus für die Elite - Kapitalismus für den Rest: Die Wahrheit über unsere "Leistungsträger"
  22. Cicero-Autor Jan Schoenmakers: Wenn Statistik zur Waffe gegen Arme wird
  23. Die systematische Entwertung Ihrer Arbeitsleistung durch das Geldsystem
  24. Die dreiste Bankenrettung: Wie wir zweimal abgezockt werden
  25. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit: Ein Trojanisches Pferd der Herrschaft
  26. Die Arbeit tun die anderen: Über den Klassenkampf und die Priesterherrschaft der Intellektuellen
  27. Zur Aktualität von Helmut Schelsky: Ein Prophet unserer Zeit
  28. Subventions-Paradox: Wie Arbeiter ihren eigenen Job finanzieren
  29. Von Suttons Analyse des Korporativen Sozialismus zur brutalen Realität in Deutschland
  30. Schockierend: So ungleich behandelt der Staat seine Geldempfänger!
  31. Die große Erwerbsarbeits-Illusion: Wie der Kapitalismus uns in den Wahnsinn treibt
  32. Die große Täuschung: Arbeit, Sozialsystem und die Machtstrukturen unserer Zeit
  33. Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Sozialleistungen und ihre ökonomischen Auswirkungen
  34. Beamte vs. Arbeitnehmer: Eine Zahlenanalyse der Privilegien im öffentlichen Dienst
  35. 48 Milliarden für Bürgergeld, aber 600 Milliarden für Banken: Wo ist die Gerechtigkeit?
  36. Steuereinnahmen des Staates und Sozialleistungen: Die Debatte um 28,674 Milliarden Euro
  37. Das Bürgergeld ist im Visier
  38. Lohnt es sich noch arbeiten zu gehen? Ein genauer Blick auf die Daten zeigt: Die Löhne sind seit 2021 stärker gestiegen als das Bürgergeld, der Lohnabstand ist gewachsen. Also: Ja, es lohnt sich!
  39. DIE GROSSE ABLENKUNG: Während wir auf "Sozialschmarotzer" einprügeln, lachen sich die wahren Betrüger ins Fäustchen 
  40. Gemeinsame Stellungnahme der Einzelsachverständigen Prof. Ulrike Arens-Azevedo
    Prof. (em.) Dr. Hans-Konrad Biesalski
  41. Wortprotokoll
    der 32. Sitzung
    Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft
    Berlin, den 24. Juni 2019, 12:30 Uhr
    Berlin, Konrad-Adenauer-Str. 1, Paul-Löbe-Haus
    Sitzungssaal: E.400
     
  42. Kinderarmut,Ernährung und Entwicklung in Deutschland: Eine Analyse im Kontextder Aussagen von Prof. Dr. Biesalski
Diese Beiträge bieten einen tieferen Einblick in die verschiedenen Facetten der strukturellen Umverteilung und die ideologischen Mechanismen, die dazu dienen, die wahren wirtschaftlichen Machtverhältnisse zu verschleiern. Sie zeigen detailliert auf, wie die vermeintliche "Eigenverantwortung" als Deckmantel für ein System dient, das systematisch Vermögen von unten nach oben umverteilt.

Montag, 7. April 2025

DIE GROSSE ABLENKUNG: Während wir auf "Sozialschmarotzer" einprügeln, lachen sich die wahren Betrüger ins Fäustchen

 


Die Realität hinter der Kulisse

Es ist zum Kotzen. Da sitzt der deutsche Michel vor seinem Fernseher, regt sich über "Hartzer" auf und glaubt allen Ernstes, dass diese Menschen mit ihren mickrigen 563 Euro im Monat das größte Problem unseres Landes sind. LÄCHERLICH!

Während wir auf die Schwächsten unserer Gesellschaft einprügeln, lachen sich die wahren Abzocker ins Fäustchen. Milliarden verschwinden in Steueroasen, Konzerne betrügen den Staat nach Strich und Faden, und der Durchschnittsbürger schaut wie hypnotisiert auf den angeblichen "Sozialbetrug" – eine Farce, die bewusst inszeniert wird, um uns von den wahren Skandalen abzulenken!

Das Schweigen zu den ECHTEN Verbrechern

WACH AUF, DEUTSCHLAND! Während du dich über den arbeitslosen Nachbarn aufregst, haben wir die größte organisierte Betrugsmaschine der Geschichte am Laufen: Ein Baugewerbe, das systematisch ausländische Arbeiter ausbeutet und Sozialbeiträge hinterzieht!

Das Hessische Landessozialgericht hat es gerade erst aufgedeckt: Baufirmen im Rhein-Main-Gebiet beschäftigen massenhaft Ausländer mit geringen Deutschkenntnissen, zahlen ihnen Hungerlöhne zwischen 10 und 15 Euro pro Stunde und deklarieren sie als "selbstständige Unternehmer". Ein dreister Betrug am Sozialsystem, der in die MILLIONEN geht!

Der wahre Schwindel in Zahlen

Lass dir das auf der Zunge zergehen:

  • Steuerhinterziehung in Deutschland: ÜBER 100 MILLIARDEN EURO JÄHRLICH!
  • Cum-Ex-Betrug: 30+ MILLIARDEN aus unseren Taschen geklaut!
  • Panama Papers: BILLIONEN an verborgenem Vermögen!

Und währenddessen zerreißen wir uns das Maul über eine alleinerziehende Mutter, die vielleicht 50 Euro nicht angegeben hat? SIND WIR KOMPLETT WAHNSINNIG GEWORDEN?

Das Überwachungsparadox: Totalkontrolle für die Schwachen, Freiheit für die Starken

Und was macht die Öffentlichkeit? NICHTS! Keine empörten Stammtische, keine wütenden Facebook-Kommentare, keine Talkshows zum Thema "Sind unsere Bauunternehmer kriminell?". Plötzlich ist allen die Spucke weggeblieben. Die gleichen Leute, die bei einer 10-Euro-Erhöhung des Regelsatzes "DAS ENDE DEUTSCHLANDS" heraufbeschwören, schweigen, wenn Unternehmen MILLIONEN an Sozialabgaben hinterziehen!

Die perverse Doppelmoral wird noch deutlicher, wenn man sich die ZAHLEN ansieht:

110.000 MITARBEITER beschäftigt die Bundesagentur für Arbeit mit ihren angegliederten Jobcentern - um 5 Millionen Menschen im Grundsicherungsbezug zu ÜBERWACHEN! Das bedeutet: Auf jeden 45. Arbeitslosen kommt EIN KONTROLLEUR!

Die Bundesagentur für Arbeit mit ihren110.000 Mitarbeiter, die aus volkswirtschaftlicher Sicht eigentlich auch als arbeitslos betrachtet werden könnten, da sie nichts zur direkten Bedürfnisbefriedigung der Gesellschaft beitragen, sondern hauptsächlich damit beschäftigt sind, Druck- und Überwachungsmechanismen für die etwa 5 Millionen "Kunden" zu entwickeln und umzusetzen. Gleichzeitig werden viele tatsächlich Arbeitslose in sinnlosen Maßnahmen geparkt, die weder ihre Beschäftigungschancen verbessern noch einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen.

Und zum Vergleich: Ganz Deutschland mit seinen 84 Millionen Einwohnern wird von etwa 250.000 Polizisten geschützt. Und für die Verfolgung von MILLIARDENSCHWERER Steuerhinterziehung? Eine lächerlich kleine Zahl von Steuerfahndern, die nicht einmal ansatzweise an die Überwachungsdichte bei Arbeitslosen heranreicht!

Diese institutionalisierte Unverhältnismäßigkeit wird noch drastischer, wenn man die EXTREME ÜBERWACHUNG betrachtet, der Bürgergeld-Empfänger ausgesetzt sind:

  • Sie müssen JEDEN PRIVATESTEN KONTOAUSZUG offenlegen – während Großkonzerne ihre Milliardengewinne über komplexe Steuerkonstrukte verschieben
  • Jobcenter-Mitarbeiter klingeln UNANGEMELDET an der Haustür, durchsuchen Schlafzimmer, zählen Zahnbürsten(!) – während Baufirmen jahrelang ohne jede Kontrolle Scheinselbstständige beschäftigen können
  • Bei "Verdacht" auf Schwarzarbeit werden Sozialdetektive eingesetzt, die Menschen heimlich fotografieren und verfolgen – wo sind die Detektive für Steuerhinterzieher und Sozialbeitragsbetrüger?
  • Bürgergeld-Empfänger müssen jede Änderung ihres Lebens SOFORT melden oder riskieren STRAFRECHTLICHE Konsequenzen – während Milliardenbetrüger mit Bewährungsstrafen davonkommen

Wo sind die Forderungen nach elektronischen Fußfesseln für Steuerbetrüger? Wo die Rufe nach Hausbesuchen bei Unternehmern? Wo die lückenlose Überwachung von Kapitalerträgen?

Die gleichen Menschen, die für Erwerbslose ein System der TOTALEN TRANSPARENZ und KONTROLLE fordern, zucken plötzlich mit den Schultern, wenn es um Wirtschaftskriminalität in MILLIARDENHÖHE geht. Diese Heuchelei ist so durchsichtig, dass es zum Himmel schreit!

DIE BRUTALE WAHRHEIT: STAATLICH VERORDNETE MANGELERNÄHRUNG

Hör dir diese widerliche Herablassung an: "Die können halt nicht kochen!" - "Denen fehlt die Bildung!" - "Die sind einfach zu faul zum Haushalten!" Mit diesem arroganten Geschwätz werden täglich Menschen im Bürgergeld-Bezug verunglimpft. Die privilegierten Besserwisser spucken von oben herab auf Menschen, deren Lebensrealität sie nicht im Ansatz verstehen.

Prof. Dr. med. Hans-Konrad Biesalski, einer der führenden Ernährungswissenschaftler Deutschlands, hat es in seinem Gutachten für den Agrarausschuss des Bundestages KRISTALLKLAR belegt:

Mit dem aktuellen Regelsatz ist eine gesunde Ernährung MATHEMATISCH UNMÖGLICH!

Die wissenschaftlich nachgewiesenen Folgen sind VERHEEREND:

  • In Brandenburg haben 250.000 Kinder aus armen Verhältnissen eine ABNEHMENDE KÖRPERGRÖSSE im Vergleich zum Trend. Das ist kein Zufall – das ist systematische WACHSTUMSHEMMUNG durch staatlich verordnete Mangelernährung!
  • Sprachentwicklungsstörungen sind bei diesen Kindern 15-MAL HÄUFIGER als bei Kindern aus wohlhabenden Verhältnissen. 15-MAL! Warum? Weil ihr Hippocampus – ein entscheidendes Hirnareal für Lernen und Gedächtnis – durch MANGELERNÄHRUNG GESCHÄDIGT wird!
  • Übergewicht tritt bei Kindern in Armut DREI- BIS FÜNFMAL häufiger auf, paradoxerweise GLEICHZEITIG mit massivem Nährstoffmangel – das sogenannte "double burden"-Problem. Warum? Weil billige Lebensmittel mit viel Energie und wenig Nährstoffen die einzigen sind, die sich diese Familien LEISTEN KÖNNEN!

Und jetzt kommt's: Wenn eine verzweifelte Mutter 50 Euro nicht angibt, die sie schwarz putzen geht, um ihrem Kind wenigstens EINMAL IM MONAT frisches Obst oder neue Schuhe kaufen zu können, wird sie als SOZIALBETRÜGERIN gebrandmarkt! Die gleichen Leute, die bei Milliardenbetrügern von "Kavaliersdelikten" sprechen, fordern bei solchen "Vergehen" die volle Härte des Gesetzes!

NEIN, es ist KEIN MANGEL AN KOCHKÜNSTEN! NEIN, es ist KEINE BILDUNGSFERNE! Es ist die nackte, mathematische UNMÖGLICHKEIT, mit dem zugestandenen Geld eine ausreichende Ernährung sicherzustellen!

Wer das bestreitet, leugnet WISSENSCHAFTLICHE FAKTEN, die vor dem Deutschen Bundestag präsentiert wurden! Die Kinder in Bürgergeld-Familien erleiden IRREPARABLE HIRNSCHÄDEN durch systematische Unterversorgung – in einem der reichsten Länder der Welt!

Die entlarvende Heuchelei: Dieselben Menschen, die bei jeder Gelegenheit "Eigenverantwortung" und "gesunde Ernährung" predigen, verweigern Millionen von Bürgern die finanziellen Mittel, um sich überhaupt gesund ernähren zu KÖNNEN! Und wenn diese Menschen in ihrer Not nach Auswegen suchen, werden sie kriminalisiert!

Warum wir nach unten treten – Die Psychologie der Dummheit

Warum funktioniert diese Gehirnwäsche so perfekt? Weil es verdammt bequem ist, auf jene einzudreschen, die sich nicht wehren können!

Der Bürgergeld-Empfänger hat keine PR-Abteilung, keinen Lobbyisten im Bundestag, keine Anwaltskanzlei, die Abmahnungen verschickt. Er ist das perfekte Opfer für den gesellschaftlichen Frust – wehrlos, machtlos, isoliert.

Und vor allem: Es fühlt sich so VERDAMMT GUT an, jemanden zu haben, auf den man herabschauen kann! "Ich mag zwar einen beschissenen Job haben, aber wenigstens bin ich kein HARTZER!" – Der letzte Trost für eine Bevölkerung, die selbst am Rande des Abgrunds taumelt.

Die entmenschlichende Sprache der Hetze

"Hartzer", "Sozialhilfemütter", "Schmarotzer" – hörst du dir eigentlich selbst zu? Diese Sprache ist nicht zufällig entstanden. Sie ist Teil einer systematischen Kampagne, um Menschen zu ENTMENSCHLICHEN.

Wenn aus Maria, der alleinerziehenden Krankenschwester, die nach einem Burnout ihren Job verlor, eine "Sozialhilfemutter" wird, ist sie kein Mensch mehr mit einer Geschichte – sie ist eine KATEGORIE, ein OBJEKT des Hasses.

Und wenn ein Politiker fordert, Arbeitslose sollten "wenigstens Ratten fangen" oder "der Unterschicht den Hahn abdrehen" – dann ist das keine "überspitzte Formulierung", sondern FASCHISTISCHE RHETORIK in Reinform!

Die wahren Parasiten unserer Gesellschaft

Während dem Bürgergeld-Empfänger jeder Euro unter die Nase gerieben wird, passiert Folgendes VOR UNSEREN AUGEN:

  • Manager kassieren MILLIONENBONI trotz Firmenpleiten
  • Konzerne streichen TAUSENDE ARBEITSPLÄTZE trotz REKORDGEWINNEN
  • Unternehmen kassierten Corona-Hilfen und schütteten DIVIDENDEN aus
  • Baufirmen betreiben SYSTEMATISCHEN SOZIALBETRUG mit Scheinselbstständigen

Und für all das haben wir keine Wut, keine Empörung, keine zornigen Facebook-Kommentare übrig? IST DAS EUER ERNST?

Die hässliche Wahrheit: Wir sind ALLE Opfer

Die bittere Erkenntnis: Die meisten "Normalbürger", die auf Bürgergeld-Empfänger einprügeln, sind selbst nur eine Kündigung, eine Scheidung oder eine Krankheit vom Absturz entfernt. Sie treten nach unten aus ANGST, weil sie ahnen, wie nah sie selbst am Abgrund stehen.

Der Mindestlohnarbeiter, der den Arbeitslosen verachtet, der prekäre Selbstständige, der über "Sozialschmarotzer" herzieht – sie alle sind Opfer desselben Systems, das sie gegeneinander ausspielt, während die wirklichen Gewinner dieses perversen Spiels in ihren Villen sitzen und sich ins Fäustchen lachen.

WACH AUF! Blick nach oben richten!

Es ist Zeit, den Blick nach OBEN zu richten – dorthin, wo die tatsächliche wirtschaftliche Macht liegt! Die nächste Steuererhöhung wird nicht wegen der "gierigen Arbeitslosen" kommen, sondern weil Milliarden in dunklen Kanälen verschwinden!

Die nächste Kürzung deiner Rente wird nicht wegen der "teuren Sozialhilfe" passieren, sondern weil das System darauf ausgelegt ist, von unten nach oben umzuverteilen!

Das Urteil des Hessischen Landessozialgerichts gegen die Baufirmen zeigt es schwarz auf weiß: Der eigentliche Sozialschmarotzer sitzt nicht im vermeintlich "faulen Arbeitslosen" – er sitzt in Vorstandsetagen und Geschäftsführerbüros, wo systematisch MILLIONEN am Fiskus vorbeigeschleust werden!

Der Aufschrei, der überfällig ist

Es ist Zeit für Wut. Für echte, ehrliche, gerechte Wut. Nicht gegen die Schwächsten, sondern gegen jene, die dieses perverse System am Laufen halten.

Beim nächsten Mal, wenn du in den sozialen Medien einen Kommentar über "faule Arbeitslose" liest, frag den Schreiber:

  • Was sagst du zu den Cum-Ex-Milliarden?
  • Was meinst du zur systematischen Scheinselbstständigkeit im Baugewerbe?
  • Warum regst du dich über 563 Euro Regelsatz auf, aber nicht über Millionenboni für gescheiterte Manager?

Es ist Zeit, den Blick nach oben zu richten und die wahren Strukturen der Macht zu erkennen. Es ist Zeit, die Ablenkungsmanöver zu durchschauen und zu verstehen, dass der eigentliche Kampf nicht zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen stattfindet – sondern zwischen denen, die arbeiten müssen, um zu überleben, und jenen, die vom System profitieren.

SCHLUSS MIT DEM NACH-UNTEN-TRETEN. BLICK NACH OBEN RICHTEN! 

 

Samstag, 5. April 2025

Die systematische Entmenschlichung: Wie in Deutschland gegen Arbeitslose gehetzt wird

Die organisierte Menschenverachtung: Wie Deutschland seine Ärmsten systematisch entrechtet

In Deutschland 2025 wird Arbeitslosigkeit nicht als strukturelles Problem behandelt, sondern als persönliches Versagen bestraft. Die staatlich geduldete Entmenschlichung von Millionen Bürgergeld-Empfängern ist kein Zufall – sie ist Programm. Von der Nazi-Bezeichnung "arbeitsscheu" zum modernen "Hartzer", von Zwangsarbeit zur Leiharbeit, von der "Volksgemeinschaft" zur "Leistungsgesellschaft": Die Methoden haben sich verfeinert, die Verachtung ist geblieben. Dieser Beitrag entlarvt die systematische Hetze, die historischen Kontinuitäten und die ökonomischen Interessen, die hinter der größten sozialen Apartheid seit Jahrzehnten stehen.